Therapieprozesse VII

Brief an die Reha-Therapeutin:

Liebe Frau …,
ich schreibe ihnen, weil ich mich ganz dringend entlasten muss. Keine Ahnung wie sie das finden werden. Ich vertraue darauf, dass sie mir sagen werden, wenn sie etwas unangemessen finden.

Hintergrund ist auch, dass aktuell alle meine Anlaufstationen im Urlaub sind, privat, wie professionell. In mir schlägt es hohe Wellen und ich pralle immer wieder auf die nicht hilfreichen Erfahrungen in meiner Therapie und dazu das jetzige Alleine-sein.

Ich habe meiner Therapeutin alle Gedanken und Gefühle die Therapie betreffend offen gelegt. Ich bin drei harte Stunden lang immer wieder über meinen Schatten gesprungen und habe ums Verstanden-werden und Gesehen-werden gekämpft. Ich habe Parallelen zu meinen bisherigen Beziehungserfahrungen gefunden, in denen ich mich immer nur befreien konnte, wieder ich selbst sein konnte, wenn ich sie verlassen habe. Diesmal wollte ich es anders machen und mich innerhalb befreien. Ich habe geweint, ich war zum ersten Mal ‚offen‘ wütend, ich war tief enttäuscht, verzweifelt, resigniert, traurig, ich habe das Zimmer verlassen und bin wiedergekommen. Das alles vor ihr. Ich habe mir Deutungen angehört von gute Mutter/ böse Mutter. Sie die Gute, meine Therapeutin die Böse. (Wenn es mal so einfach wäre. Ich sehe das viel differenzierter) Und dass ich versuchen würde, meine Bedürfnisse zu befriedigen und das nicht ihre Aufgabe wäre. Das alles habe ich durchgehalten und mich innerlich verabschiedet, weil ein Verstehen sich nicht einstellen wollte. Und dann geschah doch noch ein Wunder, weil ich nicht locker ließ oder eher meine Wut nicht locker ließ, dass sie sich so verweigerte meine Bedürfnisse anzuerkennen. Darum ging es mir, dass sie meine Bedürfnisse anerkannte und nicht, dass sie sie befriedigte. Und das hat sie dann plötzlich doch begriffen und eingestanden, dass es in einer zurückliegenden Situation auch Teil ihrer Rolle gewesen wäre, wenn sie es erkannt hätte. Und da bleibe ich hängen. Das rückwirkende Erkennen stellt kein Vertrauen in mir her, weil ich erwarte, dass sie es hätte in dem Moment erkennen müssen. Und wenn sie es dort nicht konnte, dann kann sie es auch zukünftig nicht. Ich will meine Therapiezeit nicht darauf verwenden, immer wieder diesen Mangel zu erleben und ihn ihr sichtbar zu machen. Ich werde sie nicht ändern können oder es würde viel zu lange dauern. Vielleicht profitiert da mal ein späterer Klient von, aber für mich ist es verlorene Zeit, in denen ich nicht zu den Dingen komme die möglich wären, wenn diese Basis des Annehmens und Gesehenwerdens da wäre. Mir ist einfach nicht danach, meine Kindheitserfahrungen zu wiederholen. Ich brauche neue Erfahrungen.
Ich brauche jemanden der in der Lage ist, den Erwachsenen UND das Kind zu sehen und sich darauf einzulassen und der als Mensch spürbar ist.

Dass ich das so lange ausgehalten habe, habe ich auch als Muster meiner Vergangenheit erkannt. Das dreckige Nest nicht verlassen können, eigene Gefühle und Impulse zurückstellen, nicht als wichtig erachten, weil die Beziehung zu erhalten, egal wie sie ist, wichtiger ist, um Liebe, Aufmerksamkeit, was auch immer zu bekommen.

So, eigentlich habe ich mich schon befreit und trotzdem bleibe ich noch kleben, kann mich nicht neu orientieren, trotz all diesen Wissens und der Erfahrungen. Es kommt mir zu groß vor, es neu zu versuchen. Die Gefahr zu wahrscheinlich, dass es schief geht, die Erfahrung sich wiederholt. Das Neueinlassen zu kraftzehrend. Und ich bin wütend, immer noch. Das ist viel größer, als ich zulassen kann zu fühlen. Es ist so unglaublich groß, diese Wut! Und da ist auch meine Mutter mit drin. (Immerhin… ein Fortschritt ;)) Und dann entwischt es mir wieder. Wenn ich eine Prognose abgeben müsste, glaube ich, dass ich so lange in dieser Therapie hängen werde, bis diese Wut einen angemessenen Raum gefunden hat. Es wäre schön, wenn meine Therapeutin in der Lage wäre diesen Raum einladend zu gestalten und hilfreich dabei zu sein.

Puhhh… Na gut. Alles von der Seele geschrieben. Ist es jetzt besser? Keine Ahnung. Ich erwarte dazu keine Reaktion von ihnen (von innen hinten: schön wäre es trotzdem :)).

Danke fürs Lesen!
Freundliche Grüße

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