Alter Schmerz

So viel Nähe, so viele schöne, kleine Momente gestern, doch mein Herz ist heute Morgen zu und ich kann es nicht fühlen. Stattdessen Schwermut. 

Beim Klopfen (Die kleine Sophie ist trotz des ganzen Schönen schwermütig und das ist ok so) verändert sich das Gefühl von Schwermut. Es ist schwer zu benennen. Ich springe zwischen ‚traurig‘, ‚in Not‘, ’schwer verletzt‘ und dann fühle ich es im Herzen – Schmerz. „Es tut so weh. Diese Nähe tut so weh.“

Es ist alter Schmerz, der gefroren im Herzen liegt und auftaut, wenn neue Nähe ihn berührt.

Stück für Stück, immer wieder, immer dann wenn die Zeit reif ist, löst sich etwas davon und wird fühlbar.

Dieser Schmerz war sehr groß, hat sich nicht durch das Klopfen beruhigt. Ich bin zu Stabilisierungsmaßnahmen gewechselt. Pendelatmung – 3 Atemzüge ins unangenehme Gefühl im Herzen, 3 Atemzüge in den Beckenbereich. Das ganze zweimal und das Weinen beruhigte sich. Dann die Schmetterlingsübung, Arme vor der Brust kreuzend und mit der flachen Hand abwechselnd auf die linke und rechte Schulter geklopft, dabei beruhigend ein Lied für den betroffenen Anteil gesummt. Ist angekommen, noch etwas vibriert und dann angelehnt.

Dann diesen Text geschrieben und noch Rescuetropfen genommen.

Damit habe ich eine Dissoziation weitestgehend vermieden, die sonst so aussah, dass ich noch eine Ewigkeit taub und benebelt im Bett lag.

Ich bin stolz auf mich. Das war ein ziemlich souveräner Umgang mit dieser Situation, die mich früher in Panik versetzt hätte.

Es ist sehr selten geworden, dass ich jemanden anrufe, der mir hilft mich zu beruhigen und zurückzukommen.

Das Üben und die Zeit zeigen Wirkung.

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Schutz- und Liebeshöhle

Ok. Aufstehen geht nicht, weil aufstehen bedeuten würde, sie alleine zu lassen. 

Sie klammert, hält mich bei ihr in der sicheren Erdhöhle. Da hatten wir uns gerade gefunden, mit Hilfe des Klopfens. Ich hatte sie zudecken dürfen und ihr etwas vorlesen. Wir waren uns nah. Wir waren verbunden.

Ich wollte nun aus dem Bett aufstehen, meinem Tagewerk folgen. Es geht nicht.

Ich weiß erst nicht wie. Wurschtel etwas herum. Überlege Helferwesen anstatt meiner die bei ihr sind. Passt alles nicht. 

Und dann komme ich drauf, Innen und Außen als etwas Gleichzeitiges zu versuchen. Wie eine Wohnung, in der die Kleine in einem Zimmer liegt, ich zwar das Zimmer verlasse, aber trotzdem noch in der Wohnung bin. Sie kann mich hören, sie kann mich fühlen.

Das versuche ich uns als Gefühl zu vermitteln. 

Ich bin noch bei dir, auch wenn ich draußen bin. Ich bin mit dir verbunden. 

Gebe ihr symbolisch eine Schnur in die Hand, die uns verbindet.

Da ziehst du einfach dran.

Aber das ist es eigentlich nicht. Es ist das Herz, das die Verbindung hält.

Das ist nicht leicht für mich und nun weiß ich, warum ich nicht gleich darauf gekommen bin.

Das bin ich nicht gewohnt. Das muss auch ich erst lernen, mit mir, mit Anteilen, mit Gefühlen und Empfindungen, mit meinem Körper in Verbindung zu bleiben.

Gewohnt bin ich, das alles beiseite zu schieben, es als lästig zu empfinden, wenn es meinen Alltag, so wie ich ihn mir vorstelle, einschränkt.

In Situationen wie heute, lernen wir von beiden Seite. Ich, das da sein und das da bleiben. Sie, wie es sich anfühlt, wenn jemand da ist und dem zu vertrauen.

