Gefühle klopfen 

Ich wache elend auf, wie schon seit einiger Zeit.

Selbstverletzungsgedanken tauchen auf. Ich erinnere mich, dass sich hinter dem Hass gegen mich, oft Wut auf andere verbirgt.

Ich lausche in meinen Körper und frage mich, an welcher Stelle dieses Elend liegt. Der Solarplexusbereich meldet sich. Dort krampft alles zusammen. Ich atme dreimal in diese Stelle und dann dreimal in eine angenehme Stelle an meinem linken Fuß. Mit Wiederholung. Ich kann die Empfindungen danach klarer fokussieren.

Ich fange an dieses Elend, diese Empfindung zu klopfen. Spüre dabei in den entsprechenden Körperbereich und folge den Worten die dabei auftauchen. Mal in Gedanken, mal laut ausgesprochen, mal in Satzform, mal nur Wörter, mal nur die Energiebewegungen im Körper verfolgend. Mal an Vorgaben orientiert, mal frei und immer in Verbindung mit Selbstannahme.

Auszüge:

Das tut richtig gut. Alles ausdrücken können, was da ist. Mit allem angenommen werden. Unterstützt werden. Ausgehalten werden, obwohl man sich selbst scheiße findet. Halt finden. Beruhigung finden. Zuversicht finden. Das Gefühl, das bewältigen und überleben zu können.

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„Ohne Liebe kann ich nicht leben“ – Verlustangst

Das ist ein großes Paket. Ich trage es schon ein paar Wochen mit mir herum.

Doch es wird auch klarer, immer wieder.

Ich versuche seit einigen Wochen Nähe zu einem Mann zuzulassen.

Ich versuche mich für seine Zuneigung zu öffnen, seinen Worten zuzuhören und zu fühlen, dass sie wahr sind und ich versuche meine Zuneigung zu erlauben, zu erlauben, dass da etwas aus mir heraus zu ihm fließt, dass unsere Herzen sich berühren.

Das ist wunderschön und es macht mich total fertig.

Es ist neu für mich. Ich hab mich in Beziehung noch nie so bewusst erlebt und gefühlt.

Die Ängste sind unglaublich groß und die Gedanken, dass alles abzubrechen, weil ich es so nicht aushalte, kommen immer wieder. Nur, was will man eigentlich abbrechen, wenn noch gar nichts passiert ist, außer, dass zwei Herzen fühlen.

Also sage ich immer mal wieder danke. Danke lieber R., dass du all meine roten Knöpfe drückst und mir so die Gelegenheit gibst, anzuschauen, was noch verborgen war, zu heilen, was geheilt werden möchte.

Einen Glaubenssatz habe ich schon mit The Work bearbeitet.

Du wirst mich verlassen!

Um den zu finden, bin ich meinen Gedanken vorher gefolgt.

  • Ich bin nicht genug, so wie ich bin.
  • Das wird ihm nicht reichen, was ich zu geben habe.
  • Ich habe nichts zu geben.
  • Ich gebe zu wenig.
  • Das ist zu wenig.
  • Ich bin nicht gut genug für dich.
  • Du wirst mehr erwarten, als ich dir geben kann.

Und dann kam er, der Satz, der mich voller Wahrheit ansprang. Felsenfest überzeugt davon – du wirst mich verlassen!

The Work hat das etwas aufgelockert. (Und wo ich diese Notizen dazu selbst nochmal lese, merke ich, dass ich auch die schon wieder vergessen hatte, obwohl es doch ganz schön klingt. Ich werde es wohl mal öfter lesen, zur Erinnerung. 🙂 )

Trotzdem bin ich seit Tagen wieder innerlich auf der Flucht. Will ihm ausweichen. Will mich nicht mehr so gestresst und angespannt fühlen. Will nicht mehr so unsicher sein und in diesen Ambivalenzen.

Heute Morgen wache ich auf und ich denke, ich muss heute zu ihm. Kein entspannter Gedanke. Kein schöner Gedanke. Kein Gedanke der einem Bauch- oder Herzgefühl entspringt. Keine Anziehung. Keine Verlockung. Sondern ein Gedanke in Not. Ich muss zu ihm!

