Tagebuchnotizen 17.11.-21.11.17

17.11.     Wenn ich davon ausgehe, dass das Viele-sein auch auf mich zutrifft, auch ohne Gedächtnislücken im Alltag, dann machen die Unterschiedlichkeiten in mir Sinn. Auch das fehlende Identitäts-/Einheitsgefühl. Und wenn ich es ok finden könnte, dass unterschiedliche Gedanken und Empfindungen in meinem Kopf sind und den Versuch aufgeben könnte, zu etwas eine Meinung, einen Gedanken, ein Gefühl zu haben, dann könnte es leichter und friedlicher werden in mir. Ich muss mich nicht mehr auf einen Nenner bringen. Unterschiedliches, Widersprüchliches darf nebeneinander existieren. Das wäre ja mal schön, wenn mir das gelingt es so zu sehen und anzunehmen.

19.11.     Der Teil der die Achtsamkeit schon morgens sehr ernst nimmt und damit Druck erzeugt: „Ich sehe dich und höre dir zu. Was sind deine Aufgaben?“ „Aufpassen. Für Ordnung sorgen. Hilfe holen.

Der betroffenen Teil schützt sich im Nebel, im Nicht-da sein, (Fr. B. kommt nicht wieder) damit der Schmerz nicht gefühlt wird. Zum ersten Mal kann ich das verstehen und finde es sinnvoll und gut.

21.11.     „Wo möchtest du jetzt sein, wo dein Schmerz gelindert ist?“ Bild: Unter den Flügeln einer großen Eule, Gesicht ins Federkleid gekuschelt, mit den Händen die weichen Federn fühlen, warm, umschlossen und gehalten. Schutz.

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Der Reiki-Effekt beim Zahnarzttermin

Es ist gut jetzt darüber zu schreiben. Da bekomme ich nämlich ein unerwartetes Begeisterungsgefühl. 🙂

Ich war im Nachhinein echt schwer beeindruckt von meinem Auftreten in der Praxis. Konnte es kaum fassen, wie ich mich verhalten hatte. Total souverän. Ich habe mich eins-ah selbst vertreten und ernst genommen und das mit einem Thema, worüber es mir eigentlich den Magen umdreht, wenn ich gezwungen bin, mich damit vor fremden Menschen öffentlich zu machen. Traumafolgestörung.

Nur hatte ich ja keine andere Möglichkeit, wenn ich dort behandelt werden wollte, weil es mir nicht (mehr) möglich ist, wie der Durchschnittspatient aufzutreten – also in den Behandlungsraum zu kommen, mich auf den Stuhl zu legen, die Untersuchung stattfinden zu lassen und wieder zu gehen.

(Ich hätte wirklich gerne, dass es so wäre und ich nicht jedem der mir näher kommt, meine Geschichte erklären muss)

Zuerst war ich enttäuscht, als ich doch auch schon vor dem Losgehen so starke Angst und Unruhe hatte, dass ich mich für die Medikation entschied. Ich dachte, na toll, da schwärme ich so von Reiki und dann bringt es gar nichts.

Es folgt eben oft nicht unseren Vorstellungen, was wir uns denken, wie es helfen soll. 😉

Ich hatte es dann vergessen.

Vor Ort war ich in Begleitung der Wohnbetreuung, was ne riesen Entlastung für mich war, weil es die Glaubhaftigkeit unterstrich.

Üblicherweise habe ich in so öffentlichen Situationen viele Abwertungs- und Schamgefühle, wenn das Nicht-funktionieren sichtbar wird. Auch gegenüber dem Unterstützer-Menschen. Dann kann es sein, dass ich mir nicht mehr mit meinen Werkzeugen helfe, weil ich mich zu sehr schäme, das Nicht-funktionieren verbergen muss.

Ab dem Moment wo wir gemeinsam vor der Praxistür standen, waren diese Gefühle kaum noch da.

