Innere Schichten

Diese internalisierte scharfe, herablassende, kalte Stimme, die so stark ist, dass sie mir die Gefühle ausredet, sie verleugnet, sie für mich kaum, bis gar nicht greifbar macht.

Nun hab dich nicht so. Sei nicht so erbärmlich. Das ist Nichts was du hast, im Vergleich zu manch Anderen. Das ist auch ohne Vergleich Nichts. Was heulst du herum. Mach nicht so ein Drama.

Diese Stimme, die so stark ist, dass sie mir glaubhaft vermittelt, auch andere Menschen würden so über mich denken, so dass ich mich nicht mehr traue, mich jemandem mit meinen Gefühlen mitzuteilen.

Man wird dich auslachen, wegen deiner Probleme die keine sind, wenn du da jetzt anrufst. Man wird sich über dich lustig machen.

Diese Stimme, die meine Einsamkeit verstärkt, weil sie mich nach außen nicht mehr mitteilen lässt.

Aber es zählt doch, wie es sich für mich damals angefühlt hat! Ob es sich für mich schlimm angefühlt hat. Das ist der Maßstab dafür, ob da etwas ist was Bedeutung hat oder nicht.
Ich glaube, das hat es, sich schlimm angefühlt. Dieses ständige Bedrohungsgefühl. Diese ständige Angst. Diese Enge zu Hause. Nicht falsch verhalten. Vorsichtig sein. Immer in Deckung bleiben, um nichts abzubekommen.

Du bist Nichts mit deiner Einsamkeit. Du bist NICHTS. Wertlos. Selbst daran schuld. Hast nichts anderes verdient. Es dir selbst eingebrockt. (Verlangen nach Bestrafung, körperliche Zerstörung)

Ich bin schuld. Ich bin zu keiner Verbindung fähig. Ich verlasse, ohne vorher jemals da gewesen zu sein. Bin nicht in der Lage etwas Haltendes daraus zu machen. Es liegt an mir, dass ich einsam bin. Ich bin nichts wert. 😥 (Verlangen nach Betäubung, Verschwinden)

Du konntest nichts dafür. Es war nicht deine Schuld. Es lag nicht an dir, dass da damals so viel Abschottung war, die du noch heute weiterlebst. Du warst nicht die Ursache! Du bist wertvoll. Herz-Menschen haben dich heute wirklich gern.

Ich liebe dich, Sophie.

Du bist genau so richtig wie du bist! Du kannst mir glauben.

10 Kommentare zu “Innere Schichten

  1. Zarah sagt:

    Möchte mich dem letzten (grün Geschriebenen) gerne anschließen. ❤
    Und dieser Kritikerstimme würde ich gleich jedesmal den Mund verbieten, wenn sie wieder damit anfängt. (Ich weiß, dafür braucht es etwas Geistesgegenwart, weil sich das schon so normal anfühlt … aber es ist möglich.)

    Alles Liebe und wunderschöne Ostern 🙂
    Zarah

    • sophie0816 sagt:

      danke dir liebe zarah.
      meine methode ist eher das innere gespräch miteinander, als das sich gegenseitig etwas verbieten. ich habe verständnis für den kritiker, weiß warum er so denkt, erkläre es ihm und erzähle dann die wahrheit und das immer und immer wieder. (und mittlerweile kommt da auch etwas an, die situation entspannt sich dann)

      • Zarah sagt:

        Liebe Sophie,

        ja, ich bin da auch etwas ambivalent, denn normalerweise gehe ich auch lieber ins Gespräch. Wenn der Kritiker aber nur destruktiv ist und mich fertigmachen will, bin ich mittlerweile dazu übergegangen, einfach „Klappe“ zu sagen und an etwas anderes zu denken. 😉 Wenn er (oder sie) dagegen kooperativ ist und konstruktive Kritik und Anregungen bringt, finde ich das sogar gut. Wenn dein Kritiker für Gespräche offen ist, super! 🙂 Bei mir hab ich halt die Erfahrung gemacht, daß es welche gibt, die mich nur runtermachen wollen. Wenn ich zu denen nett bin und mich auf ein Gespräch einlasse, führt das nur in eine Abwärtsspirale … und das muß ich mir nicht antun.

