no end

Es bleibt eine heftige Zeit. Ich komme hier kaum noch zum Lesen anderer Beiträge.

Wieder hörte ich, dass es für viele eine heftige Zeit ist.

Keine Ahnung, ob es das wirklich gibt. Phasen in denen energetisch, weltweit mehr los ist und die Sensiblen dann mehr geplagt sind.

Ich weiß es nicht.

Ich hatte das Gefühl, alle Türen ins Unbewusste sind offen bei mir und irgendetwas bricht meinen Verstand. Jeden Tag gibt es Momente, in denen eine Art Wahnsinn, Irrsinn in meinem Kopf ist. Kein Denken mehr. Nur eine Art verrücktes Schreien. Ein Durchdrehen.

Einige Tage war das extrem. Und ich konnte kaum sprechen. Hatte das Gefühl etwas stirbt in mir.

Ich sah mich schon auf der Akutpsychiatrie. Dann ging es vorbei, als ich ein physisches Sterben im Herzen durchlebte.

Trotzdem läuft hier noch was Größeres und ich kann es nicht mehr greifen.

Meine Zuversicht bröckelt. Die ‚was habe ich geschafft – Liste‘ wird immer mürrischer und mit Widerstand ausgefüllt.

Es ist zu lange zu schwer.

Um mich herum auch zu viele zwischenmenschliche Konflikte und Herausforderungen.

Der Mensch braucht Kraftquellen, positive Erlebnisse die er spüren kann und Halt.

Ich suche nach etwas, für was das alles gut sein könnte.

Irgendetwas muss doch dabei herauskommen.

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Und trotzdem ändert sich was

Ich sitze hier, in einem seelischen Ausnahmezustand, der schon eine ganze Weile anhält und denke darüber nach, wie viel doch auch besser geworden ist.

Eine Seite lacht dabei irre in mir auf, ist es für sie doch inakzeptabel, dass ich mich wieder in einer seelischen Not befinde, in einer schweren Krise. Das ist doch so gar nicht besser geworden und alles andere zählt anscheinend nicht.

Trotzdem denke ich darüber nach, wie vieles doch besser geworden ist.

Ich habe Lebensmittel im Haus, weil ich trotzdem noch in der Lage war den Lieferservice in Anspruch zu nehmen.

Ich erlaube mir auch, weiterhin die Haushaltshilfe zu nutzen.

Die Selbsthass-Spirale kann ich seit Tagen und Tagen immer wieder mit Selbstfürsorge, Mitgefühl und Verständnis auffangen. Sogar für das selbstschädigende Verhalten, dass sich nach zwei Jahren doch wieder seinen Ausdruck gesucht hat, konnte ich im Anschluss da sein und weiteres Schuld-/Schamdenken auffangen.

Ich finde immer wieder Momente der Ruhe und des Klarsehens darüber was hier eigentlich los ist.

Ich finde durch den Tag, orientiere mich Schritt für Schritt.

Ich finde immer wieder Momente des Loslassens von akuter Anspannung, von Angst, Panik und Dauersorgen. Loslassen meint hier Zulassen, immer wieder ein JA finden zu dem was gerade ist.

Und das wesentlichste! Ich finde immer wieder Halt in etwas Größerem, Vertrauen darin, dass es mich hindurch trägt durch jeden Moment, wie traurig, gewalttätig, leer, haltlos, verzweifelt, aufgegeben er auch sein mag.

Das alles führt dazu, das ich hier in meiner Wohnung sitze und nicht auf der Krisenstation bin! Was wiederum dazu führt, dass ich mehr Ruhe und Zeit für mich habe und weniger heftigen Zusatzstress.

Und da sag mal einer, es hat sich so gar nichts verändert!

Was habe ich heute geschafft

Die Idee kam mir, weil ich innerlich nicht halten konnte, dass es auch gute Dinge am Tag gab.

Ich habe mich zwar bewusst erinnern können, wenn ich einmal am Tag meine kleine Dankbarkeits-Meditation machte. Doch vorher und danach war alle Erinnerung wieder weg.

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Ich schreibe besonders klein, weils nicht darum geht, inhaltlich nachzulesen, sondern es wirkt eher, dass da was steht, an jedem Tag. Auch sind es nicht nur Erledigungen, sogar weniger das. Oft sowas, wo ich mutig war oder schweres ausgehalten habe oder mir Selbstfürsorge gelungen ist. Und weil mich alles Bunte fröhlich stimmt, schreib ich in bunt.

