Fast ein Jahr…

… ist es her, dass ich das letzte Mal gemalt habe.

Malen ist Therapie.

Zur Grundhaltung: Ich bin überzeugt davon es nicht zu können. Ich habe keine Ahnung wie ich etwas ansprechendes aufs Papier bekommen soll. Vorstellungen lassen sich nicht umsetzen. Schon der erste Strich wird alles kaputt machen. Ich werde Papier und Farbe vergeuden. Es soll gut werden. Was will ich überhaupt malen. Keine Bilder im Kopf. Der Anfang versetzt mich in Angst. Stress auf 60 Punkte. Gedanken erkennen. Hindernisse erkennen. Was wäre, wenn es falsch werden dürfte? Was wäre, wenn ich Krikelkrakel machen darf? Was wäre, wenn ich die Leinwand danach einfach abspüle und so oft KrikelKrakle machen darf wie ich will.

Okay… KrikelKrakel passend zur Aggression in mir. Nebenprogramm – sieht das alles scheiße aus-Gedanken, du hast es nicht drauf-Gedanken, du versaust es-Gedanken laufen mit.

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Leinwand abgespült und Ideen im Kopf. Nichts Großes. Nur die Hintergrundfarbe anders. Und plötzlich entwickelt sich etwas. Ich schwitze wieder, bin aufgeregt, unruhig, diesmal weil mich etwas gepackt hat. Und Rührungstränen steigen auf. Was erschafft sich da? Wie wunderschön!

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Ich würd meine Hand ins Feuer legen, dass ich in einem vergangenen Leben mal etwas mit Malerei zu tun gehabt habe. Die übergroße Angst zu starten und die riesige Aufregung die dabei entsteht. Sehr starke Gefühle für etwas was ich so gut wie nie mache und deshalb auch nicht so richtig als ein Hobby betrachte.

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Befreiung

Es treibt mich wieder so stark um, diese Unruhe in mir, dieser unspezifische Drang alle Hindernisse, alle Beschränkungen zu durchbrechen und frei zu sein. Ich kann nicht genau benennen, was damit gemeint ist. Es ist ein tiefes Verlangen, körperlich spürbar. Es ist etwas was mich enorm antreibt, mir immer wieder neue Selbsterforschungsmöglichkeiten und Erfahrungen zu suchen.

Ich lese, sehe, höre etwas und es zieht mich an. Ich fühle, `das will ich machen!‘, `dem will ich mich stellen!‘. Am besten schon gestern und alles auf einmal.

Ich sah mir gestern die Dokumentation „Buddha’s Lost Children“ an und blieb weinend zurück. Ich hatte das intensive Gefühl von tiefer Dankbarkeit und Demut, ja das Bedürfnis mit gesenktem Haupt und aneinander gelegten Händen vor meinem Gesicht darin zu verweilen. Ich spürte so viel Sehnsucht in meinem Herz. Ich habe keine Ahnung was da ausgelöst wurde. Es blieb das Bedürfnis mich irgendetwas voll hinzugeben.

In Wellen überkommt mich das Verlangen mir meine Haare abzurasieren. Nach dieser Doku musste ich wieder daran denken. Es hat auch etwas mit Befreiung zu tun.

Regelmäßig sehne ich mich in eine einfache, spirituelle Gemeinschaft, inmitten von Natur. Immer spüre ich dabei auch die Flucht vor den Auseinandersetzungen, Konflikten und Herausforderungen meines Lebens.

Doch ich kann mir meinetwegen ein ruhiges, ländliches Leben in Gemeinschaft, in dem die spirituelle Arbeit das ist, was ich „arbeite“, wirklich gut vorstellen.

Bevor ich mir die Doku gestern ansah, lag ich im Nebel, handlungs- und bewegungsunfähig. Am Rande meines Wachbewusstseins bekam ich ärgerliche Gedanken mit. Ich wollte sie mir unbedingt merken, weil ich es interessant fand. Mal schauen, was ich noch zusammen bekomme.