Ich denke an das Buch von Ina Rudolph, dass ich gestern angefangen habe zu lesen („Ich will ja loslassen, doch woran halte ich mich dann fest?“) und mir fallen ihre Hilfestellungen ein, wie man einen tiefen, emotionsgeladenen Glaubenssatz finden kann, um mit ihm zu arbeiten.

Ich passe es an meinen Gedanken an und frage mich, was ist so schlimm daran, wenn ich nicht zu ihm fahre. Es taucht der Gedanke – ich verliere seine Liebe – auf.

Ich frage weiter. Was ist so schlimm daran, wenn er mich nicht mehr liebt. Es springt mich der Gedanke an – ohne Liebe kann ich nicht leben. Und da ist er, der emotionsgeladenen Glaubenssatz. Mir schnürt es die Kehle zu und es lauert Todesangst.

Dann bin ich mutig und entscheide mich zuerst, diesen Satz, diese Empfindung zu klopfen. Das empfehle ich nur, wer gut in der Lage ist, sich aus heftigen Emotionen wieder stabilisieren zu können.

Auch beim Klopfen läuft ein Prozess. Ich begann mit einem Satz und aus diesem entwickelten sich neue Empfindungen, die ich in Sätze kleidete:

  • Die kleine Sophie befürchtet, ohne ihn zu sterben.
  • Die kleine Sophie fühlt, ohne Liebe zu sterben.
  • Die kleine Sophie fühlt, ohne Liebe gestorben zu sein.
  • Ich bin gestorben, weil keine Liebe da war.

Da wurde mir klar, dass diese Angst begründet ist, weil ich sie wirklich so erlebt habe. Weil sie in meinen Erfahrungen wahr ist. Ich bin gestorben, ein Teil von mir ist damals gestorben, weil zu wenig Liebe da war. Und dieser Teil fühlt das immer wieder von Neuem, wenn Menschen im Heute gehen oder gehen könnten.

Da haben wir den Auslöser für all die Verlustangst und all das Drama und Leiden in mir, wenn mal jemand nicht erreichbar ist, den ich glaube zu brauchen oder Abschiede anstehen. Das finde ich bemerkenswert.

Ich habe lange geweint und einiges zusätzlich gebraucht, um mich mit dieser Erfahrung hier und heute wieder gut zu betten. Es war ein kleines Stück möglich, einen Ort zu imaginieren, an dem Liebe endlos vorhanden ist und die betroffene Erfahrung dort zur Ruhe kommen zu lassen. Ich bat ‚Gott‘ und Mutter-Erde um Hilfe und ich ließ mir Reiki schicken.

Und ich erkannte auch, ja, ein Teil ist gestorben, aber ein Teil hat auch überlebt! Ich bin heute noch da!

Das ist die zweite Runde mit diesem Thema. Zum ersten Mal bewusst geworden, ist mir diese Erfahrung 2016. Ich schrieb darüber.

So. Nun steht noch die Arbeit mit The Work aus. Ist es wirklich wahr, dass ich ohne seine Liebe nicht leben kann? Ich ahne bereits eine Antwort. 😉

Alter Schmerz

So viel Nähe, so viele schöne, kleine Momente gestern, doch mein Herz ist heute Morgen zu und ich kann es nicht fühlen. Stattdessen Schwermut. 

Beim Klopfen (Die kleine Sophie ist trotz des ganzen Schönen schwermütig und das ist ok so) verändert sich das Gefühl von Schwermut. Es ist schwer zu benennen. Ich springe zwischen ‚traurig‘, ‚in Not‘, ’schwer verletzt‘ und dann fühle ich es im Herzen – Schmerz. „Es tut so weh. Diese Nähe tut so weh.“

Es ist alter Schmerz, der gefroren im Herzen liegt und auftaut, wenn neue Nähe ihn berührt.

Stück für Stück, immer wieder, immer dann wenn die Zeit reif ist, löst sich etwas davon und wird fühlbar.