Das funktioniert wirklich gut. Der Zettel liegt sichtbar im Wohnzimmer. Ich sehe täglich die bunten Einträge und bekomme dabei ein Gefühl von, ‚Ja, ich habe heute auch was geschafft. Und ich schaffe jeden Tag etwas, egal wie scheiße es war‘. Und zusätzlich erfreue ich mich an den Farben. 🙂

Ohne diesen Zettel, sähe es viel, viel, viel dunkler in mir aus.

Abstriche im Haushalt

Der Pflegedienst ist schnell, aber echt nicht gründlich.

Wenn der Topf noch Essensreste hat, die Fliesen überm Waschbecken noch Zahnpasta-bespritzt, der Herd noch Fettspritzer und Badflächen noch staubig, dann bin ich zu erschöpft, um mich darüber zu ärgern.

Dafür ist der Abwasch gemacht, das Waschbecken, die Toilette, die Badewanne sauber, Blumenerde entsorgt und neue gekauft.

Es war ihr allererster Arbeitstag. Vielleicht hat sie vor Aufregung nicht richtig sehen können.

Ist mir ja bekannt. 🙂

Luft holen

Puhhh, aufatmen, heute. Mich freier bewegen können in der Wohnung.

Das Aufschreiben, ohne Wertung, hat geholfen. Gestern und heute morgen auch. Mit einem Gefühl von Halt, durch das Beten.

Und heute morgen bei der Gymnastik, löste sich noch eine Panikwelle aus der rechten Körperseite, als ich sie dehnte. Immer wieder erstaunlich, was der Körper so hält an Energie.

Morgen beginnt das nächste Therapie-Intervall.

Der Depression zuhören

Ich quäle mich seit Tagen mit dieser Düsternis in mir drin, die mir alle Energie abzieht und mich mit ihren hoffnungslosen, zerstörerischen Gedanken quält.

Und seit Tagen habe ich Angst davor, das zuzulassen, mich hinzugeben und hinzuhören.

Ein bekannter Kreislauf. Immer wieder die gleiche Angst, von der Dunkelheit verschlungen zu werden und nie wieder aufzutauchen.

Immer wenns etwas besser, heller wurde und ich aufatmete, schlug sie nur kurze Zeit später wieder mit aller Macht zu. Und ich habe es einfach nicht verstanden.

Zwangsweise kurze Begegnungen mit ihr, wenn ich nicht mehr gegen strampeln konnte, zum Beispiel gestern. Innere Bilder. Ein schwerer Kopf auf einer Tischplatte. Traurig, erschöpft, aufgegeben, mit den Worten: All die Ideen die ich hatte, sind nicht wahr, stimmen nicht. Was mache ich dann noch hier?

Später Bilder in der Aura: dynamisches Bewegung von Eiskristallen, von innen nach außen.

Verstanden hab ich es trotzdem nicht und besser wurde es auch nicht. Die Schwere blieb.

Meditation (BodyScan) und Reikibehandlungen konnten allerdings den Körper wieder gegenüberstellen, als spürbare Kraft.

Heute Morgen alles wie immer, Traurigkeit und Schwere.

Vorher ein Traum von einem Kampf gegen einen Dämon, der in einer Kutsche ein kleines Mädchen verfolgt. Ich zerschlage den Dämon mit einem Schwert immer wieder in Stücke. Doch er baut sich immer wieder neu auf. Bis er plötzlich sogar ein eigenes Schwert hat und sich anfängt zu wehren. Da bekomme ich richtig Angst und ergreife die Flucht.

Ich sehe darin sowas von eindeutig den Kampf gegen die Depression, die nur stärker wird, weil sie gehört werden will, anstatt bekämpft.

Ich traue mich nicht mehr zu klopfen, da erfahrungsgemäß zwar eine kurze Erleichterung auftaucht, doch dann alle schweren Gefühle an Tiefe den Tag über gewinnen. Das ist nicht der richtige Zugang.

Ich fange an im Bett zu beten und ins Tagebuch zu schreiben. Neue Strategie. Vorm forschenden Schreiben hatte ich mich aus Angst fern gehalten.

„Oh Herr, ich danke dir, das du bei mir bist und mir hilfst den richtigen Weg zu gehen, um dort (durch die Düsternis) hindurch zu gehen. Oh Herr, ich danke dir von ganzen Herzen, das du mir hilfst dieses Rätsel zu verstehen und im Vertrauen zu sein. Oh Herr, ich danke dir, dass du bei mir bist und mich an dieser Aufgabe wachsen lässt.“

Ich fühlte mich mutig genug und bereit hinzuschauen. Dann schrieb ich was kam.


