Ich brauche nichts und dann brauch ich’s doch

Da ist sie wieder, meine Bedürftigkeit. Und ich habs die Tage gar nicht mitbekommen.

Ihre (Wohnbetreuung) emotionale Distanz, lässt mich wieder Gefühle meiner Kindheit erleben – emotionale Einsamkeit, Schmerz, Gefühlstaubheit, wie Tod sein, Leere, Orientierungslosigkeit, Weltferne und diesmal auch etwas Wut.

Ich möchte sie am liebsten wegstoßen aus meinem Leben, damit ich mich nicht immer wieder so fühlen muss. Damit ich diese klebrige Bedürftigkeit loswerde und diesen Schmerz, der damit einher geht. Dieses Sehnen, wo ich ganz genau weiß, es ist umsonst, es ist alt, es wird nicht befriedigt, es wird nur weh tun.

Ich wechsel damit zwischen Ablehnung und Annahme hin und her.

Ich kann wahrnehmen, dass sie mir geholfen hat, dass ihre Hilfe praktisch sehr hilfreich war und ich dankbar dafür war. Ich verstehe, dass sie emotional so auftritt, wie es ihr möglich ist. Ich verstehe, dass sie nicht geben kann, was ich sehne, weil sie es nicht hat. Ich weiß, dass ich nichts fordern kann, was jemand nicht hat. Ich weiß, dass sie mich mit meinen Gefühlen nicht ablehnt. Ich kann wahrnehmen, dass sie aufgeschlossen und zugewandt ist.

Und trooootzdem… will ich sie schütteln und schütteln und laut anfahren, dass sie doch um Gottes willen mal etwas mitfühlen soll, anteilnehmen soll, betroffen sein soll, für mich sichtbar macht, wie schwer ich es gerade habe. grrrrrr

Ich hab mich echt wieder angezweifelt, weil ich es über sie nicht wahrnehmen konnte. Ist es vielleicht gar nicht schwer? Bilde ich mir das nur ein? Mache ich es selbst schwer? Bin ich schuld? Und diese ganze Tirade.

Ich habe das unterbrochen, wenn es mir aufgefallen ist, weil es nicht wahr ist.

Und ich dachte eigentlich auch, dass ich ihre Bestätigung nicht mehr brauche, weil ich selbst genug für mich da war. Und trotzdem spielte es sich ab, ohne dass mir das bewusst war. Erst jetzt, wo der Stress nachlässt, kommen die Gefühle.

Ich habe das heute meiner Psychiaterin anvertraut und gefragt, ob ich das immer und immer wieder so fühlen werde. Sie meint, wenn ich nach und nach meine unbewussten Erwartungen (emotionale Bestätigung/Versicherung) erkenne, nicht. Kein Wort von Emotionen, die da alle dran hängen und das man die durchleben muss usw. usf… Sie ist aber auch eine Kandidatin für die neutrale, nicht-betroffene Sichtweise.

Mir ist das noch ein Rätsel, wie das funktionieren soll, mit einem Menschen enger zusammen zu arbeiten/leben/sein und trotzdem ein Bedürfnis (oder mehrere) nicht befriedigt wird (werden), gut zusammen sein zu können, ohne das es immer wieder weh tut.

Mein Umgang ist momentan Abstand nehmen. Zeit und Raum, um das alles zu fühlen, ohne erneute Konfrontation. Es wird sich beruhigen und dann fühl ich mich im Kontakt auch wieder wohler oder werde wahrscheinlich kein Bedürfnis mehr haben, sie zu schütteln. 🙂 Aber wer weiß. Vielleicht kommt auch bald eine unmittelbare Konfrontation. 😉

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Therapeutische Beziehung

Ich hätte ihnen so gerne ins Gesicht geschaut. Mich versichert, ob ihre Anteilnahme wirklich da ist. Die Anteilnahme die ich in ihrer Stimme gehört habe. Ich hab mich nicht getraut. Ich habe mich nicht getraut sie anzusehen, aus Angst vielleicht etwas anderes zu sehen, als ich höre. Was Unechtes zu sehen. Dann wollte ich es lieber auch nicht hören. Wurde Misstrauisch. Wartete auf einen Klang, auf einen Satz, auf ein Wort, was mir bestätigte, dass es nicht echt ist.

In dem Fall, meinem Vertrauen in die Tragfähigkeit der therapeutischen Beziehung, fange ich tatsächlich immer wieder bei null an. Da hat sich seit zwei Jahren nichts verändert. Das macht mich traurig. Ein Vertrauen, dass sie mich nicht alleine lässt, dass sie da bleibt und mich versteht, kann nicht dauerhaft bleiben. Es gibt wenige Momente wo ich es leise wachsen spüre. Doch kommt es in den Sitzungen zu einer Erfahrung des Nicht-gesehen-werdens, existiert es nicht mehr. Dann fühle ich immer wieder diesen Schmerz und eine tiefe Gewissheit, dass wir nie zueinander finden werden, dass es immer den Graben des Nicht-Verstehens geben wird. Daraus folgt dann ein innerer Rückzug, eine Vergrößerung der gefühlten Distanz und Hass gegen sie und mich selbst. Ich kann mich erinnern, dass es auch Vertrauen gab, aber es spielt keine Rolle mehr, ist ohne Bedeutung.

Ich erlebe dieses Vertrauen als etwas schwaches, vorsichtiges, zurückhaltendes, ohne festen Grund. Es ist erstaunt, ungläubig und flüchtig. Es ist wie dünne Nebelschwaden, ohne Substanz.

In einem Bild ist mein Misstrauen eine ölig, flüssige, wabernde Masse. Undurchsichtig. Sie bildet den Grund, den Boden in einer dunklen Umgebung. Nichts anderes existiert dort. Dieser Ort befindet sich in mir. Das Vertrauen wächst auf diesem Boden des Misstrauens. Keine guten Bedingungen. Beim kleinsten Auslöser, wird das zarte Pflänzchen von der Masse verschluckt. Alles ist wie zu Beginn. Nichts lässt erkennen, dass dort mal etwas gewachsen ist.

Was sich in dieser Zeit verändert hat, ist, dass ich nicht mehr den starken Drang habe wegzulaufen. Ich denke nicht jedes Mal darüber nach die Therapie abzubrechen, so wie ich es in der ersten Zeit oft getan habe. Ich kann mit diesen Empfindungen von ewiger, unüberwindbarer Trennung da bleiben. Was ich jetzt hier, wo ich es schreibe echt erstaunliche finde und als Leistung anerkenne.

Und die stetige Wiederholung hat meines Erachtens dazu geführt, dass ich es nicht mehr so dramatisch empfinde, es eher hinnehme, jedes Mal etwas klarer sehe und ganz neu, es mich sehr traurig macht, aber nicht mehr heftig verzweifelt. Ich könnte auch sagen, man gewöhnt sich an alles, mit einem resignierten Unterton.