Notizen für die Therapie II

Samstag, Sonntag, 08-09.12.2018

Bedarfsmedikation zur Nacht.

Freundin nach Kontaktmöglichkeit über das WE gefragt, falls Notfall. Sie war da. Ich habe es nicht genutzt.

Montag, 10.12.2018

Telefonat Psychiaterin: ¼ Quetiapin ausprobieren, wenn ich rausgehe hat geholfen in die KBS zu fahren. Angst nicht so vordergründig.

Krisentelefonat mit der Vertretung beim BEW wegen der Angst.

Anhebung abends auf 50 mg Quetiapin unretadiert.

Dienstag, 11.12.2018

Mit dem Medikament war es wieder möglich zur Physiotherapie zu fahren.

Notizen: Beim Gedanken daran, die Woche für die Therapie Rückschau zu halten, große Hoffnungslosigkeit. Mich zeigen, jemanden Anteil nehmen zu lassen, bringt ja doch nichts. Es ist egal. Kann alles vergessen werden. Es bringt nichts mich mitzuteilen.

Auslöser war ein Gespräch in der KBS gestern mit einer Mitarbeiterin, über die Medikamentenanhebung. Da gab es bei mir eine Erwartung/Hoffnung, wie sie auf meine Entscheidung reagieren sollte. Zuspruch. Ich wünschte mir Zuspruch. Und eine Bestärkung meiner Entscheidung. Das kam nicht. Nur Skepsis und Nachfragen, ob es nicht anders ginge und ob es nicht für die Therapie hinderlich sei. Sie verstand dann nach meinen Schilderungen, dass die Einschränkungen zu groß waren, um auf diesen Schritt zu verzichten.

Erst heute erkenne ich, dass ihr fehlender Zuspruch, meine eigene Entscheidung infrage stellt. Die Verunsicherung ist groß und das Gefühl etwas falsch zu machen. Mir fehlt mein eigener Rückhalt. Die Folge ist Rückzug aus der Beziehung, weil ich nicht bekomme, was ich brauche.

Mittwoch, 12.12.2018

Morgens innere Leere und Traurigkeit.

Der erste kurze persönliche Besuch von Frau W. (BEW), in meiner Wohnung. Ich glaube, dass ging auch nur wegen der Medikamentenanhebung. Missverständnisse in der Kommunikation angesprochen, weil ich mich schwer vom Gesagten abgrenzen kann.

Bei der Reiki-Behandlung kommt mir der Gedanke: Ich bin genauso wichtig wie alle anderen auch! Ich fühle das plötzlich und muss weinen.

Donnerstag, 13.12.2018

Rückschau auf die letzte Therapiestunde: nach Anteilen zu fragen, machte mir Stress. Angst etwas zu konstruieren. Ich verwerfe selbst seit Jahren immer wieder Theorien und greif sie dann wieder auf. Nichts erfasst wirklich die Wirklichkeit. Zusammenspiel aus drei Theorien – EPs/ANP; Ich-Struktur-Model nach Josi Rom; Schilde-Modell nach Twisted Hairs. Nie statische Bereiche gefunden, mit Altersangaben o.ä..

Notizen morgens: Stress im System und große Belastung, nach der Thematisierung gestern von Kommunikationsfehlern im BEW. Bewegungsmeditation Impuls – meine rechte Hand will gegen meine rechte Wange schlagen. Selbstbestrafung? Erinnerung: Widerworte führen zu Strafe.

Notizen nachmittags: Innengespräch – „Ich fühle mich elend und so alleine.“ Weinen. Meine Kleine, ich bin bei dir. Ich sehe deine Einsamkeit und deine Kränkung. Erinnerung an grundsätzliche Atmosphäre als Kind nicht respektiert zu werden (als Mensch nicht respektiert zu werden). Meine Meinung hatte keinen Wert.

Den ganzen Tag belastet/belegt, nicht so richtig da.

Freitag, 14.12.2018

Klopfen. „Da ist nichts mehr was mich hält. Im Leben hält.“ Gottverloren. Nur Beten hilft und löst ein Weinen.

