Wirri-wirri im Kopf

Ich bin so wirri-wirri im Kopf. >.< Das heißt, ich bin von der depressiven Phase in die überschießende Phase gewechselt. Das ist einerseits ziemlich großartig, weil ich sehr vieles ziemlich großartig finden kann 😀 und mich viel mehr freue und lache als vorher und andererseits ist das sehr herausfordernd, weil meine Energie über das Ziel hinausschießen mag, wenn ich ihr einfach folge.

Das ist dann so ein wenig beim Betreuungstermin geschehen, weil ich dann rede und rede und assoziativ gelockert bin und schwer auf eine Sache konzentriert bleiben kann und dann auch schnell von meinem eigenen Reden und Denken erschöpft bin. Die Energie geht nach oben raus, ohne mit unten verbunden zu sein.

Schön ist, ich bekomme es mit, ich spreche es an und wir haben darauf reagiert, aufgehört zu reden und uns ein Brettspiel angeschaut, um es vielleicht einmal gemeinsam zu spielen. Das war dann auch etwas Kopf, aber auch ein konkretes Ding im Jetzt, zum gucken und tasten.

Während ich hier sitze, will in mir etwas die ganze Zeit lachen und springen und tanzen und sich freuen und herumwirbeln und sich freuen und sich freuen und sich noch mehr freuen. 😀 Äußerlich sieht man das an einem leichten Lächeln im Gesicht.

Heute Morgen brauchte ich Möglichkeiten dem Raum zu geben, weil es mich sehr angespannt hat, es nicht ausdrücken zu können. Meine Beine wollten sich bewegen, ganz unbedingt. Mein bisheriges Fitnessprogramm gibt nicht so sportliche Elemente her. Und ich bin ja auch nicht fit. Da gibt es Rückenkräftigung im Liegen und Dehnen im Stehen und Dehnen im Liegen. Alles sehr ruhige Bewegungen.

Da fiel mir ein, dass ich dann wohl einen Workout-Baustein brauche, nachdem ich einfach im Bad (weil da der Boden nicht knarrt) ein paar Minuten auf der Stelle gejoggt bin und gemerkt habe, dass das nicht reicht. Früher bin ich dann raus und habe mich in diese Freude beim Herumlaufen hineingesteigert und nicht darauf geachtet, dass die Bewegung die ich mir dann gab, zu viel war. Wie gesagt, der Boden fehlte, um spüren zu können, wann und wo meine Grenzen sind.

Das war dann wirklich lustig heute Morgen. Ich fand bei YouTube ein 10-Minuten warm-up, mit viel Beinbewegung (Erdung). Genau das Richtige für mich, weil mir klar war, dass ich gar kein Power-Programm schaffe. Mein Herz-Kreislauf-System ist aufgrund der vielen körperlichen Ruhephasen, die ich brauche oder die mich auch ungewollt heimsuchen, sehr schwach.

10 Minuten, ein Rahmen, wo ich mir sicher war, dass das ist nicht zu viel wird und ich trotzdem morgen Muskelkater haben werde.

Das hat super gepasst. Ich musste vor Freude an der Bewegung lachen. Und ich musste lachen, weil ich im weiteren Verlauf gemerkt habe, was für ein Koordinations-Desaster entsteht, wenn Beine und Arme gleichzeitig bewegt werden sollen. >.<

Ich freue mich immer darüber, wenn ich meine Bedürfnisse erfühlen kann und das mit einem Freudeausbruch von Innen angezeigt wird, dass ich da auf der richtigen Spur bin.

Vor einiger Zeit dachte ich noch, dass dann die Sachen immer so viel Freude machen müssen und wenn sie es nicht mehr tun, dann ist das doof. Mittlerweile bin ich darauf gekommen, dass diese Freudeausbrüche wie Wegweiser-Schilder auf einem Weg sind. Sie markieren ein – ja, du läufst in die richtige Richtung und es ist nicht nötig, zum Ziel zu machen, nun ständig diese Schilder zu finden. Der Hinweis reicht aus, um den Weg vertrauensvoll weiterzugehen.

Das mit dem Vertrauens-voll übe ich noch. 😉

Übersetzt heißt das, wenn ich auch zukünftig meinem Bewegungsdrang (wenn er denn da ist) angemessen befriedige, wird es nicht immer super lustig und freudig zugehen und mich vielleicht auch mal annerven oder neutrale Gefühle verursachen.

