Schreiben III

Gedanken aufzuschreiben, ist auch eine Entscheidung, habe ich heute Morgen festgestellt.

Nach einer Beobachtung, kam ein – na gut, ich hole jetzt Stift und Papier und halte das fest. Ich müsste es nicht, aber ich entscheide mich dafür.

Da klang Resignation mit. Für mich habe ich es nicht getan. Ich fand die Beobachtung spannend und dachte, vielleicht ist das auch für Andere interessant. Das war der Anreiz für die Entscheidung. 

In der Resignation spüre ich Sinnlosigkeit. Was bringt es denn, denkt es. Wozu noch diese Mühe der Auseinandersetzung. 

Ein Ergebnis der erneut erlebten depressiven Episode. Da ist etwas gebrochen.

Jemand schrieb mal in einem Kommentar  (verlinke ich später noch), Depression greift den Willen an. Wie wahr.

Die Zeit ist reif

Meine Güte, fühle ich mich wohl gerade. So kann es auch gehen. Schön! Wusste gar nicht mehr wie es sich anfühlt, wenn alles zur Ruhe kommt, ich zur Ruhe komme.

Da waren die Pellkartoffeln mit Leinöl eben noch ein Wohlfühl-Topping. Hab ich auch schon ewig nicht mehr gegessen.

Heute ist mein freier Tag. Davon versuche ich zwei Stück die Woche einzuplanen. Erfahrungen haben mir gezeigt, dass ich das brauche, zum runterkommen, sortieren, nachfühlen, aufarbeiten, still werden, Gestautes abfühlen, starre Strukturen wieder weich machen. Diese Tage können alles beinhalten, es passiert dann das was passieren will/muss/kann/soll. Das kann super anstrengend sein, wenn die Ruhe es möglich macht, das Neues ins Bewusstsein kommt, was die vorangegangenen Tage berührt wurde. Das kann aber auch total schön sein, wenn die Ruhe es möglich macht, dass Jetzt und mein Selbst mehr zu spüren, der Moment Genuss erzeugt und ein planloses Treiben durch den Tag erlaubt, an den Dingen entlang wo Lust und Wollen entsteht.

Heute ist es schön! Heute fühle ich viel Zufriedenheit und etwas wie im Einklang sein.

Ich habe heute Vormittag auch einen kurzen, jedoch heftigen Stressmoment ziemlich schnell wieder in die Beruhigung bekommen, was mich auch freut.

Die Klinik hatte sich nämlich schon bei mir telefonisch gemeldet. Sie hätten ein leeres Bett und da ich angegeben hätte, auch kurzfristig anreisen zu können (war mir nicht bewusst), könnte ich Montag nächste Woche kommen.

Mal so auf die Schnelle, in einem Überrumpelungsmoment eine Entscheidung zu treffen, ist nicht meine Sache. Ich hatte mich auf 3-6 Monate Wartezeit eingestellt. Der Anruf kam total überraschend für mich. Ich sagte ihr, dass ich mit der Entscheidung überfordert sei. Es entstand etwas Luft zum Denken/Fühlen, als sie nach dem regulären Aufnahmetermin schaute. Es wäre zwar echt geil, gar keine Wartezeit zu haben, eine richtige Glückssache. Aber mir wurde auch klar, dass ich den Aufenthalt innerlich und äußerlich vorbereiten muss, um da gut orientiert und präpariert hin zu fahren und Frau Helferin ist gerade im Urlaub. Also habe ich abgelehnt. Da bin ich ja fast stolz drauf. Wieder eine klare Ansage gemacht, als holterdiepolter in eine neue Situation gestolpert.

Sie hat mich trotzdem als kurzfristigen Nachrücker vermerkt und ich hab mir überlegt, dass das ab dem 04.01. für mich gut möglich wäre. Regulär müsste ich 2 Monate warten. Find ich auch nicht so lang.

Seit dem Entschluss für die Klinik, fühle ich, wie sich innerlich alles ganz von selbst darauf zentriert, als wäre es das natürlichste, selbstverständlichste was jetzt als Nächstes kommt. Als hätten mich alle Krisen und Begegnungen mit dem Trauma in den letzten anderthalb Jahren auf diesen Moment vorbereitet. Genau so fühle ich mich – ziemlich gut vorbereitet. Ich habe eine ungefähre Ahnung davon, was auf mich zukommt und wie es sich anfühlen wird. Das macht es sehr unwahrscheinlich, dass mich die Ereignisse, wie damals wieder völlig überrennen.

