Wie es zur Erschöpfung kommt

Ich habe das Wochenende wieder in  hochgradiger Erschöpfung verbracht, vor allem mentaler Erschöpfung, was heißt, kein Fokus konnte mehr gefasst werden, was zur Handlungsverminderung führt (beim Essen, bei der Körperpflege, bei Bewegungen insgesamt) und keine oder nur wenig Informationen konnten mehr aufgenommen werden, was neben dem körperlichem Fast-Stillstand auch zur geistigen Zwangspause führt (nichts lesen können, kein Film, nur bisschen Hörbuch).

Das muss man auch erst einmal aushalten, sich nicht mehr ablenken zu können.

Meine Gedanken rasten trotzdem weiter, hier hin, dort hin und immer wieder eine Aufforderung in die Aktion.

Ich kenne das. Das ordne ich zurzeit ganz direkt in die Schublade – psychische Erkrankung – ein. Durch eigene Anstrengungen nicht mehr zur Ruhe kommen zu können. Das geht nur auszusitzen und so lange es geht auszuhalten, nicht neue Informationen aufzunehmen – keinen sehen, keinen sprechen, keine neue Lektüre, keine neuen Themen über die nachgedacht werden kann. Das ist sehr schwer für mich.

Es gab mir jedoch die Möglichkeit, damit zu klopfen. Juchuuu! 😀 😉

Zwei neue Erkenntnisse/Erfahrungen sammelte ich dadurch. Wieder ganz unerwartet für mich.

Ich klopfte die Erschöpfung.

Dabei fand ich heraus, dass sie von meinen eigenen antreibenden Gedanken kommt und das nicht, weil ich mir keine Pausen gönne, sondern weil da Angst ist. Eine riesige scheißgroße Angst kam zum Vorschein. Ich war noch nie in der Lage, so einen Berg an Angst da sein zu lassen und mit meinem Selbst zu durchfühlen. Ich hatte Angst, wenn ich zum Stillstand komme, wenn Ruhe einkehrt, dass dann da dieser leere Raum entsteht, wo nur noch ich bin und ich mich dann in Luft auflöse. Dazu kamen zwei Erinnerungen (2010 und 2013), wo ich genau das gefühlt hatte und eine dritte viel mir noch später ein (2015). Und es stimmt, in diesen Situationen hatte ich wirklich eine riesen Angst mich ganz real in Luft aufzulösen und habe dagegen angekämpft, gegen die Angst, in dem ich versucht habe der Situation auszuweichen, sie zu verlassen.

Also ganz ehrlich, bevor ich bereit wäre mich in Luft aufzulösen, würde ich auch alles Erdenkliche tun, um nicht in diesen Moment zu kommen. 😉

Zurück zur Wirklichkeit. Da mir trotz der Angst bewusst war, dass ich mich nicht wirklich in Luft auflösen werde, ließ ich die Erinnerungen an dieses Gefühl zu. Da passierte nicht mehr so viel. Die Angst ging zurück und ich war mordsmäßig erschöpft und wie üblich verwirrt, nach solch gewaltigen Empfindungen.

Es ist so, als wäre eine Tsunamiwelle über einen hereingebrochen und wenn sie durch ist, lebt man noch, aber steht ziemlich verdattert, mit zerschlissener Kleidung am Strand herum und weiß erst einmal nicht, wo oben und unten ist und was der nächste Schritt sein soll.

Die zweite Begegnung mit meiner Erschöpfung durch meine Gedanken, führte mich zu einer Art Besessenheit es nun endlich richtig machen zu wollen, weil ich es wieder gut machen will, weil ich will das es mir besser geht. Durch diese Getriebenheit überfordere ich mich immer wieder selbst und treibe mich dadurch in die Erschöpfung.

Und ich hatte plötzlich eine Erinnerung an einen sehr bewegenden und prägenden Moment, in dem ich Mitte 2011 zum ersten Mal ein inneres Bild von meinem Inneren Kind hatte. Das sind Notizen von damals.

Ich bin gar nicht wirklich mit den Menschen verbunden. Es gibt kein ICH, was sich verbinden kann. Es gibt nur dieses fast verhungerte, nackte, nicht lebensfähige Kind.“ (in einer Sperrholzkiste in einem Keller; dreckig)

Ich erinnere mich sehr gut an diesen Moment. Nach dem Klopfen wurde mir klar, dass ich dort eine riesige Schuld auf mich genommen hatte. Ich fühlte mich schuldig für die Verwahrlosung dieses Kindes in mir. Ich fühlte mich als Täter und ich fühlte mich verantwortlich, das alles wieder gut zu machen.

„Dein Schmerz… ich kann nicht mehr aufhören zu weinen. Und immer wieder der Gedanke ‚es tut mir leid‘. Ich weine für uns beide. Ich bin zutiefst erschüttert, über das was ich sehe. Oh Gott, was habe ich dir angetan. Ich habe solche Angst es wieder zu tun.“

Das sind genau die Gefühle, die beim Klopfen kamen. Ich fühle mich schuldig dafür, dass es mir schlecht geht und deshalb will ich alles tun, um es wieder gut zu machen.

Ich sehe heute erst wie irrig dieser Gedanke ist, ich wäre schuld an dem Leid in mir drin! Wahnsinn! Was für eine Bürde habe ich mir da auferlegt und wie sehr treibt es mich heute noch an.

Das ist wirklich bereichernd.

4 Kommentare zu “Wie es zur Erschöpfung kommt

  1. Meine Hochachtung dafür, wie du dich der Angst gestellt hast und deinen Weg gehst. Ich konnte beim Lesen deine Anstrengung fühlen. Wow. Gratuliere und pass gut auf dich auf! Ganz liebe Grüße „Benita“

    • sophie0816 sagt:

      ich danke dir für deine einfühlsamen worte. hat mich berührt. ❤

      ja… das mit dem aufpassen… ich kann nur üben zu vertrauen, dass ich fühlen werde, wenn es zu belastend wird. das hatte ich ja schon an einer stelle und habe in dieser richtung aufgehört.
      es ist ziemlich groß, finde ich auch. aber scheinbar geht es gut. keine dissoziationen danach und ich kann meistens gut in den tag starten, neben den üblichen psychischen beschwerden. 😉

      • Das klingt wirklich gut. Trotz Anstrengung und „üblichen psychischen Bescherden“. Das Selbst-Vertrauen zu wissen, wann ein Stop, eine Pause, eine Änderung wichtig ist zu üben. … Das kenne ich vom Yoga. Das hilft so sehr 🙂 und es muss eben gemacht werden. Ja, du spürst das. 🙂

  2. […] war wieder eine riesen Welle Angst. Hat sich anders angefühlt, als die letzte Angst, aber genauso groß. Es wurde nichts konkret. Ich hatte einfach nur eine Wahnsinnsangst, dass etwas […]

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