Vor der Tür kam die erste Panikwelle und ich traute mich den Handkantenpunkt zu klopfen und laut zu sprechen: „Auch wenn ich Angst habe, darf ich mich in Sicherheit fühlen.“ Das half erstaunlicherweise schon nach zwei Mal sprechen und ich konnte meine Beine wieder spüren.

Die Anmeldung am Tresen war etwas schwierig. Ich sagte der Dame, dass ich erst einmal nur ein Gespräch führen möchte und erst dann entscheiden kann, ob eine Untersuchung stattfindet. Sie fragte nach den Gründen. Ich wollte das nur einmal erzählen, dann im Behandlungsraum. Das reichte ihr irgendwie nicht. Es sei so ungewöhnlich, deshalb frage sie und ich schmiss ein paar Brocken von ‚großer Angst‘ hin. Das fühlte sich nicht so gut an.

Aber im Behandlungszimmer ging es dann los. Das was ich noch vor ein paar Tagen als unmöglich ansah, es vor Fremden auszusprechen, sprach ich dann aus.

„Ich habe eine Traumafolgestörung, durch schlechte Erfahrungen mit Menschen. Deshalb ist es für mich sehr schwer mich auf diesen Stuhl zu legen, mich anfassen zu lassen und evtl. Schmerzen zu haben oder unangenehme Empfindungen. Das wird sich wahrscheinlich nicht wie bei ‚üblicher‘ Zahnarztangst über die Zeit legen, sondern immer Thema sein. Es kann bis zu Panikattacken gehen. Ich wünsche mir ein Miteinander wo man im Austausch ist, während der Behandlung und alles so behutsam und stressarm wie möglich abläuft, damit die Belastung nicht so groß wird. Wenn ich merke, dass Panik entsteht hebe ich die Hand, damit dann der Stuhl sofort hochgefahren werden kann und alle von mir weggehen, die Behandlung pausiert oder beendet werden muss.“

So ungefähr meine Worte.

Ich hatte mich zuerst seitlich auf die Zahnarztliege gesetzt, das dann aber schon nicht mehr ausgehalten, so dass ich aufgestanden bin und meine ‚Rede‘ im Stehen hielt, mit dieser typischen Stress-Geste, eine Hand am Kopf oder in den Haaren (erinnert mich immer ans Haare raufen), mit der bangen Erwartung, ob das denn alles für die Ärztin auch okay ist.

Ich konnte spüren, wie ernst ich meine Worte nahm, wie ernst ich mich selbst nahm und wie das Ganze dann auch von der Zahnärztin ernstgenommen wurde.

Dann ging es, dass ich mich hinsetzen konnte. Stille entstand. Sie füllte sie nicht, ließ mir Zeit/Raum, was ich echt gut fand. Ich fragte sie, ob das alles für sie in Ordnung sei. Sei es.

Und dann habe ich sie und die Assistentin doch echt gefragt, ob es okay sei, wenn sie uns (die Begleitung, die am Rand auf einem Stuhl saß und mich) nochmal alleine lassen könnten, damit ich mich etwas beruhigen kann. Das wäre mir normalerweise total dreist vorgekommen, jemandem in seiner eigenen Praxis zu bitten, den Raum zu verlassen. Das kam so intuitiv und fühlte sich völlig stimmig an. Sie haben etwas irritiert reagiert, aber auch sehr aufgeschlossen und ließen uns alleine.

Ich konnte nämlich nach meiner ‚Rede‘ gar nichts mehr spüren, ob jetzt eine Behandlung geht oder nicht und brauchte einen geschützteren Raum, um mir wieder näher zu kommen.

Als sie dann raus waren, brachen der ganze Stress und die Angst dieser Situation, mich so offenbart zu haben, mich so verletzlich und mit meinen wunden Punkten gezeigt zu haben, aus mir heraus. Ich konnte es zulassen, dass sich diese heftige muskuläre Anspannung in Bewegungen entlud. Häufiger halte ich die nämlich instinktiv fest, um sie zu verbergen.