Wie subtil es sich einschleicht, nur schwer zu identifizieren. Wie oft ich aus der Vergangenheit handle, anstatt aus dem Jetzt, aus der Vergangenheit fühle, anstatt aus dem Jetzt, aus der Vergangenheit denke, anstatt aus dem Jetzt. Wer bitte hat sich diesen Scheiß ausgedacht, dass ich ein Produkt meiner Vergangenheit bin? Wer bitte ist auf die Idee gekommen, den Menschen so zu konstruieren, dass er aus seinen vergangenen Erfahrungen heraus lebt, anstatt ihn von Hause aus mit dieser großartigen Möglichkeit der Jetzt-Präsenz zu versehen? Und wer hat diese Idee umgesetzt, den Prozess des Erwachens, des Loslösens aus der Vergangenheit mit so viel Schmerz, Leid, Irrwegen und Umwegen zu versehen? Das ist doch alles total kompliziert und umständlich. Ich finde das unfair. Wenn ich wüsste bei wem, würde ich eine Beschwerde einreichen.

Meine Gedanken belustigen mich 🙂 . Wieder geht es um das Thema Befreiung.

Jeden Tag ein Schlückchen aus diesem Glas, mit der Hoffnung das es wirkt :)

Jeden Tag ein Schlückchen aus diesem Glas, mit der Hoffnung das es wirkt 🙂

Ich bin einfach verdammt ungeduldig. Ich erinnere mich daran, wie ich nach einem ¾ Jahr Analyse ein „ernstes Wörtchen“ mit meiner Therapeutin sprach, weil sie sich meines Erachtens zu sehr zurückhielt, zu wenig rein gab. Ich bedrängte sie, dass wir jetzt wirklich anfangen könnten, sie keine Rücksicht nehmen bräuchte. Ich wäre soweit. Ich könne die nackte, brutale Wahrheit verkraften. Ich will sie sogar unbedingt um die Ohren gehauen bekommen. Nach 1 ¾ Jahr kam es dann dazu, im Dezember 2013 und ich frage mich immer noch, worauf sie so lange gewartet hat. 🙂

Ich nehme meine Ungeduld gerade nicht so ernst. Da will etwas die harte, schnelle Methode, obwohl ich auch schon schmerzhaft gelernt habe, dass ich nicht alles verkrafte und der langsame Weg oftmals der gesündere ist.

Versorgt sein

EinkaufDa kann ich noch so versunken sein in schweren Gefühlen, fast blind durch die Welt laufend. Wenn ich anfange bunte, vielfältige, natürliche Lebensmittel in meinen Korb zu legen, kommt das Leben zu mir zurück. Verzückt schaue ich zu, wie ich ein Lebensmittel nach dem anderen in den Korb lege und die Freude über die immer größere Auswahl steigt. Stolz lege ich die bunte Vielfalt auf das Band an der Kasse. Allein nur der Anblick macht mich zufrieden und auch glücklich. Die Möglichkeit zu Hause nach Bedarf wählen zu können, versorgt zu sein mit dem wonach mir ist, hat eine unheimlich große Bedeutung. Oft wünsch ich mir so eine Obst/Gemüseabteilung oder einen prallen, reifen Garten jederzeit und nur für mich zur Verfügung zu haben. Und am liebsten ohne den Ballast an Gedanken darauf achten zu müssen, dass nichts schlecht wird oder essen müssen, damit es verwertet wird, obwohl man keine Lust darauf hat oder die Sorge, ob noch genügend da ist usw..

Meditationserfahrungen IV

Ich sitze aufrecht auf einem Stuhl, beide Beine auf dem Boden und die Hände mit den Handflächen nach oben auf meinen Oberschenkeln. Ich nehme meine Gedanken wahr und versuche mit den Sätzen „Ich bin im Hier und Jetzt“ und „Ich bin in meinem Körper“ immer wieder in den gedankenfreien Moment und in ein Ich-im-Körper-Gefühl zu kommen. Das geht hin und her im Sekundentakt. Gefühl, Gedanke, Gefühl, Gedanke usw.. Dann versuche ich im Körpergefühl, aus dem Becken heraus eine Linie oder ähnliches in den Boden zu visualisieren. Mir fällt auf, dass die Visualisierung als ein unklares, sprunghaftes, instabiles Bild in meinem Kopf entsteht und gleichzeitig mein Gefühl zu mir verloren geht. Ich erkenne, dass solange ich nicht länger mein Ich-Körper-Gefühl halten kann, alles andere nur wenig, bis keinen Effekt hat. Und schon sind auch die 10 Minuten rum.