Nach meinem 10-Minuten Workout, als sie sagte, „weiter geht’s zum Hauptteil“, hörte ich auf, aber war noch immer unruhig. Ich dachte an die fehlende Möglichkeit die Energie abfließen zu lassen und setzte mich zur Meditation (obwohl ich auch dachte, dass halte ich doch gar nicht aus), bewusst mit den Handflächen nach unten auf die Oberschenkel gelegt, damit Energie in die Beine fließt und nicht noch mehr aufgenommen wird (Handflächen nach oben).

Ich beobachtete meinen springenden, denkenden, planenden, korrigierenden, fröhlichen und noch viel mehr Verstand und wurde dabei tatsächlich ruhiger und ausgeglichener. Das ordne ich den Händen zu, weil sie auf Reiki-Fluss eingestellt sind, auch ohne, dass ich das direkt beabsichtige.

Will ich mir merken, auch mal bei einem überschießenden Gespräch meine Hände auf die Oberschenkel zu legen. Vielleicht beruhigt das im Gespräch von ganz alleine.

Jetzt bin ich nicht mehr so angespannt und unruhig, sondern einfach freudig und offen für Bewegung.

Von meinem Platz hier am Schreibtisch, wenn ich über meine linke Schulter schaue, sehe ich dieses herrliche Bild von rot-gefärbtem Baumblättern und Balkonblumen. Ich liebe es. ❤

Das schilfartige Gewächs ganz links ist Ingwer.

Das schilfartige Gewächs ganz links ist Ingwer.

Eben bin ich durch die Nachbarschaft spaziert und habe Fotos gemacht, von Dingen die mir ins Auge stachen. 20-30 Minuten sind zum Erlebnis geworden, weil ich selten durch die Wohnsiedlung laufe, sondern eher an der Straße entlang. Sogar ein kurzes, nettes Gespräch mit einer Hundebesitzerin hat sich entsponnen, weil ihr Hund mich aufgrund meiner Mütze und Rucksack angebellt hat. Das täte er auch bei schwarzen und spanisch sprechen Menschen und auch bei Pferden, völlig verrücktspielen, da er die ersten 4 Monate  seines Lebens in Spanien wohl Schlimmes erlebt hat. Kann man nichts machen, sagt sie und ich denke, ja klar, auch Tiere erleben Traumatisierungen und haben ihr Leben lang damit zu tun. Aber Gott sei Dank, sagt sie lachend, hätten sie kein Pferd zu Hause. Da ginge das ja noch. Ein herrliches Bild entspinnt sich in meinem Kopf, mit einem Pferd in der Wohnung und ich muss herzhaft lachen.

So schöne Farben, in einer sehr ordentlichen Wohnsiedlung.

So schöne Farben, in einer sehr ordentlichen Wohnsiedlung.

 

Noch mehr schöne Farben.

Noch mehr schöne Farben.

 

Weiß jemand was das für ein Baum ist?

Weiß jemand was das für ein Baum ist?

 

Mit Früchten, die wie eine Mischung zwischen Eichel und Haselnuss aussehen.

Mit Früchten, die wie eine Mischung zwischen Eichel und Haselnuss aussehen.

 

Ja, Gott findet man auch bei Netto. :D

Ja, Gott findet man auch bei Netto. 😀

 

Nochmal mein Fensterblick, ohne Fenster davor. <3

Nochmal mein Fensterblick, ohne Fenster davor. ❤

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Bewusst-Sein

Heute hat mein Bewusstsein die Flucht gewählt und ich kann es nur zu gut verstehen.

Die letzten Tage waren sehr herausfordernd. Gefüllt mit Erinnerungen fühlen und halten und jeder Menge Fürsorge, um Begleiterscheinungen zu lindern, Ängstspiralen zu händeln und in Verbindung mit etwas Haltendem zu bleiben.

So viel Bewusstes-Sein. Ich war echt erstaunt. Ich habe alles verstanden und war bei mir und dem was geschah.

Dann geschah noch etwas und heute geschah noch etwas. Das war dann wohl das Ende der Bewusst-Seins-Kapazität.

Ich sitze hier mit schweren Augen und mein Fokus auf die Welt gleitet sofort ins Nirgendwo, wenn ich aufhöre, ihn zu fixieren. Zweimal tagsüber geschlafen und könnte es gleich wieder tun.

Neue Gefühlsbewältigungsstrategien tauchen auf, die ich mit der Osteopathie in Verbindung bringe, als würden die Energien nun veränderte Wege wählen.

