Augen-Blick

Dieser Blick sticht in mein Hirn, bis hinten an die Schädelwand und tief in mein Selbst. Wie ein Messer, so dass ich erschrecke und sofort wegschauen muss.

Weiche Hülle, wohlwollende Worte, ein Lächeln im Gesicht. Doch diese Augen, eiskalte, unnachgiebig Augen, wie ein Seziermesser präzise und bis in die tiefste Ecke erkannt. Liegt es an der stahlblauen Augenfarbe?

Ein Moment aus der kurzen Begegnung gestern, mit der stellvertretenden Betreuung, um sich kennen zu lernen. Ich fühle Angst und großen Respekt. Abstand halten. Vielleicht haben mich diese Augen an jemanden erinnert. Vielleicht habe ich aber auch Wahrheit gesehen.

2 Kommentare zu “Augen-Blick

  1. Sternchen sagt:

    Hallo Sophie,
    wenn ich dir zu viel kommentiere, sag es mir. 😉
    Deine Wahrnehmung ist sehr fein, wie bei vielen von uns, oder bei allen von uns Traumatisierten. Das frag ich mich seit einigen Tagen, ob wir alle über diese Wahrnehmung und Reflexion verfügen. Bei mir ist es ähnlich denke ich.
    Was ich bei dir sehr groß finde, du hörst auf dein Gefühl.
    Wenn dir etwas nicht völlig richtig erscheint, dann lehnst du eine Betreuung ab. Das ist gut, weil du dich damit wichtig nimmst.
    Ich hab da oft Probleme mit, kann mich oft nicht auf meine Gefühle verlassen, da sind so oft Projektionen mit dabei,
    aber letztlich ist es dann trotzdem richtig nicht mit einem schlechten Gefühl irgendwas weiterzumachen.
    Hab gerade gedacht, ob du bei dieser Vertretung eine Realitätsüberprüfung machen könntest. Aber wie sollte die aussehen? Du fragst sie, ob sie wirklich so kalt berechnend ist z.B. 😉 Tolle Idee, nee, keine Ahnung. Du wirst den richtigen Weg für dich finden.

    Herzlichst
    Sternchen

  2. sophie0816 sagt:

    Liebes Sternchen, schreib wie dir ist. Das ist ja hier auch ein kleines Übungsfeld zur sozialen Interaktion. Für mich zumindest. 🙂

    Zur Wahrnehmung: Ich habe schon immer oft die kleinen Dinge wahrnehmen können oder dahingehend eine gewisse Achtsamkeit gehabt. Meine Wahrnehmung ist aber grundsätzlich erst in den letzten Jahren gewachsen und verfeinert – durch Therapie, Reflexion, Meditation, bewusste Achtsamkeitsübungen, Körperarbeit. Das was ich da oben beschrieben habe, hätte ich vor vielen Jahren nicht wahrgenommen. Das schreibe ich auch einer langen THC-Konsumzeit zu, die wohl eine Art Medikation für mich war. In der Zeit gab es auch nicht die erhöhte Schreckhaftigkeit oder Ängstlichkeit im Kontakt mit Menschen.

    Auf das Gefühl hören: Das entwickelt sich mehr und mehr. Ich bin selbst oft überrascht. Manchmal kann ich gar nicht mehr anders, als diesem Gefühl zu folgen, weil alles andere sich extrem unaushaltbar schlecht anfühlt. Dann muss ich über meinen Schatten springen (der Verstand) und das ist richtig, richtig harte Arbeit, mit viel Angst fühlen. Das fällt mir nicht leicht.
    Das mit der Projektion kenne ich auch und die Unsicherheit, welches Gefühl das richtige ist, dem man folgen kann. Ich glaube, ohne den vielen Rückzug und die Zeit nachzuspüren und tiefer zu spüren, wäre ich da viel mehr Spielball und hätte viel weniger Orientierung. Ich habe auch Angst vor meinem Re-agieren, deshalb vermeide ich häufige Kontakte, um Zeit zum entstricken zu haben.

    Lieb das du für mich mitgedacht hast. 🙂
    Die Vertretung ist gar nicht so wichtig. Sie ist gerade nur für den Notfall im Hintergrund da. Ich seh sie sonst nicht und nächste Woche ist dann auch der andere Mensch wieder da.
    Die Realitätsprüfung würde dann in der Zukunft für mich so aussehen, dass ich Erfahrungen mit ihr sammle und dann erleben kann, wie sie so ist. 🙂

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