Es wird leichter

Ich traue mich kaum es wahrzunehmen. Aber es ist wirklich so. Es wird insgesamt leichter.

Was bin ich glücklich, froh, dankbar, freudig, erstaunt, ehrfürchtig darüber.

Seit Wochen scanne ich ab, woran das liegen mag. Warum jetzt?

Die Frage ist nicht ganz so wichtig, weil es immer so kommt wie es kommt. Trotzdem finde ich es interessant genauer hinzuschauen.

Ich benenne mal die einflussnehmenden Faktoren in der Reihenfolge wie sie mir aufgefallen sind. Am Ende greift jedoch alles ineinander und wirkt als Mosaik.

Das Akupressurklopfen war das Erste, was mir wirklich als Veränderung aufgefallen ist und das schon Ende des letzten Jahres. Ich klopfe seit ca. Juli 2016 beinahe täglich morgens bevor ich aufstehe. Ich bin körperlich dadurch eindeutig agiler geworden. Es fühlt sich für mich an, als würden die Energiebahnen freigeklopft und die Energie könne dadurch besser, freier fließen. Ich werde damit morgens gut munter, mal ganz davon abgesehen, dass ich damit oft ganz wunderbar Gefühle verarbeiten kann.

Die zweite ganz eindeutige Verbesserung meines Antriebs und Abnahme der Erschöpfung bemerkte ich Anfang Januar 2017, mit Beginn der Einnahme von Vitamin D und 6 Wochen nachdem ich das Antidepressivum von 5 mg auf 6 mg angehoben hatte.

Dann wirken definitiv die Erkenntnisse aus der Erforschung der Ich-Illusion. Seit dem haben sich meine negativen Gedanken gegen mich selbst deutlich reduziert, weil es einfach keinen Sinn mehr macht. Es führte auch dazu, dass ich die Klopfsätze teilweise entpersonalisiert habe, was sich wie ein Verstärker auf die Selbstannahme-Sätze auswirkt. ‚Voller Liebe für alles in mir‘ ist einfach viel deutlicher zu spüren, als ‚ich liebe und akzeptiere mich voll und ganz‘.

Das Ganze wird wöchentlich von Fernreiki durchtränkt, das mich für mich und der Welt gegenüber auch immer wieder weich werden lässt.

Dann kamen noch die monatlichen B-12-Spritzen hinzu. Nach der zweiten Spritze kann ich auch hier sagen, dass es sich auf meine Beweglichkeit auswirkt. Ich brauchte weniger Schlaf und alles ging noch einen Tick, wenn auch eher ein kleiner, leichter von der Hand. Mein Wert lag eigentlich im Normbereich, jedoch gibt es wohl neue Untersuchungen dazu, die den Wert höher ansetzen.

Durch den größeren Antrieb schaffe ich meinen Haushalt wieder komplett alleine, kann einkaufen gehen, schaffe es zur Ergo und auch noch in die Kontakt- und Beratungsstelle, wenn mir nach unter-Leute-sein ist. Ich schaffe es kontinuierlich mein Sportprogramm umzusetzen, wodurch ich mich geerdeter fühle und kaum mit Körperschmerzen zu tun habe. Daneben sehe ich ab und zu meine Freunde, habe wöchentliche Termine mit der Wohnbetreuung und trainiere wöchentlich den sehr angstbesetzten Weg zur Holzwerkstatt.

Durch das Aktiv-sein passieren im Durchschnitt derzeit einmal die Woche destabilisierende Momente, mit Panikattacken und Wiedererleben traumatischer Gefühle. Das verkrafte ich viel besser, teilweise sind die Stabilisierungszeiten enorm kurz geworden. Dienstag zum Beispiel war es ziemlich heftig und trotzdem war ich nach ca. 1 h, mit Unterstützung wieder vollständig hergestellt und hatte die Tage danach keine Auswirkungen, außer starke Erschöpfung, was bei Panik völlig angemessen ist, da extrem viel im Körper verbrannt wird. Sonst keine schwierigen Gefühle danach, keine schwierigen Träume. Sehr beeindruckend! Es gibt aber auch immer noch längerer Verarbeitungszeiten, von bis zu 1,5 Wochen.