Bin also etwas rumgehüpft, herumgelaufen und habe die Arme geschüttelt und fassungslose Laute von mir gegeben, so wie ‚ahhhh‘ und ‚oh Gott, was habe ich getan‘. 🙂 Jetzt kann ich drüber lachen.

Und dann habe ich von ganz alleine ein lautes Selbstgespräch angefangen, neben der Einnahme der Rescue-Tropfen, das Einatmen des Zypressen-Öls und des Klopfens der Schlüsselbeinpunkte.

Dieses Gespräch mit mir Selbst, kann ich nicht wiedergeben, aber es war ein Gespräch mit dem betroffenen Anteil, der voller Panik war. Es war ihn finden, es war Annahme, es war Beruhigung, es war Korrektur der Wirklichkeit und das vor der Begleiter-Person, die alles mit zustimmenden ‚ja’s‘ und ‚richtig‘ und ‚genau‘ unterstützte.

Das brachte mich dahin, dass ich spürte, dass die Vorstellung einer Untersuchung einen lauten Überforderungsschrei auslöste. Das hatte ich vorher nicht wahrnehmen können.

Ich entschied mich deshalb gegen die Untersuchung.

Es war nicht ganz so leicht, dass als etwas Gutes einzuordnen, etwas was Selbstfürsorge ist, anstatt Scheitern. Doch die Entscheidung fühlte sich gut und richtig an.

Wir sagten Bescheid und die Ärztin kam wieder herein.

Was ich toll fand, dass sie von sich aus vorschlug, die Termine immer vor der Mittagspause oder zum Ende zu legen, um der besonderen Situation (ihre Worte) entgegen zu kommen. Dann wäre kein Zeitdruck und Platz für Pausen.

Sie fragte auch, ob der Raum okay sei, sie hätte noch einen Anderen.

Das ist der Grund, warum ich mich dort richtig fühle. Sie fühlt sich mit verantwortlich, die Situation gut zu gestalten. Da war ich richtig beeindruckt von und zutiefst dankbar. Ich legte sogar die Hände vor der Brust zusammen und bedankte mich sehr ehrlich. Eine Geste, die ich ebenso in der Öffentlichkeit üblicherweise unterdrücke.

Jetzt habe ich hier so wahnsinnig viel geschrieben. 🙂

Warum ging’s?

Der Reiki-Effekt. Das fiel mir dann wieder vor der Tür ein. Da kam das große Aha-Erlebnis. DAS was hier eben passiert ist, ist der Reiki-Effekt gewesen. 🙂

Nicht keine Angst mehr zu haben, sondern auch in einer extremen Situation gut für sich sorgen zu können. Dabei hat es mich unterstützt. Danke! ❤

 

 

Hass und Heilung

Das Meridianklopfen führt mich immer wieder zu meiner Selbstabwertung.

Ist das jetzt gut oder schlecht? Es ist wohl einfach. Nach all den Jahren ist es wohl nun die Zeit, dass das Weggucken nicht mehr funktioniert und ich diesen Teil von mir anerkennen muss/will/darf.

Nachdem ich hier das erste Mal von meinem Hass geschrieben habe und die Tatsache, dass ich es mir vorher noch nie erlaubt habe, dieses Gefühl zu haben, geschweige denn auszusprechen, ist es nicht mehr ganz so heikel.

Ich habe ein paar Menschen schon davon erzählt, ausprobiert wie sich dieses Wort aus meinem Mund anfühlt. Wie es sich anfühlt, wenn ich jemandem laut sage: Ich hasse mich. Dieses Gefühl ist einfach da. Es fühlt sich sehr wahr an, auch wenn es ungewohnt ist. Ich rede mir nichts ein. Diese Schwingung ist in mir.

Heute hat es sich wieder in seiner ganzen Bandbreite gezeigt… wie ich wirklich fühle.

