Handeln aus Liebe oder im Erziehungscamp

Ich bin vom Konstrukt des Inneren Kindes, zum Konstrukt des Egos gewechselt (überwiegend, nicht ausschließlich). Da lässt sich aktuell mehr mit fassen, was ich in mir erlebe. Kindliches Fühlen und Denken ist ein Teil des Egos.

Jedes Fühlen, Denken und Handeln, welches sich aus inneren Vorstellungen und gemachten Erfahrungen gründet, ist für mich das Ego. Es ist meine gewachsene Persönlichkeit. Es sind meine Glaubenssätze. Es sind meine Ängste. Es sind meine Freuden. Es sind alle Bewertungen. Usw.. Es ist alles, was als Reaktion auf äußere und innere Reize geschieht.

Der Buddhismus würde das wohl mit dem ‚Bedingten Entstehen‘ erklären.

In meinem Verständnis hat jeder dieses Ego und braucht es auch, um agieren zu können, um Erfahrungen sammeln zu können, um sich in der materiellen Welt bewegen zu können.

Ein Ego verschwindet nicht, aber es kann sich weiter entwickeln. (Vielleicht verschwindet es dann auch für ganz Ausgewählte.)

Ich bin seit dieser Woche mehr im Kontakt damit, in jedem Moment zu erkennen, wo reagiere, denke, fühle ich aus dem Ego und zu sortieren, an welchen Stellen die ich dort erkenne, ist es Zeit sich weiterzuentwickeln, loszulassen, neues zu lernen.

Das ist ganz schön umfassend, eine Tagesbeschäftigung, besonders im zwischenmenschlichen Miteinander. Es erfordert echt viel Aufmerksamkeit und Achtsamkeit und ist nicht leicht, wenn Trubel um einen herum ist.

In der Übersetzung der inneren Elternschaft, komme ich mir vor, als wäre ich als Eltern in einem Trainingsprogramm (Dauer unbestimmt), wo sich alles konsequenter, zielgerichteter, aufmerksamer, um die Begleitung des Kindes dreht.

Heute auf Arbeit hatte ich eine herausstechende Situation.

Ich saß vor dem Laden, machte eine Pause und genoss die Sonne. Ich war ganz bei mir und entspannt. Ein Kollege setzte sich neben mich. Die innere Reaktion war ein zusammenziehen und –krampfen. Ich fühlte Unruhe und Unsicherheit und den Wunsch weg zu gehen. Mein Ego meldete ‚Bedrohung‘.

Es ist für mich nichts Neues, das in mir etwas so reagiert. Hier habe ich den Wunsch mich weiterzuentwickeln, vor allem, weil ich das Thema hinreichend durchforscht, durchfühlt und erkannt habe. Es sind leere Muster geworden.

Mir kam das Bild von lauter kleinen, jungen Hunden, die in mir sitzen und bei entsprechenden Auslösern nach außen springen, sich vor mich stellen, knurren, bellen, Schwanz einziehen, Distanz oder Barrieren zu mir schaffen, um mich zu beschützen. Ich ziehe sie ganz behutsam, vorsichtig, aber konsequent an ihrer Leine wieder zu mir zurück und setze sie auf meinen Schoß. Ich vermittle ihnen damit: „So nicht!“, „Hier spielt die Musik“, „Bei mir bleiben“ und „Alles ist gut.“ Manche benötigen nur ein zurückziehen, manche brauchen noch das liebevolle Streicheln auf meinem Schoß, manche müssen erst noch in ihrer Reaktion verstanden werden, um sich zu beruhigen.

Da sind wirklich viele Hunde! Man, hab ich mir ja was vorgenommen. 🙂

Ich denke an Umerziehung, obwohl ich das Wort nicht mag. In der Heilsitzung wurde mir gesagt, ich solle mehr mein Ego kontrollieren. An dem Wort habe ich noch mehr herum gewürgt. Ich wählte dann ‚korrigieren‘. Diese Worte sind alle negativ besetzt, doch im Endeffekt ist es das.

Ich kontrolliere mit dem Hintergrund von Erfahrungen, Wissen und Erkenntnissen, was für meine Entwicklung förderlich und was hinderlich ist. Ich begleite mich und gebe immer wieder kleine Impulse für die Richtung, wo es hingehen soll. Das wichtigste dabei scheint mir die Verbindung zum Herzen. Ohne die intuitive Weisheit/Wahrheit des Herzens, werden die Worte ‚Erziehung‘, ‚Kontrolle‘, ‚Korrektur‘ zu machtausübenden Egoanwandlungen, gegen mich selbst gerichtet.

Ja, das ist das Zentrum des Handelns. Handeln aus Liebe.

