Schwellenangst

Ständige Angst im Hirn ist eine echte Herausforderung zeitlich, räumlich, ressourcentechnich orientiert zu bleiben und durch den Tag zu finden. Ich benötige derzeit viel Hilfe von außen.

Ich sitze im Moment im Wald, an eine Buche gelehnt und bin hier und doch nicht hier.

Die Panikattacken haben so zugenommen, dass ich für eine Woche auf der Krisenstation war, um das abgesetzte Paroxetin wieder anzusetzen und die anfängliche Verstärkung der depressiven Symptomatik aufzufangen.

Die Panik ist immer noch da. Sind doch auch die Gründe dafür immer noch da.

Dafür spüre ich sie etwas weniger intensiv im Körper und ich glaube, das ist gut.

Ich vermute immer noch, dass sich etwas Größeres in meiner Persönlichkeit umbaut und diese Panik eine Art Schwellenangst ist.

Ich denke weiterhin, dass sie sich aus mehrschichtigen Ursachen zusammensetzt.

(Gerade nehme ich war, wie sachlich ich darüber schreibe. Diesen sachlichen Blick habe ich im Moment nicht oft im Paniktunnelblick)

Insgesamt hat es etwas mit ‚mehr ich selbst sein‘ zu tun. Auch mit ‚Position beziehen‘, ‚mich abgrenzen‘.

Auf Station habe ich diese Veränderung deutlich wahrgenommen, im Vergleich zum letzten Aufenthalt vor ca. 6 Monaten.

Mein Körper, mein Verstand oder Eckhard Tolle würde sagen, mein Schmerzkörper reagiert auf dieses neue Verhalten mit Panik-/Schockreaktionen und beballert mich mit Gedanken/Gefühlen falsch zu sein, falsch reagiert zu haben oder/und nicht mehr leben zu wollen/zu können.

Es geht so richtig die Post ab. Wahnsinn taucht auf.

Schwer für mich da zu spüren, dass da was Gutes passiert.

Schwer zu vertrauen, dass die Angst auch mal ein Ende findet.

Und schwer für mich, dieses neue Verhalten immer mal wieder zuzulassen.

Ich stelle mich auf ne längere Phase ein, in der das so sein wird und übe weiter mir die Unterstützung zu holen die ich brauche.

10 Kommentare zu “Schwellenangst

  1. anyone100 sagt:

    Aus eigener mehr als 60jähriger Erfahrung kann ich sagen – „die Angst hört nie auf. Man kann nur lernen, mit ihr zu leben“.
    Die Angst ist identisch mit der Ausschüttung von Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin. Wenn Du gelernt hast, diese Ausschüttung nicht mehr mit Angst gleichzusetzen, sondern mit Kraft und Aktionen setzen, dann wird aus einer ängstlichen Maus eine Powerfrau.

    • sophie0816 sagt:

      Da bist du schon einen weiten Weg gegangen, mit viel Lebenserfahrung. So stehen wir alle an unseren jeweiligen Stellen des Lebensweges und gehen mit der Angst(Kraft) so um, wie es uns möglich ist.
      Danke für deine Perspektive!

  2. Ständige Angst kann einen echt mega quälen…ich finde es fühlt sich an, als wenn da überall Begrenzungen sind, über die ich scheinbar hinaus komme. Aber mittlerweile hab ich auch die Erfahrung gemacht, dass Angst weniger werden kann, wenn ich erkenne, dass sie nur so ist wie eine dunkle Seifenblase…sobald ich hineinsteche zerplatzt sie! Wenn ich zulassen kann, dass Liebe an die Stelle von Angst tritt, dann kann ich Ängste überwinden. Aber ja, es braucht manchmal etwas Zeit und sich Hilfe zu holen, ist auf jeden Fall eine gute Idee!

    • sophie0816 sagt:

      Danke für das Teilen deiner Erfahrungen!
      Wenn ich dich lese, habe ich den Eindruck, ich erlebe gerade eine andere Art von Angst, als wie du sie beschreibst. Weil, dass was du beschreibst, kenne ich irgendwie auch.

      Das was ich derzeit an Angst, und es ist eher Panik, als Angst, erlebe, erinnert mich stark an Beschreibungen aus dem Bereich der Körperarbeit. Starke Entladungen gespeicherter Energie im Körper. Das macht dann den Schwindel, Störungen im Sehfeld, Herzklopfen, Starkstromgefühl usw..

      • Ah ok, verstehe…also mehr eine andauernde körperliche Angstreaktion…mhh…da weiß ich leider grad auch kein Mittel…vielleicht mal Baldrian oder Lavendel probieren, um sich ein bisschen zu entspannen? Oder andere angenehme Reize auf den Körper setzen, die von der Angst ablenken?

      • sophie0816 sagt:

        Genau. Andauernde körperliche Angstreaktion.
        Ich wende schon ne Menge Werkzeuge an, um gegen zu steuern. Ich denke, mehr kann ich nicht tun. Alles weitere gehört zur radikalen, liebevollen Akzeptanz.

  3. Liebe sophie0816, ich wünsche dir gute hilfreiche und wohltuende Unterstützung auf allen Ebenen – und wieder gute Kräfte in dir zu finden…
    Von Herzen alles Gute! Marina

  4. Liebe Sophie,
    Wir vertrauen sehr auf deine Fähigkeiten, dir jene Hilfe zu holen, die dir weiter hilft. Der Vergleich zum Klinikaufenthalt zuvor klingt ermutigend und nach dem richtigen Weg. Du bist sehr stark, auch wenn du es oft vielleicht nicht fühlen kannst. Das ist unser Eindruck in den Jahren, die wir deinen Blog bereits lesen. Allerdings kann ich diese Anstrengung mitfühlen auf deinem Weg den du gehst. Wir schicken einen großen Sack Kraft, Ausdauer und Zuversicht zu dir. 🍀🍀🍀🌼💖
    Alles Liebe
    „Benita“

    • sophie0816 sagt:

      Vielen Dank Benita, für deine Rückmeldung dazu, wie du mich wahrnimmst!
      Stärke, genau, die ist da, auch wenn ich sie nicht oft im Bewusstsein habe.
      Jetzt geht es wohl um den langen Atem. Da nehme ich deinen großen Sack gerne entgegen. 😊💛

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