Vor anderthalb Jahren hatte ich die Reha, wo mich Traumasymptome erstmalig in Masse unerwartet überrumpelt hatten und ich gar nicht wusste, was da eigentlich mit mir geschah. Da bekam ich auch die Diagnose komplexe posttraumatische Belastungsstörung. Dort empfahl man mir zum ersten Mal eine stationäre Traumatherapie. Das habe ich aus verschiedensten Gründen nicht in die Tat umgesetzt. Aus der Perspektive von heute, glaube ich auch zu sehen, dass es einfach noch nicht der geeignete Moment war. Ich habe gerade in den letzten Monaten, seit August so viel durchlebt und für Erfahrungen ein Bewusstsein gefunden, dass ich überhaupt mit diesem Wissen erst den Anmeldebogen für die Klinik richtig gut ausfüllen konnte.

Ich hatte damals nach der Reha schon Klinikrecherche betrieben und die Ergebnisse in einer Mappe dann beiseite gelegt und vergessen. Umso erfreuter und überraschter war ich, als ich diese Mappe jetzt wieder heraus kramte und feststellte, dass ich gar nichts mehr machen musste, außer den Bogen auszufüllen und ein Blatt Papier von meiner Psychiaterin ausfüllen zu lassen. Ich hatte mich damals schon auf zwei Kliniken festgelegt, mit beiden telefoniert und alle Anmeldemodalitäten in Erfahrung gebracht. Cool! Richtig cool!

Und nun geht das alles so ratzi fatzi und fließend. Die Zeit ist einfach reif.

Und da passt auch noch so schön dazu, dass ich die Entscheidung am 01.12. traf. Am 01.12. standen Mars und Lilith in exakter Konjunktion (falls man das so ausdrückt) und ich las dazu, dass es eine gute Zeit sei, eine radikale Entscheidung zu treffen und die Initiative zu ergreifen.

Das war es wirklich für mich, eine radikale Entscheidung. Ich hatte da vorher nicht großartig drüber nachgedacht. Das ergab sich tatsächlich erst an diesem Tag.

Also bin ich auch noch zusätzlich im Einklang mit den Planeten und Sternen. Wie toll! 😀

Ich freue mich auch auf die Weihnachtszeit. Ich freue mich auf viele Tage der Ruhe und des mit mir seins. Ich freue mich auf ein schönes gemeinsames Essen mit Freunden am Weihnachtstag. Ich freue mich, diesmal die Entscheidung getroffen zu haben, nicht an den Feiertagen meine Großfamilie zu besuchen. Ich freue mich auf die Rauhnächte, diese spezielle Zeitqualität. Das fühlt sich alles dieses Jahr so an, als würde ich ganz in meinem Sinne diese Zeit verbringen und keinen aufgesetzten Konventionen mehr folgen. Nochmal schön!

Innerer Reichtum

Umstände

Als ich im April wieder stark eingeknickt bin, emotional, wie auch in meiner Leistungsfähigkeit und klar wurde, dass für mich momentan eine Tätigkeit mit 25 h die Woche nicht zu bewältigen ist, kam der nächste harte finanzielle Einschnitt auf mich zu.

Der finanzielle Nach-unten-Trend begann 2011. Vom vollen Verdienst (40h) auf Krankengeld. Von Krankengeld auf Alg I. Von Alg I auf Verdienst (25h). Von Verdienst wieder auf Krankengeld. Der nächste und letzte Schritt auf Hartz 4-Niveau erwartet mich im September. Bis zu meinem letzten Verdienst konnte ich noch gut haushalten und musste nur geringfügige Anpassungen bewältigen. Kein monatliches Sparen mehr, alle Spenden kündigen und Handyvertrag reduzieren. An den Ausgaben des täglichen Lebens, musste ich nichts verändern.

Doch mit dem jetzigen Krankengeld bekomme ich nur noch halb so viel, wie ich damals mit 40 h die Woche verdient habe. Das rüttelt ordentlich an der Komfortzone und nicht nur das. Es rüttelt an meinen inneren Haltungen zu Gesundheit und Ethik, an meinem erworbenen, gewachsenen Lebensstil, besonders was meine Ernährung betrifft. Das war ein Schock. Kann ich mir keine Bio-Lebensmittel mehr leisten? Das ich nun nicht mehr einfach essen gehen kann, wann ich will, ins Kino gehen kann, wann ich will, tanzen gehen kann, wann ich will, Ausflüge machen kann, wann ich will, ist auch nicht leicht zu akzeptieren. Aber das was ich verzehre ist das, was mir am wichtigsten ist. Wo eine Umstellung mich am meisten quält.

Damals

Erstaunlich wie schnell man sich an einen Lebensstil gewöhnt, sich hinein entwickelt und wie er Teil der Identität wird. Ich dachte, ich wäre jemand der wenig braucht. Hab mich an die Studienzeiten erinnert. Da ging es doch auch mit sehr wenig. Begriffe wie Nachhaltigkeit, Fair Trade, Umweltschutz und meine Gesundheit standen noch überhaupt nicht zur Debatte. Aber ganz ehrlich, es hat mir auch dort schon keinen Spaß gemacht. Wenn man sich entscheiden muss zwischen neuer Unterwäsche oder neuen Socken (man braucht eigentlich beides), sich Lebensmittel von der Berliner Tafel holt und heimlich Flaschen sammelt. Ja es ging und das hat auch irgendwie stolz gemacht und trotzdem ist es mir anders lieber.

