Denken erschöpft

Ich bin mir immer sicherer, ein Großteil meiner Erschöpfung ist eine mentale Erschöpfung vom zu vielem Denken und dem Folgen der Gedanken.

Erholung entsteht, wenn Gedanken weniger werden und der damit verbundene Aktionismus nachlässt.

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Ein schöner Moment

Saubere Fenster. Toll! 😀

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Heute hatte ich beim gemeinsamen Putzen echt Freude. Wie wohltuend. Schön, wenn sich Ordnung ausbreitet und der Blick wieder klar nach draußen ist. Hach, so was kann ich genießen.

Freudemomente. Sie tauchen wieder auf. Mal hier, mal dort.

Gestern habe ich es geschafft, mich an meine Verabredung mit mir zu halten und einen Bus, zu einem Termin zu benutzen, anstatt zu laufen. Da waren lange viele Ängste dran geknüpft, warum ich lieber immer gelaufen bin. Das war aber nicht immer gut, so dass ich zuletzt sogar nach dem Termin auf dem Gelände festsaß, weil ich meine Beine nicht mehr bewegen konnte. War ne schreckliche Situation, so hilflos zu sein.

Aber zurück zum Bus. So eine einfache Situation, war gestern total schön. Ich saß im Bus und konnte es richtig genießen gefahren zu werden, mit dem Wissen, dann auf jeden Fall auch den Rückweg gut zu schaffen. Ich bin stolz wie Bolle am Ziel ausgestiegen, mit einem Lächeln im Gesicht, weil ich das endlich mal so gemacht habe, wie es mir gut tut und auch noch alle Ängste aus dem Weg geräumt waren.

Freudemomente. Ich lerne sie wieder neu kennen. Sie bleiben noch nicht lange und sie nehmen nicht viel Raum ein. Zu lange war die Zeit der Dunkelheit, die die Art meines Denkens einschneidend verändert hat.

Zeit zum Umgewöhnen. Zeit zum Zeitlassen.

Zeit zum Nicht-Wissen was kommt und wie es wird.

Wenn der Schmerz in den Kopf flüchtet

Wenn das Denken zum Selbstläufer wird.

Wenn das Denken die Umgebung verschwinden lässt.

Wenn das Denken wegführt, von dem was man gerade tut.

Wenn das Denken zur Handlungsunfähigkeit führt.

Wenn das Denken die Stimmung verdunkelt und immer weiter nach unten zieht.

Wenn das Denken die Schmerzen im Nacken und Kopf immer stärker werden lässt.

Wenn das Denken keinen bestimmten Inhalt folgt, sich einfach nur immer enger anfühlt.

Wenn das Denken zu keinem Ergebnis führt.

Wenn die Not darunter stetig zunimmt.

Wenn scheinbar nichts hilft, um wieder den Moment klar zu erleben.

Wenn es dann zu einer Situation kommt, in der man jemandem schreibt, was gerade passiert.

Wenn man dann Gedanken hat, dass man sich nicht so anstellen soll.

Wenn man dann trotzdem von all dem Schwierigem schreibt und es abschickt.

Wenn man dann den Text am liebsten wieder zurückholen will.

Wenn man Angst hat und sich schämt.

Wenn man auch das schreibt und abschickt.

Wenn dann diese Worte kommen: „Danke, das du dich zeigst!“

Wenn das Denken dann ins Herz rutscht und heftig, erlösend weint,

dann hat man verstanden, dass vorher der Schmerz über das Nicht-gesehen-werden in den Kopf geflüchtet war.

Handeln aus Liebe oder im Erziehungscamp

Ich bin vom Konstrukt des Inneren Kindes, zum Konstrukt des Egos gewechselt (überwiegend, nicht ausschließlich). Da lässt sich aktuell mehr mit fassen, was ich in mir erlebe. Kindliches Fühlen und Denken ist ein Teil des Egos.

