Danke!

Oh wie freu ich mich, oh wie freu ich mich! 😀

Ein fettes, fettes Danke an den Spender! ❤

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Die Geste an sich, war ein zusätzlich sehr großes Geschenk für mich und hat mich lachend und weinend zugleich berührt. Lachend für Freude über das Geschenk, weinend vor Rührung, das es Menschen gibt, die so etwas einfach so machen, ‚Fremde‘ beschenken.

Ich konnte nicht anders als herumhüpfen und mehrfache Dankesgebete an diesen Menschen zu schicken. 🙂

Die unsinnige Sache mit der Schuld

Wow, was war das denn!
Das Telefon klingelt. Ich liege noch im Bett. Ich höre die Stimme meines Opas Ostergrüße aufs Band sprechen. Mein schlechtes Gewissen klopft an meine Stirn.

Mein Opa und meine Stiefoma. Sie leben nicht in der näheren Umgebung. Schon immer weiter weg, auch in meiner Kindheit. Ach verdammt… ich müsste mich da viel regelmäßiger melden. Mein Opa ist hartnäckig. Spricht Feiertag für Feiertag Grüße auf mein Band oder schickt eine Postkarte. Viel Futter für mein schlechtes Gewissen. Die Stimme der Eltern im Kopf, heute wie damals. Ruf da an und sag danke schön. Das macht man so. Das ist Höflichkeit. Melde dich doch mal bei deinen Großeltern. Du kannst deine Großeltern auch besuchen fahren. Und auch sie selbst weisen mich in langen Abständen immer wieder darauf hin. Jedes Mal zieht sich alles in mir zusammen und ich fühle – ich will nicht.

Also wieder ein Anruf auf meinem Band und die gefühlte Aufforderung, du musst zurückrufen und dich dafür bedanken. Den letzten Anruf, ich glaub zu Weihnachten?, hab ich unter den Teppich fallen lassen. Wollte einen Brief schreiben, aber hab es dann vergessen oder auch nicht gewollt. Gewolltes Vergessen. Jetzt muss ich aber. Nochmal keine Reaktion, macht das schlechte Gewissen zu einem Monster, welches mich auffrisst.

Ich liege immer noch im Bett. Meine Gedanken laufen. Vielleicht hängt ja auch mein Opa in dieser man-muss-ja-Schleife und ruft nur aus einem Verpflichtungsgefühl so regelmäßig an? Vielleicht ist das auch etwas, was er hinter sich bringt und froh ist, wenn es vorbei ist? Interessanter Gedanke. Das muss ich ihn mal fragen. Dann könnten wir uns das beide einfach sparen. 🙂

Und ist es ihm eigentlich zu wenig, unser Kontakt? Ein Anruf und ein Brief im Jahr? Oder reicht ihm das vielleicht? Ist er traurig? Wünscht er sich mehr? Er hat auf meine zwei Briefe nicht geantwortet. Wie ist unsere Verbindung? Es hat doch auch einen Grund, warum ich mich nicht mehr melde, warum ich kein Bedürfnis habe zu Besuch zu fahren. Unsere Verbindung war von meiner Seite aus nie nah. Liegt vielleicht auch an der Entfernung. Liegt vielleicht auch an dem Menschen selbst, der er ist.
Okay, heute werde ich zurück rufen und ihm genau diese Fragen stellen. Ich stehe auf. Nehme das Telefon. Schwitze und zittere. Tippe vor Aufregung nur die halbe Nummer ein. (Wie in Träumen, wo ich nie die richtigen Tasten treffe) Geh dann doch erst mal auf Toilette. Atmen. Erneuter Versuch. Richtige Nummer. Opa ist am Telefon. Starte mit den üblichen Floskeln – danke für die Grüße und so – und gehe dann gleich in die Vollen.

„Ich wollte dir ein paar Fragen stellen, die uns betreffen und wünsche mir ehrliche, offene Antworten. Ich melde mich ja nicht so oft. Wie ist das für dich?“

Den genauen Wortlaut bekomme ich nicht mehr zusammen. Das ist nur angelehnt.