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Perspektiven auf die Geschehnisse

Komisch.

Ich schrieb eben eine Zusammenfassung der letzten Woche, mit dem was ich wichtig fand, die Therapeutin morgen wissen zu lassen.

Und wieder kam irgendwie eine andere Perspektive dabei heraus, im Vergleich zu den letzten beiden Beiträgen, in denen ich auch die aktuelle Zeit beschreibe.

Je nach dem worauf ich meinen Fokus lege, scheint eine andere Vergangenheitssicht zu entstehen oder scheinen ausgewählte Erinnerungen aufzutauchen.

Vielleicht völlig natürlich, wenn ich viele Details wahrnehme und viele innere Erfahrungen mache. Es würde den Rahmen sprengen, wollte ich alles aus einer Woche wiedergeben, in einem einzigen Text.

So könnte man sagen, meine Erlebnisse der letzten Zeit setzen sich aus allen drei Texten zusammen. Zusammen nähern sie sich der Vollständigkeit meiner Erfahrungen an.


Freitag

Nach der Therapiestunde mich in das Cafe von … getraut, einen Kaffee getrunken und dann mich getraut zu fragen, ob ich mit jemandem vom Personal sprechen könnte. Dort erfahren, dass Werkstatt auch überbezirklich aufnimmt und bevor man da hingeht, ein Gespräch bei denen hat. Für Montag drauf verabredet und ich hab mich dann echt noch getraut auf die Angst-Nähe-Thematik hinzuweisen und mir einige Dinge gewünscht. Es wurde sehr aufgeschlossen darauf reagiert und mir noch angeboten die Beratungsräume vorher schon mal zu sehen.

Telefonat mit der Werkstatt von … hat Spirale ausgelöst – es ist falsch mich schützen zu wollen, wenn der andere nicht sehr offen darauf reagiert – die sind falsch – ich bin falsch – ich kann da nicht mehr hingehen. Habe selbst den Ausgang gefunden, noch am gleichen Tag. *auf die Schulter klopf* 🙂

Samstag

Vaterprozess!!! Vergeben. Brief schreiben noch offen. Angst.

Sich wiederholendes negatives Muster in Beziehungen erkannt und mich darüber erschrocken.

Montag

Termin …. Vorher Panik und Überforderung. Angst, dass mich der Termin wegdonnert. Vorher zu greifen bekommen, dass die Beratungsräume zu nah sind. Vor Ort getraut zu fragen, ob man vorne im Cafe bleiben kann. War kein Ding. Für Werkstatt okay bekommen und wilde Pferdeherde könnte 3-4-mal ohne Kosten besucht werden! Zu Hause trotzdem emotionaler Schmerz, Leid und weinen. Schutzlosigkeits-/ und Überforderungsgefühl getriggert.

Dienstag

Große, große Sorgen, wie ich den Besichtigungstermin in der Werkstatt (Montag 03.12.) bewältigen soll. Meine Vorstellung eines ‚normal‘ ablaufenden Termins passt nicht zur Realität. Werde erst panisch – nur in Begleitung – kann mich alleine nicht vertreten, nicht für mich sorgen – ich werde mich ausliefern –  falsche Zeit – Termin absagen. Dann schaffe ich es irgendwie mich zu fragen, wie es sein müsste, dass ich es alleine schaffe und mir vorzustellen, dass ich mich alleine vertreten kann. Wahnsinn!!! 🙂 Wahrscheinlich nur, weil ich mir währenddessen Fernreiki schicke. 😉 Und dann spuckt meine Vorstellung eine neue Option aus. Nur bis zur Eingangstür. Noch keine Besichtigung. Noch kein längeres Gespräch. Mit meiner eigenen Erlaubnis, dass ich das so machen darf (ich hatte erst den Impuls, in der Werkstatt anrufen zu müssen und zu fragen, ob ich das so machen darf), wird es friedlich in mir. 🙂

Mittwoch

Eine Veränderung. Ich kann mir vorstellen …  vom BEW zu begegnen. Kurz und in einer gemeinsamen Aktion. Sie hat heute aber keine Zeit. Find ich richtig schade. Das Gefühl von, ich will sie auf keinen Fall sehen, schwenkt um zu, wann können wir uns endlich sehen. Verrückt.

