Ungeplanter Erguss

Meine Fresse, bin ich fertig, kaputt, Sinnes-müde.

Ich sitze hier in der Bibliothek und entweder bin ich sowieso so fertisch oder der Weg hierher hat misch fertisch gemacht.

Angstempfindungen zeigen sich die Wochen in ganz unbekannten Ausmaßen. Ich hatte Angst als ich heute vor die Tür trat. Ich hatte Angst und ein Überforderungsgefühl als ich in die Bibliothek kam. Hätte sofort los heulen können und ein Gefühl aus meiner Körperstruktur zerfasert zu werden.. Ich hatte irgendwie Angst in der Bahn und irgendwie auch bei den Fußstrecken.

Aber hier in der Bibliothek ist eh irgendwas komisch. Ist ein paar Jahre alter Neubau. War erst 4 Mal hier und immer wenn ich in den Eingangsbereich komme, gehst mir echt nicht gut. 3 von 4mal so richtig scheiße. Heute wieder. Ich weiß nicht, was es ist. Hab heute zum zweiten Mal versucht die Raumenergie da mit Reiki zu unterstützen, aber ob das funktioniert, wenn ich selbst so wirr bin und mit meinem Daseins-Gefühl zu kämpfen habe, keine Ahnung. Würd mich interessieren, was hier vorher war oder vielleicht liegt es auch an der Architektur.

Wollte eigentlich hier etwas anderes schreiben. Mal an einem anderen Ort, als zu Hause. Die Eintönigkeit der immer gleichen Umgebung und Orte die ich aufsuche, die Einschränkungen und Zwanghaftigkeit von Angstsymptomen machen mir zu schaffen. Mich dürstet es nach Abwechslung, Ortswechsel, neue Eindrücke, andere Perspektiven, Raum, Loslassen, Entfalten, Befreien und sowieso und überhaupt find ich die Lernaufgaben echt groß.

Angst anschauen. Zulassen. Kommunizieren. Kooperieren. Lösungen finden. Orte finden. Und das üben. Weil Hirnstrukturen sich nicht von einem schönen, friedlichem Bild sofort verändern. Nö. Machen die nicht. Die fiesen Synapsen und Datenstränge. Wo kommen wa denn da hin, wenn das so einfach ginge. Jaaaa… wie wäre das wohl… eine sich rasend schnell verändernde Welt.

Nun gut. Is aber nicht so. Also hatte ich heute Gelegenheit Nummer zwei mein Inneres Bild, meinen sicheren Ort (Wiese, Bach, Himmel, Weite, Sicherheit) mitten im Alltag zu üben, beim Schritt vor die Tür. „Du weißt, du bist in Sicherheit.“, erinnere ich mich an das Gefühl und an das Bild. Und tatsächlich entsteht ein Moment von Trennung. Trennung der Angst, die sich auf diese Welt bezieht, hinein in den Ort des Bildes und in die Ruhe. Ein Moment, in dem ich Sehen und spüren kann, dass diese Welt hier in Ordnung ist.

Hatte gestern auch schon kurz funktioniert.

Wieder ein Aha-Moment. Diese Angst ist nicht in dieser Welt zu lösen. Ich kann sie nicht beruhigen, in dem ich ihr einfach die Gefahrlosigkeit dieser Welt vor Augen führe und hoffe, sie fühlt das dann. Damit verleugne ich ihr Gefühl, nämlich das sie Angst hat. Ich kann sie nur in ihrem Erleben ernst nehmen und real und sie fragen, welchen Ort sie in mir braucht, um sich sicher zu fühlen. Dann kam die Sicherheit in der Jetzt-Welt von ganz alleine.

Nun kommt mein Streber-Verstand der nun will, dass das immer so geht und sich schon heute auf dem Weg hier her gewundert hat, warum die Angst wieder zurück kam und nix mehr mit Bild und so geholfen hat. Ist doch so einfach. Ein Bild und super. Ist aber gar nicht einfach. Gehirnzellen und so… du weißt.

Und wie viele hunderte Male muss ich das jetzt noch üben???

Also mussten noch andere Techniken her. Kreis um meine Füße vorstellen, hat auch etwas geholfen. Mit Kreis um die Füße laufen, ist schon höherer Anspruch. Ging natürlich auch nicht immer, was mir ebenso gleich wieder Unfähigkeitsrüffel bescherte. What the fuck you think? Bin ich Superman oder was??? Äh, Superfrau…

Warum erwarte ich so viel von mir? Irrsinn.

Und warum schreibe ich in Englisch, obwohl ich keine Ahnung davon habe? Und warum kann ich das gerade so gut reflektieren, obwohl ich in einem großen Raum sitze, mit dem Rücken zum Raum und Menschen laufen herum. o.O 😉

Ich wollte ja eigentlich über Nähe und Phantasien und Bedürfnisse was schreiben.

Is vielleicht hier dafür nicht so der richtige Ort.

Nun kam das bei raus. Ich kann mich schwer greifen derzeit (oder immer?). Und dann schreibe ich das hier und erhasche einen Blick auf mich, was ich vielleicht bin. Es fühlt sich fremd und vertraut zugleich an.