Ein Telefonat, bei dem mein eigenes neues, ungewohntes Verhalten (aufgebrachtes Reagieren) einen inneren Schock verursachte. Der Schock fühlte sich nicht an wie ein Schock (Medikamente), aber die Reaktionen waren eindeutig, dass mein Gehirn seine Arbeitsweise verändert hatte. Ich musste erst einmal auflegen, fing an meine Augen zu kneifen (neu), den Kiefer immer wieder zu öffnen, wie Gähnen, aber ohne Gähnen (neu) und kurz beschleunigt zu atmen. Irgendwie war da ganz flach auch Angst zu spüren. Ich rief zurück. Augenkneifen blieb. Bewusstsein wollte immer wieder wegrutschen. Sprache fehlte teils im Kopf. Satzlücken. So, dass es auffiel. Mundöffnen kam nach dem Auflegen wieder (neu).

Ich ließ es trotzdem geschehen, dass die Haushaltshilfe 15 Minuten später kam. Vielleicht ließ ich es auch nicht geschehen, als eine Entscheidung, sondern ich konnte mich einfach nicht mehr verhalten.

Sie kam, sah und ging auf die Toilette. Wahrscheinlich nicht wegen mir, aber ich war froh darüber. Es war das zweite Mal, dass sie das genau im richtigen Moment tat. Zeit für mich, um zu erfassen, was ist gerade und wie sage ich ihr das.

Ich glaube, ich habe es ihr ziemlich gut erklärt und war wieder mal selbst davon überrascht. Ich staune öfter mal, wenn ich versuche anderen etwas zu sagen, wo ich der Meinung bin, dass kann jetzt niemand verstehen und dann höre ich mich ganz klar sprechen.

Ich staunte auch darüber, dass diese Situation wie sie war, so wenig Scham und Selbstabwertung auslöste. Vielleicht war sie nicht so besonders von außen, aber in meinem Normalzustand würde so etwas nie vorkommen. Ich hätte nicht noch mein Frühstücksmüsli vor mir auf dem Tisch gehabt. Ich hätte nicht noch meine Haushose angehabt, wo wir doch einkaufen gehen wollten (was bedeutet, mich umzuziehen zu müssen, während jemand ‚Fremdes‘ da ist). Ich hätte niemanden in meine Wohnung gelassen, solange ich keine ordentlichen Sätze sprechen kann, die Zunge wie Blei im Mund liegt, die Mundpartie schlaff, ohne Ausdruck. Ich hätte nicht zugelassen, dass jemand sieht, wie wenig Kontrolle ich noch über mein Denken und Handeln habe. Vielleicht war das im Vergleich immer noch ziemlich viel, was ich konnte. Für mich war das trotzdem ein ordentlicher Kontrollverlust und es war okay so.

Die Schwellen scheinen zu sinken, sich alles immer offener zu präsentieren. Hilfe kann innerlich mehr angenommen werden und Hilfebedürftigkeit darf mehr gesehen werden.

Ich bin so gottverdammt froh, dass ich um mich herum diese verschiedenen Unterstützungen habe. Ich wäre definitiv in einer heftigen Krise, wenn das nicht so wäre.

Alles was ich die letzten Tage getan habe, hat geholfen. Im Wald war es sogar möglich, mich völlig auf etwas anderes zu konzentrieren und alles zu vergessen. Mein Alltag war äußerlich fast normal. Eine riesige Veränderung, wenn ich das mit anderen Momenten vergleiche, in dem Unbewusstes bewusst wurde und so viel Leid mit sich brachte.

Es macht einen enormen Unterschied, wenn man versteht was passiert und fühlt, was man braucht (und das auch da ist).

Den einen Morgen lag mein Körper in angstverkrampfter Haltung, ich zitterte und weinte und mir war klar, dass das eine Intrusion ist, mein Körper die vergangene Bedrohung durchlebt. Dadurch konnte ich es zulassen, hatte eine annehmende, verständnisvolle Haltung dazu, weil ich Tage vorher gefühlt hatte, aus welcher Phase, mit welchen Erlebnissen diese Erfahrung zusammenhängt. Und ich wusste, dass es vorbei gehen wird. Ich kontaktierte jemanden schriftlich und entlastete mich, in dem ich teilte, was ich erlebte.

Ich hatte auch keine Hemmnisse mehr, die Bedarfsmedikation zu benutzen. Ich tat es nicht mehr, weil ich nicht mehr fühlen wollte, was passiert, sondern weil ich verstanden hatte, das mein Körper in einem Ausnahmezustand ist, mein Nervensystem dauerangespannt und wenn das länger geht, mein Körper für eine Pause und auch Schlaf dankbar ist.

Trotzdem hatte ich Angst, dass ich in eine Situation komme, wo ich mit allem was ich fühle überfordert bin und keine Hilfe da ist. Das erkannte ich erst beim Klopfen und gab mir wieder die Möglichkeit, meine Angst ernst zu nehmen und die kommenden Tage abzusichern.

