Eine ungewöhnliche Reise

Lange hat es gedauert. Immer wieder kam etwas dazwischen. Doch nun fand er endlich statt, der Termin für einen Schamanischen Gesang bei Zarah. Zur kurzen Erläuterung was das ist, hier ein erklärender Auszug von ihrer Internetseite:

„Schamanische Gesänge erschaffen Realität durch den Klang. Wichtig ist dabei, eine präzise Absicht heraus zu arbeiten (…).“ „ Wenn sich die Absicht rund und stimmig anfühlt, stimme ich mich auf diese Absicht ein und lasse dann die Töne durch mich kommen, die das erschaffen, was du erschaffen willst und welche Energien dafür benötigt werden.“ „Die Gesänge sind vielseitig einsetzbar. Sie können zum Beispiel Blockaden auflösen und Potenziale aktivieren. Sie können dich aber auch an frühere Leben erinnern oder dich mit deiner Seele und deiner Sternenheimat verbinden.“

Wir hatten erst geplant, etwas für meine Inneren Kinder zu singen, um ihnen bei der Heilung ihrer Erfahrungen zu helfen. Dann hatte ich aber nach der Reha das Gefühl, dass auch ich als Jetzt-Erwachsener Hilfe brauche, um wieder Vertrauen in den Prozess und in mich selbst zu finden. Im gemeinsamen nach innen Lauschen, stellte sich dann als brennendstes Thema das Urvertrauen heraus. Damit war alles mit eingeschlossen. Kinder, Erwachsene, Damals, Gegenwart und Zukunft.

Wir setzten uns zusammen, ich mit geschlossenen Augen und Zarah begann durchzulassen, was kommen wollte.
Ich war sofort ergriffen, denn da sprach jemand mit mir, mit mir ganz persönlich. Keine Sprache die ich verstand und doch auf ganz tiefer Ebene fühlte, diese Worte waren direkt an mich gerichtet und wurden auch irgendwo in mir verstanden. Ich fühlte mich sofort klein, schüchtern und scheu. Der Klang dieser Stimme war warm und einladend. Ich vertraute ihr sofort. Sie war mütterlich. Sie respektierte meinen Abstand, meine Scheu, forderte nichts, drängte sich nicht auf. Sie war wie eine offene Umarmung, die auf mich wartete. Ich assoziierte eine weise, alte Frau, vielleicht eine Stammesälteste. Alles an ihr war warm, weich und berührte mein Herz. Für mich eine ganz ungewöhnliche zwischenmenschliche Erfahrung.
Dann folgte Gesang. Im Verlauf wechselten sich gesprochene und gesungene Passagen ab. Die Situation veränderte sich und ich hatte auf einmal das Gefühl, mich in einer weiten, wüstenartigen, kargen Landschaft zu befinden, bei einem Stamm, in dessen Gemeinschaft ich aufgenommen wurde. Das waren unglaublich schöne Gefühle! Ein Zugehörigkeitsgefühl, das ich so aus meinem bisherigen Leben noch nicht kannte. Und es war absolut real. Das Gefühl erschuf Realität. Diese tiefe Gewissheit, ich gehöre zu diesen Leuten, ich bin ein Teil davon, lies eine Festigkeit in mir entstehen. Ich wuchs. Ich reifte. Fühlte mich nicht mehr klein und kindlich wie am Anfang, sondern erwachsen und im Vertrauen. Dann sah ich über dieser Landschaft einen riesigen Sternenhimmel. Ich richtete meinen Blick in die Weite und fühlte mich aufgefordert und auch bereit mich nach oben zu öffnen. Wie eine Einladung in die Welt zu gehen und mich zu entfalten. Dann ist es sehr still und friedlich in mir geworden. Absolut ruhig. Nichts mehr zu tun. Zu Hause. Angekommen. Unglaublich!
Als sie fertig war, fühlte ich mich so wonnig, ausgeglichen und entspannt mit mir, dass mir einfach nur nach hinlegen, zusammenrollen und wohligem Daumenlutschen war, vor lauter Zufriedenheit. Sehr beeindruckend!
Als ich wieder zu Hause war, fiel ich todmüde ins Bett und schlief erst mal zwei Stunden. Als ich danach langsam wach wurde und hinaus in den Wald ging, hatte ich plötzlich ein Wissen und Vertrauen in mir, dass ich keine Therapie und keine Therapeutin brauche. Das ich davon nicht mehr abhängig bin. Das ich frei bin und alles in mir trage, was es braucht. Mit Worten schwer zu beschreiben, dieses Gefühl.

Das ist jetzt etwas mehr als eine Woche her. Die Intensität dessen hat sich etwas abgeschwächt. Diese 100%-Überzeugung ist nicht mehr da. Doch es ist wirklich spürbar gewachsen, das Urvertrauen. Ich will sogar behaupten, dass ganz langsam alles in mir zusammenwächst.
Der Grundstein dafür wurde in der Reha gelegt. Definitiv hat dort schon kindliches Fühlen und Erwachsenes dabei-sein zusammengefunden. Der Gesang ist in diese Erfahrung geflossen und hat sie verstärkt.

Ich fühle mich meiner Kleinen näher. Konnte immer wieder Momente zulassen, ihre Gefühle in mir zu spüren, sie als ICH zu fühlen und dann hinzuzukommen und zu sagen „ich bin da“. Wir waren eins in diesen berührenden Momenten. Es gab nur ICH. Ein ICH in dem alles sein darf und niemand alleine ist. Da ging es bisher vor allem um Angst. Angst so unmittelbar zu fühlen, mit der ganzen Präsenz, mit dem ganzen Körper, ist wirklich nicht einfach. Und trotzdem wäre ich so glücklich, wenn es so weiter läuft.

5 Kommentare zu “Eine ungewöhnliche Reise

  1. Zarah sagt:

    Wow – danke dir für diese berührende Schilderung! Das hat mich jetzt selber total umgehauen …

    Es hilft übrigens, sich auch im normalen Tagesablauf mit dem, was du erlebt hast – mit der weisen Mutterfigur, der Gemeinschaft, der Wüstenlandschaft und dem Sternenhimmel – immer wieder zu verbinden, so daß du es wirklich fühlen kannst. Das hilft nicht nur, das Urvertrauen noch weiter zu stärken und zu verankern, sondern es können dabei auch noch weitere Infos für dich durchkommen.

    Alles Liebe! ❤
    Zarah

  2. Kathrin sagt:

    schön schön schön 🙂 du bist auf DEINEM Weg, so bewusst, so klar. SCHÖN!

  3. […] Mir fällt noch eine andere Begegnung mit dem Symbol der Sterne ein, während eines schamanischen Gesanges. Wow, das ist 3 Jahre her. Die Zeit […]

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