Ein Klumpen aus:

  • Überzeugung falsch zu sein
  • wertlos
  • Traurigkeit
  • Schwere

Meine eigenen Glaubenssätze schnüren mir die Kehle zu, drehen mir den Energiehahn ab.

Immer noch eine Vorstellung gehabt, gesund und heil zu werden, anstatt damit zu leben, die Beschädigung zu sehen und anzuerkennen.

Die Erkenntnis hat mir die Beine weggerissen. (Aussage der Therapeutin, dass es kein zurück zu einem Zustand gibt, vor der/den Verletzung/en)

Beschädigt sein, beschädigt bleiben. Und damit auch wertlos, unbrauchbar. Wer will mich so schon haben, wo ich so vieles nicht kann. Da ist die Trauer, das Aufgeben, die Aussichtslosigkeit.

Weitere Themen des Klumpen in mir drin:

  • beschädigt
  • aussichtslos
  • aufgeben

Immer ist da dieser Schaden, so dominant in allem was ich tu. Ich muss erklären. Ich trage es mit mir herum. Die Menschen fragen.

Immer brauche ich es anders. Weniger von allem. Oder es geht gar nicht, weil zu lang, zu viel, zu voll, zu fremd, zu überfordernd, zu destabilisierend, zu laut, zu kalt, zu heiß, körperlich zu anstrengend, zu weit weg oder auch zu teuer.

Ich bin ständig dabei Dinge nicht tun oder nicht planen zu können.

Angst den Anschluss zu verlieren, alleine zu sein.

Und ich mag jetzt nichts hören, wie, sieh das doch mal so und so, sieh doch auch die guten Dinge!

Das habe ich getan und das tue ich. Natürlich bin ich für vieles dankbar und kann die kleinen Schätze meines Lebens sehen.

Doch jetzt ist die Zeit fürs Bedauern, anstatt die Strahlemaske, stark-sein-Maske hochzuhalten.

  • Bedauern.

Der letzte Punkt im großen Klumpen.


Schön zu sehen, wie dieses Prozess des Hinschauens, den Zustand weiterbewegt.

Es zeigt sich Verständnis und Mitgefühl. Aus den großen Gefühlen ist ein etwas kleineres Gefühl des Bedauerns geworden und eine innere Umarmung für all das.

Therapie durch mich hindurch

Ich fühle mich wie ein Tor, durch das nicht endende schmerzhafte Gefühle fließen. Immer wieder. Immer wieder.

Und wäre da nicht dieses große Etwas, dass ich spüren kann, wenn ich die Hände vor der Stirn zusammenlege und um Hilfe bitte, wüsste ich nicht wohin mit all dem, wie es aushalten.

Die Depression… ich benutze nicht gerne dieses Wort, doch wer es kennt, weiß die Stimmungslage zu verstehen… breitet sich wie ein Teppich in mir aus. Besonders die Hoffnungslosigkeit.

Ich lasse sie fließen. Auch durch dieses Tor. Lass es fließen. Lass es fließen. Mit Hilfe dieses Größeren, gebe ich auf, gebe ich es weiter, in diesen Raum, der mehr halten kann als ich.

Das erste 3 Termine a 25 Minuten Therapie-Intervall ist durch und ich fühle mich am Boden. Sehe zu, wie all die destruktiven Impulse, die teilweise schon lange zurück liegen, mich überschwemmen.

Ich lasse sie durch, ich lasse sie fließen durch das Tor. Atmen nicht vergessen. Nicht vergessen, es sind Gedanken. Ich muss ihnen nicht folgen, auch wenn sie erschreckend real wirken.

Ich fühle viel Angst. Ich bin erstaunt und erschrocken, was so wenig Therapie-Kontakt, mit so wenigen Worten, neuen Blickwickeln und Wissensinput an emotionalem Desaster bewirkt.

Ich fühle Vertrauen, immer wieder fließt es auch durch das Tor. Das stille Wissen über all die Dinge die geschehen. Sie waren alle schon mal da. Ich habe all das schon mal durchgestanden.

Ich habe Menschen und Kräfte an meiner Seite, die mich Rückhalt spüren lassen.

Endlich! Rückhalt!

Er geht verloren. Er kommt wieder.

Die Zeit ist auf meiner Seite.

Die Zeit bringt mir all das zurück, was mir einmal genommen wurde.

Liebe. Von innen, von außen.

Sie geht verloren. Sie kommt wieder.