Inszenierung

Jetzt will ich schnell die Möglichkeit nutzen, das Aktuellste online zu stellen, wo ich momentan die Fähigkeit zurückerlangt habe am PC sitzen zu können, lesen zu können und etwas komplexer denken zu können.

Mir fiel vorhin der Ausspruch ‚Gottes Wege sind unergründlich‘ ein, als ich über den Verlauf der Ereignisse nachdachte. Stimmt gar nicht, dachte ich dann, da es doch irgendwie einen Sinn ergibt. Nur es läuft eben auf einer ganz eigenen Spur, die ich nicht kenne, der ich nur folgen kann.

Ich bin wieder dort gelandet, wo ich mich im Dezember befand und was als Grundlage diente, mich für eine stationäre Therapie zu entscheiden. Wiedererleben von Traumatisierung.

Es scheint, als wäre mein Verhalten, Hilfe zu suchen, ein Teil des Verarbeitungsprozesses oder zumindest ein Verhalten, welches sich aus der erfahrenen Not von damals speist. Dieses Muster kann ich immer wieder finden. Ich suche nach Rettung. Jemand soll diese Situation, dieses Fühlen beenden, mich daraus holen, mich retten. Dieses nach Rettung suchen, basiert auf dem Gefühl von existenzieller Not.

Es passt wie die Faust aufs Auge, dass es um diese eine Situation meiner Kindheit geht. Das habe ich so bisher nicht bewusst gehabt.

Durch die neue Entscheidung gegen eine stationäre Therapie, reinszenierte sich erneut diese Not. Die scheinbare Rettung wurde ja verwehrt. Und ich habe immer erst null verstanden, woher dieses unsägliche Leid plötzlich kam. Völlige Hoffnungslosigkeit. Das Gefühl in ein Loch zu fallen, fortgerissen zu werden von unendlicher Verzweiflung. Kein Halt mehr. Bodenlos. Selbstverachtung und autoagressive Impulse.

Dann hab ich überhaupt erst einmal begriffen, mit wie viel Bedeutung diese Entscheidung für Klinik aufgeladen war. Dass es für einen Teil in mir ALLES bedeutet hat und nun NICHTS mehr da ist!

Darauf folgten die Tage Niedergeschlagenheit und Kraftlosigkeit. Ich hatte da großes Verständnis für.

So ergab es auch einen Sinn, warum ich über das ‚Nein‘ am Anfang so entsetzt war.

Und heute hat es sich weiter aufgerollt, ist das alte Erlebte aufgetaucht, als mir das mit dem Rettungsversuch bewusst wurde.

Ich bin reingerutscht – Ohnmacht, Schock, erstarrt sein konnte ich fühlen. Unendliche Not, inneres Fallen und eine Art Warten/Sehnen. Warten/Sehnen das jemand kommt? Das Gefühl in meinem Kinderzimmer zu sein, nach dem Ereignis. Das sind neue Erinnerungsstücke. Ob ich auf meine Mutter gewartet habe oder auf irgendjemand oder irgendwas? Keine Ahnung. Und ich frage mich, wie ich danach war. War ich verändert? Ist es jemandem aufgefallen? Haben wir einfach so weiter gemacht wie bisher? Ich kann mich nicht an ein einziges Wort, eine einzige Reaktion danach erinnern. Vielleicht war da auch nichts, kam da nichts.

Das waren die letzten Tage krasse Gefühlstiefen. Ich war glaube ich, mit fast nichts anderem beschäftigt, als diese inneren Prozesse zu begleiten, zu halten, Raum zu schaffen, dazwischen auszuruhen, zu schlafen und einigermaßen zu essen (und für Taschentüchernachschub zu sorgen). Und ich hab deutlich spüren können, wie viel Energie innere Prozesse ziehen und das es zur Selbstfürsorge gehört, mir keine Sachen, Erledigungen aufzudrücken, es mir so ‚leicht‘ und ‚angenehm‘ wie möglich zu machen.

Ich konnte meine innere Arbeit als immense Leistung anerkennen.

Ich bin bestimmt noch nicht durch mit dem Thema. Da folgen garantiert noch ein paar Runden, die darauf aufbauen, sich daraus ergeben.

Ich spüre die riesige aktuelle Thematik, die Vorstellung von Rettung loszulassen, auch zukünftig.

Es gibt keine Rettung. Niemand da draußen kann mich retten, keine Klinik, keine Therapie, keine Personen, kein System kann mich retten. Niemand kann es wieder gut machen.

Ich spüre das wie ein Schnitt im Herzen, der meinen Bauch zusammenkrampft.

Die ganze Gefühlsdimension dieses einen Momentes von damals anzunehmen, in seiner Tiefe zu durchdringen. Diese Notlage mit seiner Unveränderlichkeit.

Da bin ich noch nicht durch. Fühlt sich jedenfalls so an.

Und anscheinend hat sich meine Seele diesen ganz eigenen Weg, außerhalb von Traumatherapie usw. gewählt, um das aufzuarbeiten.

Die einzige die da noch kein Vertrauen für gefunden hatte war ich. *schmunzel*

Ich glaube, ich bin langsam soweit mit dem Vertrauen, wenn ich mir die letzten Tage anschaue. Ich musste niemanden anrufen, ich fühlte mich immer nur kurzzeitig überfordert und wusste die meiste Zeit, wie ich mir helfen kann, wie ich Druck abbaue, wie ich bewusst bleibe.

Nachtrag: Was mir noch zu Hilfe suchen einfällt. Ich bin für die Zukunft nicht gegen Hilfe und Unterstützung. Jedoch ist es wichtig für mich, diese Art der Hilfesuche zu erkennen, die sich aus einem Not-/Ohnmachtsgefühl speist. Das ist das Alte. Wenn ich daraus im Außen Hilfe suche, bleibe ich in der Rolle der Hilflosen, genau wie damals. Ich bin jedoch nicht hilflos. In mir selbst ist die Führung vorhanden, die mich zu dem führen wird, was ich brauche oder auch nicht brauche. Zu lernen gibt es nur, wie ich in Kontakt damit komme und dem auch zu vertrauen.

4 Kommentare zu “Inszenierung

  1. Wenn ich versuche in Deine Worte hinein zu fühlen, dann kommt es mir vor, als hättest du für dich etwas ganz enormes „begreifen“ können! Ein Wissen in ein wirkliches verstehen gebracht. Es, nein du klingst nach Kraft und Zuversicht 😊

  2. suchtfreiezone sagt:

    Unglaublich, was für eine Verarbeitung bei dir abgelaufen ist die letzten Tage. Wie da eine Wandlung passiert ist, weil du einfach zulassen, annehmen konntest, was ist. Auch wenn die Tage für dich sicher hart und alles andere als schön waren, hat mich dein Beitrag glücklich gemacht, weil so ein großer Schritt zur Heilung passiert ist. Ich wünsche dir viel Kraft für die nächste Zeit.

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