Ich kam nach Hause und mir ging es nicht gut. Ich wusste auch nicht was ist. Ablenken ging auch nicht mehr, weil meine Konzentration versagte. Mir tat der Kopf weh und von der Anspannung auch mein Nacken und meine Kiefermuskeln. Ich bemerkte, dass ich unter diesem Zustand anfing ins Leiden zu kommen, nichts mehr machen zu können und mich so schlecht zu fühlen. Dann fing ich an zu klopfen und ein Hass auf meine gesamte Situation entlud sich. Ein Hass auf meine Einschränkungen. Ein Hass, dass es immer so schwer war. Ein Hass, dass es mir so oft schlecht geht. Ein Hass auf meine Behinderungen und dass ich nicht machen konnte was ich wollte und wann ich wollte. Ich hasste, dass es so ist wie es ist. Ich spie diese Worte aus und habe es noch nie so ehrlich gemeint.

Bin ich erschrocken über mich? Ich weiß nicht. Suche das richtige Wort. So entlastend es ist, die Wahrheit auszusprechen, so bin ich doch auch… hmmm… enttäuscht? Ja.

Und da beginnt die Abwertungsspirale wieder von vorne. Weil ich Hass empfinde, kann ich kein guter Mensch sein usw. usf.. Wie soll ich meine Situation annehmen, wenn ich sie hasse. Ich geh mal davon aus, dass der Hass zur Krankheitsbewältigung als Teil dazu gehört. Alles andere frustriert mich zu sehr.

Jaja, verstehe schon. Ich sollte mich jetzt wirklich mal auf diese Sache konzentrieren und wie im EFT-Buch empfohlen, 2-3 Monate täglich diese massive Selbstwert-PU beklopfen. Sonst komme ich mit den anderen Themen nicht so weit, wenn da immer diese Abwertung reingrätscht.

Es war so verlockend, dieses freie, assoziative Klopfen und es sind dabei so spannende Dinge passiert.

Heute Morgen habe ich zum Beispiel eine 3-Jährige gefunden, die jemanden verloren hat und im Kleidchen zusammengekauert auf einem Platz hockte, voller erstarrter Angst und Panik und dann isoliert und nach innen gekehrt, nicht ansprechbar im Schock – wir haben ein bisschen zusammen gearbeitet. Es war nicht leicht, weil sie so gut wie gar nicht auf mich reagiert hat, es aufgrund ihres Zustand nicht konnte. Ich fragte sie, wie ich ihr helfen kann. Atmen – war das einzige Wort, also haben wir zusammen geatmet. Ich habe das innerlich sprechend begleitet. Ein und aus usw., beruhigende Worte gesprochen, bei mir die Thymusdrüse geklopft und ihr immer wieder gesagt, sie ist in Sicherheit. Dann konnte ich auch ihren Brustkorb klopfen. Vorher hatte sie keine Berührung zulassen können. Sie entspannte sich, kam in eine ausgestreckte, liegende Haltung, mit geschlossenen Augen und sprach immer noch kein Wort. Ich war unsicher, wie lange ich jetzt bei ihr bleiben sollte und sie klopfen sollte. Ich fragte sie und sie gab mir zu verstehen, dass sie einfach nur schlafen wollte. Ich deckte sie mit einer Decke zu und obwohl sie ruhig und entspannt wirkte, sagte ich ihr, dass ich morgen wieder kommen werde, weil ich nicht wusste, ob das jetzt ausreicht.

Das hat mich mitgerissen. Aber ich versuche nun den Empfehlungen zu folgen und es mehr systematisch anzugehen und zu Beginn weniger solche Ausflüge zu machen. Aber ich werde schon noch mal nach ihr schauen. Ich weiß aus meiner Biografie gar nichts von dieser Situation.

Heute

Aufgehellte Stimmung. Vorfreude auf die Arbeit draußen. Freundlicher Umgang mit dem treibenden Anteil, am Morgen möglich. Ich nehme wahr, dass es da jemand ganz eilig hat. Lachen.

