Etwas gehen lassen, um etwas zu bekommen

Oh Herr, ich gebe dir die Zügel in die Hand, auch wenn es schmerzt loszulassen.

Zeige mir den rechten Weg, mit dem es mir gut gehen kann, auch wenn es erstmal bedeutet, etwas scheinbar zu verlieren.

Am Ende gewinne ich doch.

Was bringt mir ein Ungleichgewicht, unter dem ich leide.

Ich bin bereit meinen Willen loszulassen und alles zu tun, damit es mir gut gehen kann. Ich erlaube den Schmerz und die Tränen, die dieses Loslassen mit sich bringen.

Ich kann nicht alles machen, auch wenn Jedes für sich gut ist.

Das ist die Erkenntnis nach Cranio-Sitzung gestern.

Mir fehlt dann die Kraft, um noch Gutes zu tun und zu fühlen und damit wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

So wie schon letztes Jahr, gleichzeitig Therapie und Training in der Holzwerkstatt in einer Woche zu viel war, so ist auch jetzt Ergo-Körperarbeit und Therapiesuche in einer Woche zu viel.

Ich bekomme dann nicht mehr alles unter einen Hut – aufkommende Gefühle, deren Ausdruck, Verarbeitung und Versorgung, Ausruhen, positive Dinge tun, Sport und Pflichten des Alltags, wie Haushalt, Einkauf und Essen.

Hinderlich war die Aussage „sie schaffen das schon“, als ich Bedenken bezüglich der Therapiesuche äußerte. Gehört habe ich „ich muss das schaffen“.

Genau so habe ich mich verhalten. Ich muss das schaffen. Es darf mir jetzt nicht schlecht gehen. Antreiben.

Ergebnis

Ein herausfordernder Termin pro Woche ist gut machbar.

Alles weitere bringt mich an Leistungsgrenzen und verstärkt depressive und destruktive Zustände.

D.h. für nächste Woche, dass ich für den ersten Termin – Ausflug zu einem Pferdehof – um Unterstützung bitten darf („darf ich mich etwas hinter Ihnen verstecken und Sie übernehmen die Führung?“ – oh fällt mir das schwer, dass zu zeigen),

damit ich dann für den zweiten Termin – therapeutisches Abklärungsgespräch über die Sprechstunde der KV – noch genügend Kraft habe.

Es fühlt sich gut an, wieder Orientierung in dem zu haben was ich brauche!

Advertisements

Heute darf ich

Ich darf aufhören zu funktionieren.

Ich darf die Staubflusen auf dem Boden liegen lassen.

Ich darf die Staubschicht auf den Möbeln akzeptieren.

Ich darf zulassen, dass die Toilette seit über einem Monat ungeputzt ist und die Wäsche sich stapelt.

Ich darf das heute nicht schaffen.

Heute darf das alles so sein.

Ich darf müde sein und alles liegen lassen.

Ich darf liegen bleiben und nichts tun, was sich nicht gut anfühlt.

Ich darf alles tun, was meine Seele streichelt,

auch wenn es anscheinend nur ganz wenig gibt.

Ein heißer Kakao darf zum zentralen Punkt werden.

Alle Verpflichtungen liegen lassen und scheinbar Sinnloses tun.

Ich darf Kontakte pflegen und dabei die Zeit vertrödeln.

Alle Ziele beiseite packen und ziellos werden.

Ziellosigkeit zulassen.

Zeitlos werden.

Treiben und ausruhen,

anstatt antreiben.

Cranio-Sacral-Sitzung

Was für eine Cranio-Sacral-Sitzung heute.

Wir haben uns das Ankommens-Gespräch gleich gespart, weil ich sofort anfangen musste zu weinen, mit den ständigen Worten in meinem Kopf „es ist zu viel“, „ich will sterben“.

Ich war vor 3 Monaten das letzte Mal bei ihr.

Noch neben der Liege sitzend, legte ich meinen Kopf auf die Liege, die Arme darum, um die Tränen zu verbergen.

U. setze sich dazu und legte behutsam ihre Hand auf meinen Rücken.

Aber erst als ich dann auf der Liege lag, konnte ich mich ganz abgeben und reden und fühlen, was da an großer Last in mir war. So hab ich ne dreiviertel Stunde geheult und gerotzt und gezetert, war verzweifelt, überfordert, traurig, wütend und voller Angst. Hab nen Kissen durch den Raum geworfen, mich gehasst und mich geliebt.

Und wenn U. mal ihre Hände von meinem Rücken nahm, kam ganz schnell „kannst du da bleiben?“.

