Aktivitäten und Pausen begrenzen

Derzeit kann ich mich zu Hause nur schwer gut durch den Tag strukturieren.

Ich denke, das kommt vor allem vom fehlendem Zeitgefühl und schlechtem Körperkontakt.

Ich kann Aktivitäten gedanklich nicht über den Tag verteilen. Alles ist gleichzeitig in meinem Kopf und wenn ich mit etwas anfange, wird es eine unangenehme Erfahrung, weil ich den Punkt des wieder Aufhörens verpasse. Pausen fallen mir schwer, weil ich mich dort auch in Zeitlosigkeit verliere und Inneres mich belastet.

Und durch die Gleichzeitigkeit der Dinge die getan werden wollen, in meinem Kopf. Hab ich immer das Gefühl, ich kann nur eine einzige Sache machen am Tag. Was furchtbar Druck erzeugt, mich für die richtige Sache zu entscheiden. Das lähmt enorm Entscheidungen zu treffen.

Also hab ich heute, nachdem ich therapeutisch motiviert wurde, meine Idee, Aktivität und Pausen in Zeitfenster zu tackten, ausprobiert.

Die Erkenntnis, dass ich gerade nicht länger als 15-20 Minuten belastbar bin und dann eine viel größere Pause brauche, hat mich davon abgehalten, es vorher schon ausprobieren. Ich wollte es einfach nicht wahr haben, dass ich wieder da gelandet bin.

(Was dazu führt, dass auch das BEW weiter laufen wird und nicht wie gedacht endet)

Jedenfalls war das heute echt hilfreich alles zu begrenzen. 15 Minuten Bastel. 25 Minuten Kaffee und Sonne auf dem Balkon genießen. 25 Minuten auf der Couch dösen, mit aufgelegten Reiki-Händen (die immer dabei sind).

Dadurch war dann Kraft zum Kochen da. Danach 15 Minuten Entspannungsaudio und 25 Minuten dösen.

Während ich das schreibe, fällt mir auf, dass das heute der erste Tag ist, an dem ich es schaffe, so viele Entspannungsmomente einzubauen.

Ich war einfach nicht mehr in der Lage zur Ruhe zu kommen, immer weiter geschickt durch meine eigenen Gedanken.

Jetzt bin ich noch mehr froh, dass ich das mit den Begrenzungen gemacht habe.

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Frohe Botschaften

Frohe Weihnachten.

Mal eine Sache, die ich seit ca. anderthalb Wochen schaffe.
Jeden Tag einmal raus, ob mit Ziel oder ohne Ziel. Soviel und so lange es eben geht und sei es nur eine Runde um den Block.
Gefühlt ist es das erste, was ich seit 2011 durchhalte (bisher) und mir zu Gute kommt.
Ich habe wohl immer meine Ziele zu hoch gesetzt.
Zaghaft erlaube ich mir etwas Stolz.
Verächtlich schaut etwas auf diese erbärmliche Leistung, die als Leistung nicht anerkannt werden kann. So tief bist du gesunken.

Ich habe herausgefunden, dass ich mich in einem Cafe in der Nähe in Gesellschaft fühlen kann. Ich bin da einfach, lausche dem Stimmengewirr, spüre die Menschen um mich herum, lasse mich von der heimeligen Atmosphäre tragen – lese, trinke, spüre, schaue, höre, esse, denke und bin nicht alleine. Das fühlt sich schön an.

Seit zwei Tagen spüre ich Inseln von Nähe und Mitgefühl zu mir. Ein Sein-Zustand, in dem jedes autoaggressive Verhalten unvorstellbar wird.
Da freue ich mich wirklich drüber. Es gibt mir Hoffnung, dass ich Anteile wiederfinden kann, die Vertrauen und liebevolle Selbstannahme üben.
Ich habe auch Angst, dass diese Inseln nichts über den weiteren Verlauf aussagen.

Die Symptom-Ausweglosigkeit, die ich fühle, bis in alle Ewigkeit erschöpft und wenig belastbar durch die Welt zu laufen, rückt ein Stück und lässt Platz für Möglichkeiten. Ja super…- Medikamente. Ganz tolle Sache.

Das Gefühl, versagt zu haben und schuld an den Symptomen zu sein, rückt ebenso ein Stück und lässt Raum für einen Prozess der Akzeptanz von Begrenzungen/Behinderungen, die meiner Person inne wohnen und der Erkenntnis, trotzdem wertvoll zu sein. Ist das so?

Aus dem Verlust der alten Ausrichtung – ein stetiges Arbeiten an der eigenen Person, um besser zu sein, fitter zu sein, leistungsfähiger zu sein – entwickelt sich eine neue Ausrichtung, auf der Grundlage, „mir darf es gut gehen“.
Auch wenn ich das noch überhaupt nicht fühlen kann.
Wiedereingliederung/Arbeit wird zurückgestellt und Ressourcenaktivierung (Bewegung, Tanzen, Singen, Gruppe/Gemeinschaft/mitteilen) an erste Stelle gesetzt, weil da ein großes Loch ist.

(Dass das Ausgraben von energiespenden Dingen in jede Richtung mit Angst besetzt ist, ist ein anderes Thema.)

Frau Helferin

Staunen.

Jemand der mich ernst nimmt. Jemand der meine Einschätzungen ernst nimmt und darauf reagiert. Jemand der sich in meine Wahrnehmungen und Emotionen einfühlen kann. Jemand, der daran glaubt, dass die Auswirkungen von alten Erfahrungen durch das Erleben von neuer Erfahrungen verändert werden können. Jemand der zur Verfügung steht.

Meine Reaktion darauf, die mich selbst überrascht, weil so noch nicht bekannt. Sehr schnelles Vertrauen und in Beziehung gehen. Sichtbarwerden von Bedürftigkeit, von Emotionen. Sichtbarwerden von Anteilen die sich sonst niemandem zeigen.

Es braucht immer wieder meine Bereitschaft, meine Erlaubnis.

„Möchten sie sich morgen nach ihrer Therapiestunde bei mir melden, damit sie nicht wieder in diesen Zustand von letzter Woche fallen?“
Innen: Aber wozu denn? Brauche ich nicht. Ging doch bisher auch ohne sowas.
Etwas wird klein und ruft laut: Jaaa!

Abwägen, ob ich das zulassen darf/kann zu äußern/zu wollen. Verkrampft, angespannt und zähneknirschend beiseitetreten und klein – lächelnd, verlegen – ‚ja‘ sagen. Zittern.

Vorher sprachen wir über die Chance in dieser Beziehung, mehr meiner inneren Impulse, Wünsche, Bedürfnisse zu zeigen. Massive Ängste vor eintretenden Begrenzungen. Grenzen, die ich bisher durch Vermeidung nie erfahren habe. Grenzen, die ich nicht kenne, weil ich meine Bedürfnisse zurückzustellen lernte. Grenzen die heftige Zurückweisungsgefühle + Selbstabwertung auslösen können.

Verständnis. Zusage zu achtsamer, haltender Begrenzung. Einladung alles auszuprobieren.

Angst zu weit zu gehen. Wie viel darf ich wollen? Bis wohin geht eine Beziehung? Wann höre ich auf und wo fängt der andere an? Bleibt nur es herauszufinden.

Ein Geschenk. Jemanden wie ich ihn gesucht habe, ohne zu suchen. Und plötzlich ist sie einfach von ganz alleine da.