Mitgefühl

Mitgefühl. Was für eine heilsame Kraft. Ich schicke es von Herzen an all jene, die es in ihrer Kindheit nicht erfahren haben. Die nicht erfahren haben, wie sich Mitgefühl anfühlt und somit auch für sich selbst keines entwickeln konnten. Ich schreibe diese Worte mit Traurigkeit und einer Welle von Mitgefühl für mich und euch.

Ich lerne es gerade auch nur, weil ich es von anderen bekomme. Weil mir gezeigt wird, wie man es macht. Weil ich es fühlen kann, wie sie fühlen.

Die Worte meiner Therapeutin hallen immer noch schmerzhaft nach. Sie habe Mitgefühl. Warum wir das nicht sehen könnten. Vielleicht gibt es einen Unterschied zwischen ‚haben‘ und ‚zeigen‘.

Es muss einen Unterschied geben. Das Mitgefühl, welches ich heute für mich selbst habe, habe ich nicht von ihr gelernt. Wie Mitgefühl funktioniert haben mir andere Menschen gezeigt.

Ich lege mich mittags hin. War schon seit dem Morgen, trotz ausreichendem Schlaf sehr müde. Treibe im Halbschlaf. Will da unbedingt in diesem warmen, zeitlosen Raum bleiben, für immer. Meine volle Blase zwingt mich aufzustehen. Widerwillig tue ich das und hoffe nicht zu wach zu werden, um dann weiter liegen bleiben zu können. Pustekuchen.

Ich stehe mürrisch auf. Mir geht es irgendwie nicht gut. Kein Gefühl, nur Ernsthaftigkeit und Enge im Kopf. Mache erst ganz normal weiter, was ich vor hatte zu machen. Doch merke schnell, dass es nicht geht. Mit einer Kaffeetasse in der Hand, setze ich mich auf den Balkon und erinnere mich an, ja zu sagen, zu allem was ist. Ich breite mein Mitgefühl für mich selbst aus. Spüre, wie etwas in mir in Not ist. Gedanken in meinem Kopf. Nichts wird konkret. Doch das ist nicht wichtig. Ich nehme mein Notgefühl und meine Gedanken liebevoll in mein Herz, lasse es vom Mitgefühl umfließen. Und dann passiert es, was ich mir so oft in meiner Phantasie ersehnt habe, aber noch nie in der Wirklichkeit erlebt habe. Auch nicht als Kind! (diese Worte tun sehr weh)

Arme in die ich mich fallen lassen kann, die mich aufnehmen, umschließen und mich einladen zu sein. Nähe in der ich mich aufhalten kann, so wie ich gerade bin. Wortlosen Raum, ohne Fragen, ohne Wissen wollen. Da sein. In diesem Moment wo ich das fühle, werden meine ernsten Gedanken zu kleinen Gefühlen, die sich weinend in diesen Raum loslassen. Es ist egal woher und warum, auch wenn ich spüre, dass es etwas mit dem Therapieabschluss zu tun hat. Ich bin jetzt einfach nur für mich da.
Ich habe mich selbst in den Arm genommen!

Wie oft habe ich diesen Satz in den letzten drei Jahren gehört. Nimm dich selbst in den Arm. Nimm deine Gefühle in den Arm. Nimm deine Gedanken in den Arm. Gestern erst wieder.
Ja wie macht man das, wenn man nicht weiß, wie man das macht. Wenn man nicht erfahren hat, wie es sich anfühlt. Wenn man das Gefühl dazu, das Mitgefühl gar nicht kennt.

Ich bin sehr dankbar für all die Menschen die es mir gezeigt haben. Die Mitgefühl für mich hatten und es mich spüren ließen, damit es langsam, ganz langsam in tiefere Schichten sinken konnte. Ich bin dankbar für all die Menschen, die mich immer wieder dazu motiviert haben Mitgefühl für mich zu haben, die mich an meine eigenen Arme erinnerten, damit ich nicht aufhörte danach zu suchen. Ich bin so dankbar für dieses heutige Erlebnis und möchte allen da draußen Mut machen. Die Liebe die uns fehlte, liegt wie ein vergrabener Schatz in uns selbst. Es muss uns nur jemand zeigen, wie man die Schaufel bedient.