So raus lassen geht nur bei U. und geht nur, wenn ich berührt werde.

Die ganzen Termine der letzten Wochen, durch Therapiesuche, neue BEW-Frau, neue Ergo-Körperarbeit, die immer wieder Altes triggerten, von „mich will keiner“, „mich sieht keiner“, „ich bin nicht wichtig“, „ich bin falsch“. Unausgedrückt, in mir gestapelt, so dass die depressiven Zustände sich vermehrten. Ich schaffe den Haushalt nicht mehr und fühle mich zunehmend unwohl in meiner Wohnung.

Durch die Medis aber so viel Abstand, dass es möglich war weiter zu funktionieren.

Ich bin deswegen so verdammt ambivalent, was die Medis betrifft. Und mir macht es auch sehr zu schaffen, dass mir anscheinend von den Medis die Haare ausfallen. Gruselig.

Es war mir nicht möglich, meine Gefühlswelt selbst so zu greifen, dass ich sie hätte vermitteln können und schon im Alltag Entlastung zu finden.

Zum Ende der Cranio-Stunde erlebe ich aber auch, dass Kraft in mir ist, mich all dem weiter zu stellen und vorwärts zu schreiten.

Ich bin auf dem richtigen Weg.

Vielleicht muss nur an der einen oder anderen Stelle der Zeitumfang etwas reduziert werden, um Überforderung zu vermeiden.

Mir ist dort auch mal wieder bewusst geworden, wie schwer es für mich ist Überforderung zu fühlen, wenn sie passiert. Überhaupt so etwas wie ein Stopp zu fühlen. Dazu erinnerte sich U. an eine frühere Sitzung, bei der wir in eine Stelle im Körper tiefer spürten. Sie meinte, die meisten Menschen reagieren irgendwann mit einem Stopp. Bei mir kam kein Stopp. Es gab keine Grenze. Sie konnte bis tief wahrnehmen und ganz auf dem Grund, war so viel Sehnsucht nach Kontakt, aber auch eine panische Angst.

Das beschreibt gut, wie ich mich fühle, wenn Nähe entsteht. Da ist keine Grenze, kein Stopp. Es geht sofort bis auf dem Grund und dort ist sofort panische Angst.

Die goldene Kartoffel in der Therapiesuche

13:30 Uhr stehe ich das zweite Mal auf. Es fällt unglaublich schwer. Doch die Stimmung wird im Bett, trotz mehrerer Angebote die Dinge auch anders sehen zu können, nicht besser.

Es war das Vorgespräch gestern. Eine Therapie, leider ohne Kassensitz, sondern über Kostenerstattungverfahren, mit der Aussage, dass seit der Reform 2016 nur noch schwer bewilligt wird.

Meine Mundwinkel schleifen am Boden. Meine Aussichten sind trübsinnig und haben den Hang zum endgültigem Das-wird-nichts-mehr – Nie-wieder – Aus-und-vorbei.

Die erste Therapeutin, zu der ich ein Ja spüre, fachlich und persönlich.

Seit 2 Jahren Überlegungen,

14 Versuche aktiver Suche per Telefon oder Mail und

davon 7 Vorgespräche. Was allerdings ne echt gute Quote ist.

Diese Karte half mir eine Perspektive von oben einzunehmen und anders zu schauen. ❤

Ich fühle mich wie auf einem sehr großem Acker, mit so einem Pflug, den ich mit der Hand mühsam voranschiebe (nein, kein Ochse dazu 😉 ), durch die Erde drücke, immer nur ein paar Meter, dann sehr lange verschnaufen muss, um irgendwo noch eine übrig gebliebene Kartoffel von der Ernte zu finden, die ich essen kann.

Vor dem Termin gestern, wusste ich nicht einmal, ob es überhaupt noch essbare Kartoffeln gibt, in diesem großen Acker. Ich hatte nur Faulige gefunden.

Dann gestern, welch ein Wunder, da liegt sie in meiner Hand. Ich fast zu misstrauisch, um zu bemerken, dass diese Kartoffel wirklich essbar ist. Erst heute befühle ich sie, bewundere sie, schaue sie in meiner Erinnerung von gestern an. Reibe die Erde von der Schale. Rieche an ihr.

Und fühle statt Freude Schmerz.

Da liegt sie in meiner Hand und es ist ungewiss, mit Tendenz zu möglich, dass jemand zu mir auf das Feld gelaufen kommt und mir die Kartoffel wieder weg nimmt.

Ich weiß nicht, wie ich das verkraften soll. Wahrscheinlich werde ich bitterlich weinen.