Mir ist wieder nach Gesellschaft. Ich traue mich für eine Stunde in die KBS. Vorher angerufen, Angst-Thema erzählt und um Unterstützung gebeten. Vor Ort: es war okay. Kein Panikanfall. Trotzdem viel körperliche Stressreaktion auf an mir vorbeilaufende, an mich herankommende Leute. Wieder zu Hause weinen, als ich spürte wie respektvoll und zugewandt sich einige dort mir gegenüber verhielten. Das schmerzt immer wieder. Ein schöner Schmerz.

Donnerstag

Termin Physio. Von Stelle am Bein erzählt, welche beim Dehnen immer schmerzt. Sie fasst hin und trifft genau den Schmerzpunkt. Ich schreie auf, ziehe mein Bein weg, aber sie lässt nicht los und ich fasse hin und ziehe ihre Hand weg. So aktiv habe ich noch nie reagiert! Zu Hause geht’s mir richtig schlecht – hohe Anspannung, Leid – ich weiß nicht warum. Erst beim Hören einer Reiki-Entspannungsaufnahme fällt mir die Physiosituation nochmal ein und ich spüre einen Glauben mich falsch verhalten zu haben und deshalb falsch zu sein, weil ich ihre Hand weggezogen habe. Ließ sich dann korrigieren. Was würde ich nur ohne Reiki tun?!

Meine Mutter angerufen. Nach 5 Monaten. War nicht da. Aufs Band gesprochen. Hatte das Bedürfnis ihre Stimme zu hören.

Therapie I

Oh wow! Ich fühle mich so berührt! Positiv berührt.

Die zweite Therapiestunde heute hat mich im Nachgang tief bewegt.

Sie ist so aufmerksam. Nimmt meine Sorgen auf und meine Ängste. Bezieht sich darauf. Bietet praktische Lösungen an. Fragt nach. Erinnert sich.

So empfinde ich sie voll da, voll präsent und aufmerksam. Fast schon unheimlich.

Mit der Gardine im Zimmer hat sie das Ganze heute getoppt.

Ich fühle so viel Dankbarkeit darüber, dass ich mich schützen darf. Sie bringt mich überhaupt erst darauf. Ich nehme nur die Angst, Anspannung, unangenehme Empfindungen wahr und spreche das an. Ich würde alleine gar nicht darauf kommen, dass ich etwas tun darf, wir etwas am Rahmen verändern können, damit weniger Anspannung/Angst da ist.

Das fing mit dem kleinen Beistelltisch an. Da sagte ich nur, dass ich mich in Gesprächen besser fühle, wenn ein Tisch dazwischen ist. Sie bot sofort an, diesen kleinen Tisch zwischen uns zu stellen, was ich erst einmal ablehnen musste, weil ich so berührt und überfordert war mit ihrem Entgegenkommen.

Beim nächsten Termin war ich bereit das mal auszuprobieren. Und es fühlte sich so verdammt viel besser an. Jetzt stellt sie ihn immer extra um, wenn wir einen Termin haben und ich empfand so viel Dankbarkeit dafür.

Weiter ging’s mit den Pflanzen im Raum. In einer akuten Anspannung fiel mir die große Pflanze neben mir auf und sie tat mir voll gut, einfach beim anschauen. Sie stand nur ungünstig, um sie immer mal wieder von alleine im Gespräch zu sehen. Das erzählte ich und prompt stieg sie in die Überlegung ein, wo wir günstig Pflanzen hinstellen könnten, damit ich sie sehen kann. Echt krass! Ich hab mich da immer noch geziert. So viel Entgegenkommen hab ich noch nie vorher erlebt!

