geschafft

kann man jetzt zweideutig lesen… geschafft.

ich meine das erfolgreiche ‚geschafft‘. obwohl das psychische geschafft sein, auch immer noch thema ist.

die sozialarbeiterin eines pflegedienstes war heute morgen bei mir und hat mit mir die details des unterstützungsbedarfs besprochen. ich habe mich ganz viel getraut zu zeigen und zu sagen. war schwer und trotzdem leichter als gedacht.

sie hat mir dabei geholfen, indem sie gleich zu beginn die schwere und traurigkeit angesprochen hat, die diese situation für mich und meine nahen menschen wohl bedeuten mag. mir standen sofort die tränen in den augen. ja, ich hätte es mir anders gewünscht.

ich hatte immer noch mit den gedanken zu kämpfen, dass man meiner wohnung nicht ansieht, wie schwer alles ist, wie sehr ich in not komme und unter dem druck, alles schaffen zu müssen, leide.

das konnte ich ihr alles sagen.

vorhin kam dann der anruf, dass sie sich mit dem sozialpsychiatrischem dienst und der pflegeleitung abgesprochen habe und alles okay ginge. sie kommen dann nächste woche das erste mal, für eine stunde.

saugen, wischen, abwaschen, fensterputzen, zum einkaufen gefahren werden, bei bedarf wäsche waschen oder mahlzeiten für die woche mit mir besprechen und vorbereiten – dass alles macht jetzt jemand, wenn wir uns gut vertragen.

mit meiner mutter ist es ja nur teilweise gut gelaufen. mal konnte ich den lärm, die hektik und auch die grenzüberschreitungen nicht gut aushalten. gut, dass ich diese erfahrungen schon sammeln konnte und so auch gleich weitergeben.

wird jetzt ne testphase. ich habe keine ahnung wie es wird. jemand fremdes bewegt sich eigenständig in meiner wohnung und ich muss ihm die arbeit überlassen.

ohne ambivalenz geht es wohl nicht. von, ich will das nicht, bis, endlich entlastung und kraft für anderes nutzen können, ist alles dabei.

ich bin fast ein wenig überrascht, dass es dann doch so schnell ging und das ohne unterstützung durch meine ärztin. ihr war wahrscheinlich auch das modell nicht so bekannt. ich habe schon gehört, dass wenige menschen das in anspruch nehmen. hilfe zur pflege oder hilfe zum lebensunterhalt, nennt sich der topf vom sozialamt.

beim letzten termin hatte sie sich jedoch ganz anders präsentiert und von selbst nach der pflege gefragt, als sie meinen zustand erfasste.

hätten sich nicht in den letzten monaten ein paar hilfreiche sachen hier zuhause installiert, wäre die situation wieder so, dass ich in die tagesklinik gehen würde. aber es greift so einiges. darum bemühe ich mich jeden tag und jeder tag ist anders.

ich habe mir bei meiner ärztin mal solche fragen erlaubt, ob sie glaubt, dass es jemals besser wird, ob sie andere patienten hat, wo es besser geworden ist. ja, habe sie, zwar nicht so viele wo es so schwer ist, aber auch die haben eine stabilität erreicht, was bedeutet, ein paar mal 3 h die woche arbeiten und alles andere schaffen.

so klare aussagen habe ich noch nie bekommen. auch, dass ich zu den schweren fällen gehöre, habe ich noch nie so gesehen. mein bild von mir in meinem kopf ist immer wieder ein sehr gesundes, in dem ich alle fähigkeiten habe.

mir ist auch klar geworden, dass auch durch dieses bild von mir so viel reibung und spannung im alltag entsteht, wenn es ständig auf die wirklichkeit prallt, die anders aussieht. das betrifft auch mein bild von mir als sozialer mensch, wie ich zwischenmenschlich bin. die wirklichkeit der letzten wochen hat da ordentlich krach erzeugt.

es fällt mir anscheinend schwer mein selbstbild anzupassen, an das was ist. dadurch nehmen mich die menschen, die lediglich wenig kontakt haben, in kurzen gesprächen als uneingeschränkt wahr.

ich glaube, es ist diese widersprüchlichkeit/ambivalenz die ich in mir spüre, jetzt wo ein pflegedienst kommt. mein bild von mir beinhaltet eigenständige, fähige lebensführung. mein tatsächliches sein beinhaltet das aber nicht.

merkwürdig, das wahrzunehmen.