Da gibt es da die Denkrichtung – dann ist alles vorbei, sie ist die Einzige, es gibt keine weitere mehr und damit macht es auch keinen Sinn mehr zu suchen. Was synonym geht mit – ich werde sterben.

Dann überlege ich – wieso gehe ich davon aus, dass es auf diesem großen Feld nur eine einzige noch essbare Kartoffel gibt? Es gibt vielleicht wirklich nicht viele, aber bestimmt auch nicht nur eine. Und da ich jetzt sogar den Beweis dafür habe, dass es sie gibt, was ich bei meiner Suche vorher gar nicht wusste, macht es doch erst recht Sinn weiterzusuchen. Da entsteht Freude und Motivation.

Zwischen diesen beiden Polen schwankt meine Stimmung, hoch und runter. Aussichtslosigkeit und Zuversicht.

Ich schlug mir dann auch noch vor, traurig zu sein, wenn ich denn wirklich weiß, dass es nicht bezahlt wird. Im Augenblick ist noch alles offen. Das ist schwierig. Ich bin einfach jetzt schon traurig.

Und trotzdem möchte ich, dass heute auch ein guter Tag wird, ein Tag, an dem auch gute Dinge passieren dürfen.

Hier geht es wohl wieder um Beides. Schwer sein dürfen und sich trotzdem für Leichtigkeit öffnen. Trauern und weinen dürfen und trotzdem aktiv werden, mit der Trauer an der Hand und dem Schönem ebenso Platz gewähren.

Medikamenten-Kram

Ich vermisse meine alte Art zu schreiben. Die Leichtigkeit der fließenden Gedanken. Die Komplexität. Das Behalten von Zusammenhängen. Die bleibenden Erinnerungen. Die Erkenntnisse.

In der letzten Woche habe ich verflucht oft daran gedacht, deshalb mit dem Quetiapin wieder etwas herunter zu gehen. Nehme derzeit 75 mg abends und 25 mg morgens.

Mir fehlen meine Gedanken.

Sie können bei mir aber auch Leid erzeugen. Das ist nicht ohne. Auslöser dafür gibt es stetig. Das ist nicht weniger geworden.

Bin am abwägen. Vorteile. Nachteile. Was bin ich bereit zu tragen? Was schaffe ich zu tragen?

Vorhin meinen Zettel gesucht, von vor ein paar Monaten. Hab ihn wohl leider weggeworfen. Da standen alle Dinge drauf, die es Ende des Jahres eindeutig besser gemacht haben. Auch die Medikamente. Aber auch andere Sachen. Und meine Frage war, ob die anderen Sachen für sich ausreichen würden. Nun ist dieser Zettel aber weg. Doof.

Da stand auf jeden Fall noch die Imagination drauf. Mehr in Bildern denken. Bilder zur Hilfe hinzuziehen.

Und das innere Beziehungs-Klopfen. Das bewirkt derzeit am meisten.

Auch habe ich eine Meditationsmethode gefunden, die für mich wiederholbar und wirksam ist. (die 7 Gesten – Podcast von Michael Kurth)

Hm… was stand da noch drauf. Mehr weiß ich nicht mehr.

Gegen das Reduzieren spricht, dass ich immer noch nicht ausreichend äußere Tagesstruktur habe, bei der ich mit den Händen und nicht mit dem Kopf beschäftigt bin. Die Holzwerkstatt liegt auf Eis, weil sie umzieht. Das dauert noch Monate. Ansonsten ist da nur ne Malgruppe einmal die Woche, ganz unverbindlich.

Der Rest an Struktur sind Gesprächs- oder to-do-Termine mit der Alltagshelferin und alle zwei Wochen Ergotherapie – Körpertherapie. Das steigert eher die Gedankenmenge. Auch die Zeit in der Kontakt- und Beratungsstelle, das lockere Beisammensein, ist auch eher anregend, als beruhigend.

Beruhigung verschaffe ich mir nur über eigene Werkzeuge, wenn ich mit mir selbst bin. Und wenn dann die Gedanken durchdrehen, greift das aber auch nicht mehr.

Dabei helfen die Medikamente echt gut.

Hach ja. Ich denke schon, dass ich eine leichte Reduzierung ausprobieren werde. Probieren geht über studieren. Früher habe ich das einfach getan. Nun gibt es die Absprache, zumindest meine Entscheidung vorher der Ärztin mitzuteilen. Sie ist im Urlaub. Pffff… fällt mir schwer, bis Montag zu warten.

Diese Uuungeduld. 🙂