Weitere Gedanken dazu. Es kam öfters mal die Frage, wie ich den Meditiere. Ich konnte darauf nie so richtig antworten. Das liegt daran, dass ich nie einen gleichbleibenden Ablauf hatte und sich immer etwas änderte oder Neues passierte. Heute kann ich darin ganz gut meine Sprunghaftigkeit, neuen Dingen hinterher zu jagen und meine Ungeduld erkennen. Das Ergebnis ist, dass sich nie etwas wirklich fest in mir installieren konnte.

Die ersten Wahrnehmungsübungen erlebte ich im Rebalancing, einer Art Körperarbeit. Hier war oft Thema einfach wahrnehmen, dass ich nichts wahrnehme. In der Leere bleiben. Dieser Ansatz hat mich in die Richtung gebracht, anzunehmen wie es ist, da ich zu Beginn sehr emotional darauf reagiert habe, dass ich nur so wenig, bis gar nichts von meinem Körper fühle. Es hat mich sehr traurig und verzweifelt gemacht und mich in eine Anstrengung gebracht, ein Gefühl herstellen zu müssen. Hat natürlich nicht funktioniert. Jetzt wo die Selbstannahme gewachsen ist und ich weniger an mir herumzerre, finde ich es nicht so sinnvoll in die Leere zu fühlen. Vielleicht auch, weil es einfach eine nicht so leichte Übung ist. Es fällt mir leichter mit meiner Wahrnehmung bei etwas zu bleiben, was ich fühle, als etwas was ich nur am Rande oder gar nicht fühle.

Mit der sitzenden Meditation zu Hause habe ich Anfang des Jahres angefangen. Die begann damit, dass ich in alle drei Ebenen Körper, Gefühl, Verstand gespürt habe. Wie fühlt sich mein Körper gerade an? Wie sind meine Gedanken? In welcher Stimmung sitze ich gerade hier? Eine wirkliche Überraschung war dabei für mich, als ich feststellte, dass ich „dachte“ mir geht es schlecht, doch in meinem Gefühl im Herzen, war es dann gar nicht so. Das war meine erste Erfahrung, dass das Denken das Fühlen beeinflusst. Kopfgefühle sind für mich solche, die entstehen, wenn etwas geschieht, wie ich dachte oder etwas nicht geschieht, wie ich dachte. Herz-/Bauchgefühle sind einfach da, oft ohne spürbaren Grund.

Dann habe ich körperliche Empfindungen gesucht und versucht bei ihnen zu bleiben, in sie hinein zu gehen. Zwischen durch kam mir immer wieder der Gedanke, dass so viele Menschen mit dem Atem anfangen. Und nichts anderes machen, außer Atem beobachten oder vertiefen oder sanft machen. Doch immer wenn ich das probiert habe, habe ich sofort wahrgenommen, dass ich meinen Atem kontrolliere. Beobachten hieß gleichzeitig kontrollieren. Das war untrennbar miteinander verbunden. Auch wird mein Atem während der Meditation häufig so langsam und flach, dass ich ihn kaum bis gar nicht spüren kann. Manchmal kam es mir so vor, als müsste ich gar nicht mehr atmen und er würde gleich aussetzen. Deshalb habe ich ihn nie in den Fokus genommen und lieber machen lassen, was er machen will.

Relativ schnell kamen dann Energieempfindungen und starke Emotionen hinzu. Dadurch bin ich von der Körper/Verstand/Gefühl-Ausrichtung weg gekommen und startete mit dem Hinein fühlen in Energiezentren. Vor allem ins Herzzentrum. Und immer wenn etwas stark Fühlbares geschah, wechselte ich dorthin und versuchte da hinein loszulassen. Es gab viel Wollen und Suchen in dieser Phase.

Dann lenkte sich der Fokus auf meine Gedanken, die ja ständig im Wege waren und ich schaute sie mir an. Auch hier fand ich viel. Gefühle hinter Gedanken. Versteckte Lösungsansätze in den Gedanken. Verschwinden der Gedanken, weil ich sie mir anschaute.

Dann landete ich bei Erdungsübungen. Fokus nur nach unten. Auch hier entwickelte sich etwas. Wahrscheinlich wurde mir das zu langweilig und ich wechselte wieder in andere Bereiche. Bis ich dann ganz pausierte und nun wieder starte.