Was wiederum zu heftigen inneren Reaktionen führte, als ich meine Bedürfnisse nach außen vertrat und ernst genommen wurde. Das kann ich nicht genauer erklären, ist jedoch der Grund, warum es heute mit dem Bewusst-Sein endete.

Frau Helferin

Staunen.

Jemand der mich ernst nimmt. Jemand der meine Einschätzungen ernst nimmt und darauf reagiert. Jemand der sich in meine Wahrnehmungen und Emotionen einfühlen kann. Jemand, der daran glaubt, dass die Auswirkungen von alten Erfahrungen durch das Erleben von neuer Erfahrungen verändert werden können. Jemand der zur Verfügung steht.

Meine Reaktion darauf, die mich selbst überrascht, weil so noch nicht bekannt. Sehr schnelles Vertrauen und in Beziehung gehen. Sichtbarwerden von Bedürftigkeit, von Emotionen. Sichtbarwerden von Anteilen die sich sonst niemandem zeigen.

Es braucht immer wieder meine Bereitschaft, meine Erlaubnis.

„Möchten sie sich morgen nach ihrer Therapiestunde bei mir melden, damit sie nicht wieder in diesen Zustand von letzter Woche fallen?“
Innen: Aber wozu denn? Brauche ich nicht. Ging doch bisher auch ohne sowas.
Etwas wird klein und ruft laut: Jaaa!

Abwägen, ob ich das zulassen darf/kann zu äußern/zu wollen. Verkrampft, angespannt und zähneknirschend beiseitetreten und klein – lächelnd, verlegen – ‚ja‘ sagen. Zittern.

Vorher sprachen wir über die Chance in dieser Beziehung, mehr meiner inneren Impulse, Wünsche, Bedürfnisse zu zeigen. Massive Ängste vor eintretenden Begrenzungen. Grenzen, die ich bisher durch Vermeidung nie erfahren habe. Grenzen, die ich nicht kenne, weil ich meine Bedürfnisse zurückzustellen lernte. Grenzen die heftige Zurückweisungsgefühle + Selbstabwertung auslösen können.

Verständnis. Zusage zu achtsamer, haltender Begrenzung. Einladung alles auszuprobieren.

Angst zu weit zu gehen. Wie viel darf ich wollen? Bis wohin geht eine Beziehung? Wann höre ich auf und wo fängt der andere an? Bleibt nur es herauszufinden.

Ein Geschenk. Jemanden wie ich ihn gesucht habe, ohne zu suchen. Und plötzlich ist sie einfach von ganz alleine da.

Dunkelteile

Eigene Mailauszüge:

ich hab in letzter zeit wenig worte für das was passiert und wo ich bin und sehne mich unglaublich nach rückzug aus der welt. habe mein konto bei facebook deaktiviert und schalte mein handy nur noch gelegentlich an. ich will nicht mehr warten. warten auf eine nachricht, auf ein klingeln, auf einen anruf, auf eine mail, auf einen kontakt. ich will dem schmerz der einsamkeit, der hinter dem warten liegt begegnen. ich will nicht mehr auf der bühne des lebens inszenieren. ich will nicht mehr von menschen enttäuscht sein, weil sie meine bedürfnisse nicht befriedigen. ich will meine unerfüllten bedürfnisse aus der vergangenheit nicht mehr in jetzige beziehungen tragen. ich will dem ursprung begegnen, dort eintauchen wo alles begann. der urschmerz. die urwut, abgelehnt worden zu sein. ich weiß nur noch nicht so richtig, wie ich das eigentlich machen soll, an dem ort wo ich bin. ich will gerade weg, an einem ort wo ich schreien kann und weinen, mich vor emotionalem schmerz auf dem boden wälzen und um mich schlagen. wo ist das? wer gibt mir das geld, um da hin zu können? und wer kann mir versprechen, dass danach alles besser wird?

ich habe eben mit der kriseninterventionsstation telefoniert, weil ich im bett lag und plötzlich ganz klare gedanken hatte, dass es besser wäre, ich würde mich töten, damit ich der welt und den menschen nicht mehr zur last falle und meine unerfüllten bedürfnisse nicht mehr ertragen muss.
das ist fürs erste überstanden.

Liebe oder vom Urgrund

Heute ist so ein Tag, an dem ich allzu deutlich spüre, dass meine zeitweilige Selbstsicherheit, mein Selbstvertrauen, so fest es sich auch anfühlen mag, ein Gerüst ist, was sich nur durch sich selbst hält und nicht aufgrund einer Verankerung mit dem festen Boden. Eine Böe und es klappt in sich zusammen.