Nun stellt sie tatsächlich nicht nur den Tisch jedes Mal um, sondern auch eine kleine Pflanze, so dass ich sie neben ihr sehen kann. Unglaublich!

Und so ging es weiter!

Ich brachte ein paar Werkzeuge von zu Hause mit zum zeigen und überlegen, ob es für die Stunden gut ist. Sie bot an, dass ich Dinge da lassen könnte oder sie auch Dinge besorgen kann, die dann da sind. Da lassen kann ich noch nichts. Ich brauch das auch alles zu Hause.

Bei einem Buch („Resilienz“ von Matthew Johnstone, mit vielen Bildern) hab ich gemerkt, dass ich es nicht jedes Mal mittragen möchte und sagte heute ganz mutig, dass es schön wäre, wenn das hier sei. Kein Problem! Sie machte ein Foto, um es zu bestellen.

In der Stunde vor einer Woche, direkt nach dem stationären Aufenthalt erzählte ich ihr, dass mir richtig die Decke um meine Schultern fehlt, die ich auf Station immer in den Gruppen hatte. Sie ging sofort darauf ein, suchte provisorische Lösungen. Ich nahm dann meine Jacke. Von alleine wäre ich niemals in Aktion getreten. Heute gab es eine neue Decke! Und ein neues Kissen. Davon sprach ich auch einmal. Und dann war ich so ermutigt, dass ich spontan sagte, ich würde mir ein kleines Kissen wünschen, dieses sei zu groß zum vor dem Bauch festhalten. Wurde vermerkt!

Ich krieg mich hier beim Schreiben kaum ein vor Fassungslosigkeit, vor Freude, vor Dankbarkeit, vor Ungläubigkeit, vor Staunen, vor Bewunderung! Ich könnte Schreien! Ein positives Schreien. 🙂

Ich danke dem Herrn zutiefst, dass er mich bis zu dieser Stelle begleitet und geführt hat und ich danke mir selbst zutiefst, dass ich mich führen lassen habe, den Mut und die Kraft nie verloren habe. Dafür hat sich alles gelohnt!!!

Ach ja, die Gardine. Die Praxis liegt im ersten Stock. Heute nahm ich immer mal wieder Schatten vorm Fenster war. Die Fenster sind mit Sichtfolie geschützt. Menschen warteten dort ab und an. Das fühlte sich unheimlich an. Sofort kam der Vorschlag die Gardinen davor ziehen zu können. Ich dachte erst an dunkle, schwere Gardinen und fand das nicht gut. Doch dann entdeckte ich leichte, weiße Gardinen neben, hinter mir und zog sie ein Stück neben mich, vor das Fenster. Und siehe da, dass hat sich so unglaublich gut angefühlt, fast geborgen. Da wäre ich von selbst nie drauf gekommen, dass das helfen könnte, sich sogar so gut anfühlt. In Kombination mit einer kleinen Lampe, mit sanften, warmen Licht.

Mein eigener Beitrag zum sicherfühlen ist ein Seil, dass ich vor meinen Füßen im Halbkreis auslege. Das macht wirklich was aus. Und einen Stein hatte ich heute mit.

Diese ganze Kombination heute aus Decke über den Schultern, Seil um Füße, Tisch vor mir, Pflanze im Blick, auf dem Tischchen mein Stein, mein Buch, meine Notizen liegend, die Gardine zum Schutz in der Seite… ich hab mich schon fast sicher gefühlt und schon sehr aufgehoben.

So habe ich mir das immer gewünscht. Das meine Angst ernst genommen wird! Das man mir hilft, sie in Sicherheit zu bringen. Nur wusste ich selbst nicht wie und wäre nicht darauf gekommen, dass es über diese äußeren Dinge möglich ist.

Und ich habe heute auch zum ersten Mal Worte gefunden für diese Angst, die mich überall hin begleitet.

Schutzlos ausgeliefert.

Das ist mein Grundgefühl in menschlichen Begegnungen. Krass!