Dieser Schmerz war sehr groß, hat sich nicht durch das Klopfen beruhigt. Ich bin zu Stabilisierungsmaßnahmen gewechselt. Pendelatmung – 3 Atemzüge ins unangenehme Gefühl im Herzen, 3 Atemzüge in den Beckenbereich. Das ganze zweimal und das Weinen beruhigte sich. Dann die Schmetterlingsübung, Arme vor der Brust kreuzend und mit der flachen Hand abwechselnd auf die linke und rechte Schulter geklopft, dabei beruhigend ein Lied für den betroffenen Anteil gesummt. Ist angekommen, noch etwas vibriert und dann angelehnt.

Dann diesen Text geschrieben und noch Rescuetropfen genommen.

Damit habe ich eine Dissoziation weitestgehend vermieden, die sonst so aussah, dass ich noch eine Ewigkeit taub und benebelt im Bett lag.

Ich bin stolz auf mich. Das war ein ziemlich souveräner Umgang mit dieser Situation, die mich früher in Panik versetzt hätte.

Es ist sehr selten geworden, dass ich jemanden anrufe, der mir hilft mich zu beruhigen und zurückzukommen.

Das Üben und die Zeit zeigen Wirkung.

Schutz- und Liebeshöhle

Ok. Aufstehen geht nicht, weil aufstehen bedeuten würde, sie alleine zu lassen. 

Sie klammert, hält mich bei ihr in der sicheren Erdhöhle. Da hatten wir uns gerade gefunden, mit Hilfe des Klopfens. Ich hatte sie zudecken dürfen und ihr etwas vorlesen. Wir waren uns nah. Wir waren verbunden.

Ich wollte nun aus dem Bett aufstehen, meinem Tagewerk folgen. Es geht nicht.

Ich weiß erst nicht wie. Wurschtel etwas herum. Überlege Helferwesen anstatt meiner die bei ihr sind. Passt alles nicht. 

Und dann komme ich drauf, Innen und Außen als etwas Gleichzeitiges zu versuchen. Wie eine Wohnung, in der die Kleine in einem Zimmer liegt, ich zwar das Zimmer verlasse, aber trotzdem noch in der Wohnung bin. Sie kann mich hören, sie kann mich fühlen.

Das versuche ich uns als Gefühl zu vermitteln. 

Ich bin noch bei dir, auch wenn ich draußen bin. Ich bin mit dir verbunden. 

Gebe ihr symbolisch eine Schnur in die Hand, die uns verbindet.

Da ziehst du einfach dran.

Aber das ist es eigentlich nicht. Es ist das Herz, das die Verbindung hält.

Das ist nicht leicht für mich und nun weiß ich, warum ich nicht gleich darauf gekommen bin.

Das bin ich nicht gewohnt. Das muss auch ich erst lernen, mit mir, mit Anteilen, mit Gefühlen und Empfindungen, mit meinem Körper in Verbindung zu bleiben.

Gewohnt bin ich, das alles beiseite zu schieben, es als lästig zu empfinden, wenn es meinen Alltag, so wie ich ihn mir vorstelle, einschränkt.

In Situationen wie heute, lernen wir von beiden Seite. Ich, das da sein und das da bleiben. Sie, wie es sich anfühlt, wenn jemand da ist und dem zu vertrauen.

Da weinen und freuen wir uns immer, wenn es sich so neu für uns zusammenfindet. Weinen vor Schmerz, der dann auftaucht, wo so lange Einsamkeit war und Freude vor Erleichterung, wenn das Licht der Liebe nun die Dunkelheit zu wärmen beginnt.

Ein heilsamer Prozess.

Ich bin dankbar.

Das passiert fast regelmäßig, seitdem ich beim Online-Klopfkonkress das Klopfen der Beziehung aufgeschnappt habe.

Man klopft dabei auch Gefühle nicht mehr in Ich-Form, sondern vom Erwachsenen-Ich aus gesprochen für das Kind-Ich.

Das sah heute morgen so aus, dass ich gefühlt habe, dass sich ein Teil verkriechen will und dann sagte ich laut: Die kleine Sophie verkriecht sich zum Schutz. Dabei kam das Bild einer Erdhöhle.