So ein Tag, an dem mir die Tränen laufen, mit der Frage, habe ich in einem Jahr nichts erreicht? Stehe ich genau dort, wo ich auch letztes Jahr stand? Das kommt hoch, als ich auf dem Friedhof bin, in dem ich letztes Jahr ehrenamtlich gearbeitet hatte und überlege, ob ich wieder fragen soll, hier mithelfen zu können. Das Gefühl der Größe, der Stärke, das Gefühl etwas Besseres zu sein, zu etwas Besonderem bestimmt zu sein, fällt in sich zusammen und lässt mich wieder mal einen Blick auf meinen wirklichen Selbstwert werfen. Ich tue mir selbst weh, in dem ich mich für nichts und unfähig halte. Zu mehr bist du nicht fähig. Mehr hast du nicht drauf, als hier so niedere Tätigkeiten zu machen. Mich überraschen diese starken Gefühle. Mir war nicht bewusst, dass ich mich während ich hier damals arbeitete, die ganze Zeit als etwas Besseres gefühlt hatte, gegenüber den anderen Beschäftigten. Und nun bin ich wieder hier und denke, ich bin doch nichts Besseres, ich bin gescheitert, komme wieder angekrochen. Wie mitleiderregend.

Trotz der Bewusstheit von all diesem und dem Versuch mir meinen Wert zu versichern, egal was ich arbeite und wie oft ich irgendwo wieder auftauche, fühle ich mich klein und verloren. Ein klassischer Trigger im Außen, um meine Selbstabwertung aufs Tablett zu holen und mir meiner Überheblichkeit bewusst zu werden.

Das Verlangen nach irgendetwas ist enorm. Konditioniert klappere ich geistig Konsumgüter ab, ohne befriedigenden Erfolg. Ich erinnere mich, dass ich hinter dem letzen Verlangen, das Bedürfnis nach Verbindung gefunden hatte. Da ist es wieder, das Urbedürfnis nach Versicherung, nach Selbstversicherung. Bin ich richtig? Bin ich geliebt? Darf ich sein? Der Urgrund des menschlichen Seins. Wie soll ich es mir selbst geben, diese Versicherung? Wie soll auf der Basis des eigenen fehlenden Urgrundes, sich selbst haltende Verbindung entstehen. Wie will man ein Haus bauen, ohne Boden.

Diese Gedanken rattern durch mein Hirn, auf dem Fahrrad Richtung nach Hause. Und ich rufe, flehe innerlich Richtung Himmel, weil mir gar nichts anderes übrig bleibt, weil mir niemand anderes einfällt, der für diese Frage verantwortlich sein könnte: „Liebst du mich Leben?“
Zack… das geht ins Herz. Jetzt hier auch beim Schreiben. Weil ich ein JA fühle. Kein inneres JA, das aus einer Liebe zu mir selbst entsteht, sondern ein JA, welches von außen kommt. Das mich genau in diesem Moment mit all meinen schlechten Gefühlen und Gedanken liebt. Auch mein kleines, unfähiges und gescheitertes Fühlen. Auch mein Schwachsein. Kein Urteil, keine Bedingungen. Ich hätte auf meinem Fahrrad fast einen Heulanfall bekommen und versuchte so viel wie ich zulassen konnte, von diesem Gefühl aufzusaugen.

ICH WERDE BEDINGUNGSLOS GELIEBT! IMMER! Und ich kann darauf zugreifen. IMMER!

Und das ist nicht von einem Menschen abhängig, bei dem die ‚Gefahr‘ besteht, dass er wieder damit aufhört, aus welchen Gründen auch immer. Persönliche Befindlichkeiten, Abwesenheit, Tod usw..

Therapieprozesse VII

Brief an die Reha-Therapeutin:

Liebe Frau …,
ich schreibe ihnen, weil ich mich ganz dringend entlasten muss. Keine Ahnung wie sie das finden werden. Ich vertraue darauf, dass sie mir sagen werden, wenn sie etwas unangemessen finden.

Hintergrund ist auch, dass aktuell alle meine Anlaufstationen im Urlaub sind, privat, wie professionell. In mir schlägt es hohe Wellen und ich pralle immer wieder auf die nicht hilfreichen Erfahrungen in meiner Therapie und dazu das jetzige Alleine-sein.

