Hilferuf – Eure Gedanken dazu

Ich fühle mich gerade ganz verzweifelt und wünsche mir Eure Gedanken dazu.

Es geht um die Beziehungsgestaltung im Betreuten Wohnen. Anfang des Jahres gab es da einen Wechsel. Seit dem thematisiere ich immer wieder, dass ich mich im Kontakt haltlos fühle. Sie ist äußerlich da, aber innerlich treffe ich niemanden an. Ich habe auf eine Entwicklung vetraut. Die hat sich bisher nicht eingestellt, zumindest nicht aufeinander zu. Eine Entwicklung gab es schon, innerlich. Ich kümmere mich mehr um mich selbst und verlagere Not woanders hin. Mittlerweile ist der Widerstand so groß und das Mißtrauen, dass ich mich seit gut 2-3 Wochen nicht mehr öffnen kann. Das konnte ich vorher immer noch. Ich habe Angst vor der nächsten Begegnung, dass ich, wie immer nicht aufhalten kann, dass ich versuche etwas persönliches, eine persönliche Reaktion von ihr zu bekommen, indem ich mich vertraulich zeige. Meine Bedürftigkeit hat trotz dieses Zustandes nicht nachgelassen. Etwas fühlt, ich brauche sie und kann diese Person nicht loslassen, nicht im Kontakt.

Es gab dann diesen E-Mail-Austausch:

„Hallo Frau …,

ich glaube, ich kann nicht mehr mit Ihnen weiterarbeiten.

Sie kennen das Thema. Es ist für mich allgegenwärtig, immer noch. Ich habe das weiter beobachtet. Trotz meiner Bemühungen mich immer wieder zu öffnen und auf alles einzulassen, hat sich nichts weiterentwickelt.

Mein Vertrauen in die Beziehung wächst nicht, mein Misstrauen bleibt konstant. Ich fühle keinen Halt, obwohl sie da sind. Und diese Woche war es schon so, dass ich mir keine Hilfe mehr bei Ihnen gesucht habe, weil ich dachte, dass bringt eh nichts.

Es scheint so, dass es nicht mehr geht, ich mich nicht mehr öffnen kann. Der Widerstand wird immer größer.

Ich weiß jetzt auch nicht weiter, weil Unterstützungsbedarf ist doch immer mal wieder da. Aber was bringt es, wenn ich mir nicht mehr vorstellen kann, den von Ihnen anzunehmen.

Und ich glaube so wenig daran, dass ein Wechsel etwas daran ändert. Aber vielleicht muss ich das ausprobieren. (…)Sonst keine Ahnung.

Oder wir fahren auf 1 runter, erhalten Kontakt via Telefon und Mail und sehen, ob Fr. … wiederkommt und solange keine neuen Projekte, wo ich Unterstützung brauche. Keine Ahnung.

Viele Grüße“

Ihre Antwort war darauf:

„Hallo Frau …,

ich habe ihre Mail gelesen. Ich danke Ihnen für Ihre Offenheit.
Ob eine weitere Zusammenarbeit sinnvoll und für Sie möglich ist, dass können nur Sie selbst entscheiden. Ich vermute, dass darin gerade ihr Problem besteht: dass Sie es momentan nicht entscheiden können, was Sie jetzt im Moment auch gar nicht müssen. Wir können dies im nächsten Termin gerne besprechen.
Für mich ist eine weitere Zusammenarbeit mit Ihnen nach wie vor vorstellbar.
Ich bin ab Montag wieder erreichbar. (…)
Viele Grüße“

Ich antwortet folgendes und rief sie kurz vorher an, um zu besprechen, welche dritte Person ich hinzuziehen kann:

„Hallo Frau …,

mit Ihrer Antwort auf meine Mail zur Betreuung, habe ich mich sehr alleine gelassen gefühlt. Ich viel regelrecht in einen Abgrund.

Keine Bezugnahme, keine Reaktion auf meine Gefühlswelt. Das tut jedes Mal wieder weh.