Ganz wichtig sind auch die Auszeit-Tage, die ich nun meistens konsequent schaffe einzuhalten. Das ist der Mittwoch und meist auch der Samstag. An den Tagen versuche ich vom zielgerichteten, getriebenen Handeln auf im-Moment-sein und treiben lassen umzuschalten. Von Anspannung zu Entspannung. Nichts Müssen. Das bleibt auch ein Üben. Aber es geht immer besser. Überhaupt geht es auch für meinen Körper immer besser von Anspannung in Entspannung zu kommen.

So habe ich jetzt fast so etwas wie eine Struktur, angepasst an meine Möglichkeiten. Seit dem gab es auch keine Total-Zwangsausfall-Tage und wenn, dann liegen sie Mittwoch oder Samstag und ich erlaube sie mir und finde von dort aus wieder Energie für die nächsten Tage.

Ist das jetzt tatsächlich so etwas wie ein sich einstellendes Gleichgewicht?! Ich kann es kaum glauben, nach so vielen Jahren! 😀

Ich freue mich und bin mir trotzdem der Endlichkeit von allem bewusst.

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Überblick verschaffen

Nach der Panik-Not-Überforderungs-Phase, bin ich direkt in eine mittelschwere depressive Phase gerutscht und bin es immer noch. Auch die längste seit letztem Jahr September.

Trotz allen Wissens und Verstehens und Gegenwirkens, muss ich erkennen, dass ich mich da nicht aus eigener Kraft herausholen kann. Das ist hart.

Die Positivpunkte die ich immer wieder setze, erreichen keine Tiefe mehr, schwenken das Ruder wenn, nur für Sekunden um. Sobald ich den Fokus darauf loslasse, rutsche ich sofort wieder in eine Schwere, Gedrücktheit, Ummantelung, Innenschau, Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Schwäche. Ohne Ablenkung von außen, ist das ein in sich geschlossenes selbstverstärkendes System.

Ich habe gestern die Medikation schweren Herzens wieder hochgesetzt. Nach zweimaligem Auspendeln, ob das jetzt wirklich hilfreich ist.

Stimmt schon. Warum soll ich mich quälen. Ich versuche es als Unterstützung zu betrachten. Und trotzdem ist es mir auch zuwider, von etwas abhängig zu sein. Vor allem, weil ich immer noch im Hinterkopf eine Antwort von den Engeln auf meine Frage, wie lange ich sie noch nehmen soll, habe: „Immer.“ Das ist inakzeptabel. Momentan. Diesen Gedanken schiebe ich weg.

Mir drängt sich auch die Überlegung auf, ob die Reduzierung von vor ca. 2 Monaten zu diesen starken Tiefen des letzten Monats geführt hat. Ich sträube mich dagegen. Schuldgefühle tauchen auf. In zwei Tagen der Termin bei der Psychiaterin. Am liebsten Verschweigen wollen, damit sie keine Gelegenheit hat diesen Schluss zu ziehen.

Ich will mir selbst nichts vorwerfen. Auch die Reduzierung hatte ich mit ‚oben‘ abgesprochen. Wird schon alles seinen Sinn haben. Auslöser im Außen wären auch so gekommen, mit meinen entsprechenden emotionalen Reaktionen. Vielleicht wäre der Antrieb geblieben und die Freude nicht so dauerhaft verloren. Vielleicht. Vielleicht.

Vielleicht sollte ich mal eine Weile nicht beim erstbesten Gefühl reduzieren. Schadet ja nicht. Mit 6 mg fahre ich eigentlich ganz gut. Das müsste ich ein Weilchen aushalten. Fühlen tu ich damit noch ausreichend. Tiefgreifende Schädigungen sind bei so geringer Dosierung vielleicht auch nicht zu erwarten. Gut, die Orgasmusfähigkeit ist stark eingeschränkt. Das werde ich überleben.

Die letzten zwei Wochen waren wirklich hart. Durch die Antriebs- und Freudlosigkeit, habe ich den Anschluss an alles im Außen verloren (Arbeit, Freizeitsachen, Ordnung der Wohnung). Das tut mir überhaupt nicht gut, wie ich feststellen musste. Sinnlosigkeitsgefühle breiteten sich aus. Perspektiven die ich arbeitstechnisch gesehen hatte, brachen in sich zusammen. Ein Gefühl, wieder von vorne anzufangen. Ein Gefühl, auch in Zukunft alle paar Monate immer wieder aufs Neue von vorne anfangen zu müssen. Nie vorwärts zu kommen. War es das jetzt? Ist es das jetzt? Depressionstunnelblick.