 

 

5 Kommentare zu “geschafft

  1. Vetch sagt:

    Und wieder dockt eine Vokabel bei mir an und ich hau raus, was mir ins Hirn schießt:
    Ich übe, seit ich neulich ein sehr heilsames I Ging Orakel bekommen habe, mich von allen Selbstbildern zu verabschieden. Ich versuch auch nicht mehr, ein ‚richtiges‘ Selbstbild zu bekommen. Ich übe, es ganz zu lassen, mit dem Selbstbild, sobald ich merke, dass da eins aufgehen will (sei’s positiv oder negativ).

    Und dein Blog gefällt mir so auch sehr gut, vor allem das Bild mit den Wassertropfen im Gras (Schnittlauch? :)) neben dem schönen Goldbraun.

    Und ich wünsch dir und der Person, die zu dir kommt, dass das Helfen im Haushalt schön wird. Dass ihr euch gut versteht, abgesehen von der Hilfe, damit es sich gut anfühlt.

    • sophie0816 sagt:

      unsere themen sind wirklich ähnlich.
      da hast du dir eine enorm große und wahrscheinlich auch lebenslange übung an land gezogen. alle achtung!
      ich sah erst neulich eine doku bei arte (ich liebe den sender): das rätsel unseren bewusstseins. https://www.youtube.com/watch?v=RKxBd9im5oc
      unser gehirn ist demnach darauf programmiert, angelegt, ständig bilder, vorstellungen von allem und sich selbst zu entwerfen. im traum tut es das ganz ohne reibung an der wirklichkeit. 🙂

      deinen wunsch finde ich ganz wunderbar. diesen blickwinkel hatte ich bisher nicht. aber ja, es kann doch auch wirklich schön werden. 😀

      schön das mein blog-design gefällt. 🙂 ich brauche dringend was haltendes. das gras ist ufergras in kanada.

      • Vetch sagt:

        Jetzt weiß ich wieder, was ich hier noch schreiben wollte, fällt mir grad ein wg. der Mülltüten und der ‚emotionalen Umweltverschmutzung‘.

        Ich entdecke neuerdings, dass ich nicht nur gerne Haushalt mache, das Kochen UND das Aufräumen und Spülen etc., -ich machs nicht nur nicht nur gerne, ich ziehe ich da richtig Kraft draus.
        Ich glaube, das hat damit zu tun, dass ich den Haushalt mir zu eigen mache, indem ich koche, was ICH mag, mit Biozeugs, weitestgehend ohne Plastik eingekauft, mit schönen Geräten, nicht zu viel, mit Duftöl im Staubsauger und meinem Deckelkübel und so kleinen Freuden, die MEINS sind.
        Das überrascht mich selbst sehr; ich hatte vor Jahren mal wirklich Selbstmordgedanken, weil ich nicht spülen wollte / zu matschig dafür war.
        Und jetzt ist der Haushalt eine Energiequelle.

        Das hat sich so gefügt. Wollt also sagen: Alles ist möglich 🙂

        Den Arte-Film hab ich mir angeguckt. ich musste lachen, als sie am Ende feststellten, dass es keine „Steuerzentrale“ gibt.

        Und was doch diese Formulierung ganz am Schluss aussagt:
        „Es gibt kein isoliertes Ich, das getrennt von der Welt Entscheidungen trifft, sondern nur ein Netz äußerst komplexer Verbindungen.“
        Was hießt hier „nur“?!?
        „Unser Bewusstsein ist eine ebenso kollektive wie individuelle Geschichte, die von der Komplexität der Welt erzählt. Inmitten der wunderbaren Vielfalt vieler Milliarden unbewusster Phänomene.“
        Unbewusst, eh? Wer weiß…

        Die Grundaussage des Films erinnert mich an das Realitästunnel-Modell.

        Danke fürs Linken! 🙂

      • sophie0816 sagt:

        eine wirklich schöne entwicklung bei dir zu hause. 🙂

  2. Vetch sagt:

    Ganz unerwartet. Ich geb auch keine Prognosen ab. X)

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