Jedes Fühlen, Denken und Handeln, welches sich aus inneren Vorstellungen und gemachten Erfahrungen gründet, ist für mich das Ego. Es ist meine gewachsene Persönlichkeit. Es sind meine Glaubenssätze. Es sind meine Ängste. Es sind meine Freuden. Es sind alle Bewertungen. Usw.. Es ist alles, was als Reaktion auf äußere und innere Reize geschieht.

Der Buddhismus würde das wohl mit dem ‚Bedingten Entstehen‘ erklären.

In meinem Verständnis hat jeder dieses Ego und braucht es auch, um agieren zu können, um Erfahrungen sammeln zu können, um sich in der materiellen Welt bewegen zu können.

Ein Ego verschwindet nicht, aber es kann sich weiter entwickeln. (Vielleicht verschwindet es dann auch für ganz Ausgewählte.)

Ich bin seit dieser Woche mehr im Kontakt damit, in jedem Moment zu erkennen, wo reagiere, denke, fühle ich aus dem Ego und zu sortieren, an welchen Stellen die ich dort erkenne, ist es Zeit sich weiterzuentwickeln, loszulassen, neues zu lernen.

Das ist ganz schön umfassend, eine Tagesbeschäftigung, besonders im zwischenmenschlichen Miteinander. Es erfordert echt viel Aufmerksamkeit und Achtsamkeit und ist nicht leicht, wenn Trubel um einen herum ist.

In der Übersetzung der inneren Elternschaft, komme ich mir vor, als wäre ich als Eltern in einem Trainingsprogramm (Dauer unbestimmt), wo sich alles konsequenter, zielgerichteter, aufmerksamer, um die Begleitung des Kindes dreht.

Heute auf Arbeit hatte ich eine herausstechende Situation.

Ich saß vor dem Laden, machte eine Pause und genoss die Sonne. Ich war ganz bei mir und entspannt. Ein Kollege setzte sich neben mich. Die innere Reaktion war ein zusammenziehen und –krampfen. Ich fühlte Unruhe und Unsicherheit und den Wunsch weg zu gehen. Mein Ego meldete ‚Bedrohung‘.

Es ist für mich nichts Neues, das in mir etwas so reagiert. Hier habe ich den Wunsch mich weiterzuentwickeln, vor allem, weil ich das Thema hinreichend durchforscht, durchfühlt und erkannt habe. Es sind leere Muster geworden.

Mir kam das Bild von lauter kleinen, jungen Hunden, die in mir sitzen und bei entsprechenden Auslösern nach außen springen, sich vor mich stellen, knurren, bellen, Schwanz einziehen, Distanz oder Barrieren zu mir schaffen, um mich zu beschützen. Ich ziehe sie ganz behutsam, vorsichtig, aber konsequent an ihrer Leine wieder zu mir zurück und setze sie auf meinen Schoß. Ich vermittle ihnen damit: „So nicht!“, „Hier spielt die Musik“, „Bei mir bleiben“ und „Alles ist gut.“ Manche benötigen nur ein zurückziehen, manche brauchen noch das liebevolle Streicheln auf meinem Schoß, manche müssen erst noch in ihrer Reaktion verstanden werden, um sich zu beruhigen.

Da sind wirklich viele Hunde! Man, hab ich mir ja was vorgenommen. 🙂

Ich denke an Umerziehung, obwohl ich das Wort nicht mag. In der Heilsitzung wurde mir gesagt, ich solle mehr mein Ego kontrollieren. An dem Wort habe ich noch mehr herum gewürgt. Ich wählte dann ‚korrigieren‘. Diese Worte sind alle negativ besetzt, doch im Endeffekt ist es das.

Ich kontrolliere mit dem Hintergrund von Erfahrungen, Wissen und Erkenntnissen, was für meine Entwicklung förderlich und was hinderlich ist. Ich begleite mich und gebe immer wieder kleine Impulse für die Richtung, wo es hingehen soll. Das wichtigste dabei scheint mir die Verbindung zum Herzen. Ohne die intuitive Weisheit/Wahrheit des Herzens, werden die Worte ‚Erziehung‘, ‚Kontrolle‘, ‚Korrektur‘ zu machtausübenden Egoanwandlungen, gegen mich selbst gerichtet.