Verrückte Welt

Ich habe eben diese neue Therapeutin angerufen, um ihr zu sagen, dass ich heute nicht komme, weil ich mich zu destabilisiert fühle, dass ich erst wieder komme, wenn ich stabiler bin.

Was für ne Leistung! Und das meine ich nicht sarkastisch. 

Eigentlich denke ich nämlich, dass ich gerade in einer Krise eine Therapeutin brauche, die mir da raus hilft.

Nur habe ich gemerkt, trotz jammern und wütend sein, dass sie das gar nicht kann.

Erstens haben wir uns erst dreimal gesehen und sie weiß kaum etwas und zweitens bin ich nicht in der Lage gewesen, diese Krise zu verbalisieren und Hilflosigkeit sichtbar zu machen. Ganz im Gegenteil habe ich ständig wütend, mißtrauisch auf sie reagiert. Ich konnte es nicht anders.

Dadurch erzeugte sich nur weitere Not keine Hilfe zu bekommen und nicht gesehen zu werden.

Ich lass das mal jetzt. Und zwar aus Selbstfürsorge. Die eigentliche Sicherheit, das Vertrauen kommen eh von innen und können nur im Innen gefunden werden. Das Außen ist nur kurzfristig Zwischenlösung. 

Update II

Ich habe den Artikel gestern nicht fertig geschrieben, weil ich so müde geworden bin. Mein Schlafrhythmus hat sich durch die Medis gut eingepegelt.

Ich bin dabei, mich erneut mit meiner alten Selbsthilfegruppe zu verknüpfen. Das geschah von ganz alleine. Plötzlich war sie mir unheimlich wichtig und ich spürte das starke Verlangen, mich nach langer Zeit wieder mit einzubringen, um den Erhalt, die Kontinuität und Verlässlichkeit weiterhin zu gewährleisten. Ich will mit Verantwortung übernehmen, was ich dort auch mitgeteilt habe und für mich etwas Besonderes ist, weil Verantwortung mir bisher enorme Angst eingejagt hat. Vielleicht kann ich besser meine Grenzen wahrnehmen, dass ich dafür bereiter geworden bin. Es ist ein spannender Prozess.

Bestimmt speist sich das auch aus der Suche nach Halt.

Und eine neue Runde Heilpraktiker-besuche hat begonnen. 😀 Und jetzt ratet mal warum… Allergiezeit beginnt. Nach meinen umfangreichen Investitionen im letzten Jahr, hatte ich ja gedacht, mit diesem Thema durch zu sein. Ich war selbst überrascht, dass mich ein Flyer einer Heilpraktikerin so ansprang.

Zwei Termine hatte ich bereits und für eine Sache hat es sich auf jeden Fall gelohnt. Sie war die erste, die mir ins Gesicht sagte: „Sie werden wahrscheinlich immer mit Symptomen zu tun haben“. Das hat mir meine Idee, von, nie wieder Beschwerden und ich suche so lange, bis ich geheilt bin, genommen. Wie erleichternd. Es geht also um den Versuch zu lindern, mit einer 30%-40% Chance. Es wird, wie auch in der Medizin an den Symptomen angesetzt. Das Muster, dass ich übersensibel reagiere, wenn von außen etwas eindringt (und das nicht nur auf Pollen bezogen), werde ich wahrscheinlich mein Leben lang haben. Damit kann ich doch mal was anfangen und mich darauf einstellen.

Die Behandlung besteht aus Eigenbluttherapie in Kombi mit Homöopathie, Selenzugabe, Vitamin C Depot (was wohl das gleiche macht, wie die üblichen Allergiemedikamente – das Histamin fressen) und griechischer Bergtee.

 

Heute war ja auch das Vorgespräch zur Verhaltenstherapie. Einige Stunden danach, nach viel Verwirrung, Gedankenkreisen, emotionalen Zerwürfnissen, dachte ich mal wieder – oh wie krass – ich reguliere das alles ganz alleine, mit einer Unentschlossenheit, ob ich das scheiße finden soll oder gut. Ich glaube, ich finde es beides.

