Tiere

Ich war ganz erstaunt, als ich eine Ameisenstraße an meinem Balkongeländer entdeckte.

Wo wollen die denn hin? Und das an so heißem Eisengeländer.

Noch erstaunter war ich, als ich entdeckte, dass ihr Weg in meinen Blumenkasten führte. Was gibt es denn da, was es nicht auch da unten am Boden, bei all dem Rasen und Büschen und Bäumen geben würde.

Ich fand nur Blattläuse. So ein weiter Weg, sogar an Häusern hoch, für Blattläuse?

Über das Treiben in der Wurmkiste hab ich mich stattdessen sehr gefreut, nachdem da einige Zeit Stillstand war.

Nun steht die Kiste im Bad, wo es kühler ist und die Gemeinschaft wurde um 60 Würmer aufgestockt. Das war wohl ne gute Idee.

Erstaunt und auch verärgert war über 7 Mückenstiche in die Fußsohle. Da hat wohl jemand das Stechen erst noch üben müssen.

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Ich wohne hier so gerne

Wo riesige Bäume mitten auf dem Weg stehen.

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Tiere hautnah zu erleben sind.

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Das Grün die Gehwege einnimmt.

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Das ist mitten in der Großstadt.

Ich bin so dankbar, dass ich 2009 hier in diesem Bezirk eine Wohnung gefunden habe.

Ich atme jedesmal, wenn ich die Bahnhofstür nach draußen durchschritten habe, tief ein, weil hier viel bessere Luft ist, die wunderbar nach Grün riecht.

Nach Terminen und Ausflügen, wenn ich in ‚meinen‘ Bezirk zurückkehre, gibt es wie eine Art unsichtbare Grenze, wo mein Körper anfängt sich spürbar zu entspannen, erleichtert aufzuatmen. Endlich Zuhause!

Es hat lange gedauert. Erst ca. 5-6 Jahre nach Herzug, stellten sich Heimatgefühle ein. Das war für mich das erste Mal in meinem Leben, dass ich so etwas empfand.

Ein schönes Gefühl.

Auch wenn die Infrastruktur hier sehr verschlafen ist und es einige volle, laute Straßen gibt (eine direkt an meinem Schlafzimmer vorbei), verliebe ich mich immer wieder neu in diesen Wohnbezirk.

Und ein kleiner Stadtwald gleich um die Ecke. Toller kann es doch gar nicht sein!

Schwellenangst

Ständige Angst im Hirn ist eine echte Herausforderung zeitlich, räumlich, ressourcentechnich orientiert zu bleiben und durch den Tag zu finden. Ich benötige derzeit viel Hilfe von außen.

Ich sitze im Moment im Wald, an eine Buche gelehnt und bin hier und doch nicht hier.

Die Panikattacken haben so zugenommen, dass ich für eine Woche auf der Krisenstation war, um das abgesetzte Paroxetin wieder anzusetzen und die anfängliche Verstärkung der depressiven Symptomatik aufzufangen.

Die Panik ist immer noch da. Sind doch auch die Gründe dafür immer noch da.

Dafür spüre ich sie etwas weniger intensiv im Körper und ich glaube, das ist gut.

Ich vermute immer noch, dass sich etwas Größeres in meiner Persönlichkeit umbaut und diese Panik eine Art Schwellenangst ist.

Ich denke weiterhin, dass sie sich aus mehrschichtigen Ursachen zusammensetzt.

(Gerade nehme ich war, wie sachlich ich darüber schreibe. Diesen sachlichen Blick habe ich im Moment nicht oft im Paniktunnelblick)

Insgesamt hat es etwas mit ‚mehr ich selbst sein‘ zu tun. Auch mit ‚Position beziehen‘, ‚mich abgrenzen‘.

Auf Station habe ich diese Veränderung deutlich wahrgenommen, im Vergleich zum letzten Aufenthalt vor ca. 6 Monaten.

Mein Körper, mein Verstand oder Eckhard Tolle würde sagen, mein Schmerzkörper reagiert auf dieses neue Verhalten mit Panik-/Schockreaktionen und beballert mich mit Gedanken/Gefühlen falsch zu sein, falsch reagiert zu haben oder/und nicht mehr leben zu wollen/zu können.

Es geht so richtig die Post ab. Wahnsinn taucht auf.

Schwer für mich da zu spüren, dass da was Gutes passiert.

Schwer zu vertrauen, dass die Angst auch mal ein Ende findet.

Und schwer für mich, dieses neue Verhalten immer mal wieder zuzulassen.

Ich stelle mich auf ne längere Phase ein, in der das so sein wird und übe weiter mir die Unterstützung zu holen die ich brauche.

Für heute Halt gefunden

Mit einem Anruf beim Krisendienst.

Jemand hat mal meine Verzweiflung ausgehalten, sie zugelassen. Es tat gut sie herauszuschluchzen, dass ich mir den Arsch aufreiße und nichts zu helfen scheint.