Ich habe meiner Therapeutin alle Gedanken und Gefühle die Therapie betreffend offen gelegt. Ich bin drei harte Stunden lang immer wieder über meinen Schatten gesprungen und habe ums Verstanden-werden und Gesehen-werden gekämpft. Ich habe Parallelen zu meinen bisherigen Beziehungserfahrungen gefunden, in denen ich mich immer nur befreien konnte, wieder ich selbst sein konnte, wenn ich sie verlassen habe. Diesmal wollte ich es anders machen und mich innerhalb befreien. Ich habe geweint, ich war zum ersten Mal ‚offen‘ wütend, ich war tief enttäuscht, verzweifelt, resigniert, traurig, ich habe das Zimmer verlassen und bin wiedergekommen. Das alles vor ihr. Ich habe mir Deutungen angehört von gute Mutter/ böse Mutter. Sie die Gute, meine Therapeutin die Böse. (Wenn es mal so einfach wäre. Ich sehe das viel differenzierter) Und dass ich versuchen würde, meine Bedürfnisse zu befriedigen und das nicht ihre Aufgabe wäre. Das alles habe ich durchgehalten und mich innerlich verabschiedet, weil ein Verstehen sich nicht einstellen wollte. Und dann geschah doch noch ein Wunder, weil ich nicht locker ließ oder eher meine Wut nicht locker ließ, dass sie sich so verweigerte meine Bedürfnisse anzuerkennen. Darum ging es mir, dass sie meine Bedürfnisse anerkannte und nicht, dass sie sie befriedigte. Und das hat sie dann plötzlich doch begriffen und eingestanden, dass es in einer zurückliegenden Situation auch Teil ihrer Rolle gewesen wäre, wenn sie es erkannt hätte. Und da bleibe ich hängen. Das rückwirkende Erkennen stellt kein Vertrauen in mir her, weil ich erwarte, dass sie es hätte in dem Moment erkennen müssen. Und wenn sie es dort nicht konnte, dann kann sie es auch zukünftig nicht. Ich will meine Therapiezeit nicht darauf verwenden, immer wieder diesen Mangel zu erleben und ihn ihr sichtbar zu machen. Ich werde sie nicht ändern können oder es würde viel zu lange dauern. Vielleicht profitiert da mal ein späterer Klient von, aber für mich ist es verlorene Zeit, in denen ich nicht zu den Dingen komme die möglich wären, wenn diese Basis des Annehmens und Gesehenwerdens da wäre. Mir ist einfach nicht danach, meine Kindheitserfahrungen zu wiederholen. Ich brauche neue Erfahrungen.
Ich brauche jemanden der in der Lage ist, den Erwachsenen UND das Kind zu sehen und sich darauf einzulassen und der als Mensch spürbar ist.

Dass ich das so lange ausgehalten habe, habe ich auch als Muster meiner Vergangenheit erkannt. Das dreckige Nest nicht verlassen können, eigene Gefühle und Impulse zurückstellen, nicht als wichtig erachten, weil die Beziehung zu erhalten, egal wie sie ist, wichtiger ist, um Liebe, Aufmerksamkeit, was auch immer zu bekommen.

So, eigentlich habe ich mich schon befreit und trotzdem bleibe ich noch kleben, kann mich nicht neu orientieren, trotz all diesen Wissens und der Erfahrungen. Es kommt mir zu groß vor, es neu zu versuchen. Die Gefahr zu wahrscheinlich, dass es schief geht, die Erfahrung sich wiederholt. Das Neueinlassen zu kraftzehrend. Und ich bin wütend, immer noch. Das ist viel größer, als ich zulassen kann zu fühlen. Es ist so unglaublich groß, diese Wut! Und da ist auch meine Mutter mit drin. (Immerhin… ein Fortschritt ;)) Und dann entwischt es mir wieder. Wenn ich eine Prognose abgeben müsste, glaube ich, dass ich so lange in dieser Therapie hängen werde, bis diese Wut einen angemessenen Raum gefunden hat. Es wäre schön, wenn meine Therapeutin in der Lage wäre diesen Raum einladend zu gestalten und hilfreich dabei zu sein.

Puhhh… Na gut. Alles von der Seele geschrieben. Ist es jetzt besser? Keine Ahnung. Ich erwarte dazu keine Reaktion von ihnen (von innen hinten: schön wäre es trotzdem :)).

Danke fürs Lesen!
Freundliche Grüße

Therapieprozesse VI

Auszüge aus Reha-Notizen und Notizen nach Rückkehr.

22.05.2014 Reha
Ich stelle fest, dass ich sofort an ihre Person (Reha-Therapeutin) angedockt bin, was ich total ungewöhnlich finde. Was war es, was mich gleich so vertrauen lässt?

Die Therapie (Analyse) bleibt im Rahmen des Erkennens und Verstehens. Ich werde das dumpfe Gefühl nicht los, dass mehr möglich wäre, wenn es mehr emotionale Spiegelung gäbe und ich so vielleicht auch eher an eigene Gefühle komme.