Ja, das ist das Zentrum des Handelns. Handeln aus Liebe.

 

Nachtrag:

Komme gerade vom Yoga. Es wird so super bewusst, auch dort. Meine Nachbarin macht während der Übungen geräuschvolle Gefühlsbekundungen. Ich (mein Ego) reagiere innerlich genervt und denke: „die will doch nur Aufmerksamkeit“ und fühle eine Bedrohung, dann selbst nicht genügend zu bekommen. Zurück gezogen auf meinen Schoß, weg von der Nachbarin, umarme ich dieses Denken/Fühlen in mir, erkenne alten Mangel und fühle im Herzen, das dieser heute nicht mehr nötig ist.

An dieser Stelle war ich doch schon mal ?!

Gestern öffnete sich während der Meditation plötzlich das Herzchakra und ein Schmerz wuchs daraus hervor. Nicht unbekannt, doch schon ein Weilchen her, dass ich ihn spürte. Ich bin sehr unsicher geworden. Ist das okay jetzt? Soll ich da rein gehen? Bin ich noch in meinem Körper? Bin ich noch in meinem Ich-Gefühl? Oh, bitte nicht schon wieder weinen.

Ich weiche aus, lass mich mehr nach unten sinken, weg vom Herzen. Weg vom Schmerz.

Heute stimmt hier irgendetwas nicht, ist komisch. Nichts fühlt sich passend an. Aufwachen, aber nicht wach sein. Widerstand aufzustehen, aber nicht mehr schlafen können. Innere Anspannung, Unruhe, Schwere.  Egal, was ich tue, es fühlt sich falsch an. Ich habe Hunger, aber essen fühlt sich falsch an. Ich kann mir vorstellen zu joggen, auch wegen der Unruhe, aber es fühlt sich falsch an. Ich bin heute verabredet und will auch los, aber es fühlt sich falsch an. Tue trotzdem das Notwendigste und setze mich dann an den Computer, um mich abzulenken und lese Blogeinträge anderen. Bin voller Unruhe dabei. Die Inhalte berühren mich viel tiefer als sonst, stoßen mich unklar schmerzhaft an. Ich fühle mich unendlich müde.

Und dann bricht der Schmerz von alleine wieder aus mir heraus. Gedanken tanzen darum herum und bringen mich immer wieder weg von dem Gefühl. Warum ist das heute so? Hat das mit der Meditation von gestern zu tun? Bin ich zu tief gegangen? Habe ich etwas aktiviert? Hat das auch mal ein Ende? Ist das gut für mich? Sollte ich damit aufhören? Kann ich in den Schmerz gehen?

Nein, kann ich nicht. Es ist wie in der Meditation. Die Gedanken ziehen mich immer wieder aus dem Fühlen. Gedanke, Gefühl, Gedanke, Gefühl usw.. Ich habe immer noch Angst vor der Größe, vor der Gewalt dieses Gefühls. Ich habe immer noch Angst gehört zu werden, versuche leise zu weinen. Und ich begegne dem immer noch mit dem Verstand, der wissen will, verstehen will. Was ist der Schmerz? Wie kommt er ins Herzzentrum? Wo kann ich dazu etwas lesen? Wer hat Erfahrungen damit? Wer kann mir erzählen, da durchgegangen zu sein? Wie hat derjenige das gemacht, was hat er dazu gebraucht?

Gegenüber dem suchenden Verstand finde ich innere Antworten.

Wenn du dich heilen willst, wirst du solange auf diese Schmerzen und Themen in dir stoßen, bis du bereit bist da durch zu gehen. Wenn du dich dagegen entscheidest, was du auch tun kannst, dann entscheidest du dich dafür mit dir und deinem Leben wie es ist, einverstanden zu sein, dich nicht mehr weiterentwickeln zu wollen. Dann bleibst du dort wo du bist.

Die Richtung ist okay. Das Tempo muss behutsam gewählt werden. Das äußere Leben muss unbedingt vorhanden sein. Wissen ist nicht so wichtig, nicht notwendig.