In der dritten Klopfrunde wechselt man zur Beziehung, wo ich sowas sage wie: Ich bin für dich da. Du bist genauso richtig wie du dich fühlst. Ich bleibe bei dir. Ich beschütze dich. Ich liebe dich von ganzem Herzen, so wie du dich jetzt fühlst. Usw.

Manchmal wird dieses Angebot nicht angenommen, aber immer öfter kommen wir zusammen, so wie ich heute plötzlich mit in der Höhle war und liebevolle Gesten stattfinden konnten. 

Liebe im Raum

Du bist wunderschön und strahlend, auch mit diesem Schatten von Einsamkeit auf deiner Seele. 💜

Das ging mitten ins Herz. Es wurde geglaubt und ein paar Schmerz-Rührungs-Tränen flossen.

Ich habe es auch so gemeint, konnte es selbst so fühlen und sehen, als ich diese Worte, während des Klopfens, zu mir sprach.

Da war Liebe im Raum.

Der Sinn im Augenblick

Gesprochene Sätze während der Klopfakupressur

Diese Sinnlosigkeit macht total Sinn. Wenn ich mich meist über meine Gedanken, über meine Ideen orientiert habe und da nichts mehr ist, dann macht das orientierungslos. Ohne Orientierung, scheinbar kein Sinn.

Zwangsläufig bin ich damit auf das Jetzt zurückgeworfen und das Üben, das Jetzt auch wahrzunehmen. 

Wenn sich diese Wahrnehmung festig, könnte es doch sein, dass es keine großen Ideen mehr braucht, in denen ich mich aufhalte, sondern dass das Wahrnehmen des Jetzt ausreicht zum aufhalten und orientieren. 

Mir kommt das unglaublich vor, dass das ausreichen könnte. 

Ist das nicht zu wenig? Braucht es nicht Ziele? Braucht es nicht Dinge in der Ferne, auf die ich mich zubewege? Wie ergibt sich sonst Bewegung? Und woher kommt die Motivation dazu?

Und doch erlebe ich Bewegung, jeden Tag. 

Ich bewege mich aus dem Impuls des jeweiligen Augenblick.

Und wieder der Gedanke – ist das nicht zu wenig? Kann das genug sein? Kann ich so leben? Darf ich so leben? Braucht es nicht Visionen und Bilder? Braucht es nicht eine größere Richtung? 

Ist mein Leben genug, wenn es nichts mehr zu erreichen gibt? Ist es genug mit dem was da ist?

Damit habe ich echte Schwierigkeiten. Und nicht das erste Mal.

Ist das vielleicht auch einfach nur alles Teil dieser depressiven Phase die kein anderes Fühlen und Denken zulässt? Oder ist das ein tieferer Blick, ein tieferes Erkennen?

Ich fühle eine Lebensmüdigkeit, ein Wunsch alles hinzuschmeißen und darauf herumzutrampeln. Im nächsten Moment stelle ich fest, dass mir da gar nichts mehr einfällt, was ich hinschmeißen will und ich lache auf. Ein Paradoxon. 

Ich fühle mich schon auf dem Grund, wo es nichts mehr zu schmeißen gibt.

Ich stelle fest, dass gar nichts Schlimmes passiert hier unten. Alles läuft weiter. Das Leben geht nicht kaputt und ich habe überhaupt kein Interesse daran, selbst daran etwas zu ändern.

Da ist auch kein Abgrund. Alles ist weiter da.

Und ich kann immer noch fühlen, was mir gut tut und was ich brauche. 

Ich spüre weiter, das ich bei mir bleiben möchte in diesem Leben, auch auf diesem tiefen Grund.

Leid und Dankbarkeit 

Ein Moment Morgens.

Laut gesprochene Sätze bei der Klopfakupressur

Ein Moment Abends.

Ich bin dankbar für dieses Leben, weil ich es als Geschenk empfinde ein fühlendes, sehendes, riechendes, schmeckendes, hörendes Wesen zu sein, weil ich mich beschenkt fühle mit all diesen facettenreichen Wahrnehmungen. ♡