Wie würden Sie es denn bei Ihren Kindern machen, wenn die sich zu Ihnen haltlos fühlen?

Das ist vielleicht nicht fair Ihre Kinder mit ins Spiel zu bringen, aber ich möchte das es sie persönlich betrifft! Ich möchte das sie sich persönlich damit auseinander setzen, mit Ihren eigenen Gefühlen (nicht mit Ihrer Rolle als Sozialarbeiterin)!

Hier geht es nicht nur um mich und meine Entscheidung!

Vielleicht ist Ihnen noch nicht klar, dass meine Gefühlswelt auf dem Stand eines Kindes hängengeblieben ist. Sie braucht Bestätigung, die Resonanz von außen! Sie kann nicht alleine sein!

In unserer Beziehung spüre ich keine Resonanz, keine eigenen Emotionen ihrerseits. Eher kommt es mir vor, als versuchten Sie eine Rolle zu wahren.

Sie sagten mal in einem anderen Zusammenhang, es ging glaube um Wut, dass sie das an sich abgleiten lassen würden. Sie zeigten dabei eine Geste, wie es an ihrer Hautoberfläche abfließt. So fühlt es sich für mich immer an. Sogar wenn sie sagen, dass Sie etwas berührt. Das fühlt sich so an, als würden sie sich eine Sekunde lang öffnen und dann wieder verschließen. Für mich sind sie emotional unerreichbar. Und auch, wenn sie sagen, dass sie meine Gefühle sehen, nehme ich das als einen leeren Satz war, der nicht Ihre wirklichen Gefühle, Ihr Herz beinhaltet.

Die Aussage in Ihrer Mail, dass Sie sich eine Zusammenarbeit weiter vorstellen können, zeigt mir, dass Sie meine emotionale Not in dieser Beziehung nicht erfassen konnten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie mir das bewusst zumuten wollen, dieses Leiden.

Ich muss mich jedes Mal versuchen zu spalten, Gefühle innerlich weghalten, damit sie sich nicht wieder alleine gelassen fühlen. Das funktioniert natürlich nicht, weil sie sich auch dadurch alleine gelassen fühlen. Und es wiederholt sich das Drama meiner Kindheit. Abspalten, weil niemand dafür da ist.

Ich weine sehr während ich das schreibe. Ich finde das so kaum ertragbar. Und mir vorzustellen, dass auch dieses Drama sie nicht wirklich erreicht, macht mich halb wahnsinnig.

Ich wünsche mir hier eine dritte neutrale Person im Bunde, mit psychologischen Kenntnissen. Ich finde das wichtig, weil es hier um eigenen Grundmuster geht, nicht nur bei mir!

Wie mit Ihnen besprochen, deshalb erst einmal auch in Weiterleitung an Frau …. Vorstellen tu ich mir aber eher einen Supervisionsrahmen, mit jemanden mit Fachkenntnissen.

Grüße“

Mich verunsichert mein eigener Text jetzt schon beim Lesen, ob ich nicht doch falsch liege mit meiner Wahrnehmung, aber es fühlte sich so richtig an beim Schreiben.

Darauf antwortet sie kurz:

„Hallo Frau …,

vorneweg möchte ich Bezug nehmen auf ihre telefonische Frage/Bitte, Ihnen nicht böse zu sein. Nachdem ich ihre Mail gelesen habe, kann ich  meine Antwort von vorhin wiederholen: „Ich bin Ihnen nicht böse.“

Inhaltlich kann ich per Mail nur ganz knapp darauf eingehen, ein ausführliches persönliches Gespräch oder Telefonat ist für unser Thema „Beziehung“ das passende Medium (so hatten wir es auch zu Betreuungsbeginn vereinbart, erinnern Sie sich?).

