Lebensmüde Gedanken – ein Hinweis auf Erschöpfung/Überforderung

Schriftverkehr zwischen der Bezugsbetreuerin und mir:


„Hallo Frau W.,

ich hänge im Moment richtig durch.

Hab Gedankengänge wie in der Art: wenn es für einen höheren Zweck zu sterben gäbe, wäre ich bereit dafür. Da in meinem Leben eh nichts mehr kommt, wäre es leicht zu gehen. Oder auch male ich mir aus, dass ich mich nicht mehr versorgen kann, den Hunger nur noch bewegungslos beobachte, aber nicht mehr stillen kann. Ich mir keine Hilfe mehr hole, weil auch das keinen Sinn mehr macht. Mich der Leere in meinem Leben fügen.

Frühstück steht gerade trotzdem auf dem Tisch. Zur Zeit sind es nur Gedanken. Ich fühle mich sehr traurig, kraftlos und ziellos.“

„Hallo Frau B.,

danke erst einmal für die offenen Worte. Es ist nicht leicht auch die dunklen Gedanken so offen darzustellen.

Als ich ihre Mail gelesen habe, kam bei mir der Gedanke auf, dass ihr Wunsch nach „Aufgabe“ / Bewegungslosigkeit vielleicht etwas mit einer tiefen Erschöpfung gemeinsam hat. Sie haben eine sehr anstrengende Zeit hinter sich und wie sie auch schon telefonisch geäußert haben,  ihre Erholungsmomente/ Erholungsmonate die sie bräuchten um Kräfte zu sammeln, werden ständig durch neue kleine und große Krisen gestört. Vielleicht signalisiert ihr Körper/ ihr Geist  Ihnen mit dieser Kraftlosigkeit und Lebensmüdigkeit, dass er Ruhe braucht um wieder agieren zu können. Vielleicht auch ihr Wunsch nach Ruhe, einfach mal loszulassen, nicht zu kämpfen und Entscheidungen treffen zu müssen, der sich durch diese Gedanken nach einem Lebensende äußert? Soviel zu meinen Gedanken.“

„Ja. Ihre Gedanken könnten gut passen.

Da auch die Ergo gestern sehr intensiv war. Sich viele gestaute Gefühle gelöst haben und ich mich beim Schreiben einer Nachricht an meine Mutter unterstützen lassen habe. Was wiederum im Inneren neue Not ausgelöst hat, Grenzen zu setzen und den Verlust zu befürchten.

Dafür findet das Treffen am Samstag wirklich nur mit ihr statt (ohne den Vater) und auf 35 Minuten begrenzt. Sie war damit einverstanden.

Das ist eine gute Erfahrung, mich mit Grenzen gezeigt zu haben und trotzdem eine wahnsinnige innere Belastung.

Ich melde mich heute nicht mehr. Ich fühle mich sprachlos. Hoffe dass der Tag nicht vollständig zu einer großen Last wird. Im Moment ist es aushaltbar.“


Es ist immer wieder komisch, wenn ich Sachen, die ich selbst gesagt habe, nicht in die unmittelbare Erfahrung holen kann, sondern sie mir von anderen nochmal sagen lassen muss, um mich zu erinnern, dass das ja so war.

Und ich bin saumäßig dankbar, dass es zur Zeit Andere gibt, die mir meine eigenen Gedanken erneut zur Verfügung stellen und ich das zulassen kann, mich daran zu orientieren, auch wenn es in diesem Moment nicht mehr aus mir selbst kommt, sondern von Außen.

3 Kommentare zu “Lebensmüde Gedanken – ein Hinweis auf Erschöpfung/Überforderung

  1. Pollys sagt:

    Alles Liebe Sophie !!!

  2. Autumn sagt:

    Hier ist es auch so, dass Suizidalität von einigen und Lebensmüde Gedanken, teilweise bis es sich komplett in den Alltag ausdehnt im Ganzen, stark mit Erschöpfung im Zusammenhang steht. So, dass im extrensten Fall, die einzige Chance erscheint sich einzuweisen, weil die Kontrolle zu entgleiten erscheint, dass nichts umgesetzt wird. Und manchmal kommt mir der Gedanke, dass das Leben früher auch ganz schön anstrengend gewesen sein muss, um alles an Normalität aufrecht zu erhalten parallel zum Traumaalltag.
    Viel Kraft und Zuversicht!!

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