Wunsch besprochen, den Arbeitsbereich vom Innenhof in die freie Gärtnerei wechseln zu wollen, wegen des Stresses sich beobachtet zu fühlen. Kein Problem. Löwenzahn für die Tiere gesammelt. Zulassen können, auf dem Gärtnereigelände zu sitzen, nichts zu machen, auszuruhen und den Gesprächen zu lauschen. Kurze entspannte Kontakte entstehen. Anspannung niedrig. Radieschen geerntet und mitnehmen dürfen.

Brennnesselsud (wird jetzt echt mit drei ’n‘ geschrieben) angesetzt zum düngen und gegen Blattläuse.

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Von der bewussten Krafteinteilung der letzten Tage profitiert und so Vorgekochtes zum Mittag essen können.

Mülltütenversuch läuft.

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Frieden fühlen, während ich auf meinem Balkon sitze. Dankbarkeitstränen.

Erledigungsgedankenspirale bemerken und bewusst auf die Couch legen und durch das verstärkte achtsame Sitzen die Tage vorher, leichter Aufmerksamkeit auf den Raum und Körper lenken können. Bewusste Entscheidungen gegen weitere Erledigungen treffen und Chill-Out am PC einleiten.

Ommm ❤ 🙂

Wenn du mir weh tust, vertraue ich dir nicht mehr

Es gibt diesen Satz in mir: Wenn ich dir vertraue und du mir dann weh tust, kann ich dir nicht mehr vertrauen.

Dieser Satz war in meiner Kindheit sehr wichtig. Es war wichtig, dass ich ihn gelernt habe. Es war wichtig, dass ich meiner Familie nicht mehr vertraut habe, um mich vor Schmerzen zu schützen.

OH, wie traurig ist das denn. L Es ist okay, darüber zu weinen. Viel habe ich da auf mich genommen, was in diesem Moment gefühlt werden kann/ darf.

Auslöser war der Termin gestern bei der Heilpraktikerin. Diesmal hat die Spritze zur Blutentnahme sehr weh getan. Das hat ausgereicht, um alte Erfahrungen zu aktivieren. Ich fing an zu Schwitzen und mein Körper kribbelte, mein ganzes Körperfeld war am wirbeln. Das Gefühl von Angst hatte ich nur ganz kurz am Anfang, als die Nadel schon saß.

Das Blut sollte als nächstes wieder über das Gesäß zurück gespritzt werden.

Ich erfahre diese Frau als so aufgeschlossen, allem gegenüber, so dass ich gut mitteilen konnte, dass was nicht stimmt und ich erst einmal wieder aufstehen muss, um das Gefühl von Kontrolle zurück zu bekommen. Unbewusst habe ich damit wieder gegen die Angst angekämpft. Ich wollte, dass es aufhört, sich beruhigt, damit wir das zu Ende bringen können. Das Kribbeln ebbte ab. Trotz Restanspannung, die ich ignorierte, sagte ich okay, wie könnten weiter machen.

Ich legte mich auf die Seite, mit dem Rücken zu ihr. Sie setzte die Spritze an und ich hatte das Gefühl, ich muss laut losschreien. Es war absolut unmöglich, diesen Stich zuzulassen. Eine dicke Wand stellte sich dazwischen. Wir brachen das Ganze ab und ich musste dieses unangenehme Gefühl aushalten, irgendwie nicht normal zu sein.

Der Anteil mit Unverständnis war vorne. Was das denn solle. Sei doch nur ein Piecks. Haben wir doch schon oft gemacht. Wie peinlich. Kann doch nicht sein, dass wir jetzt deswegen die ganze Behandlung abbrechen müssen. Wenn das bei einem richtigen Arzt passiert wäre. Wie soll das denn in der Zukunft laufen, wenn ich so zimperlich reagiere.

Erst heute Morgen fand ich den Weg zurück in Offenheit und Anerkennung für dieses Fühlen. Auch Erstaunen. Sooo sensibel bin ich? Krass! Soviel Angst habe ich? Krass!

Ich hätte Frau S. gerne da gehabt, damit sie mir sagen kann, wie ich jetzt damit umgehen soll. Wie soll ich mich verhalten? Keine Spritzen mehr? Was brauche ich? Wie muss es sein?