Frau …, ich weiß und spüre, dass Sie in ihrer Gefühlswelt auf einem kindlichen Niveau stehen. (Auch bevor Sie dies geschrieben haben, war mir das bewusst.)   Jetzt sind Sie jedoch eine erwachsene Frau und die Brücke zu schlagen zwischen“ kindlichem und erwachsenem Ich“ ist die Herausforderung in unserer Betreuung. Für uns beide.

Ich möchte natürlich nicht, dass Sie in der Betreuungsarbeit mit mir „leiden“ und wenn Sie keinen anderen Weg für sich sehen, als einen Wechsel, dann akzeptiere ich das. Ich persönlich halte an Ihnen fest und glaube, dass wir einen Weg finden, welcher für Sie annehmbar ist.

Alles Weitere würde ich mit Ihnen persönlich oder telefonisch besprechen wollen. Wir haben uns ja auf Montag verständigt. Falls Sie eher Gesprächsbedarf haben, können wir telefonieren, dazu sind die Vormittage günstig.

Viele Grüße“

Ich hab jetzt natürlich überhaupt keine Ahnung was sie mit dieser Brücke meint, wie sie sich das genau vorstellt, was das mit meinen Wahrnehmungen zu tun hat?

Ich bin so maximal verunsichert. Bin ich richtig mit meinem Gefühl etwas von ihr zu brauchen? Darf ich das an sie herantragen oder ist es eigentlich meine Sache mich darum zu kümmern? Ich schaue mir ja schon jedes dieser Gefühle mit Hilfe des Klopfens an, was es überhaupt möglich macht im Prozess zu bleiben und nicht auszusteigen. Ich sehe meine Not, ich erlaube meinen Schmerz und trotzdem kommen wir kein Deut näher zusammen. Da stimmt doch irgendetwas nicht.

Allerdings kann ich all dieses Fühlen nicht im Kontakt selbst zulassen. Deshalb fühle ich mich wahrscheinlich alleine gelassen, auch innerlich von mir. Aber auch wenn es Momente gab, wo es überlief, weil es einfach zu viel war, blieb ich mit dieser Leere, mit dieser Kontaktlosigkeit im Kontakt zurück.

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25 Kommentare zu “Hilferuf – Eure Gedanken dazu

  1. Die „Brücke“ ist die Kunst und der Wille, das innere Kind behutsam in das jetzige Erwacksensein zu führen.
    Alles Liebe zu dir
    Gabi

    • sophie0816 sagt:

      Danke Gabi für deinen Kommentar.
      Ich glaube das habe ich, den Willen. Aber was das in der unmittelbaren Beziehung bedeutet ist mir nicht klar. Wie soll das gehen, wenn das inneren Kind eine äußere Beziehung nicht als sicher erlebt? Sich vor dem anderen Menschen also nicht in Sicherheit erlebt. Wo soll ich da eine Brücke schlagen? Zwischen dem Kind und der äußeren Person? Ziwschen dem Kind und mir und ich versuche zu zeigen, dass die Person sicher ist? Und wenn sich das nicht so anfühlt?

      • Genau dafür ist ein Therapeut da.
        Ich weiß Vertrauen fassen ist nicht einfach. Das sind viele kleine Schritte.
        Hast du Kinder?

      • sophie0816 sagt:

        ich habe keine kinder.
        eine therapie ist dabei zu starten. verstehe ich das richtig, du denkst, dass das innerhalb dieser beziehung nicht zu lösen ist, sondern nur über eine therapeutische beziehung?

      • Ich weiß nicht was du durchleben musstest. Ich habe für mich persönlich das Gefühl, dass du an die Hand genommen werden möchtest , um dort anzukommen wo du gerne heute sein möchtest.
        Aber da ich deine Geschichte nicht kenne, möchte ich dich auch nicht mit meinen unfachmännischen Mutmaßungen verletzen, oder gar verwirren.
        Ich kann dir nur Mut, Kraft und persönliche Willensstärke wünschen. Und das zu ich mit ganzem Herzen ♥️

      • sophie0816 sagt:

        Danke Gabi für deine Herzenswünsche!