Das hat mich wieder so aufgewühlt, so ein Termin, soviel Sehnsucht nach Bindung nach oben geholt und es erschwert zu spüren, ob es das richtige ist, ob sie die richtige ist. In der Bahn nach Hause war ich so durch den Wind, regelrecht benommen von dem hin und her in meinem Kopf. Etwas Neues ist dann passierte. Ich dachte plötzlich – es müssen sich alle einig sein und habe aufgehört, für mich alleine abzuwägen und bedürftige Gefühle wegzudrücken. Stattdessen habe ich mich irgendwie nach innen aufgemacht und Raum gelassen. Es war keine Konferenz, wie ich von gehört hatte, dass man das machen kann. Also ich habe nicht alle Anteile bewusst ‚gehört‘ und verfolgen können. Aber es bewegte sich und war etwas stressfreier und dann kam der Satz in meinem Kopf – ich bin zu verletzlich für sie. Ich fand das ein sehr stimmiges Ergebnis, wo ich ohne das Einbeziehen meiner Bedürftigkeiten/Empfindlichkeiten selbst nicht drauf gekommen wäre. Sie war in ganz vielen Dingen super. Direkt. Klar. Ehrlich. Kannte ihre Grenzen und hat sie mir auch gesagt. Zugewandt. Jung und dynamisch. Und auch lustig. Sie kannte die Ego-State-Theorie.

Als ich sie fragte (nicht Wortlaut), ob all meine Gefühle hier gewertschätzt werden, war sie sehr ehrlich und sagte, sie gibt sich große Mühe und wies noch auf kulturelle Unterschiede hin. Erst nach dem Gespräch sah ich auf der Visitenkarte einen zusätzlichen fremdsprachigen Hinweis. Sieht nach polnisch aus. Jetzt weiß ich nicht wie die Polen so mit ihren Emotionen umgehen, aber ich habe im Gespräch da ein Gefühl bekommen. Ihr fehlte emotionale Weichheit. Ich glaube, ich brauche so etwas ganz unbedingt, damit sich alle Anteile trauen zu zeigen.

Nachtrag: dänisch ist das, nicht polnisch.

Und wenn ich einen Impuls von vor ein paar Tagen aufgreife, ist es gut, dass ich das noch nicht mache mit der Therapie. Da spürte ich, erst einmal im BEW ankommen und mich zu Recht finden, schauen was dabei herauskommt und auch an Bedarf übrig bleibt.

Trotzdem eine spannende, lehrreiche Erfahrung. Verhaltenstherapie ist definitiv passend für mich.

 

Schluss, Aus, Ende

Ja krass… ich bin seit 6 Jahren in therapeutischen Settings.

Angefangen mit der ambulanten Suchttherapie, mit 1 Einzel- und 1 Gruppengespräch die Woche, mehrmalige kurze Krisenstationsaufenthalte, 3 längere tagesklinische Aufenthalte, 3 Jahre Psychoanalyse, mit zwei Gesprächen die Woche, 2 stationäre Aufenthalte und als letztes knapp 1,5 Jahre Einzelfallhilfe.

Der nächste Termin ist der letzte Termin. Und dann ist Ende.

Es sind krasse Zeiten. Ich fühle mich mehrmals täglich völlig anders.

In letzter Zeit meist eher mit nicht so prickelnder Stimmung.

Heute nach langer, langer Zeit morgens Freudegefühle gehabt. Das war schön. Habe ich genossen.

Ich nutze gerade viel die Möglichkeit mir Fernreiki schicken zu lassen. Bringt lindernde Momente und Klarheit in die Prozesse.

Heute habe ich sehr komische Gefühle gehabt. Ich fühlte mich mir selbst gegenüber befremdlich, wusste/fühlte nicht mehr wer ich bin. Innerhalb von Handlungen die mir vertraut sind und im Kontakt mit Menschen verschwand dieses Gefühl. Ich lief eben herum und zündete Kerzen an, wie fast jeden Abend und da kam ich zurück. So ein ‚ah ja, das bin ich, so fühle ich mich‘ als würde ich mich über dieses Ritual wiedererkennen. Und auch als meine Mutter heute da war, fühlte ich mich wie ich, wie ich eben so bin, wenn ich mit ihr im Kontakt bin.