27.05.2014 Reha
Ich bin so, so, so erleichtert verstanden zu werden, gesehen zu werden.

          Ich bekomme Zuwendung, die ich nicht verdient habe. Du übertreibst. Du lügst. Du sagst das nur, weil man sich um dich kümmern soll. Wie kindisch. Du bist erwachsen.

28.05.2014 Reha
Mich macht so vieles so wütend. Das meine Therapeutin (Analyse) mir nicht gibt, was ich brauche.

29.05.2014 Reha
Morgens Weinen. Keine Ahnung was ich fühle. Sehnsucht nach der nicht vorhandenen Mutter?

30.05.2014 Reha
Ich darf also so tun, als ob meine Therapeutin (Analyse) meine Mutter wäre und ihr sagen, was ich von ihr brauche? Die Mutter muss erst das Kind verstehen lernen? Ich habe das Gefühl, kein Recht dazu zu haben.
Mir fehlt emotionale Rückkoppelung. Die Sicherheit, dass das okay ist, was ich bin und fühle.
Hier in den Gesprächen verstanden zu werden, beruhigt mich total, reduziert emotionales Chaos und Spannung.
Sie (Reha-Therapeutin) benennt Gefühle, schlägt welche vor. Hilft mir da einzusteigen, weiterzugehen, aufzugreifen. Fühle mich eingeladen.
Es ist so ruhig in mir. Kein Ringen um Worte in meinem Kopf, weil alles angekommen und spürbar verstanden wurde. Jetzt ist Platz für Sehnsucht und Fühlen von Heimatlosigkeit.

03.06.2014 Reha
Aus dem Einzelgespräch: „Wie es aussieht, mussten sie sich das meiste selbst beibringen.“ Das trifft etwas in mir. Tränen steigen auf, obwohl ich diese Aussage nicht mit Inhalt füllen kann.
„Sie müssen sich rausnehmen, um ihre Grenzen wieder neu zu stecken. Das passiert, wenn man zu früh lernen musste, wie die Eltern funktionieren, bevor man sich selbst und seine Grenzen kennen lernt.“ Das passt und plötzlich wird etwas plausibel. Die Reizüberflutung ist eigentlich keine. Ich kann mich nur durch viele Reize selbst nicht mehr spüren. Es ist also kein depressives Symptom, sondern eine psychologische Begebenheit.
Ein weiterer Deutungsvorschlag: Es kommt zu Erschöpfungen, wegen widerstreitender Gefühle zum Thema Nähe und Distanz. Will ich mich um das Bedürfnis nach Nähe kümmern, wird die Angst so groß. Will ich mich um die Angst kümmern, wird das Bedürfnis nach Nähe nicht gestillt. Keine Klärung. Ständiger Zug.

Ich fühle mich der Reha-Therapeutin gegenüber wie ein offenes Buch. Sie scheint alles zu sehen und zu verstehen, bevor ich etwas ausspreche. Sie sieht und versteht Zusammenhänge, die mir selbst noch nicht klar waren. Dadurch kann ich mich in ihr selbst erfahren. Das tut unheimlich gut und kommt aber auch unheimlich nah, wo Angst entsteht.

Das macht mich traurig, dass ich woanders das erfahre, was ich mir in der Therapie zu Hause immer gewünscht habe. Dass man mir hilft zu verstehen. Ich habe das Gefühl, ich arbeite die meiste Zeit alleine, erarbeite mir alles selbst. Ich will ihr nicht sagen müssen, was ich brauche.

05.06.2014 Reha
Ich hatte mir damals diese Therapeutin ausgesucht, weil sie mir viel Raum gab. In den alten Erfahrungen gehe ich in diesem Raum verloren, finde keinen Halt und keine Orientierung. Als heutiger Erwachsener kann ich diesen Raum nutzen, um mich neu zu finden, selbst zu finden. Vor- und Nachteile.

Trauma-Gruppe: „Viele sind enttäuscht. Nun haben sie schon damals keine Unterstützung erfahren und nun müssen sie auch heute sich selbst helfen. Ja, wer den sonst, als sie?“ Die Wahrheit tut weh. Inneres Kind fühlt – Ich bin alleine. Ja, wer denn sonst, als ich selbst kann mir helfen. Wut! Ich muss es alleine machen. Ich wäre schon froh, wenn mich jemand anleitet und mich auffordert die Lampen zu zählen (Rückholung nach Traumaaktivierung). Das wäre Hilfe genug und ist nicht geschehen!