        Ja, da ist der Wunsch an die Hand genommen zu werden, um zu lernen und zu wachsen. Mich fühlt sich das auch richtig an. Ich lerne innerhalb von Verbindungen ganz viel.

      • Dann bist du auf alle Fälle auf dem richtigen Weg.
        Alles Liebe zu dir
        Gabi

  2. gann uma sagt:

    Meine Gedanken: Ich glaube, dass du erstens dieses Muster, das ihr da lebt, bekannt findest, und dabei in der bekannten Rolle stecken bleibst.
    Zweitens möchtest du genau dieses Grundmuster erlösen, und da erscheint dir die Frau geeignet, weil sie das darstellt, was deine Probleme als Kind verursacht hat.
    Deshalb kannst du das schlecht loslassen. Wahrscheinlich kommt es dir tief innen vor, als würdest du etwas wichtiges aufgeben.
    Ich glaube, dass solche Knoten anders erlöst werden können – durch eine neue Verhaltensweise, die möglich wird, wenn du den Halt findest, von dem du ja auch weißt dass du ihn brauchst, und schon selber beobachtet hast, dass sich deine Möglichkeiten dann erweitern.

    • sophie0816 sagt:

      Danke gann für deine Gedanken.
      Der ganze erste Teil, den sehe ich auch so. Ich erkenne das ‚Spiel‘.
      Zum zweiten Teil… du denkst also, dass ich diesen Halt innerhalb dieser Beziehung zu dieser Frau bräuchte, um mich anders verhalten zu können oder wo denkst du kommt der Halt her?

      ich spüre das genau so wie du es beschreibst!
      Mir fehlt der Halt um mich anders mit ihr zu verhalten.

      • gann uma sagt:

        Ich glaube, dass sie nicht hat, was du brauchst. Du möchtest es erlösen, da erscheint sie dir geeignet, weil sie deinem Muster das passende Puzzleteil liefert, aber ich persönlich glaube nicht, dass das funktioniert. Vielleicht verstärkt ihr sogar gegenseitig euer auf negative Weise zusammenpassende Muster. Ich glaube, du findest bei jemand anderem eher Halt.

