Tröster

Ich habe festgestellt, dass dieser Teddy mir wirklich hilft.

2015_04_18 Teddy

Etwas schäme ich mich noch dafür. Scham beinhaltet Abwertung.

Sich mit einem Stofftier zu trösten, sich mit einem Stofftier sicherer zu fühlen, sich mit einem Stofftier verbunden zu fühlen und damit nicht mehr so alleine, das ist doch eine merkwürdige, kindliche Eigenart, bei der ich noch Angst vor dem abschätzigen Gelächter Anderer darüber habe.

Dass das funktioniert und gerade bei mir funktioniert, erstaunt mich selbst.

Ich war vor einer Woche für ein paar Tage weg. Ich packte meinen Koffer dafür. Es passte nicht alles hinein was ich gerne mitgenommen hätte. Doch der Teddy drängte sich mir auf. Es schien wichtig zu sein, ihn mitzunehmen. Dafür musste ich extra noch einen Beutel umhängen, wo er hinein kam. Dafür ließ ich mein heißgeliebtes Meditationskissen zurück. Es schien also wirklich, wirklich wichtig, obwohl mir der Sinn da noch nicht klar war. Und ich auch da schon im Hintergrund mich über mich selbst lächerlich machte. Ich nahm ihn trotzdem mit.

Und tatsächlich, im Reisebus war ich froh ihn versteckt in meinem Beutel auf meinem Schoß sitzen zu haben. Er gab mir das Gefühl, das da noch jemand ist, das ich nicht alleine bin. Ich hielt ihn im Arm, hielt mich an ihm fest. Er bot mir einen Fokus, einen Fixpunkt. Und auch die Tage am Reiseort bot er sich als Sicherheitspunkt an. Wir weinten zusammen und einmal frühstückte er sogar auf meinem Schoß mit mir zusammen, umhüllt mit einer Decke.

Also ich steh da jetzt öffentlich zu. Und damit stehe ich auch zu meinen Gefühlen, die manchmal so sind, dass sie solch ein Objekt tröstend finden. Gut, das sich da etwas gefunden hat.

10 Kommentare zu “Tröster

  1. momotraeumt sagt:

    Ich kenne das Gefühl gut. =) Als mir meine Zimmernachbarin in der Klinik damals plötzlich einen Teddy schenkte, konnte ich ihn kaum annehmen. Zu kindlich, unreif, komisch etc.kam ich mir damit vor.
    Aber weisst du was? Seither schläft er jede Nacht in meinen Armen und ein Hase ist auch noch dazugehoppelt =D Den Teil zu akzeptieren, der eben doch noch die Freundschaft mit einem Teddybär schätzt und sich manchmal irgendwo festhalten muss.. es tut gut dem Teil einen Platz einzuräumen.

    • sophie0816 sagt:

      das ist jetzt witzig, welche parallelen hier auftauchen. ich bekam ihn auch von einer mitpatientin letztes jahr geschenkt. mein erstes kuscheltier. und damit sollte mich erst einmal keiner sehen. mir ging es wie dir. und weißt du was? vor einer woche ist auch bei mir noch ein kleiner hase dazu gekommen. 🙂
      ja, es tut wirklich gut. danke für das teilen deiner gedanken!

  2. marienkäfer sagt:

    Ich finde das eine sehr berührende Geschichte und am besten gefällt mir dein letzter Satz: Gut, dass du so etwas gefunden hast. Das ist doch wunderbar! Danke fürs Teilen.
    ❤ ❤ ❤

  3. Zarah sagt:

    Für mich war das immer völlig normal. 🙂 Vor ein paar Jahren fuhr ich immer mit einem Eselchen durch die Stadt, er tröstete mich unglaublich, weil er so einen freundlichen Blick hatte und mich das völlig umhaute, wenns mir grade schlecht ging. Nach einer Weile war es dann nicht mehr so nötig, ihn immer dabei zu haben.

    Aber du solltest mal den Zoo sehen, den ich zuhause habe: ein riesiges Krokodil, eine Fliegermaus, eine Ratte im Magierkostüm ;), ein Kamel, einen Elefanten, einen schwarzen Panther, eine Eule, einen Pinguin, einen Tiger – sogar eine Kuh hab ich jetzt beim Aufräumen wiedergefunden. Die beiden neuesten Neuzugänge sind zwei Mordillo-Figuren – ein quietschrosa Elefant und eine altrosa Känguruhdame.

    Und natürlich hab ich auch jede Menge Drachen, aber die sind nicht aus Plüsch.

    Warum soll man keine Plüschviecher zum Kuscheln haben? Andere Leute haben dafür Haustiere oder ihren Garten.

    Was mir total gute Laune gemacht hat, als ich letztens krank war, war das hier … hoffe es gefällt dir auch:

    • sophie0816 sagt:

      ja, da kann ich sehen, so unterschiedlich kann es sein. für dich war es schon immer normal, für mich war es sehr komisch, letztes jahr diesen bären geschenkt zu bekommen. ich habe zwar als kind oft mit einem hasen gespielt, aber nie solch eine helfende übertragung auf ihn gehabt. ich kannte das bisher überhaupt nicht.

      das video war sehr lustig 😀 danke für das teilen deiner erfahrungen!

      • Zarah sagt:

        Echt, du hattest kein Knuddeltier, als du klein warst? Ich hatte einen Bären, den ich heiß und innig liebte. Er war mein Helfer in der Not, immer da, wenn ich ihn brauchte, und ich habe viele Tränen in ihn hineingeweint. Als ich dann von zuhause auszog, dachte ich, ich sei jetzt schon zu „erwachsen“ dafür und habe ihn nicht mitgenommen. Jahre später wär ich froh gewesen, ihn noch zu haben … aber so geht es manchmal. Ja, die Unterschiede sind interessant. Bevor ich dein Posting las, hätte ich nie gedacht, daß man sowas merkwürdig finden kann …

        Das Video ist jedenfalls der beste Beweis, daß man für diese Dinge nie zu „erwachsen“ werden kann. (Übrigens falls du noch ein paar kleine Bären für unterwegs, oder vielleicht einen Löwen möchtest, ich hätte da noch ein paar übrig … 😉 )

      • sophie0816 sagt:

        danke für dein angebot. wirklich lieb von dir. 🙂

  4. Mondfeder sagt:

    Mich begleiten schon das ganze Leben lang viele viele Kuscheltiere. Ganz besonders aber hänge ich an Merlin, meinem riesengroßen Nici-Schaf, das ich während meines Klinikaufenthaltes von meinen Eltern bekam. Er hat sogar ein Halstuch mit der Aufschrift „Therapieschaf“ und meine Mutter hat einen bunten Pullover für ihn gestrickt 🙂

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