Es sind weitere Auslöser dazugekommen, die zu meiner aktuellen Verfassung führen. Ich kann momentan keine Worte für finden. Muss aber immer wieder an die rückläufige Venus denken und den Artikel von Sabine Bends, auf den HeckenWicke in ihrem Beitrag zu rückläufigen Planeten hinwies.

Bei mir geht es um Bewusstwerdung meines Bindungstraumas und Reaktivierung frühkindlichem und überhaupt kindlichem Trennungsschmerz, Verlustangst, Abschiedsschmerz, tiefe Trauer. In dieser Art und Weise und Dimension sehr neu für mich. Ich hatte keine Ahnung, dass ich so auf Menschen reagieren kann, wenn ich zu ihnen eine Verbindung habe und sie aus meinem Leben gehen.

Nachtrag:

Ich überlege noch, dass die Medikamente eigentlich in den natürlichen Verlauf eingreifen. Was wäre, wenn ich weiter darauf vertraut hätte, dass sich die Psyche, der Geist, der Körper von selbst regulieren, dass dies eine Phase ist, die gebraucht wird und vorbei geht, wenn die Zeit gekommen ist, wenn alle Emotionen gefühlt wurden. Dann hätte ich noch anders sorgen müssen. Dann hätte ich mich nach mehr vorgegebener Struktur im Außen umschauen müssen, außerhalb von Arbeit. Was mich wieder darauf aufmerksam macht, dass Arbeit in meinem Leben schnell einen vordergründigen Stellenwert erhält und eine große Lücke entsteht, wenn sie nicht da ist. Ich hätte mir Ergotherapie verschreiben lassen können. Ich nutze schon die offenen Zeiten einer Kontakt- und Beratungsstelle. Ich hätte konkretere Tagesstruktur mit der Betreuung absprechen müssen, um mehr Verbindlichkeit herzustellen.

Naja, nun hab ich es anders gemacht. Vielleicht ist das alles nun nicht mehr nötig. Mal abwarten.

Lust

Heute hat mir das Einkaufen nach vielen, vielen Wochen mal wieder Lust und Freude bereitet.

image

Lange war es sehr mühselig und hat mich belastet ständig Entscheidungen zu treffen. Aß mehr unterwegs und hab nur das Notwendigste unkreativ gekauft.

P.S. Wo ich von Zarah an einen alten Artikel erinnert werde (danke dafür 🙂 ), stelle ich fest, dass es heutzutage überhaupt nicht mehr ungewöhnlich für mich ist, Salate zu kaufen und zu essen.

Daten

Ich führe seit einigen Monaten täglich eine Liste, in welcher ich meinen Tag bewerte. Die Diary-Card. Ist aus dem DBT-Programm und habe ich für mich ein wenig angepasst.

2015_06_15 Diary-Card

Ich finde das ziemlich spannend, weil es einen Blick ermöglicht, den ich sonst nicht habe. Ich habe die Daten in eine Exel-Tabelle übertragen und versuche verschiedene Parameter übereinander zu bringen. Zum Beispiel fände ich es spannend zu schauen, ob sich die Menstruation auf die Stimmung auswirkt oder auch der Mondzyklus. Ich weiß noch nicht, wie ich das grafisch in Exel umsetze. Bin da nicht so bewandert. Mal sehen.

Ich habe bisher die Werte für Freude und Antrieb in ein Diagramm gebracht. Das alleine war schon spannend, zu sehen wieviel Auf und Abs es gibt.

2015_06_15 Diagramm Antrieb

Ende April ist eine deutliche Veränderung im Gesamtbild erkennbar. Man glaubt es kaum, aber es ist die veränderte Medikation. Warum man es kaum glaubt, ist, weil ich lediglich um 1 mg Paroxetin (von 6 mg auf 7 mg), wo die übliche Anfangsdosis eigentlich bei 20 mg liegt, nach oben gegangen bin. So eine minimale Veränderung wirkt sich so deutlich aus. Ich finde das erstaunlich.