  3. Liebe Sophie,
    Ich möchte gerne meinen Eindruck schreiben, bitte erkläre ist ohne Wertung, weil eben du es bist, die die Entscheidung treffen muss. Dass die Betreuerin dich darauf hinweist, halte ich für sehr kompetent. Für mich ist nicht fühlbar, wie weit sie sich einlässt auf dich, wo das mitfühlen fehlt. Ich kenne ein solches Verhalten von Sozialarbeiter*innen, vielleicht können statt ihre Ausbildung so? Ich empfinde ihre Antworten aber nicht als hart oder abweisend.
    Ich erfasse die Brücke von der sie schreibt so, dass sie das Kind in die, das nach Hilfe ruft sieht, aber wenn sie darauf reagiert und außer acht lässt, dass du eine erwachsene Frau bist, wäre es ein respektloses Verhalten, das dich in diesem Opfer sein festhält. Sie muss also obwohl sie deine Bedürftigkeit sieht, die Erwachsene stärken. „Hilfe zur Selbsthilfe“, um dir auf lange Sicht die Kraft zu vermitteln, dass du vielleicht mehr selbst kannst, als du dir zutraust. Ich habe selbst erlebt, dass es eben auch einige Zeit braucht, um miteinander austauschen auszuhandeln, wie viel Unterstützung gebraucht wird und welche, ohne dieses in Stich gelassen fühlen zu erleben und wie wenig gut ist um die eigene Kraft, das Selbstvertrauen zu stärken. Ich versuche einen Vergleich: Wenn ein Kind immer wenn es beim laufen lernen fällt aufgehoben und auf die Füße gestellt wird, wird es lernen, dass es nicht alleine aufstehen kann und immer auf die Mama warten, wenn es fällt. Es ist also nicht grausam zuzusehen, während das Kind lernt langsam wieder auf die Beine zu kommen. Oft ist es auch sehr schwierig nicht einzugreifen und in das Lernen der anderen Person zu vertrauen. Auch das Kind ständig zu loben, wenn es es geschafft hat wieder aufzustehen ist nicht hilfreich. Es ist selbstverständlich, dass es das lernt. Es ist das Vertrauen der Eltern, geduldig das Kind zu begleiten, während es aufstehen und dann laufen ohne umfallen lernt. Aber es gehört auch dazu zu erkennen, wenn das Kleinkind einmal zu müde zum laufen ist und es einmal nicht alleine schafft, ihm hoch zu helfen und es gegebenenfalls zu tragen. Aber das erkennt eine gute Mutter, weil sie ihr Kind kennt. Sie sieht, wann was gebraucht wird. Die Betreuerin kennt dich noch nicht so gut. Sie erkennt noch nicht, wann du aufgehoben werden musst und wann sie dich probieren lassen muss. Es braucht sehr viel Geduld, diese leisen Töne zu erkennen und sich anzunähern. Vielleicht hat sie zuviel Angst, dich zum hilflose Opfer zu machen und gibt dadurch zu wenig Halt. Das ist ein Aushandeln und ich erinnere mich, wie weh es mir tat, wenn meine Sozialarbeiterin auf meine Bedürfnisse nicht einging, weil sie es mir zutraute. Sie ist heute jene Person, die mir besonders nahe steht, obwohl ich kaum Kontakt zu ihr habe, weil ich sie nicht mehr brauche. Und diese Sozialarbeiterin hat immer wieder zu uns gesagt, das gehört in Therapie. Aber sie hat zugehört nachdem ich es mir erkämpfte und immer wieder versucht habe zu vermitteln, was genau ich/wir brauche/n. Über das immer wieder versuchen haben wir erst erfahren, WAS genau wir brauchen und das war wunderbar. Das um mich kämpfen lernen, lernen meine Bedürfnisse auszudrücken und auch an einer Beziehung dran zu bleiben. Und ich kenne die Angst, sich dem zu stellen. Bei uns war das erkennen und einfordern eigener Bedürfnisse ja in der Kindheit lebensbedrohlich. Das heißt, wir mussten uns dieser Todesangst stellen und die Sozialarbeiterin ebenso. Fühlen, dass da Todesangst ist, aber nicht darauf reagieren, damit ich sie überwinden kann. Das ist ein schwieriger Weg. Was ich aus den wenigen Zeilen herauslese ist, dass die Betreuerin ähnliches bei dir versucht. Sie muss jetzt lernen, welche Bedürfnisse du hast. Das ist mit fünfmal sagen nicht getan sein, das braucht ganz viel Ausdauer. Die Mails kamen für uns aber durchaus empathisch an und gewillt zu lernen. Ich weiß nicht, ob es sich für dich richtig anfühlt, mit dieser Person zu lernen. Das ist auch eine Frage der Sympathie. Allerdings haben uns solche Auseinandersetzungen, die weder eindeutig nein, noch eindeutig ja waren immer sehr weiter geholfen. Denn ein eindeutiges ja, kann ich zumindest nie sofort geben, weil ich nicht vertraue. Das braucht enorm lang, bis ich es tue. ….. Eine Unterstützung durch eine Therapeutin um dort über die Widerstände zu sprechen und daran zu arbeiten, hielte ich für wichtig. Auch um zu erkennen, wie Bedürfnisse einfordern gehen kann, warum genau das öffnen nicht mehr geht…… Ich weiß nicht, wie groß die Abneigung und Angst ist, aber ich sehe es noch nicht ganz verfahren. Bzw. ich kenne von mir eine Fluchttendenz, sobald etwas nahe kommt, es nicht in mein Muster passt. Vertrauen lernen braucht so viel Geduld. Ich hoffe, dass dir unsere Gedanken helfen konnten. Wir drücken euch die Daumen und schicken ganz viel Kraft dafür hier weiter zu gehen. Und ich denke, dass es keine falsche Entscheidung gibt in dieser Situation, denn wenn du wechselst und du arbeitest an den für dich wichtigen Themen nicht mit dieser Betreuerin, wird es wiederkommen, bei einer nächsten. Das ist nicht schlimm denke ich, aber vielleicht ist es nicht notwendig?
    Alles, alles Liebe und Gute ❤️🍀🍀🍀🏵️
    „Benita“

