Meine Seele

14ter Tag der Reha.

Mich zieht es in der freien Zeit wieder in die Kreativwerkstatt. Lesen möchte ich. Ein Buch weiterlesen, über die nummerologische Bedeutung des Geburtsdatums und die spirituellen Gesetze. Dieser Ort lädt so herrlich zum Verweilen ein. Zwei kleine Räume, der eine ein Wintergarten mit Sitzbänken in den Fenstern. Vor der Tür eine kleine Terrasse, an zwei Seiten von alten Mauern umrahmt und einer kleinen Torbogenöffnung. Große alte Bäume, eine kleine Wiese, ein locker großbepflasterter Pfad der durch Büsche zur Terasse führt. Alles hat ein verwunschenes Flair. Märchenhaft.

Ich bin seit 2-3 Tagen drüber. Oft unter Strom, unruhig, Antrieb ohne Ende, der nicht weiß wohin. Ich fühl mich im Außen unterfordert und überfordert mit mir selbst. Ich fühle mich gelangweilt, will etwas erschaffen, in die Welt bringen, Pyramiden bauen. Ich laufe und laufe und laufe, durch die Gegend. Mein Körper beschwert sich, ob der ungewohnten Anstrengung. Doch etwas anderes fällt mir nicht ein. Ich bin zappelig, aggressiv, überdreht, bekomme Lachanfälle und fühle extrem viel Liebe und Freude und das alles abwechselnd oder aufeinmal.

So setze ich mich in die Kreativwerkstatt und erzähle von meinem Drüber-Zustand. Die Therapeutin bietet mir an mich erst mal zu erden. Sie stellt sich hinter mich und legt ihre Hand auf meinem Rücken. Dabei erzählt sie, welche Informationen sie zu mir empfängt.

Sie sieht eine Seele, die nicht gerne hier auf Erden ist. Die Nachts weit weg reist und nur ungerne, mit dem Erwachen zurück kommt. Eine Seele, die lieber außerhalb des Körpers und weltlichen Lebens ist. Sie bräuchte eine Einladung, dass es wirklich wichtig ist und auch ihre Aufgabe hier in der Welt zu sein und Erfahrungen zu sammeln. Deshalb ist sie ja ursprünglich gekommen.

Ich widerspreche erst einmal. Stimmt das denn? Ich fühle doch auch immer wieder soviel Liebe und Freude zum Leben. Wie passt das zusammen?

Ihr Handauflegen beruhigt mich tatsächlich ungemein und lässt mich ankommen, zur Ruhe kommen. Ich denke über ihre Sätze nach.

Will ich tatsächlich gar nicht hier sein? Ganz tief in mir drinne, auf dem Grund meines Seins kann ich das Gesagte nur bestätigen. Ich will es am liebsten nicht wahr haben. Doch spüre ich das tatsächlich. Ich will nicht hier sein, mit Haut und Haaren, ganz und gar hier sein.

Während das in mir nachklingt, finde ich immer mehr Indizien, die das bestätigen.

Zum Beispiel, dass der Wald mich so magisch anzieht, als wolle er mir das Hiersein beibringen. Bin ich in ihm, kommt das Gefühl für immer bleiben zu wollen, mich voll hinzugeben. Und dagegen eine Unruhe, die ein längeres Verweilen verhindert. Eine Angst wirklich loszulassen und mich in Sicherheit zu wiegen. In eine Imaginationsübung hier vor Ort, versuchte ich mich in die Sicherheit des Waldes zu träumen. Ich wurde immer wieder aus den Bildern herausgerissen und im entscheidenden Moment des wirklichen Hingebens an den Boden, stiegen Tränen und Schmerz in mir auf und die Vorstellung war verschwunden.

Weiter fällt mir meine früheste Gefühlserinnerung ein. Ein Gefühl in dieser Welt nicht willkommen zu sein und zurück zu wollen, dahin wo alles noch in Ordnung war.

Dann mein fehlender Ich-Bezug zu meinem Körper. Ich kann ihn fühlen, doch als etwas was nicht ich bin, wie einen Gegenstand den ich betrachte.

Dann die verschiedenen Zustände von Tagträumen, Derealisation, bodenlos fühlen. Alles körperlose Momente.

2 Kommentare zu “Meine Seele

  1. Chaosteam sagt:

    Mir fehlen gerade die passenden Worte. Dennoch möchte ich dich wissen lassen, dass wir dich gelesen haben und so vieles von dem was du beschreibst uns so vertraut scheint.
    Auch wenn all das sehr schmerzlich ist, es wird dir helfen beim Ankommen in deinem ganz eigenen Leben, so wie es für dich stimmt.

  2. Mondfeder sagt:

    Ein gewisser Teil des Geschriebenen, ein paar Sätze und Gefühle sprechen mir sehr aus der Seele. Irgendwo schwingen meine Gedanken und Gefühle beim Lesen mit und können nachfühlen … Ich bewundere dich dafür, wie du es in Worte fassen konntest.

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