Vieles sehe ich klarer. Meditation ist „Nichts-tun“. Mit eine der schwersten Übungen für mich.

Meditation1Ich erkenne wie ich funktioniere und vorgegangen bin. Mit dem Verstand auf der Suche nach Gefühl. Von außen das Innen suchen. Ich habe auf diese Art und Weise auch vieles gefunden. Aber es blieb eine isolierte Wahrnehmung, ein isoliertes Gefühl, von mir losgelöst. Als Beispiel ein gefühlter körperlicher Schmerz in der Schulter. Meine Wahrnehmung war nur auf diese Stelle beschränkt und nicht fühlbar innerhalb meines ganzen Körpers, als Teil davon. Oder die Wahrnehmung des Energiefeldes im Wurzelchakra. Ich war gefühlt in diesem Zentrum. Ich war das Zentrum selbst. Es gab kein Ich, von dem dieses Feld Teil war. Oder die Visualisierung eines Bildes. Das Bild blieb immer nur in meinem Kopf, außerhalb meines Körpers. Die Erfahrung konnte sich so nur wenig, bis gar nicht in mein Selbst integrieren.

Meditation2Dann gab es eine Änderung. Ich weiß nicht mehr wie es dazu kam. Ich nahm anstatt von außen nach innen, von innen wahr. Da erfuhr ich an mir selbst den schon länger bekannten Ausspruch „du musst nichts suchen, weil alles schon da ist“. Total logisch eigentlich. Ich muss doch mit dem Kopf nichts suchen, was direkt unter ihm, um ihn herum eh die ganze Zeit da ist – im Körper. Aber nicht so leicht zu praktizieren.

Meditation3Nun gut… an dieser Stelle bin ich jetzt. Ich übe von Innen mein Selbst zu spüren. Das ist ein Gefühl von der Mitte meines Körpers ausgehend. Das meine ich auch mit Ich-Wahrnehmung. Es schließt bisher nicht meinen ganzen Körper mit ein. Versuche ich meine Füße mit in das Gefühl aufzunehmen, rutscht die ganze Wahrnehmung nach unten und dafür fehlt oben wieder mehr. Das Ganze ist ziemlich schwierig zu halten. Immer nur für Sekunden. Aber mehr zu machen als das, macht keinen Sinn, wie die Erfahrung mich lehrt.

Mit dem Fluss fließen

Es wird draußen dunkel. Ich fühl mich verbunden mit mir und meiner inneren Stimme. Sie sagt raus. Raus, sofort! In den Wald. Irgendwo hinlegen und Wald fühlen, mich fühlen, erden. Nicht irgendwo. Ich weiß an welcher Stelle. Das Verlangen ist wichtiger, als alle Ängste. Da hinlegen wo dich alle sehen? Bist du verrückt? Und außerdem ist es schon spät. Egal. Zielstrebig und zügig mache ich mich los.

Draußen. Oh! Ob es gleich regnet? Wunderbar! Ist mir recht. Im Wald. Es fängt an zu regnen. In Strömen. Hinlegen passt nicht. Hinsetzen. Fühlen wollen. Viel fühlen wollen. Ich suche nach viel fühlen. Ich versuche das Viel-fühlen-wollen loszulassen. Es ist nicht so wie ich es gerne hätte. Ich fühle nicht so viel, wie ich es gerne hätte. Aber ich finde das okay dazu. Ich fühle das was da ist. Im Raum zwischen meinem Körper und den Dingen im Außen. Da bin ich. Das ist okay. Da bleibe ich. Ich lasse die Augen etwas offen, da ich weg bin, wenn ich sie schließe. Der Regen durchnässt mich, trotz Baum über mir. Ein Feld öffnet sich. Ich öffne mich zu einem Feld, größer als mein physischer Körper. Um meinen Kopf herum oder davon ausgehend. Der Körper bleibt fern. Ohne mein Zutun steigt Freude auf. Ich spüre Regentropfen. Alles ist gedämpft. Aber es ist okay. Ich bin voller Freude. Fange an zu lächeln. Ganz von alleine. Fühle ein großes Lachen wollen. Fühle leben und lachen. Fühle ein lachendes Jauchzen aufsteigen. Ich kann es mir noch nicht erlauben. Es ist okay so.