 

Nachtrag:

Komme gerade vom Yoga. Es wird so super bewusst, auch dort. Meine Nachbarin macht während der Übungen geräuschvolle Gefühlsbekundungen. Ich (mein Ego) reagiere innerlich genervt und denke: „die will doch nur Aufmerksamkeit“ und fühle eine Bedrohung, dann selbst nicht genügend zu bekommen. Zurück gezogen auf meinen Schoß, weg von der Nachbarin, umarme ich dieses Denken/Fühlen in mir, erkenne alten Mangel und fühle im Herzen, das dieser heute nicht mehr nötig ist.

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9 Kommentare zu “Handeln aus Liebe oder im Erziehungscamp

  1. Zarah sagt:

    Ich finde es wunderbar, wie du das machst. 🙂

    Vielleicht könnte man es „liebevolles Umerziehen“ nennen, dann klingt es nicht so nach Trainingslager. (Sandra nennt es „retraining the lower levels“, die niederen Bewußtseinsebenen umtrainieren.)

    Das Herz ist wirklich das Wichtigste … und zu wissen,daß du es bist, die die Regie hat, und nicht deine Schar von Welpen. 😉

    • sophie0816 sagt:

      danke für deine rückmeldung!
      ich musste hier auch an deine mal erwähnte schafherde denken, die immer den gleichen weg gehen und es jemanden braucht, der sie mal woanders hin führt. 🙂 von alleine geht manches einfach nicht. das ist mir viel klarer geworden.

      • Zarah sagt:

        Ja, die Schafe, lach! 🙂 Inzwischen gehen sie da kaum noch hin, aber am Anfang mußte ich es ihnen immer wieder sagen. Dadurch hab ich auch gelernt, daß ich diejenige bin, die ihnen das sagen muß. Von alleine folgen sie einfach nur ihrer Natur, oder ihrer Programmierung. 😉

      • sophie0816 sagt:

        schöne erkenntnis! 🙂

    • sophie0816 sagt:

      und stimmt, es ist deutlich zu spüren, dass da eine höhere frequenz (herz) den weg für noch niedere frequenzen weißt.

  2. Vetch sagt:

    Schöner Artikel, darf ich mich darauf vielleicht beziehen (also, linken), wenn ich mal wieder übers Ego nachdenke, oder über so innere Muster?

    Und ja, ich will auch schönere Worter finden als ‚kontrollieren‘ und ‚korrigieren‘. Trainieren… regeln… lehren…
    Hm.

    • sophie0816 sagt:

      danke für deinen kommentar!
      darfst es gerne linken, bei bedarf.

      es geht sehr viel um begrenzen. wäre auch noch ein wort.

      • Vetch sagt:

        Begrenzen ist auch gut. 🙂

        Weil du und Zarah die Schafherde erwähnt habt, das erinnert mich an was, das Sifu gesagt hat: Der spricht vom Pferd, das unseren Wagen zieht. Das Pferd kennt nur ‚links‘ und ‚rechts‘, intellektuelle Überlegungen helfen da nicht. Und wir müssen es echt erziehen, damit es dahin zieht, wo wir hinwollen. (Erziehen geht z.B. damit, dass wir immer machen, was wir uns vorgenommen haben, damit das Pfer weiß, wo’s langgeht.)

        Sifu hat auch gesagt, Disziplin (ein Wort, das ich gantz speziell gehasst habe) kommt von disciple, Schüler, und es bedeutet, dass wir Schüler unseres Inneren Wesens sein sollen. Damit kann ich was anfangen.

        Ich hoffe, ich hab Sifu jetzt richtig widergegeben. X) (Wers Sifu?!? Der ist der Chef der Schule, wo ich mal Tai Chi gemacht hab, und ich hab viel von ihm gelernt.)

      • sophie0816 sagt:

        Spannendes Thema. Es dachte in mir weiter darüber nach. Ich glaube, warum ich teilweise so anti auf diese Worte ‚kontrollieren‘, ‚er-ziehen‘ und auch ‚Disziplin‘ reagiere, ist, weil ich aus der Sicht der Schafe, Hunde, Pferde, also aus dem Ego-Teil heraus wahrnehme/genommen habe. Das ist schön gesagt mit Schüler des inneren Wesens. Wie ich es bei mir erlebe, wächst dieses Innere Wesen und solange es nur einen Nebenschauplatz hat, können bestimmte Dinge nicht erkant, erfasst, erfahren werden.
        Es scheint, als ob ich momentan die Waageschale auf die Mitte gebracht habe. Ich fühle mich manchmal mehr Inneres Wesen und von dort ist das führen, leiten, lenken, begrenzen etwas liebevolles, aus einem tiefen wissen heraus seiendes. Das geht irgendwie jetzt erst. Vorher hab ich das nur aus der Pferd-/Schaf-/Hundperspektive erlebt und damit als gegen mich gerichtet gefühlt. Wer will schon gerne erzogen werden. 😉

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