Klinik II

Letzter Tag für einen Ausflug genutzt, mal in anderer Gegend.

Erkenntnis:

Viel rumlaufen und anschauen geht nicht mehr.

Sitzen, verweilen, Umgebung wirken lassen, geht.

Die Erfüllung fand ich dann doch im Park nebenan.

Morgen wieder nach Hause, mit neuen Erfahrungen zum Haltlosigkeitsgefühl.

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Das Malspiel nach Arno Stern

Ich bin wo angekommen. Heute nach 4 Probeterminen den Jahresvertrag unterschrieben.

Mutig zu Beginn einen bezahlbaren Preis verhandelt.

Dann mutig jede Woche den Weg durch die lärmende Stadt erprobt. Panik reguliert.

Dann mutig mit vielen kleinen Kindern in einem geschlossenen Raum das fokussieren geübt. Fürsorge in der Praxis anwenden. Pausen machen. Ruheort nutzen.

Mutig den ersten Pinselstrich gesetzt und erlaubt zu experimentieren, mit Höhen und Tiefen, Schwere und Leichtigkeit.

Dieser Raum, dieser Ort, dieses Spiel ist perfekt für mich. Immer wieder ein Lachen im Gesicht. Keine Wertung von außen. Kein Reden über Inhalte. Den inneren Bildern und Farben folgen, den Bewegungen der Hand.

Etwas in mir darf sich hier zeigen und ausdrücken, wie es sich bisher noch nie gezeigt und ausgedrückt hat. Etwas findet endlich einen Raum, um da sein zu können.

Als ich Werbung dafür auf der Nachbarschaftsseite las und die bunten Farben sah, jauchzte mein Herz auf und es wäre sorglos von mir gewesen, diesem Impuls nicht zu folgen.

Eine verlässliche Kraftquelle, die ich jedes Mal zufriedener und aufgetankt, beruhigter und zentrierter verlasse, als ich sie betreten hatte.

Die offizielle Seite von Arno Stern, dem Gründer.

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Familie

Erkenntnis:

Wenn man den Willen eines Kindes bricht, dann hat man am Ende einen erwachsenen Menschen mit gebrochenen Willen und gebrochener Persönlichkeit.

Weil er meinen Willen als Kind gebrochen hat, habe ich heute mit einem gebrochenen Willen und einer gebrochenen Persönlichkeit zu tun.

Das war meinem Vater damals nicht bewusst.

Ich glaube, dass er auch heute noch nicht seine Verantwortung an meinem So-gewachsen-sein, mit den heutigen Einschränkungen und Behinderungen annehmen kann.

Und ich selbst traue mich auch nicht so richtig, die Verantwortung bei meinen Eltern zu sehen.

Weil ich mich gezeigt habe, sind so liebevolle Dinge passiert

Ich liege auf der Couch, denke über die vorgestrige Beerdigung meiner Oma und die gestrige Körperarbeits-Stunde nach.

Ich probiere diesen Gedanken aus, der mir gestern gesagt wurde, in ein offenes inneres System.

Weil ich mich gezeigt habe, sind so liebevolle Dinge passiert.

Es schmerzt an einer tiefen Stelle. Tränen laufen.

Darf es wehtun, wenn es doch was Schönes sein sollte?

Meine Unsicherheiten mit meinen Empfindungen.

Ja, es darf schön sein und gleichzeitig wehtun, weil Beides an der gleichen Stelle im Körper liegt. Eine neue gute Erfahrung, wenn sie denn gefühlt wird, kann eine alte schmerzhafte Erfahrung heilen. Sie verschmelzen miteinander.

Weil ich mich gezeigt habe, sind so liebevolle Dinge passiert.

Ich spüre in die Stelle, wo dieses schöne Gefühl mehr schmerzt und finde den Ort, an dem geglaubt wird – wenn ich mich zeige, dann tut das nur weh, wird schlecht gemacht, entwertet und ausgelacht – die Stelle, die das Andere noch gar nicht kennt.

Weil ich mich gezeigt habe, sind so liebevolle Dinge passiert.

Dieser Prozess mich zu zeigen und damit gute Erfahrungen zu sammeln, ist kein Neuer. Er läuft seit Jahren.

Kommen heute zum ersten Mal die Erfahrungen wirklich an?

Vielleicht, weil es um meine Familie geht? Vielleicht, weil sie der Ort meiner ungestillten Sehnsüchte sind und sie es vorgestern waren, die diesen Ort der ungestillten Sehnsüchte berührt haben?

Lassen sich Erfahrungen doch nachholen?

In diesem Fall anscheinend schon.

Ich bin vorsichtig. Bewege die Erinnerungen daran in mir herum. Die Versuchung ist groß, mir strahlend die Zukunft auszumalen, von viel Nähe und Innigkeit. Vorsicht tut mir hier gut. Die Enttäuschungen schmerzen sonst zu sehr.

Ich will versuchen diese kleinen Momente, in denen so viel zwischen uns war, aufzubewahren, sie so zu nehmen wie sie sind, wahr und passiert, ohne daraus mehr oder weniger zu machen.

Das ist genug. Mehr als genug. Das ist geradezu grandios und überwältigend. Kleine Gesten, die vorher nie waren.

Weil ich mich gezeigt habe, sind so liebevolle Dinge passiert.

Es ist nicht leicht, dass zu fühlen. Nun schwimmt dort Trauer.