Es tat gut eine Stimme zu hören, zu fühlen, ich bin nicht mehr alleine damit und zu wissen, diese Frau sitzt da heute bis in die Nacht und ich kann sie wieder erreichen.

no end

Es bleibt eine heftige Zeit. Ich komme hier kaum noch zum Lesen anderer Beiträge.

Wieder hörte ich, dass es für viele eine heftige Zeit ist.

Keine Ahnung, ob es das wirklich gibt. Phasen in denen energetisch, weltweit mehr los ist und die Sensiblen dann mehr geplagt sind.

Ich weiß es nicht.

Ich hatte das Gefühl, alle Türen ins Unbewusste sind offen bei mir und irgendetwas bricht meinen Verstand. Jeden Tag gibt es Momente, in denen eine Art Wahnsinn, Irrsinn in meinem Kopf ist. Kein Denken mehr. Nur eine Art verrücktes Schreien. Ein Durchdrehen.

Einige Tage war das extrem. Und ich konnte kaum sprechen. Hatte das Gefühl etwas stirbt in mir.

Ich sah mich schon auf der Akutpsychiatrie. Dann ging es vorbei, als ich ein physisches Sterben im Herzen durchlebte.

Trotzdem läuft hier noch was Größeres und ich kann es nicht mehr greifen.

Meine Zuversicht bröckelt. Die ‚was habe ich geschafft – Liste‘ wird immer mürrischer und mit Widerstand ausgefüllt.

Es ist zu lange zu schwer.

Um mich herum auch zu viele zwischenmenschliche Konflikte und Herausforderungen.

Der Mensch braucht Kraftquellen, positive Erlebnisse die er spüren kann und Halt.

Ich suche nach etwas, für was das alles gut sein könnte.

Irgendetwas muss doch dabei herauskommen.

Und trotzdem ändert sich was

Ich sitze hier, in einem seelischen Ausnahmezustand, der schon eine ganze Weile anhält und denke darüber nach, wie viel doch auch besser geworden ist.

Eine Seite lacht dabei irre in mir auf, ist es für sie doch inakzeptabel, dass ich mich wieder in einer seelischen Not befinde, in einer schweren Krise. Das ist doch so gar nicht besser geworden und alles andere zählt anscheinend nicht.

Trotzdem denke ich darüber nach, wie vieles doch besser geworden ist.

Ich habe Lebensmittel im Haus, weil ich trotzdem noch in der Lage war den Lieferservice in Anspruch zu nehmen.

Ich erlaube mir auch, weiterhin die Haushaltshilfe zu nutzen.

Die Selbsthass-Spirale kann ich seit Tagen und Tagen immer wieder mit Selbstfürsorge, Mitgefühl und Verständnis auffangen. Sogar für das selbstschädigende Verhalten, dass sich nach zwei Jahren doch wieder seinen Ausdruck gesucht hat, konnte ich im Anschluss da sein und weiteres Schuld-/Schamdenken auffangen.

Ich finde immer wieder Momente der Ruhe und des Klarsehens darüber was hier eigentlich los ist.

Ich finde durch den Tag, orientiere mich Schritt für Schritt.

Ich finde immer wieder Momente des Loslassens von akuter Anspannung, von Angst, Panik und Dauersorgen. Loslassen meint hier Zulassen, immer wieder ein JA finden zu dem was gerade ist.

Und das wesentlichste! Ich finde immer wieder Halt in etwas Größerem, Vertrauen darin, dass es mich hindurch trägt durch jeden Moment, wie traurig, gewalttätig, leer, haltlos, verzweifelt, aufgegeben er auch sein mag.

Das alles führt dazu, das ich hier in meiner Wohnung sitze und nicht auf der Krisenstation bin! Was wiederum dazu führt, dass ich mehr Ruhe und Zeit für mich habe und weniger heftigen Zusatzstress.

Und da sag mal einer, es hat sich so gar nichts verändert!

Was habe ich heute geschafft

Die Idee kam mir, weil ich innerlich nicht halten konnte, dass es auch gute Dinge am Tag gab.

Ich habe mich zwar bewusst erinnern können, wenn ich einmal am Tag meine kleine Dankbarkeits-Meditation machte. Doch vorher und danach war alle Erinnerung wieder weg.

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Ich schreibe besonders klein, weils nicht darum geht, inhaltlich nachzulesen, sondern es wirkt eher, dass da was steht, an jedem Tag. Auch sind es nicht nur Erledigungen, sogar weniger das. Oft sowas, wo ich mutig war oder schweres ausgehalten habe oder mir Selbstfürsorge gelungen ist. Und weil mich alles Bunte fröhlich stimmt, schreib ich in bunt.

Das funktioniert wirklich gut. Der Zettel liegt sichtbar im Wohnzimmer. Ich sehe täglich die bunten Einträge und bekomme dabei ein Gefühl von, ‚Ja, ich habe heute auch was geschafft. Und ich schaffe jeden Tag etwas, egal wie scheiße es war‘. Und zusätzlich erfreue ich mich an den Farben. 🙂

Ohne diesen Zettel, sähe es viel, viel, viel dunkler in mir aus.