Und jetzt höre ich mal auf, auch wenns sich gut anfühlt. Wenns am schönsten ist… blabla 😉

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19 Kommentare zu “Ungeplanter Erguss

  1. gann uma sagt:

    Am besten gefällt mir der Satz
    „Und dann schreibe ich das hier und erhasche einen Blick auf mich, was ich vielleicht bin. Es fühlt sich fremd und vertraut zugleich an.“

    Frage von mir: wie fühlst du dich jetzt?

    • sophie0816 sagt:

      Wie ich mich jetzt fühle? In dem Moment wo ich deine Antwort lese? In Bezug darauf wer ich bin?
      Keine Ahnung. Orientierungslos vielleicht.

      Willst du auf etwas hinaus?

      • gann uma sagt:

        Ob du nachdem du durch dein Schreiben diese Annäherung hattest, dich dem, was du wirklich bist, immer noch näher fühlst. So ungefähr.

      • sophie0816 sagt:

        Nein. Dieses Gefühl taucht nur auf, wenn ich etwas von mir lese. Dann geht es wieder.

      • sophie0816 sagt:

        Oder nur, wenn ich unmittelbar im Kontakt mit mir bin, wie hier z.b. über Reflexion

      • gann uma sagt:

        Danke. Ein kleiner Trippelpfad, hoffe ich, der irgendwann dichter wird.

      • sophie0816 sagt:

        ich hab da, glaube ich, keine erwartungen mehr dran. ich nehm das mehr als eine art bleibende behinderung war.

      • gann uma sagt:

        Ist vielleicht sicherer. Ich stehe gerade vor der Frage, ob ich verrückt werde, oder ob ich schon länger verrückt bin. So richtig, dass ich mir Menschen und Geschehnisse einbilde. weniger erwartungen (auch an mich) wären vielleicht sicherer gewesen.

      • sophie0816 sagt:

        hmmm. sicherer. sicherer vor enttäuschungen bestimmt. nur fehlt die schillernde welt der schönen vorstellungen. mir kommt das glauben so sinnlos vor. aber wahrscheinlich ist es eher die anst etwas zu glauben, weil glauben in meiner welt immer brüchig war und leicht von außen zerstörbar. darauf kann ich nicht stehen.

        was meinst du genau mit dem einbilden von menschen und geschehnissen? vergangenheit oder jetzt? und wo siehst du da den zusammenhang zum ausgangspunkt hier – dem gefühl, wer man ist? wenn du das erzählen magst.

      • gann uma sagt:

        Gegenwart.
        Der Zusammenhang wäre nicht „wer man ist“. Sondern deine Äußerung, dass du das als Behinderung ansiehst.
        Die Angst etwas zu glauben, die Angst, dass etwas zerbricht (an Glauben), was dann auch Auswirkungen außerhalb des Gleubens hat. Kein Wurzel, Kein Selbstvertrauen.

      • sophie0816 sagt:

        Die Behinderung hatte ich auf die Identitätsdiffusion bezogen. Ich seh für mich keinen Trippelpfad, denke da nicht in die Zukunft, das da irgendwas kommt.
        Du meinst für dich, daran zu glauben was du siehst, auch wenn es ‚Einbildung‘ ist?

        Kann ich fühlen was du sagst, dass nicht-Glauben Auswirkungen hat.

      • sophie0816 sagt:

        Antwort ging zu früh weg…

        Auswirkungen des Nicht-Glaubens auf das Selbstvertrauen. Stimmt. Dann ist Glauben die bessere Alternative, wenn ich mehr an mir selbst dran sein möchte?
        Ganz neue Gedanken…

      • gann uma sagt:

        Für mich hat sich in den letzten 2 Jahren ein Weg gezeigt, der auf Vertrauen basiert (In jemand anderen, auf das Schicksal, auf gute Menschen), dadurch wurde für mich eine Entwicklung möglich zur Heilung, die ohne das nicht möglich wäre. Wenn ich mir diesen Menschen aber nur eingebildet habe, dann bricht das zusammen und es gibt keine Heilung, und die psychische Arbeit der letzten Jahre ist ergebnislos.
        Ich weiß nicht, ob das für dich gut oder sicher sein könnte, ist es für mich ja auch nicht.
        Hätte ich dieses Vertrauen nicht aufgebracht, würde ich jetzt nicht so durchdrehen.
        Ich denke, es ist ein Paradox.

      • gann uma sagt:

        Ich scheine mir Menschen einzubilden, die mir helfen. Ich kann es nicht überprüfen, bzw. sind die Versuche, es zu überprüfen so gelaufen, dass ich denke, ich bilde mir was ein. Nicht nur vage, sondern ganz konkret.

      • sophie0816 sagt:

        Stell ich mir verwirrend vor. Kann man so leben?

      • gann uma sagt:

        Ich glaub nicht. Ich versuche herauszufinden, was tatsächlich los ist, aber komme damit nicht weit.

      • sophie0816 sagt:

        und was bedeutet in dem kontext für dich verrückt werden/sein?

      • gann uma sagt:

        Es besteht die Möglichkeit, dass ich mir was einbilde. Wenn das so ist, wäre ich wohl psychotisch.

  2. gann uma sagt:

    „und wo siehst du da den zusammenhang zum ausgangspunkt hier – dem gefühl, wer man ist? wenn du das erzählen magst.“

    Wenn ich mir etwas so sehr einbilden kann, dann kann ich mir selber, meinen Wahrnehmungen, meinem „Charakter“ nicht vertrauen – dann weiß ich nicht, wer ich bin.

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