        Was mir noch auffiel, sind die Widersprüche, die dein Kritiker bringt: einerseits versucht er dir Angst zu machen, ausgelacht zu werden, wenn du irgendwo anrufst, andererseits beschimpft er dich, du seist an deiner Einsamkeit selbst schuld, weil du keine Kontakte herstellen kannst – obwohl er die Angst vor der Kontaktaufnahme ja selber schürt. 🙄 (Aber vielleicht sind das ja auch mehrere Stimmen?) Wäre interessant zu sehen, was passiert, wenn du deine Kritikerstimme(n) mal auf die Widersprüche hinweist … 😉

        Auf jeden Fall ist es schön zu hören, daß du mit dem Gesprächsansatz schon eine Entpannung erreicht hast! 🙂

        Alles Liebe
        Zarah

      • sophie0816 sagt:

        deine beschreibungen zu deinem kritiker klingen so distanziert. so erlebe ich es nicht bei mir. diese ’stimme‘ bin ich selbst. diese ’stimme‘ ist zu beginn auch eher ein gefühl, dem ich im nachgehen worte gebe, sprechen lasse. ich fühle es als ich so in diesem moment. und von dort aus versuche ich eine beobachterrolle zu finden, um nicht ins gefühleausagieren zu kommen. der beobachter, der auch ich bin, fühlt sich nicht fertiggemacht oder heruntergeputzt oder überhaupt davon angesprochen. von dieser position aus, kann ich erst die unterschiedlichen erlebnisfacetten erkennen und erlebe das als innere kinder in mir, die entweder angst haben oder sich selbst hassen oder sich wertlos fühlen (das steckt hinter ihren worten). damit habe ich mitgefühl und verständnis. sie können in diesem moment nicht anders, als es so zu empfinden, weil es das ist was sie gelernt haben. ich würde gar nicht auf die idee kommen, einem kind mit solchen gefühlen zu sagen, es soll die klappe halten. die letzten beiden grüngedruckten sätze habe ich im spiegel zu diesen emotionen/kindern gesprochen.
        es scheint mir, als würde es bei dir eher über den kopf laufen und bei mir eher über empfindungen.

        die widersprüche ergeben sich daraus, das sich das angesprochene auf unterschiedliche situationen/erlebnisse bezieht.

        das ist alles sehr komplex und nicht so richtig mit worten zu beschreiben und auch für mich schwer zu erfassen.
        danke für dein nachhaken. konnte ich noch mal selbst hineinfühlen.

  2. marienkäfer sagt:

    Bloß ein ganz liebes ❤ für dich an dieser Stelle. Ich unterstreiche alles Grüne im letzten Absatz. Doppelt und Dreifach.

  3. Zarah sagt:

    Danke, daß du es noch mal genauer beschrieben hast. Nein, zu einem inneren Kind würde ich so nicht sprechen. 🙂 Bei meiner Kritikerstimme handelt es sich um eine gefühlt „von außen“ kommende, die mich von oben herab abwertet und versucht fertigzumachen. Das ist dann also etwas völlig anderes als bei dir. Dieser Kritiker fühlt sich nicht ängstlich oder wertlos, sondern im Gegenteil unendlich viel wertvoller und überlegener als ich, und aus dieser Position heraus versucht er mir klarzumachen, wie unzulänglich und wertlos ich aus seiner Sicht bin. Und damit diskutiere ich inzwischen echt nicht mehr. 😎

    Letzten Endes ist es wahrscheinlich auch ein Teil von mir, aber nicht der Teil, mit dem ich mich identifiziere. Freud würde es wohl das „*Über-Ich“ nennen, sozusagen die internalisierte Stimme der Gesellschaft, die einem sagt, wie man zu sein hat, um „richtig“ zu sein. Wenn du einen Beobachter hast, der sich von der Kritik nicht angesprochen fühlt, hast du wohl mehr Distanz dazu als ich. 😉 Deinen Umgang mit deinen inneren Kindern finde ich sehr schön. Ich kann mir gut vorstellen,daß sie sich dadurch nach und nach immer mehr geliebt fühlen. ❤

    • sophie0816 sagt:

      jetzt fühle ich mich gerade so richtig verstanden. das ist schön! 🙂 danke!

      wenn ich jetzt mal annehmen würde, dass das innere bei den menschen ähnlich ist und wir unseres miteinander vergleichen können, dann würde ich sagen, das deine gefühlte unzulänglichkeit und wertlosigkeit ebenso dein inneres kind ist, was darauf wartet von dir in den arm genommen zu werden.

      du hast einen anteil in dir, der sich wertvoller und überlegener fühlt und du empfindest ihn nicht als ein teil deines ichs? das ist ja spannend. mir kommt da ein gedanke an abgespaltene kraft.

  4. Liebe Sophie,
    das ist so schön, was du beschreibst und wie du mit dir im Dialog bist! 🙂
    Es macht so ein angenehmes Gefühl von „bei sich sein“ und sich spüren, wenn man das liest. Du und alles was in dir ist, ist wirklich wunderbar so wie es ist! 🙂

    Liebe Grüße,
    Sofie

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