Therapieprozesse III

Notizen der letzten Tage.

05.12.2013

                Ich bin schlecht. Ich muss mich bestrafen.

 

Stelle mich vor den Spiegel und versuche, mein bisher jüngstes Inneres Kind, welches erst vor kurzem zu mir gefunden hat, auf dieser Welt, in meinem Leben willkommen zu heißen. Spreche es laut aus. Spreche es direkt an. Sofort kommen Tränen und ein Gefühl von – die Welt ist so grausam, die Welt tut so weh. Ich muss mich vom Spiegel abwenden, kann nicht bei ihr bleiben. Ja, was soll ich sagen? Das ist die Stelle wo ich dir eigentlich versichern sollte, dass ich jetzt für dich da bin, dich halten werde… Ich kann es nicht. Ich kann es dir nicht versprechen. Ich will kein Versprechen geben, an dem ich selbst Zweifel spüre. Ich fühle mich durcheinander, sprachlos und auch schockiert. Ich brauche Zeit.

06.12.2013

Soviel Selbstzerstörung in mir. Negatives Denken und Glauben und Fühlen.

                Was interessiert mich meine Vergangenheit. Die ist vorbei! (verachtend)

Was kann ich an Stabilisierung und Symptomverringerung erwarten?

10.12.2013

Mein Gefühl ist, das ich sofort in Arbeitsprozessen wieder zusammen klappe, wenn ich vorher nicht genügend Selbstsicherheit gesammelt habe. Ist das von dieser Therapie zu viel erwartet?

                Ich glaube nicht mehr daran, dass es besser wird. (aufgegeben)

Der neue Teil der sich entwickelt, reagiert nicht mit gegenhalten, sondern der Haltung des Mitgefühls. Ja, es ist verständlich das du dich so fühlst, nach dem du erkannt hast, das es nicht so ist, wie du erwartet hast. Du darfst dich so fühlen – enttäuscht, orientierungslos, hoffnungslos und wütend. Du darfst weiter existieren, musst dich nicht auslöschen.

Das Mitgefühl war die Tage vorher nicht zu finden, weil mir der Grund für mein Fühlen verloren gegangen ist. Ich wusste, fühlte nichts mehr von der Enttäuschung und Wut. Anderes stülpte sich darüber. Abwertung, Selbsthass, Vernichtungs-/Bestrafungsgefühle, Schuldgefühle.

11.12.2013

Ich habe mir vorgestellt, erwartet, dass ich hier (Psychoanalyse) irgendwann frei von Angst und Unsicherheit bin. Das es ungehemmt aus mir heraussprudelt. Und wenn das hier so funktioniert, dann funktioniert es auch draußen. Ich sehe kleine Entwicklungen die meilenweit von meinen Erwartungen entfernt sind. Das soll alles sein?

Ich dachte ich finde meinen Sinn, meine Bestimmung, ich gehe hier glücklich und gefestigt in mir, frei von Anhängigkeiten.

Ich frage mich was in meinem Leben überhaupt stimmt. Womit ich zufrieden bin. Das Leben ist nicht anders als vorher. Es ist immer noch genauso, wie zu Beginn der Therapie.

                Das stimmt nicht! (im Hintergrund)

Was habe ich denn erreicht?

Ich wollte mich entfalten. Im Flow sein. Aus meinen Ideen, Kreativität, Lebendigkeit schöpfen und schaffen. Nach vorne gerichtet, zuversichtlich, entspannt, gelassen, ohne Angst. Da muss ich keine Vision haben, davon wo ich mich in 2-3 Jahren sehe, weil sich die Dinge entwickeln werden, so wie es passend ist. Habe ich die Therapie mit diesen Wünschen überfrachtet?

Ich wollte mein eigenes Leben, mein eigenes Selbst loswerden. Ich wollte mich so wie ich bin loswerden. Jetzt stehe ich wieder vor mir, unbarmherzig schaut mich mein Leben, mein Selbst an. Es ist das was ich kriegen kann, nicht mehr und nicht weniger. Egal wohin ich laufe, mich wende, suche, immer wieder komme ich an derselben Stelle heraus und stehe wieder vor mir. Parallelwelten zerplatzen, werden sichtbar als Illusion. Träume, Wünsche, Hoffnungen, Vorstellungen von etwas besserem als das was ich bin. Es ist bitter, tut mir so weh, macht mich so wütend. Stehe mittendrin, bin erschüttert von der Erkenntnis, dem Blick auf die zurückliegende Zeit. Das Sehen von all den Mühen, Kämpfen, Aktivitäten unter dem Deckmantel fühlen zu wollen. Mit dieser falschen Intention unter der sich ein Nicht-fühlen-wollen zeigt. Alles ist in Frage gestellt. Alles was ich dachte für mich zu tun. Sinnlosigkeit. Ich bin voller Widerstand, das Erkennen zuzulassen. Dass ich das was ich suche, nie finden werde! Da tobt es immer wieder aufs Neue. Kriege, Schlachten spielen sich in mir ab. Ich breche auseinander. Sehe dabei zu, wie Teile des Selbst sterben und weit und breit nichts Neues zu spüren ist. Verstreut und raumlos treibe ich im Formlosen und kann trotzdem spüren das all das gut ist. Das es Platz schafft.

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5 Kommentare zu “Therapieprozesse III

  1. sprachlos, bin genau im selben Prozess..Schicke dir viel Kraft nicht aufzugeben!

  2. „Der, der ich bin, grüßt traurig den, der ich sein will.“ (Karl Rahner). Leid ist die Spannung, die entsteht aus der Diskrepanz zwischen dem Ist- und dem Soll-Zustand. Lass den Soll-Zustand los, und Du wirst mit allem in Einklang sein (leichter gesagt als getan – ich weiß 😉 ).
    Mit Metta
    „Phra“ Atishakaro

    • sophie0816 sagt:

      „Lass den Soll-Zustand los…“
      ich erkenne, dass dies keine absicht sein kann, der man aktiv mit tun begegnet. es ist ein prozess der geschieht. loslassen geschieht nicht durch tun, nur durch erkennen. ich bin dabei… es geschieht. schicht für schicht für schicht. wer weiß wieviele hundert schichten da noch kommen.

  3. […] Zeit schon mal machen wollte. Mein Inneres Kind in der Welt willkommen heißen. Ich konnte es damals nicht. Ich konnte ihr nicht das Versprechen geben, immer da zu sein. Was wäre, wenn ich es nicht […]

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