Ich muss an die Borderline-Strukturen denken.

So ist das vielleicht. Fällt die konstante Begegnung mit jemandem weg, über die man sein Ich-Gefühl erhalten hat, entstehen vielleicht diese Ich-fremden oder Ich-leeren Momente, bis wieder etwas kommt, was das Ich-Gefühl durch den Spiegel erzeugt.

Na da bin ich wirklich gespannt, wie es sich damit leben lässt. Es sind keine angenehmen Momente.

In mir drin ist eh alles in Bewegung. Ich habe keine Ahnung was noch passieren wird.

Mir ist aufgefallen, dass ich in den letzten Wochen stark mit der inneren Kommunikation nachgelassen habe. Es fühlt sich nach einer Reaktion auf den fehlenden Betreuungskontext an. Ich muss ja nun niemandem mehr erklären, was so in mir ist.

Auch ist mir aufgefallen, dass ich die motivierenden, freundlichen, liebevollen Stimmen wenig eingesetzt habe. Dazu brauche ich mein Bewusstsein. Das kann ich nur aktiv machen, die kommen nicht von alleine. Auch hier ahne ich, dass da Innen ein Grund fehlt. Ja für wen denn jetzt. Interessiert doch niemandem mehr. Ich habe heute etwas wieder damit angefangen, weil ich spüre, dass mir dieser Gegenpol zur Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit hilft. Doch der Elan und die Motivation sind deutlich raus.

Ich habe mich darauf eingestellt, dass das jetzt eine Phase werden wird, wo ich keine Ahnung habe, was dabei herauskommt, was funktioniert und was nicht funktioniert, was sich wohin entwickeln wird.

Inszenierung

Jetzt will ich schnell die Möglichkeit nutzen, das Aktuellste online zu stellen, wo ich momentan die Fähigkeit zurückerlangt habe am PC sitzen zu können, lesen zu können und etwas komplexer denken zu können.

Mir fiel vorhin der Ausspruch ‚Gottes Wege sind unergründlich‘ ein, als ich über den Verlauf der Ereignisse nachdachte. Stimmt gar nicht, dachte ich dann, da es doch irgendwie einen Sinn ergibt. Nur es läuft eben auf einer ganz eigenen Spur, die ich nicht kenne, der ich nur folgen kann.

Ich bin wieder dort gelandet, wo ich mich im Dezember befand und was als Grundlage diente, mich für eine stationäre Therapie zu entscheiden. Wiedererleben von Traumatisierung.

Es scheint, als wäre mein Verhalten, Hilfe zu suchen, ein Teil des Verarbeitungsprozesses oder zumindest ein Verhalten, welches sich aus der erfahrenen Not von damals speist. Dieses Muster kann ich immer wieder finden. Ich suche nach Rettung. Jemand soll diese Situation, dieses Fühlen beenden, mich daraus holen, mich retten. Dieses nach Rettung suchen, basiert auf dem Gefühl von existenzieller Not.

Es passt wie die Faust aufs Auge, dass es um diese eine Situation meiner Kindheit geht. Das habe ich so bisher nicht bewusst gehabt.

Durch die neue Entscheidung gegen eine stationäre Therapie, reinszenierte sich erneut diese Not. Die scheinbare Rettung wurde ja verwehrt. Und ich habe immer erst null verstanden, woher dieses unsägliche Leid plötzlich kam. Völlige Hoffnungslosigkeit. Das Gefühl in ein Loch zu fallen, fortgerissen zu werden von unendlicher Verzweiflung. Kein Halt mehr. Bodenlos. Selbstverachtung und autoagressive Impulse.

Dann hab ich überhaupt erst einmal begriffen, mit wie viel Bedeutung diese Entscheidung für Klinik aufgeladen war. Dass es für einen Teil in mir ALLES bedeutet hat und nun NICHTS mehr da ist!

