Nein danke

Ich erlebe gerade, dass es für mich viel mehr Mut braucht zu etwas ‚Nein‘ zu sagen, als zu etwas ‚Ja‘ zu sagen.

Nein, ich entscheide mich gegen eine psychiatrische Krisenaufnahme.

Wie viel Mut mich das kostet, meinem Gefühl zu Vertrauen. Wie viel Mut mich das kostet, trotz aller Angstgedanken, warum eine Aufnahme vielleicht doch besser sein könnte, dazu ’nein‘ zu sagen. Wie viel Kraft das kostet, mich immer wieder aus der Infragestellung meiner Entscheidung heraus zu holen.

Ich fühle, dass ich das nicht brauche, dass ich mich selbst halten und schützen kann. Und ich erlebe es auch nach und nach.

Diese Gefühle zwanghaft immer wieder in Frage zu stellen, ist eine echte Selbst-Quälerei.

Doch ich glaube, es wird besser.

Das Wiedererleben von Traumagefühlen hing mit dem Yoga zusammen. Längere Geschichte. War die letzten drei Termine nicht da und man telefoniert mir tatsächlich nach. Ich hatte bisher keine Gelegenheit mich dort zu erklären, weil dann das Trauma dazwischen kam und ich deshalb beschlossen hatte, erklärungslos zu kündigen, weil alles andere überforderte.

Die Kontaktaufnahme forderte mich nun auf Stellung zu beziehen und nicht nur das, auch ’nein‘ zu sagen. Sie sprachen auf meinen AB, wussten von den letzten zwei Terminen schon, dass es mir nicht so besonders geht. Empfahlen viel Yoga zu Hause zu machen und auf jeden Fall das nächste Mal zu kommen. Genau das, was ich nicht mehr wollte. Ich wollte keine Grenzerfahrungen mehr sammeln. Davon gab es im Augenblick genug.

Allein dieser Anruf erzeugte diesen Druck, dieses ‚ich muss jetzt‘ und ich habe keine andere Wahl. Jemand fordert das. Mit dieser Verzweiflung schrieb ich dann also meine Gründe, warum ich kein Yoga mache.

Das brauchte auch so viel Mut, eine Grenze zu ziehen. Zu sagen, ’nein‘ ich mache das nicht, auch wenn du glaubst, es wäre das Beste für mich. Ein Hauch von Gefühl in mir zu finden, dass mein Gefühl dafür, was das Beste für mich ist, das wichtigere ist.

Mit diesem Gefühl ist es ein Eiertanz. Es ist da, es ist weg. Ich darf. Ich darf nicht. Der Andere ist eine Autorität und der ist zu folgen, der weiß es besser. Der Andere ist auch nur ein Mensch, mit seinen ganz eigenen Erfahrungen, die erst einmal für ihn selbst gelten.

Darauf kam eine E-Mail-Antwort zurück. Ein Dank für Ehrlichkeit. Ein Verstehen wollen worum es genau geht, um helfen zu können, mit einer direkten Termineinladung.

Boarrr, Übungsfeld, Übungsfeld. Jemand will mir helfen und ich sage ’nein‘ dazu. Schuldgefühle wollen nach vorne drängen. Ich wäre selbst schuld an meinen Symptomen, weil ich mir nicht helfen lasse. Als wäre ich alleine von dieser Hilfe abhängig. Als gäbe es dort die Rettung und danach ist alles gut. Das stimmt so aber nicht und ich will mir dieses Denken nicht anziehen.

Mein Gefühl sagt ’nein‘ zu dieser Hilfe, ohne zu wissen, wie die eigentlich aussehen könnte. Mein Gefühl sagt, ich bekomme die ganze Zeit Hilfe/Unterstützung und diese reicht aus. Es ist alles gut.

Dazu habe ich versucht mutig zu stehen und eine entsprechende Mail zurück geschrieben.

Meine Gedanken zweifeln das an. Sollte ich nicht doch? Ist doch nichts dabei? Kann man doch ausprobieren? Blahblahblah.

Ich hörte neulich eine Erfahrung, die mich aus dem Hintergrund stärkt.

Feuerlaufen. Die Menschen die mit Angst davor standen, wurden befeuert, bestärkt, motiviert sich zu trauen. Es gab welche, die taten es nicht. Und auch diese wurden zum Abschluss bejubelt und geehrt, weil sie sich trauten auf sich zu hören und ’nein‘ zu sagen, als sich zu etwas anzutreiben, zu dem sie (noch) nicht bereit waren und sich Verbrennungen zuzufügen.