06.06.2014 Reha
Mir geht es nicht gut. Sehnsucht nach Blicken und Verständnis von Therapeuten. Trigger Gesprächsgruppe – ihr Blick, ihre Tonlage, ihr Mitgefühl, ihr Verständnis für meine Gefühle. Das alles schmerzt und lässt die Sehnsucht danach ins Unermessliche steigen. Es hängt in mir fest. Lastet auf mir, schwer im Herzen.

08.06.2014
Schreien, klagen wollen aus tiefsten Herzen, so sehr tut es weh. Und immer wieder wegdrücken. Sich leiden erlauben? Darf ich das?

09.06.2014
Am liebsten wäre mir, ein Termin bei ihnen wäre mir nicht wichtig. Ich kann auch ohne sie. Ich brauche das nicht zum Überleben. Ich komme zurecht. Es macht mir nichts aus, dass etwas ausgefallen ist. So habe ich es tatsächlich gefühlt, bis heute Nacht. Im Traum habe ich dann doch auf sie gewartet, mit Insektenwunden an beiden Füßen. Sie kamen nicht. Die anderen Ärzte fühlten sich belästigt durch meine Anwesenheit. Da nahm ich die Pinzette und behandelte mich selbst. Wollte nicht mehr von ihrem Kommen abhängig sein. Dann kamen sie. Ich sagte ihnen, dass sie ihr Versprechen nicht eingehalten haben. Sie behandelten die Wunden zu ende.
Ich will mich am liebsten nicht in die Terminliste einschreiben. Will ihnen zeigen, dass es mir nicht wichtig ist. Am Ende schneide ich mir damit ins eigene Fleisch. Ich hasse diese Abhängigkeit. Ich spüre Widerwillen gegen den Schmerz den ich fühle, wenn ich sie sehe. Ach wären sie doch weg geblieben.

12.06.2014 Reha
Es tut so gut Bestätigung für mein Fühlen zu erhalten. Es schmerzt hier Hilfe zu bekommen, nach der ich mich schon so lange gesehnt habe. Unterstützung die ich viel früher gebraucht hätte. So allein damals in diesem schrecklichen Chaos. Wie sehr hätte ich davon profitiert? Wie viel kürzer wäre das Leiden gewesen? So musste ich mich alleine durchwursteln. Ich spüre das Alleinsein. Die wahnsinnige Leistung, die ich erbracht habe und damit nicht gesehen worden zu sein, keine Hilfe erfahren zu haben. Wie ich das jetzt alles aufsauge. Auch wenn ich schon viel weiß und viel richtig gemacht habe, bitte hören sie nicht auf mich zu unterstützen! Lassen sie mich nicht alleine! Ich kann mir die Therapie (Analyse) gerade immer weniger vorstellen, die Passivität, die fehlende aktive Unterstützung nicht länger aushalten.

18.06.2014 Reha
Mir erlauben rauszugehen, um für mich zu fühlen und zu weinen. In der Therapie (Analyse) habe ich mir das nicht mehr gestattet.

05.07.2014
Wenn die Vorstellung die Therapie zu beenden, gleichzeitig ein Befreiungsgefühl beinhaltet und Schmerz, ist es dann nicht einfach nur eine Wiederholung dessen, was ich in all meinen Beziehungen bisher erfahren habe? Ich fühle mich unfrei, eingesperrt. Kann mich nicht frei bewegen. Doch hindere mich selbst daran und denke, diese Freiheit nur außerhalb dieser Beziehung wiedererlangen zu können?

10.07.2014
Ich brauche sie nicht mehr. Ich brauche keine Therapie mehr.

11.07.2014
Es ist eine Wiederholung zu der Beziehung zu meiner Mutter. Anpassung, um etwas zu bekommen. Dabei eigene Impulse, Gefühle zurückstellen und nicht spüren, dass es nicht passt.
Sie haben das Gefühl, dass ein weiterer stationärer Aufenthalt (Traumatherapie) mir nicht gut tut? Wie kommen sie darauf? Wissen sie was mir nicht gut tut?! Alleine gelassen zu werden, mit Symptomen, die für mich kaum zu bewältigen waren. DAS tut mir nicht gut! Und mir dann erzählen, dass sie überzeugt davon sind, mich gut in der Traumaarbeit begleiten zu können. Ich glaube ihnen nicht!
Und ja, ich versuche meine Bedürfnisse zu befriedigen. Und ich finde das auch richtig so, als ersten Schritt, sie damit überhaupt anzuerkennen und zu erkennen, dass ich sie befriedigen darf! Dass ich ein Recht auf Verstanden-werden, auf Angenommen-werden und Verbindung habe.