Heute

Jedenfalls habe ich mich bemüht der Situation gerecht zu werden. Habe alle Versicherungen stillgelegt und mir eine Übersicht über meine täglichen Ausgaben verschafft. Ja puh, 150,- € für Lebensmittel und 150,- € Ausgaben für alles Zwischendurch ist ordentlich und wird so nicht mehr möglich sein. Es ist wirklich schwer den alltäglichen Verführungen zu entgehen, aber noch schwieriger gestaltete sich der Versuch, wieder einen Teil konventioneller Lebensmittel zu kaufen. Mit riesigem Widerstand und sogar Ekel tat ich es trotzdem. Was sollte ich auch machen? Dann bekam ich starke körperliche Beschwerden – Sodbrennen, Magenschmerzen und Übelkeit. Meine Therapeutin würde wahrscheinlich die Gründe dafür woanders sehen, aber ich bin mir fast sicher, dass mein Körper auf die „unguten“ Energien, Pestizide und was weiß ich, reagiert hat. Zuerst wollte ich es auch nicht glauben, dass ich mittlerweile so sensibel sein sollte. Ich habe mittels einer Technik, meine Körperintelligenz dreimal ungläubig zu den neuen Haferflocken befragt und es kam immer das gleiche „Nein, will ich nicht“. Okay, das ist ja dann wohl eine klare Botschaft.

Energiewandel

Dann geschah erstaunliches. Nach diesen Erlebnissen traf ich die Entscheidung auf Bio nicht verzichten zu wollen. Komme was wolle. Und diese Entscheidung, dieser Wille, dieser unverrückbare Entschluss führte dazu, dass ich eine Stärke in mir spürte. Eine Stärke die mir versicherte, dass das möglich ist, dass sich Wege finden werden. Und genau das geschah! Mir fielen nach und nach lauter Dinge ein die ich tun könnte. Das erste waren andere Geldquellen zu erschließen. Dinge bei Ebay verkaufen und Blut spenden gehen. Beides erwies sich leider als Flob. Meine Dinge hatten keinen Wert mehr und mein Blut ist zum Spenden nicht geeignet. Das änderte nichts an meinem positiven Grundgefühl, das alles möglich ist. Eine neue Affirmation stieg in mir auf: „Alles ist immer in Fülle da!“ Und das unglaubliche ist, dass ich trotz des äußeren Mangels, einen inneren Reichtum fühlte. Mein Fahrrad ging kaputt. Ich eigentlich kein Geld für die Reparatur. Trotzdem zur Werkstatt. Immer das Gefühl, es wird schon irgendwie gehen. Unerwartet treffe ich an dem Tag der Fahrradabholung meine Mutter und sie bezahlt die Reparatur. Was hab ich mich gefreut. Dann der Aufbruch meines Kellers. Nichts entwendet, da nichts drin ist. Nur ein neues Schloss muss her. Das Schloss kauft meine Mutter mir gleich mit. Ich habe versucht Wohngeld zu beantragen. Habe leider keinen Anspruch. Das alles erlebe ich mit viel Gleichmut.

Zurück zum Thema Lebensmittel. Auch hier taten sich Möglichkeiten auf. Ich nehme einen weiteren Weg in Kauf, zu einer Bio-Kette die günstiger ist als mein bisheriger Laden. Ich versuche die Vielfalt einzuschränken – einfache Gerichte, einfache Zutaten – eben am Preis orientiert. Ich kaufe Großpackungen. Wird zwar erst mal teurer, aber am Ende günstiger. Ich wechsel soweit wie möglich auf die günstigen Biomarken, auch wenn ich damit auf höhere Bio-Standards (wie z.B. Demeter) verzichte. Ich kaufe reduziertes Obst und Gemüse, welches nicht mehr einwandfrei aussieht. Ich führe nun eine Liste über meine Ausgaben für Lebensmittel, Hygieneartikel und Getränke. Da zeigt sich eine Schwachstelle für Getränke wie Red-Bull und Spezi. Viel zu teuer und auch ungesund. Auch wenn das alles vielleicht konsequent wirkt, bin ich es eher nicht so ganz. Aber ich sehe das wieder als Prozess. Als etwas, was sich durch die Auseinandersetzung damit automatisch seinen Weg suchen wird.

Ich fühle mich zumindest momentan sehr zufrieden, wenn nicht sogar glückselig. Raus aus der verkrampften Opferposition, rein in die Rolle, die Dinge in der Hand zu haben und selbst bestimmen zu können. Es fließt. Ich freue mich. 🙂