Da weinen und freuen wir uns immer, wenn es sich so neu für uns zusammenfindet. Weinen vor Schmerz, der dann auftaucht, wo so lange Einsamkeit war und Freude vor Erleichterung, wenn das Licht der Liebe nun die Dunkelheit zu wärmen beginnt.

Ein heilsamer Prozess.

Ich bin dankbar.

Das passiert fast regelmäßig, seitdem ich beim Online-Klopfkonkress das Klopfen der Beziehung aufgeschnappt habe.

Man klopft dabei auch Gefühle nicht mehr in Ich-Form, sondern vom Erwachsenen-Ich aus gesprochen für das Kind-Ich.

Das sah heute morgen so aus, dass ich gefühlt habe, dass sich ein Teil verkriechen will und dann sagte ich laut: Die kleine Sophie verkriecht sich zum Schutz. Dabei kam das Bild einer Erdhöhle.

In der dritten Klopfrunde wechselt man zur Beziehung, wo ich sowas sage wie: Ich bin für dich da. Du bist genauso richtig wie du dich fühlst. Ich bleibe bei dir. Ich beschütze dich. Ich liebe dich von ganzem Herzen, so wie du dich jetzt fühlst. Usw.

Manchmal wird dieses Angebot nicht angenommen, aber immer öfter kommen wir zusammen, so wie ich heute plötzlich mit in der Höhle war und liebevolle Gesten stattfinden konnten. 

Liebe im Raum

Du bist wunderschön und strahlend, auch mit diesem Schatten von Einsamkeit auf deiner Seele. 💜

Das ging mitten ins Herz. Es wurde geglaubt und ein paar Schmerz-Rührungs-Tränen flossen.

Ich habe es auch so gemeint, konnte es selbst so fühlen und sehen, als ich diese Worte, während des Klopfens, zu mir sprach.

Da war Liebe im Raum.

Der Sinn im Augenblick

Gesprochene Sätze während der Klopfakupressur

Diese Sinnlosigkeit macht total Sinn. Wenn ich mich meist über meine Gedanken, über meine Ideen orientiert habe und da nichts mehr ist, dann macht das orientierungslos. Ohne Orientierung, scheinbar kein Sinn.

Zwangsläufig bin ich damit auf das Jetzt zurückgeworfen und das Üben, das Jetzt auch wahrzunehmen. 

Wenn sich diese Wahrnehmung festig, könnte es doch sein, dass es keine großen Ideen mehr braucht, in denen ich mich aufhalte, sondern dass das Wahrnehmen des Jetzt ausreicht zum aufhalten und orientieren. 

Mir kommt das unglaublich vor, dass das ausreichen könnte. 

Ist das nicht zu wenig? Braucht es nicht Ziele? Braucht es nicht Dinge in der Ferne, auf die ich mich zubewege? Wie ergibt sich sonst Bewegung? Und woher kommt die Motivation dazu?

Und doch erlebe ich Bewegung, jeden Tag. 

Ich bewege mich aus dem Impuls des jeweiligen Augenblick.

Und wieder der Gedanke – ist das nicht zu wenig? Kann das genug sein? Kann ich so leben? Darf ich so leben? Braucht es nicht Visionen und Bilder? Braucht es nicht eine größere Richtung? 

Ist mein Leben genug, wenn es nichts mehr zu erreichen gibt? Ist es genug mit dem was da ist?

Damit habe ich echte Schwierigkeiten. Und nicht das erste Mal.

Ist das vielleicht auch einfach nur alles Teil dieser depressiven Phase die kein anderes Fühlen und Denken zulässt? Oder ist das ein tieferer Blick, ein tieferes Erkennen?

Ich fühle eine Lebensmüdigkeit, ein Wunsch alles hinzuschmeißen und darauf herumzutrampeln. Im nächsten Moment stelle ich fest, dass mir da gar nichts mehr einfällt, was ich hinschmeißen will und ich lache auf. Ein Paradoxon. 

Ich fühle mich schon auf dem Grund, wo es nichts mehr zu schmeißen gibt.

Ich stelle fest, dass gar nichts Schlimmes passiert hier unten. Alles läuft weiter. Das Leben geht nicht kaputt und ich habe überhaupt kein Interesse daran, selbst daran etwas zu ändern.

Da ist auch kein Abgrund. Alles ist weiter da.

