Wie die Blumen auf einer Wiese

Mir ist mal wieder etwas aufgefallen, bewusst geworden, als ich gestern einen Text von jemandem las.

Das ist eine ältere Thematik, dass mir vor längerer Zeit bewusst geworden ist, dass ich Texte, die mit der Intention der Wissensverbreitung, Hilfestellung, Unterstützung oder zur Orientierung für andere geschrieben sind, grundsätzlich als allgemeingültig glaubte.

Das ist natürlich fatal, wenn man Informationen nicht auf ihren Wahrheitsgehalt für einen selbst überprüft (und gleichzeitig völlig normal, wenn man gar nicht weiß, wer man selbst ist) und hat die entsprechende Verwirrung, Überforderung, Frustration, Verzweiflung und Selbstabwertung, weil man es wohl nicht richtig macht, wenn es bei einem nicht funktioniert, mitgebracht.

Es hat wirklich eine ganze Weile gedauert, bis ich so nach und nach, durch meine anstrengenden Erfahrungen realisiert habe – Ach, wir sammeln nicht alle die gleichen Erfahrungen und wir gehen tatsächlich gar nicht alle den gleichen Entwicklungsweg? Ist ja nen Ding! o.O Ich habe das echt geglaubt und bin da bis heute auch noch immer nicht ganz frei von.

Naja und gestern jedenfalls, lese ich wieder so einen Text und reagiere spontan mit – Aber das stimmt doch gar nicht! Schon mal eine andere Reaktion, als früher. Juchuuu, ich habe mich weiterentwickelt! 🙂 😉

Darauf folgte dann ein Herumgetänzel im Außen. Das muss man doch anders schreiben. Da muss man doch noch dieses oder jenes berücksichtigen und benennen, sonst wird das doch nicht allen Leuten gerecht. Und so weiter.

Abends im Bett kam das dann nochmal in meinen Kopf, während ich mir die Hände auflegte und einmal erkannte ich zusätzlich, dass ich beim Lesen dieses Textes das Gefühl hatte, unmittelbar angesprochen zu sein, als wäre der direkt an mich gerichtet und ich bekam noch ein schönes Bild dazu, was mir sehr gefallen hat.

Zu glauben oder eher zu fühlen, dass dieser Text direkt an mich gerichtet ist, ist natürlich ein Trugschluss. Es erklärt aber wiederum meine Anfangsreaktion ganz gut, das als falsch zurückzuweisen.

Und dann half mir das Bild, es besser zu verstehen, wie das so ist, mit den Informationen von anderen. Keine neue Erkenntnis, aber fühlbarer.

Dieser Text ist wie eine Blume unter unzähligen Blumen auf einer Wiese. Die Blume hat keine Absicht. Die wächst da einfach in ihrer Art, Farbe und Form, aus ihrem Samen heraus und steht öffentlich herum. (Ich lache gerade über meine eigene Formulierung 😀 – herrlich!)

Ja, also. Und dann gibt es die Bienen. Viele finden diese Blumen erst gar nicht, weil sie ganz woanders fliegen. Dann fliegen bestimmt an die hunderte verschiedene Bienen vorbei. Einige fliegen einfach weiter. Einige setzen sich mal drauf und schauen. Und davon bleiben vielleicht einige, weil es genau der Nektar ist, den sie suchen und die anderen fliegen wieder weg, weil heute Rosen auf dem Plan stehen und nicht Gänseblümchen.

Da ist keiner sauer, beschwert sich über die scheiß Gänseblümchen die hier überall herumstehen.

Das heißt für mich, jeder Mensch ist wie ein Samen und er trägt die Informationen in die Welt, die im gegeben worden sind oder die er erfahren hat. Daran ist nichts richtig oder falsch. Und auch sind alle Menschen wie Bienen, sie suchen sich die Informationen aus, die sie gerade gebrauchen können.

Dann tönte der Zweifel – aber es gibt doch wirklich Menschen die nicht wie Blumen sind, also neutral, sondern fest davon überzeugt, dass ihre Information die allgemein Gültigste ist und damit wirklich jeden direkt ansprechen.

Das stimmt und die Antwort passte wieder gut ins Bild.

Da stehen also ganz viele Blumen mit Identitäten und glauben sie wären die, mit dem coolsten Nektar. Was ist der Unterschied? Es fliegen trotzdem genau so und so viele Bienen da lang. Es setzen sich trotzdem nicht alle oder einige fliegen eben wieder weg. Es ändert sich gar nichts.

Ein schööönes Bild! Ich möchte mich üben, wertfrei Samen und Biene zu sein. ❤

 

11 Kommentare zu “Wie die Blumen auf einer Wiese

  1. Vetch sagt:

    Oh wow 🙂 Genau. ❤

  2. […] Es geht darum, von andern nur noch das anzunehmen, was uns begeistert. Sich auf nichts mehr einzulassen, das uns nicht entspricht. Und das spüren wir, wenn wir auf unseren inneren Kompass achten. (Dazu passt wunderbar der grad eingetroffene neue Artikel Wie die Blumen auf einer Wiese | Leben im Wandel) […]

  3. Ein sehr schöner Text, mit hohem Anspruch, den ich von mir kenne. Allerdings habe ich mir Werte angeeignet und zu denen möchte ich auch stehen. Es dann zu verkraften, dass eben nicht alle Bienen meinen Nektar sammeln mögen. Das ist für mich der Weg, an dem ich noch feilen mag. Vielleicht kommt dabei heraus, den eigenen Weg nicht verbissen vermitteln zu mögen, sondern eben doch wertfrei in der Wiese stehen zu lassen. (Keine Ahnung, ob ich meine Texte zu schulmeisterlich gestalte, weiß aber, dass ich diese Tendenz in mir habe. Freue mich auf Rückmeldungen, falls du mal bei mir vorbeischauen magst. Kein Stress, nur eine Bitte.:-)) Möglich, dass ich mein Pseudonym auf „Blume“ ändern sollte. Eine von Vielen anderen. Aber es gibt ja auch viele Wiesen. 😉

    • sophie0816 sagt:

      das bild lädt dich ein, zu vertrauen, dass das was du in die welt setzt, genau das ist, was in die welt gesetzt werden will, wenn du es so fühlst und du es so gut tust, wie du es in diesem moment tun kannst. ❤
      ich könnte dir lediglich sagen, ob deine blume das ist was ich momentan suche/brauche.

      danke für deine gedanken!
      es stimmt, der planet ist voll von wiesen. 🙂

  4. Deine Worte tun mir sehr gut. ❤

  5. suchtfreiezone sagt:

    So habe ich auch mal gedacht, es muss doch allgemeingültige Lösungsstrategien geben, die für jeden gelten, aber Menschen sind so viefältig wie die Blumen oder Schneeflocken. Du kannst Sachen manchmal so erfrischend und klar auf den Punkt bringen. Und witzig. 🙂 Also, wenn du eine Blume wärst, was für eine wärst du dann? 😉

  6. suchtfreiezone sagt:

    Schneeglöckchen sind vor allem wunderschön und elegant. Ich liebe sie. Und sie sind mutig, sich als erste nach draußen zu wagen gegen Ende des Winters. Aber wie stellt man fest, ob sie witzig sind? 😉

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