Daraus entwickelte sich über den Tag ein Gefühl für die Ursache. Viele abgespeicherte Schmerzen in meinem Körper, für die nie jemand da war. Ich hatte Phantomschmerzen in meinem Gesäß und das Gefühl, da hängen noch die Spritzen von den Heilpraktiker-Besuchen 2012 drin. Da wurde Vitamin B12 gespritzt und die Dritte hat so derbe scheiße weh getan. Heute weiß ich, dass er einen Nerv getroffen hat, was sich im Muskel nicht immer vermeiden lässt. Ich glaube, ich kapsle Schmerzen von meinem Körperbewusstsein ab, isoliere sie. Und dann hängen sie da an Ort und Stelle fest.

Orrrg, ich spüre sie gerade wieder, während ich das Schreibe und musste heute Morgen ganz doll weinen, als ich mir die Hände dort auflegte und bei den Wahrnehmungen blieb, sie zuließ. Hach, das Becken ist aber auch eine extrem empfindliche Gegend, finde ich.

Es zeigte sich dann der innere Satz von oben, denn ich korrigieren konnte. Ich kann der Heilpraktikerin immer noch vertrauen. Sie will mir nicht weh tun und ist offen für Wege des Ausprobierens. Ihr tat es auch sehr leid. Wir wollten ja eigentlich Stress abbauen und keinen Neuen erzeugen.

Die Wirklichkeit ist also diese: Spritzen können über einen begrenzten Zeitraum weh tun, tun es aber meistens nicht. Die Heilpraktikerin wollte mir nicht weh tun. Ich habe Angst vor Spritzen und Schmerzen und das darf sein/stattfinden. Ich hatte früher keinen Halt bei Schmerzen, kann aber heute versuchen mir welchen zu geben.

Ich habe mir überlegt, mein Schutz-Tuch mitzunehmen und mir das fest um die Hüfte zu wickeln, dass ich einen Halt spüre. Und was mir jetzt noch einfällt, ist, dass ich mit ihr abspreche, sofort zu sagen, wenn dieser krasse Nerv-getroffen-Schmerz kommt, weil dann kann man bestimmt die Spritze auch sofort wieder raus ziehen.

Darf man das? Darum bitten, dass die Spritze sofort wieder raus gezogen wird? Keine Schmerzen aushalten müssen? Der Gedanke ist gerade so dermaßen neu, dass ich nicht weiß, ob der überhaupt okay ist.

Ich frage doch tatsächlich, ob es okay ist, Schmerzen nicht aushalten zu müssen, wenn es möglich ist, sie zu beenden. Krass, oder?

Fuß in der Tür

Schriftlicher Kontakt zu Frau Helferin.

28.01.2016 Ich weiß nicht. Fühl mich sprachlos. Ich fühl mich wie ein Gletscher von dem gerade ständig riesige Stücke, mit Getöse abbrechen, ins dunkle, unergründliche Wasser stürzen und große Flutwellen erzeugen, wo ich nicht weiß, ob die mich am Ufer erreichen und was da überhaupt geschieht.

29.01.2016 Ich habe heute Morgen einen inneren Türspalt gefunden, der etwas Zusätzliches möglich macht. Ein Blickwinkel, der nicht betroffen ist. Das lässt gerade immer wieder Druck abfließen. Was bin ich da froh drum. Innen ist es trotzdem noch im Ausnahmezustand.

 

Notiz auf Skill-Zettel:

Innere Kommunikation/Landschaft – Wie sieht es in der Fabrik aus? Wie geht es dem Kontrolleur/ Überwacher? Welche Kessel/Themen sind betroffen?

 

Heute Morgen der intuitive Einfall, eine innere Szenerie von Anfang Januar wieder aufzugreifen. Anteilarbeit.