11 Kommentare zu “Nein danke

  1. Vetch sagt:

    Ich bin mal als Puhbärtina vom 10m Brett wieder runtergeklettert, vor den Augen der andern Kids, und das find ich – im Rückblick – auch mutig.

    Ich kann das so gut nachvollziehen, dieses Gefühl, die andern wüsstens besser und ich müsste doch… wenn ich Hilfe angeboten bekomme, dann muss ich doch…

    Und selbst wenn der Yoga-Män wirklich die Supersache für dich hätte (was eher unwahrscheinlich ist): im Moment ist halt was anderes angesagt:
    Auf dich selber zu hören und deinem Gefühl zu vertrauen und danach zu handeln. Das kommt ja schon die ganze Zeit rüber (was ich für mich selber auch sehr inspirierend und ermutigend find).

    • sophie0816 sagt:

      uihjuih… das hast du damals wahrscheinlich aber nicht als mutig empfunden, oder?
      jup, genau – im moment ist einfach etwas anderes angesagt.
      ich bin im kopf oft viel weiser als im handeln. im handeln fühle ich mich oft wie frisch auf der welt. unbeholfen, unsicher, kaum erfahrung und mega viel schiss vor allem neuen.

      • Vetch sagt:

        Das Runterklettern war grässlich! Aber irnzwie hab ich auch gedacht, oke, die andern lachen mich aus und finden mich erbärmlich, aber ich hab jetzt echt ne andere Priorität. Ich will auf den Boden zurück!

        Achja, das ist ja der Klasiker: So viel verstanden, und ich wünschte, ich hätte das alles auch _begriffen_. Also, Intellekt weiß was gut ist, und meine Ängste und Autopilot-Reaktionen lassen sich davon nur wenig beeindrucken…

        Da hilft nur Üben und Erfahrungen sammeln, die uns zeigen, dass es klug ist, auf uns selbst zu hören. Das könnte man z.B. Konditionierung nennen :D, oder auch, viel schöner, Schulen der Intuition (wahrnehmen, was die uns sagt und dann danach handeln, dann wird sie mutiger und lauter).

        Oje, ich schwafel schon wieder. Wie soll das erst werden, wenn ich länger in die HP Psych Schule geh 😛

      • sophie0816 sagt:

        ja, da hast du tatsächlich etwas ‚geschwafelt‘. *lach*
        und kannst du mir noch erzählen, wie lange so ne umkonditionierung dauert? das wäre etwas, was ich noch nicht weiß. 😉

  2. Vetch sagt:

    Ach komm! Kannjaganichsein, ich bin hier die mit dem Durchblick. Und das dauert genau – also – bis es geschafft is.

    Das auch geklärt. Wenn was is, fragt mich! Ich weiß bescheid. 😀

  3. gann uma sagt:

    Ich find das ganz schön übergriffig, von dir Rechtfertigungen zu fordern. Wenn sie nicht wissen, dass Yoga auch schädlich sein kann, dann sind sie womöglich nicht gut genug. Ich gratuliere dir zur Eigenmacht.

    • sophie0816 sagt:

      danke! 🙂
      das haben sie eigentlich nicht getan, rechtfertigungen gefordert. sie wollten mir einfach helfen und dazu hätten sie mehr wissen wollen. die sind sehr nah an ihren teilnehmern. unterstützen auch über das yoga hinaus. sie dachten, dass ich ganz alleine mit meinen dingen wäre und waren dann erleichtert, als ich sie aufklärte.
      aber ich kenne dieses gefühl, mich rechtfertigen zu müssen. das entstand auch in mir.

  4. Ich mache selbst seit ca. 6 Jahren Yoga und habe eine komplexe Traumafolgekrankheit. Das ist immer so eine Gratwanderung damit. Am Wichtigsten ist, immer auf dich selbst zu hören, was du oder ich brauche. Genau das hast du getan. Yoga war jetzt nicht dein Weg, vielleicht ist es das nie. Es gibt ja andere Hilfen. Oder einen anderen Zeitpunkt Yoga zu machen. Wichtig ist, dass ich lernen darf auf meine Gefühle zu hören und mich zu schützen. Genau das darfst du auch. Eine gute und richtige Entscheidung. Und das, obwohl ich durch sanftes Yoga auch viel Hilfe erfahren habe. Gratuliere zum zu dir stehen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..