Und ich kann immer noch fühlen, was mir gut tut und was ich brauche. 

Ich spüre weiter, das ich bei mir bleiben möchte in diesem Leben, auch auf diesem tiefen Grund.

Leid und Dankbarkeit 

Ein Moment Morgens.

Laut gesprochene Sätze bei der Klopfakupressur

Ein Moment Abends.

Ich bin dankbar für dieses Leben, weil ich es als Geschenk empfinde ein fühlendes, sehendes, riechendes, schmeckendes, hörendes Wesen zu sein, weil ich mich beschenkt fühle mit all diesen facettenreichen Wahrnehmungen. ♡

Verletzlichkeit und Selbstannahme

Meine Worte aus einer tränenreichen Klopfsession.

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Auch wenn ich mich total verletzlich fühle und dagegen ankämpfe, liebe und akzeptiere ich mich voll und ganz und ich bin okay so.

Ich bin auch als verletzlicher Mensch okay.

Ich darf Verletzungen spüren und für mich sorgen.

Ich bin okay, auch wenn ich aus Verletzlichkeit vor anderen weine.

Ich bin okay, wenn mich andere verletzlich sehen.

Auch wenn ich mich total verletzlich fühle und das kaum aushalten kann, liebe und akzeptiere ich mich voll und ganz und ich bin okay so.

Auch wenn ich mich total verletzlich fühle und das nur schwer zulassen kann, weil es so weh tut, liebe und akzeptiere ich mich voll und ganz und ich bin okay so.

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Ich kann das so langsam wieder fühlen, das okay sein. Und auch die Verletzung, der seelische Schmerz.

Ist mir vorher ganz schön abhanden gekommen.

In der Öffentlichkeit ist das weiterhin schwer. 

Zumindest verstehe ich gerade, warum ich dann gegen andere Menschen kämpfe und wütend bin. Eigentlich kämpfe ich gegen das eigene Verletzungsgefühl, kann es nicht zeigen, nicht fühlen und will mich auch vor weiterer Verletzung schützen.

Das war mir zwei Wochen lang, seit der Auslösersituation in dieser Form nicht bewusst.

Mal sehen… vielleicht arbeite ich mit diesem Aspekt ein paar Tage weiter – damit, ein verletzlicher Mensch zu sein und mich dafür nicht schämen zu müssen.

Mit dem Teufel in einem Raum

Das schrieb ich gerade jemandem.

„Liebe …,

ich schreib mal, weil ich so Angst bekommen habe.

Bin derzeit in einer Krise mit unterschiedlichst heftigen Gefühlen.
Die bekomme ich meistens erst klar und wahrgenommen, während ich die Klopfakupressur anwende.
Eben war es wieder der Hass. Erst auf irgendjemanden, dann merkte ich, dass er mich meint und dann war es eine Hasspräsenz im Körper ohne Ziel.
Ich spreche das beim Klopfen laut aus was ich fühle und nehme es an (im Idealfall).
Die Details sind vielleicht gar nichts so wichtig zu erzählen. Ich brauch das wohl eher für mich zur Beruhigung. 

Ich hab da schon ziemlich viel geweint und es kam Verzweiflung dazu, weil es ein Dilemma gab zwischen Hassen und Lieben. In der Art, wie soll ich dich hassen, wenn ich dich liebe.

Dann wurde es ruhiger und die Präsenz bekam ein Bild, als ich einen Weg suchte es weiter auszudrücken. Eine hagerer, elegante Person, vielleicht mit einem Schnurrbad und Zylinder. Selbstherrlich. Das Gesicht konnte ich nicht sehen.

Da bekam ich Angst, weil die Präsenz so fest dastand, als stände ich mit dem Teufel in einem Raum, als hätte ich ihn gerufen. Mein Reflex war zu sagen – bitte gehe. Ich hatte Angst, dass er nun für immer blieb und wusste nicht wohin mit ihm.

Mir fiel dann auch die Kriegerkarte (Maya) ein und der schwarze Jaguar an der Leine.
Wird der Hass in mir, auf mich in meinem Leben bleiben? Geht es nur darum in an der Leine halten zu können? Damit war ich die letzte Woche schwer beschäftigt, in der Verantwortung zu bleiben.

Kann das leichter werden?

Viele Grüße 

Sophie