2015_06_15 Diagramm Antrieb 2

Ich selbst spüre diese Veränderung auch deutlich. Es gibt weniger Freudespitzen, was mir wirklich auch fehlt, dafür gibt es auch weniger Antriebstiefs. Die Stimmungswechsel sind auch weniger geworden. Wohl fühle ich mich damit nicht, weil die Gefühle trotzdem da sind, nur lediglich für mein Bewusstsein vernebelter. So fühle ich mich auch öfters, leicht vernebelt, wo ich nicht richtig weiß, was ist denn jetzt eigentlich los mit mir, wie geht es mir, wie fühle ich mich.

Auf den täglichen Alltag wirkt sich das eher gut aus. Ich kann kontinuierlicher an Dingen dran bleiben. Trotzdem juckt es mir schon seit 3 Wochen in den Fingern, wieder auf 6 mg zu gehen, weil ich nicht mehr so gut mit meinen Gefühlen sein kann, für mich zu wenig Zugang habe.

Morgen ist Neumond. Nach Neumond ist eine gute Zeit für Neubeginne aller Art. 🙂

Geschenke

Mir geht es momentan so unglaublich gut!

Ich kann mich nicht erinnern, wann das das letzte Mal so war oder ob es überhaupt schon mal so war, wie es jetzt ist.

Ich fühle mich weit. Ich fühle mich voller Liebe, Hingabe, Fürsorge und Kraft. Ich habe viel zu geben.

Ich fühle mich verbunden mit mir und dem Leben. Ich fühle mich mir nah. Emotionale Schwankungen erfasse ich schnell und durchlebe sie innerhalb kürzester Zeit. Ich gebe mir die Zeit dafür. Ich schenke mir Aufmerksamkeit, wenn ich merke irgendetwas stimmt nicht.

Mich hat das Leben unerwarteter Weise mit einem Geldsegen beschenkt. Dadurch kann ich meinen Impulsen besser folgen.

Ich habe auf meinen Körper gehört und mir eine energetische Massage gegönnt. Die letzte war ca. ein dreiviertel Jahr her. Ich war so beeindruckt über den Unterschied. Wie nah ich mir teilweise sein konnte. Wie liebevoll zugewandt meinem Körper gegenüber. Das rückte die Sehnsucht ins Bewusstsein. Ich spürte dadurch, wie sich mein Körper nach mir sehnte und wie sehr ich mich nach ihm sehnte.

Beim Yoga habe ich mich auch wieder angemeldet. Das letzte Mal ist ebenso lange her. Gestern war ich das erste Mal wieder dort und ich war genauso berührt. Glasklar konnte ich meine fortgeschrittene Entwicklung wahrnehmen. Viel mehr Achtsamkeit und bei mir sein. Viel mehr liebevolle Gedanken und Selbstfürsorge.

Mein Antrieb ist super, seit dem das Lyrica-Experiment beendet ist. Das hat mich meiner Sucht noch mal sehr nah gebracht, so nah wie seit 2011 nicht mehr. Ich missbrauchte Medikamente, schaltete mich für zwei Tage völlig aus. Eine lehrreiche Erfahrung, besonders die, dass ich es schaffen kann unvorstellbar großes Verlangen auszuhalten und mir wieder ins Bewusstsein zu rücken – ich bin süchtig, auch wenn ich es nicht immer merke.
Jeden Tag habe ich Lust das Haus zu verlassen und kann mehrere Dinge tun. Mein Körper lechzt nach Bewegung. Ich fühle viel Freude.

Am Arbeitsplatz läuft es gut. Es ist herausfordernd, ich spüre sehr deutlich die Bereiche, an denen ich dran bleiben muss und jedes Mal läuft etwas gut.

Die Abschiedsthematik in der Therapie treibt Früchte. Ich konnte das frühkindliche Verlassen-werden-Ereignis neu durchleben und integrieren. Was für eine Befreiung! Am Ende habe ich gelacht und geweint und gewütet gleichzeitig. Ich bin immer noch kein ‚Herz und eine Seele‘ mit meiner Therapeutin und spüre weiterhin sehr deutlich, dass es gut ist, dass sich unsere Wege trennen. Noch 10 Termine.

Die Unterstützung hier zu Hause brauche ich gerade gar nicht.