Der Kontrolleur, der sonst ruhig, ernst, konzentriert und pflichtbewusst, mit einem Klemmbrett in der Hand, die Werte an verschiedenen Kesseln prüft und verantwortlich ist, dass alles läuft, steht erstarrt und paralysiert in der Anlage, mit aufgerissenen Augen und innerlich wohl voller Panik. Ich setzte ihn erst auf einen Stuhl, mit der Idee ihn zu entspannen. Dann nehme ich doch einen Relax-Sessel und drücke ihm irgendein heißes Getränk in die Hand und versuche ihn noch in eine Decke einzuwickeln. Er reagiert darauf überhaupt nicht. Lässt das alles mit sich machen, aber nimmt mich gar nicht war und starrt nur weiter entsetzt in die Ferne.

Dann spreche ich in direkt an, frage sanft was los ist. Er spricht nicht mit Worten zu mir, aber vermittelt mir entsetzt, dass alles unerwartet aus dem Ruder geraten ist, er die Kontrolle verloren hat und einfach nicht mehr weiß, was er tun soll.

Ich versuche ihn mit Worten zu beruhigen, ganz allgemein, dass alles in Ordnung ist. Das hilft immer noch nicht, ihn aus seiner Schreckstarre zu holen.

Dann verstehe ich ganz langsam besser die Situation. Der Kontrolleur ist überhaupt nicht darauf eingestellt/ ausgebildet für solche Notfälle. Er hat davon überhaupt keine Ahnung. Auf seinen Kontrollzetteln steht davon nichts und die sind sein ein und alles, daran orientiert er sich und findet sich zurecht. Wenn etwas passiert, was da nicht drauf steht, ist er sofort völlig hilflos und bekommt tierisch Angst, weil er doch für alles verantwortlich ist.

Also erkläre ich ihm die Veränderung, so gut es mir selbst klar ist und erweitere damit seine Kontrollzettel, um solche Vorfälle. Ich erkläre ihm, dass es immer wieder vorkommen kann, dass der Druck an einigen Stellen stark steigt und es dazu kommen kann, dass Kessel explodieren. Dass das nun zum normalen Arbeitsalltag dazugehört und trotzdem alles okay ist, wenn das passiert. Und da verändert sich tatsächlich etwas sehr deutlich in mir, eine neue Entspannung tritt ein, die Enge weitet sich ein wenig.

Im Nachhinein erkenne ich, dass ich damit einigen Themen in mir ein Recht und einen Platz eingeräumt habe und der Schrecken dadurch ein wenig kleiner wird. Sie gehören dazu. Ich konnte in der Fabrik nun erkennen, dass die einzelnen Kessel Themen zuzuordnen sind und wir als letztes das Thema Trennung/Verlust/Bindung berührt haben.

Die Berührung im letzten Gespräch mit Frau Helferin hat den Überdruck (Widerstand) und dann die Explosion (Angst) verursacht.

Warum nun bei diesem Thema plötzlich ein Kontrollverlust passierte und nicht schon bei den anderen Themen (Trauma) von letzter Woche, kann ich nur erahnen.

Einerseits spüre ich, dass bei dem Trennungsthema ein viel größeres Warnschild im Innern hängt – auf keinen Fall berühren -, als beim Traumathema. Und dazu kommt es mir so vor, als ob das Trennungsangst-Thema irgendwie mit dem Kontrolleur verbunden ist, also sie im Zusammenhang existieren. Eine Theorie ist, dass er vielleicht aus diesem Thema heraus entstanden ist.

Jedenfalls ist es mir gelungen, den Druck aus dem Kessel, der nun frei in die Anlage strömt und auch dort den Gesamtdruck in die Höhe schießen lässt, etwas abzulassen. Vielleicht hab ich eine Außentür öffnen können, wo der heiße Dampf entweichen kann. Der Kessel ist noch offen und dampft weiter vor sich hin.

Solange ich den Kontrolleur im Auge behalten kann, erkennen kann, welche Gefühle/Gedanken von ihm kommen und sie damit von mir lösen kann, geht die Außentür immer wieder auf.