Innere Begegnung im Alltag

Im Bäcker. Vor mir ein Milchkaffee. Geräusche und Bewegung um mich herum, von Kundschaft und Musik. Beruhigend. Haltend. Beobachtend. Eine Frau löst Sehnsucht aus. Ein Gedanke: mir fehlt jemand, den ich bewundern kann, ein warmes Vorbild. Trauer, dass da niemand zum anlehnen ist. Ein weiterer liebevoller Gedanke: was hälst du davon, wenn du dich selbst bewunderst? Wie du für dich da bist, selbst liebevoll bist.

Tränen steigen auf und eine kullerte das Gesicht hinab. Das berührt mich tief, mitten in dem Trubel eine Insel der inneren Begegnung.

Und es ist wahr. Ich bin die Mutter die ich mir immer wünschte.

Ist es wahr?

Cranio-Sacral-Sitzung

Was für eine Cranio-Sacral-Sitzung heute.

Wir haben uns das Ankommens-Gespräch gleich gespart, weil ich sofort anfangen musste zu weinen, mit den ständigen Worten in meinem Kopf „es ist zu viel“, „ich will sterben“.

Ich war vor 3 Monaten das letzte Mal bei ihr.

Noch neben der Liege sitzend, legte ich meinen Kopf auf die Liege, die Arme darum, um die Tränen zu verbergen.

U. setze sich dazu und legte behutsam ihre Hand auf meinen Rücken.

Aber erst als ich dann auf der Liege lag, konnte ich mich ganz abgeben und reden und fühlen, was da an großer Last in mir war. So hab ich ne dreiviertel Stunde geheult und gerotzt und gezetert, war verzweifelt, überfordert, traurig, wütend und voller Angst. Hab nen Kissen durch den Raum geworfen, mich gehasst und mich geliebt.

Und wenn U. mal ihre Hände von meinem Rücken nahm, kam ganz schnell „kannst du da bleiben?“.

So raus lassen geht nur bei U. und geht nur, wenn ich berührt werde.

Die ganzen Termine der letzten Wochen, durch Therapiesuche, neue BEW-Frau, neue Ergo-Körperarbeit, die immer wieder Altes triggerten, von „mich will keiner“, „mich sieht keiner“, „ich bin nicht wichtig“, „ich bin falsch“. Unausgedrückt, in mir gestapelt, so dass die depressiven Zustände sich vermehrten. Ich schaffe den Haushalt nicht mehr und fühle mich zunehmend unwohl in meiner Wohnung.

Durch die Medis aber so viel Abstand, dass es möglich war weiter zu funktionieren.

Ich bin deswegen so verdammt ambivalent, was die Medis betrifft. Und mir macht es auch sehr zu schaffen, dass mir anscheinend von den Medis die Haare ausfallen. Gruselig.

Es war mir nicht möglich, meine Gefühlswelt selbst so zu greifen, dass ich sie hätte vermitteln können und schon im Alltag Entlastung zu finden.

Zum Ende der Cranio-Stunde erlebe ich aber auch, dass Kraft in mir ist, mich all dem weiter zu stellen und vorwärts zu schreiten.

Ich bin auf dem richtigen Weg.

Vielleicht muss nur an der einen oder anderen Stelle der Zeitumfang etwas reduziert werden, um Überforderung zu vermeiden.

Mir ist dort auch mal wieder bewusst geworden, wie schwer es für mich ist Überforderung zu fühlen, wenn sie passiert. Überhaupt so etwas wie ein Stopp zu fühlen. Dazu erinnerte sich U. an eine frühere Sitzung, bei der wir in eine Stelle im Körper tiefer spürten. Sie meinte, die meisten Menschen reagieren irgendwann mit einem Stopp. Bei mir kam kein Stopp. Es gab keine Grenze. Sie konnte bis tief wahrnehmen und ganz auf dem Grund, war so viel Sehnsucht nach Kontakt, aber auch eine panische Angst.

Das beschreibt gut, wie ich mich fühle, wenn Nähe entsteht. Da ist keine Grenze, kein Stopp. Es geht sofort bis auf dem Grund und dort ist sofort panische Angst.

Ergotherapie

Den kleinen Eisbären schützend und haltend im Ausschnitt herum tragen.

Da ist so viel Angst.

Gestern war Ergo. Es war sehr anstrengend. So angstvoll, gesehen zu werden. So anders zu sein.

Heute getraut, ihr eine in mir kreisende Frage zu schicken.

Hey …., ich muss das nochmal fragen, weils mir ständig durch den Kopf geht. Du findest mich jetzt nicht blöd, wie ich mich verhalten habe?“

Sie: „Nein, ich finde Dich doch nicht blöd. Mach Dir keine Gedanken. Es ist sehr interessant was da entsteht, finde ich. (…)“

Es wäre das erste Mal, dass sie so arbeitet. Dem Klienten den Raum und die Führung überlassen. Sie ’nur‘ als Halt und Zeuge. Auf der Liege hab ich noch nicht einmal gelegen. Doch kurze Berührungen fanden schon statt, immer begleitet mit viel Panik.

Ich lauf da viel im Raum herum.

Momentan geht’s hauptsächlich darum Angst wahrzunehmen, anzuschauen und in aushaltbare Bereiche zu regulieren. Skills vor anderen anwenden. Das fällt mir sooo schwer. Aber ich bin mutig. 🙂