    • …… Am Anfang meines Kommentars sind einige Worte wieder einmal durch die Autokorrektur am Handy falsch eingefügt worden. Ich hoffe, du erkennst den Inhalt dennoch. Bitte frag gerne nach, wenn etwas unklar ist.
      Herzliche Grüße 🍀
      „Benita“

    • sophie0816 sagt:

      Danke Benita für deine Gedanken. Ich gehe mit der Bedeutung der Brücke voll mit.

      Der Haken liegt in der Begegnung darin, dass ich nicht fühlen kann, dass sie die Gefühle der Kleinen sieht und ok findet, dass sie da sind. Als würde sie sie übergehen und sofort, ja vielleicht aus Angst, nur Kontakt zum erwachsenen suchen. Dabei komme ich dann nur schwer bis gar nicht selbst damit in Kontakt und kann auch nicht sagen, was ich in der Situation bräuchte.
      Ich weiß erfahrungsgemäß, dass ich innerlich Verbindung schaffen kann im Kontakt mit jemand außen, wenn der Kontakt im Außen Verbindung zur Kleinen herstellen kann – was eigentlich nur heißt sie wahrzunehmen und mich das wissen/fühlen zu lassen.
      Wenn das gelingt, weiß ich aus Erfahrung, hab ich relativ schnell, auch mit Konflikte ein sehr starkes Vertrauen in die Verbindung.

      Momentan habe ich das Gefühl es scheitert am Verständnis dafür und es gibt unterschiedliche Haltungen dazu.

      Vielleicht nutze ich den Austausch hier zum Dialog.

      • Den Dialog hier zum Austausch zu nutzen finde ich eine gute Idee. Was, wenn du ihr das genau so sagst, wie du es hier schreibst. Jetzt habe ich es verstanden, was du meinst und ich erkenne den Unterschied. Das ist schwierig dies auszuhandeln, ob es möglich ist, kann ich von hier nicht beurteilen, liebe Sophie.
        Wir wünschen dir von Herzen ganz viel Kraft und den besten Erfolg für dich. 🍀💖
        Alles Liebe ,🌞🌼
        „Benita“

      • und ein bisschen hängt es wahrscheinlich auch davon ab, wie sie es „in der Theorie“ versteht… du schreibst: „dass ich nicht fühlen kann, dass sie die Gefühle der Kleinen sieht und ok findet, dass sie da sind.“… Geht sie diesen Weg überhaupt mit?… dass es die Gefühle DER KLEINEN sind… oder sieht sie sie als DEINE Gefühle… in dieser Unterscheidung könnte auch nen „Haken“ liegen oder?

      • sophie0816 sagt:

        ich vermute sehr stark, dass es auch darum geht.
        ich fühle mich leider selbst sehr unsicher mit dieser trennung zwischen mir und meinen gefühlen. ich gehe da selbst nicht sehr klar mit um, oder es zeigt sich mir selbst nicht so klar.
        vielleicht auch deshalb noch eine zusätzliche herausforderung auf diesen unterschied hinzuweisen. aber er fühlt sich hier in deinem text für mich sehr wahr an.
        ich danke dir sehr für diesen aspekt! es hilft mir sehr, dass du das mit mir teilst, birke!