Nächstes Wochenende bekomme ich die Einweihung zum 2. Reiki-Grad, worauf ich mich schon wahnsinnig freue. Die Woche drauf habe ich einen Handlese-Termin, der mich auch ganz neugierig macht.

Die DBT-Gruppe ist insoweit ein Geschenk, dass ich spüre, was ich alles in den letzten Jahren erreicht habe. Ich lerne dort nicht mehr so viel Neues, aber kann mich jedes Mal gut verorten, in dem wie ich es schon mache und das stärkt mich ungemein. Ich bekomme auch das Gefühl endlich damit gesehen zu werden.

Ich fühle mich von allen Seiten getragen und unterstützt. Ich fühle mich vom Leben getragen und unterstützt. Ich vertraue dem Leben und dem Wandel.

In tiefer Dankbarkeit für diese Phase, verneige ich mich.

So sieht’s aus

Es will sich nichts formen lassen, in meinem Kopf, in meinem Leben, in meinem Ausdruck. Ich fühl mich da, spüre meinen Körper und mich im Hier und Jetzt ziemlich gut und doch bin ich nicht da. Kein Gedanke denkt sich zu Ende, kein Gefühl zeigt sich ganz, kein Ziel lässt sich halten, keine Aktion ergibt Sinn. Es beginnt und läuft dann ins Leere. Das geht schon seit Tagen so.

Ich habe eine Idee über was ich schreiben könnte und will ich mich hinsetzen und loslegen, lassen sich keine Sätze bilden, kein Bild erzeugen, kein Zusammenhang zwischen Wortgruppen finden. Auch wenn ich gerade anfangen möchte mich darüber aufzuregen, versandet dieses Gefühl sofort. Als würde mich das alles nichts angehen, nichts einen Eindruck hinterlassen. Ich würde es nicht Gleichgültigkeit nennen. Es ist eher ein sehr neutraler Zustand. Vielleicht Distanziertheit oder einfach Leere oder so ähnlich. Darunter spüre ich im Alltag Traurigkeit und ein Gefühl von Alleinsein. Nur in der morgendlichen Meditation bricht regelmäßig etwas Starkes durch. Die letzten Tage musste ich immer nach einigen Minuten anfangen zu weinen – irgendetwas beweinen. Als versuchte ich irgendeine große Erkenntnis/Erfahrung zu verarbeiten. So fühlt es sich an. Das genaue Gefühl kann ich nicht benennen, nur das es unterhalb des Bauchnabels sitzt. Ich spüre auch einen Widerstand es zu verarbeiten, zuzulassen, auch das alles außerhalb des Benennbaren.

Was momentan bei diesem Zustand ganz hilfreich ist, ist dass ich wieder mehr körperliche Kraft und Antrieb habe und so als Ausgleich zum inneren Nichts, etwas mehr äußere Reize setzen kann. Ich spüre nicht, ob mir das gut tut, aber ich denke es mir. Und die vermehrte Bewegung erinnert meinen Körper an frühere Zeiten und macht ihm Hoffnung, dass es wieder wird mit der Vitalität.

Willenlosigkeit

Unsortierte Notizen aus den letzten Tagen

Ich fühle mich willenlos. Welche Funktion hat der Wille? Gibt er mir Antrieb, Zielrichtung, Sinn? Was passiert ohne ihn?

Und während der Wille versucht diese Sätze zu formulieren, da lacht es mich aus – ach komm, lass es doch einfach, das hat doch eh keinen Sinn.

Immer nur den nächsten Schritt. Weiter gibt es kein Wollen. Und gerade gibt es noch nicht mal den nächsten Schritt. Das alles ohne wirkliches Leiden. Es ist wie mit offenen Augen schlafen. Alles was mich wach macht, wirkt für diesen kurzen Augenblick und ist dann wieder fort. Was wollte ich noch eben? Über was habe ich gerade nachgedacht? Treiben.

Wenn ich darüber nachdenke, was ich alles tun könnte oder müsste, dann spüre ich Frustration.

Warum denke ich immer ich könnte einfach damit aufhören, einfach aufwachen, die Augen richtig aufmachen, mich mehr konzentrieren, mehr auf das Außen achten und dann wäre es weg und ich wieder da? Kann ich das wirklich? Ist es eine reine Willensfrage?