Darauf folgten die Tage Niedergeschlagenheit und Kraftlosigkeit. Ich hatte da großes Verständnis für.

So ergab es auch einen Sinn, warum ich über das ‚Nein‘ am Anfang so entsetzt war.

Und heute hat es sich weiter aufgerollt, ist das alte Erlebte aufgetaucht, als mir das mit dem Rettungsversuch bewusst wurde.

Ich bin reingerutscht – Ohnmacht, Schock, erstarrt sein konnte ich fühlen. Unendliche Not, inneres Fallen und eine Art Warten/Sehnen. Warten/Sehnen das jemand kommt? Das Gefühl in meinem Kinderzimmer zu sein, nach dem Ereignis. Das sind neue Erinnerungsstücke. Ob ich auf meine Mutter gewartet habe oder auf irgendjemand oder irgendwas? Keine Ahnung. Und ich frage mich, wie ich danach war. War ich verändert? Ist es jemandem aufgefallen? Haben wir einfach so weiter gemacht wie bisher? Ich kann mich nicht an ein einziges Wort, eine einzige Reaktion danach erinnern. Vielleicht war da auch nichts, kam da nichts.

Das waren die letzten Tage krasse Gefühlstiefen. Ich war glaube ich, mit fast nichts anderem beschäftigt, als diese inneren Prozesse zu begleiten, zu halten, Raum zu schaffen, dazwischen auszuruhen, zu schlafen und einigermaßen zu essen (und für Taschentüchernachschub zu sorgen). Und ich hab deutlich spüren können, wie viel Energie innere Prozesse ziehen und das es zur Selbstfürsorge gehört, mir keine Sachen, Erledigungen aufzudrücken, es mir so ‚leicht‘ und ‚angenehm‘ wie möglich zu machen.

Ich konnte meine innere Arbeit als immense Leistung anerkennen.

Ich bin bestimmt noch nicht durch mit dem Thema. Da folgen garantiert noch ein paar Runden, die darauf aufbauen, sich daraus ergeben.

Ich spüre die riesige aktuelle Thematik, die Vorstellung von Rettung loszulassen, auch zukünftig.

Es gibt keine Rettung. Niemand da draußen kann mich retten, keine Klinik, keine Therapie, keine Personen, kein System kann mich retten. Niemand kann es wieder gut machen.

Ich spüre das wie ein Schnitt im Herzen, der meinen Bauch zusammenkrampft.

Die ganze Gefühlsdimension dieses einen Momentes von damals anzunehmen, in seiner Tiefe zu durchdringen. Diese Notlage mit seiner Unveränderlichkeit.

Da bin ich noch nicht durch. Fühlt sich jedenfalls so an.

Und anscheinend hat sich meine Seele diesen ganz eigenen Weg, außerhalb von Traumatherapie usw. gewählt, um das aufzuarbeiten.

Die einzige die da noch kein Vertrauen für gefunden hatte war ich. *schmunzel*

Ich glaube, ich bin langsam soweit mit dem Vertrauen, wenn ich mir die letzten Tage anschaue. Ich musste niemanden anrufen, ich fühlte mich immer nur kurzzeitig überfordert und wusste die meiste Zeit, wie ich mir helfen kann, wie ich Druck abbaue, wie ich bewusst bleibe.

Nachtrag: Was mir noch zu Hilfe suchen einfällt. Ich bin für die Zukunft nicht gegen Hilfe und Unterstützung. Jedoch ist es wichtig für mich, diese Art der Hilfesuche zu erkennen, die sich aus einem Not-/Ohnmachtsgefühl speist. Das ist das Alte. Wenn ich daraus im Außen Hilfe suche, bleibe ich in der Rolle der Hilflosen, genau wie damals. Ich bin jedoch nicht hilflos. In mir selbst ist die Führung vorhanden, die mich zu dem führen wird, was ich brauche oder auch nicht brauche. Zu lernen gibt es nur, wie ich in Kontakt damit komme und dem auch zu vertrauen.