Er scheint sehr überrascht, über diese Frage und weicht erst mal aus. Ich stelle die Frage dann noch mal.
Er: „Ach, das ist in der ganzen Familie so. Wenn ich mich da nicht melde, dann kommt nichts zurück. Du bist ein Teil dieser Familie.“
Ich, schmunzelnd: „Du glaubst also, dass liegt in unseren Genen?“
Er, lachend: „Ja, genau.“
Ich: „Aber heißt das, du hast dich daran gewöhnt und es ist okay für dich?“
Er: „Jein. Jein. Ich würde es schon schön finden, wenn man mal zu Feiertagen oder zu meinem Geburtstag an mich denkt.“
Ich: „Weißt du, meine Verbindung zu dir ist nicht sehr nah. Früher auch schon nicht. Deshalb kommt bei mir nicht so oft das Bedürfnis mich zu melden. Nun habe ich gehört, dass du dir z.B. zum Geburtstag Anrufe wünschst. Das sind für mich so feste, vorgegebene Termine die mit einem Verpflichtungsgefühl verbunden sind. Ich möchte dich nicht anrufen, nur weil ich das Gefühl habe ich muss. Was aber nicht heißt, dass ich euch nicht leiden kann.“
Er: „Das verstehe ich.“ (eine für mich völlig unerwartete Antwort!)
Ich: „Ich möchte mich melden, wenn mir danach ist, wenn ich es will.“
Er: „Aber du brauchst Impulse. Sonst würdest du doch gar nicht anrufen?“
Ich: „Ja, das stimmt. Oder nein, ich hab auch vor ein paar Monaten mal von mir aus daran gedacht und mich dann nicht getraut. Warum auch immer.“
Er: „Du brauchst doch vor mir keine Angst haben.“
Ich, lachend: „Ja, das weiß ich doch. Ich hatte wohl Angst davor wie es wird, ob wir uns verstehen.“ (Erst nach dem Telefonat habe ich begriffen, dass ich Angst vor meinem eigenen Schuldgefühl hatte, welches dann spürbar geworden wäre mit einem Kontakt.)
Er: „Du, wenn ich was nicht verstehe, frage ich nach.“ (So war das zwar nicht gemeint, aber okay… :))
Ich: „Und auf meine Briefe hast du nicht geantwortet, weil Schreiben nicht dein Ding ist?“
Er: „Genau richtig.“

Dann sind wir in ein allgemeines Gespräch übergegangen, wie es uns so geht.
Ich sprach dann noch kurz mit meiner Stiefoma. Sie hatte von dem Telefonat vorher nichts mitbekommen und lud mich wieder zu einem Besuch ein. Ich wollte aus alter Gewohnheit erst irgendeinen Grund vorschieben, wie kein Geld oder so und sprach dann aber auch ihr gegenüber aus, das mein Bedürfnis nicht so stark ist, weil ich ihnen nicht so nah bin. Und auch sie, ich kann es kaum fassen, hat dafür Verständnis, begründet es mit der großen räumlichen Distanz, die schon immer da war.

Ich erzähle ihr noch von der anstehenden Reha und das dann meine Wohnung hier frei wäre, falls sie einen Stadturlaub machen wollen. Sie freut sich. Findet das eine gute Idee. Und so endet dieses Telefonat in guter Stimmung.

Ich bin so perplex, dass ich erst mal gar nichts fühle und sehr neben mir stehe. Wie kann es sein, dass man sich über Jahre und Jahrzehnte mit Gefühlen aller Art plagt und in einem einzigen Telefonat alles bereinigt wird? Wieso bekommt man als Kind nicht beigebracht, zwischenmenschliche Dinge anzusprechen und zu klären? Wieso bekommt man als Kind nicht beigebracht, dass es wichtiger ist auf sein Herz zu hören und die Gründe für sein Handeln zu verstehen und zu vertreten, als äußeren Regeln blind zu folgen. Ich wurde speziell in diesem Fall ganz offensichtig zu Schuldgefühlen erzogen. Das hätte gar nicht zwangsläufig so sein müssen.

Da kommt mir die Frage – ist jedes Schuldgefühl anerzogen? Hätten wir von Natur aus gar nicht solch ein Gefühl?