Heute beim Yoga

Ich spüre an verschiedenen Stellen meines Körpers Unangenehmes und werfe mir vor, dass das von der ungesunden Ernährung der letzten Tage und dem Rauchen  kommt.

                So kann es nicht weitergehen.

Und doch geht es aktuell immer so weiter, weil mein Willensanteil, der sonst so viel Kraft und Power aufbringen kann und mich Dinge anpacken und umsetzen lässt, nicht mehr wirksam ist. Ich horche nach innen. Wo bist du? Er ist es, der im Moment dieses sich Gehenlassen, diese Zügellosigkeit, diese Ziellosigkeit kaum aushalten kann.

Es muss was passieren. So kann es nicht weitergehen. Wir müssen das alles wieder in den Griff bekommen. Ich will sofort los und einen genauen Wochenplan aufstellen, wann aufgestanden wird, wann Sport gemacht wird, wann was gegessen wird, wann Pausen gemacht werden. Und daran wird sich dann gehalten.

Und während ich das wahrnehme, kann ich einerseits die treibende Energie, das lebendig werden spüren – diese Energie die mich schon oft gerettet hat, die Sinn erzeugt hat wo sonst kein Sinn mehr gewesen wäre.

Nicht stehen bleiben. Einfach weiter machen. Weil da sonst nichts mehr ist.

Im gleichen Moment breche ich innerlich radikal an diesem Wollen zusammen und es kommen die ersten Tränen. Das was dieser Teil (Ich) tun will, hat absolut nichts damit zu tun, was ich aktuell schaffen könnte. Ich würde scheitern! All das spüre ich gleichzeitig in mir. Die Verzweiflung darüber keine Kontrolle mehr zu haben, die Unruhe und die Antreibung jetzt endlich mal wieder meinen Arsch zu bewegen und anpacken zu müssen, das darin liegende Scheitern und die Erkenntnis, dass mein Willensanteil keine Verbindung zu meinem wahren Selbst hat.

Ich weine während ich das schreibe. Es scheint mir unmöglich, das Erfahrene und Gefühlte mit Worten für andere fühlbar zu machen. Wie ich jemand bin/sein kann, der nichts mit mir zu tun hat! Der Dinge getan hat/tut/tun will, im Glauben des Guten und Richtigen, die in absolut keiner Resonanz zum wahren Selbst standen/stehen/stehen werden! Ich kann es nicht besser ausdrücken. Wie konnte es dazu kommen?

Wer versuche ich zu sein? Wer bin ich?

Wie kann eine Verbindung so verloren gehen? Und wie kann dieser unverbundene Teil so lange davon überzeugt sein, das Ganze zu sein, das wahre Selbst zu sein? Diese Erkenntnis ist sehr schwer für ihn. Es sind seine Tränen die ich weine.

Wer bin ich dann? Für was kämpfe ich und wie lange schon? Was versuche ich unter Kontrolle zu bringen? Oder eher – über was habe ich die Kontrolle verloren? Ich bin voller Entsetzen, Not und Verzweiflung!

 

Ich lege meine Hände vor mein Gesicht, rolle mich auf die Seite und kann zum ersten Mal meine Tränen während des Yogas, vor allen anderen nicht mehr zurückhalten. Zaghaft lasse ich mich leise schluchzen. Der Yogalehrer setzt sich hinter mich und legt mir seine Hände auf den Rücken und den Arm. Ich fühle, dass das Weinen jetzt okay ist, das ich es hier und so zulassen darf. Es tut weh und es tut gut. Ich fühle mich gehalten, bei mir und kann dieser schmerzhaften Erfahrung für ein paar Minuten Raum geben. Mein ganzer Körper strömt und schwitzt. Alles kribbelt und zittert. Ich komme vom Weinen in eine tiefe Atmung, die langsam eine Entspannung zurückbringt. Alles fließt. Ich fühle mich Verbunden mit mir. Der Schmerz und das Unbegreifliche sind weiterhin in mir.

Ich habe so eine Ahnung, dass wenn sich dieser Teil integrieren lässt (was immer das heißt), das enorme Auswirkungen auf meine gesamte Persönlichkeit hat und auf die Art wie ich mein Leben lebe.