  4. Meine Assoziation zum „Brücke schlagen zwischen innerem Kind und dir“ war, dass sie will, dass DU dich um dein inneres Kind kümmerst, nicht sie. Sondern sie will mit dir, erwachsen, die Brücke bauen. „Nicht die Eltern im Außen suchen“, ist ein Satz, den ich mal zu hören bekam. Daran musste ich auch denken. Ich mag solche Hinweise auch gar nicht, gut doch die Sehnsucht nach versorgt werden so groß. Mein „MontagsKontakt“ mailte mir mal die Frage bzw den Gedanken: „was brauche ich, erwachsen, damit ich das Innere Kind versorgen kann?“. . Und doch ist es auch bei mir so, ich kann besser mit Menschen „arbeiten“ bzw mich von ihnen begleiten lassen, wenn sie mir Bindung anbieten. . Emotionale Bindung, nicht nur thematisch arbeiten. . Vielleicht kannst du dich nochmal fragen: „kannst du, erwachsen, mit ihr arbeiten?“ Wie fühlt sich für dich die Beziehung zwischen euch, von erwachsen zu erwachsen? Diese Ebene gehört für mich hinterfragt. Dass ein „Kind“ sich immer unterversorgt fühlt, Ok. Ja. . Der Prozess ist lang. . Und braucht jemanden im Außen und braucht auch dich, erwachsen. .
    Äh, bisschen viel. Bisschen konfus. . Und nur so als Gedanken 🙂

    • sophie0816 sagt:

      Danke für deinen Blickwinkel liebe Birke!
      Der bedeutet mir viel.

      Ich komme immer wieder an den Punkt zu glauben, das eine Bindungserfahrung nachzuholen möglich ist und das über diese Dreiecksbeziehung Kind-Erwachsener-Außenmensch.

      Ich glaube und habe es so erfahren, dass darin Brücken von ganz alleine wachsen.

      Ich erwachsen kann mich da mit deiner Anregung fragen, ob ich diesen Glauben opfern möchte, weil es jemand anders sieht, fühlt und da sag ich ganz klar nein.

      • Liebe Sophie… ich weiß grad nicht, ob wir uns missverstanden haben… deshalb mag ich nochmal kurz schreiben: Ich stimme dir auf jeden Fall zu, dass „eine Bindungserfahrung nachzuholen möglich ist und das über diese Dreiecksbeziehung Kind-Erwachsener-Außenmensch.“ Wenn du meintest diesen Glauben opfern zu müssen, definitiv NEIN. Ich fürchte nur, so habe ich es oft erlebt, dass wenige professionelle Helfer*innen bereit sind, innere Kinder mitzuversorgen, sondern deren Meinung ist, dass man selbst, erwachsen, die inneren Kinder versorgen muss… und dabei helfen sie einem… dabei helfen sie dem erwachsenen Anteil… fragen würde ich gerne nochmal, nach deinen Erfahrungen oder deinem Verständnis von „Brücken von ganz alleine wachsen“… Ich habe mal über Wochen Kleine im Innen mit einem Glas warmer Milch versorgt… das hat beruhigt, unheimlich. Hat Bindung zwischen mir, groß und innen klein gebaut… doch nicht von ganz alleine… sondern weil ich mir immer bewusst Zeit genommen habe für ein Glas warme Milch… Und ich glaube, ähnlich wie „Benita“ es schrieb, der Grad ist sooo schmal zwischen dem, wann ist es gut, dass innere Kinder von außen versorgt werden und wann ist es gut, dass mir selbst die Hand gereicht wird, damit ich es tue… und dann dieser Schmerz, wenn mein Gegenüber meint, es sei MEIN Job… das kann ich auch soo nachfühlen…

      • sophie0816 sagt:

        Ich komme jetzt nicht mehr in jeden Aspekt deines Kommentares. Deshalb nur Ansätze.
        Also unter Brücke verstehe ich eigentlich ‚wahrnehmen, ernst nehmen, da sein lassen‘ von etwas in mir, vor dem ich (unbewusst) Angst habe.
        Es geht nicht um versorgen im Sinne von, der andere soll irgendetwas aktiv tun. Die innere Fürsorge passiert bei mir von ganz alleine, wenn mir dabei geholfen wurde wahrzunehmen, ernst zu nehmen, dasein zu lassen – auch, keine Angst davor zu haben.
        Und dabei zu lernen, ok der andere hat keine Angst, der andere ist offen dafür, der andere tritt dem positiv, einladend entgegen, dann kann ich das vielleicht auch aushalten, dann ist es vielleicht nicht mehr so bedrohlich, wie es sich für mich anfühlt.

        oh, dass war jetzt echt hilfreich es für mich nochmal zu formulieren!

      • Ach Ok. Ich dachte mit Brücke ist gemeint, zwischen dir erwachsen und dir kindlichen Anteilen eine Verbindung wachsen zu lassen. .

      • sophie0816 sagt:

        verdammt, hab in der falschen spalte geantwortet. weiter unten meine antwort. 🙂

      • Liebe Sophie,
        Ich möchte noch etwas anfügen, was meine Therapeutin heute gesagt hat, weil es mir nicht so klar war. Es ging um Therapie mit DIS Patient*innen bzw. frühkindlichen Störungen. Sie meinte, dass mittlerweile in jedem Fachbuch steht, dass „therapeutische Abstinenz“, also das nicht emotional einlassen bei diesen Problemlagen nicht weiterhilft. Und ich denke, dass es evtl. auch ein bisschen darum gehen kann bei eurem Kontakt. Dass die Betreuerin evtl. glaubt, sie darf sich emotional nicht einlassen, dir nicht zeigen, dass sie mitfühlt mit dir, oder dem verletzten Mädchen. Ich fürchte, das ist noch bei vielen so ein Gedanke. Darum wollte ich dir schreiben, dass meine Therapeutin mit der ich wirklich sehr zufrieden bin, meinte, dass ein solcher Zugang überholt ist. ….. Ich hoffe, ich hab jetzt nicht andere Unruhe herein gebracht, aber ich dachte, es könnte dir helfen das zu wissen.
        Alles Liebe dir.
        „Benita“

  5. sophie0816 sagt:

    äh ja und das klingt mit meiner erklärung nicht mehr danach?
    ist verbindung für dich nicht = wahrnehmen, ernst nehmen, dasein und daraus entspringende fürsorge?
    was ist dann verbindung für dich zwischen?

    vielleicht war das jetzt auch verwirrend, dass ich oben nicht mehr vom kindlichen anteil gesprochen habe, sondern von ‚etwas das ich wahrnehme‘, dass meist ein gefühl ist. das nenn ich dann auch ‚kindlicher anteil‘, aber nicht immer.

    • Hm. . Wahrnehmung eines Gefühls ist bei mir was anderes als Kontakt zum kindlichen Anteil. Da nehme ich Kontakt zum „Kind“ auf, das traurig ist oder sich einsam oder überfordert fühlt. Und wende mich ihm zu. Also durch ein Tun Wie Milch trinken, versorgen, trösten, mit ihm reden oder spielen oder Kuscheltier geben. Das Tun wäre die Brücke. . Wahrnehmung eines Gefühls fühlt sich für mich anders an. Dann suche ich einen Umgang damit. Dann melde ich die Trauer. Dann schreie ich mir die Wut heraus, dann schreibe ich über meine Enttäuschung oder überlege mir welche Form und Farbe die Angst hat. . Hm. . Da nehme ich also auch ernst, nehme auch wahr, aber nicht so sehr ein Gegenüber, sondern sehe vielleicht manchmal eher zu, dass mir das Gefühl zu einem Gegenüber wird, damit ich mich distanzieren kann. . Und dennoch wahrnehmen und zulassen, aber mich nicht gefangen fühle vom Gefühl. . Weiß nicht ob das verständlich ist oder nur noch mehr Chaos macht 🙂

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