Ich umarme den Baum unter dem ich saß. Bedanke mich. Auch hier komme ich nicht sehr tief in Kontakt mit meinem Herzen, wie sonst zu anderen Zeiten. Es ist okay. Ich laufe nach Hause. Das Lächeln weicht nicht aus meinem Gesicht. Ich bin glücklich, obwohl ich nicht ganz da bin. Laufe durch den Regen. Weiche Pfützen aus. Wieso weiche ich den Pfützen aus? Meine Füße wollen barfuß durchlaufen. Okay. Dann tun wir das jetzt. Ich ziehe die Schuhe und Socken aus. Herrlich. Ich freue mich noch mehr. Ein breites Grinsen. Es ruft in mir: schaut her, ich traue mich, ich genieße, ich lebe. Ich stehe an der großen Kreuzung. Autos halten. Sehen mich. Ich grinse weiter. Die Scham, die Furcht bleiben im Hintergrund. Was tut sie nur? Erfüllt und zufrieden komme ich klatschnass zuhause an. Das hat gut getan!

Nachtgedanken

Was macht man Nachts um zwei, wenn man seit 4 Stunden versucht zu schlafen, die Augen nicht mehr aufhalten kann, aber der Rest des Körpers wohl keinen Schlaf benötigt?

Man schreibt hier ein bisschen herum und isst ein Marmeladenbrot mit Käse.

Es denkt sich merkwürdige Dinge in meinem Kopf. Ob ich nicht die nächsten Tage noch mal zu dem Bahnhof fahren sollte, an dem mich kurz hintereinander eine junge Frau angebettelt hat (vielleicht gerade mal 20 Jahre alt),  um ihr anzubieten bei mir zu duschen oder ihre Kleidung zu waschen und sie als Gegenleistung mir ihre Geschichte erzählt. Mein Herz tut sich da voll auf. Ich seh mich ihr Kleidung schenken und Lebensmittel usw.. Dann kommt es entrüstet aus einer anderen Ecke: Bist du naiv? Damit hilfts du ihr nicht. Sie wird dich beklauen, damit sie Kohle für Drogen hat. Und das ist nicht mal unwahrscheinlich.

Naja… solche Ideen kommen immer mal wieder. Armen Menschen helfen wollen. Ihnen Würde und Achtung zurückgeben, in dem man ihnen etwas anbietet, damit sie nicht darum betteln müssen. Ach… keine Ahnung.

Da fällt mit die Mücke von gestern Nacht ein. Kaum ist das Licht aus und ich höre dieses unangenehme Summen. Licht wieder an. Keine Mücke da. Licht wieder aus und das Summen beginnt wieder. Licht wieder an. Längeres Suchen, Ausharren und Lauschen. Nichts. Okay, ich füge mich, bin zu müde. Eine Mücke sticht ungefähr 2, 3 Mal bis sie satt ist und dann erst nach einem Tag wieder. Hab ich mal gelesen. Das nehm ich in kauf. Also Licht wieder aus, lege ich mich in Opferbringposition. Sofort fängt es wieder an zu Summen und ich warte auf die Attacke. Aber nichts passiert. Das Summen bleibt konstant in der gleichen Entfernung. Kommt nicht näher und entfent sich auch nicht. Das lies nur einen Schluss zu. Sie war irgendwo gefangen. Vielleicht unterm Bett oder im Schrank oder hinter den Gardinen. Das tat mir dann irgendwie ein bisschen leid um die Mücke, aber ich war zu müde, um eine Befreiungsaktion zu starten. Am Morgen hab ich wenigstens aus Anstand noch mal die Matratze angehoben.

Rassende Geschwindigkeit

NotizenDie Dinge entwickeln sich so wahnsinnig schnell in der letzten Woche, dass ich kaum hinterher komme, alles festzuhalten. Überall liegen Zettel in meiner Wohnung verteilt, am Bett, in der Küche, im Wohnzimmer, um wichtigen Gedanken, Erfahrungen und Erkenntnisse sofort festhalten zu können, bevor das nächste passiert. Hier habe ich jetzt alles zusammen gefügt.

Es ist heute ganz anders (Samstag)

Morgens: Obwohl es nicht dramatisch ist, wird es doch schwieriger. Ich denke an meine Therapeutin. Spüre Sehnsucht. Fühle mich mehr allein. Habe Selbstverletzungsgedanken und eine stärkere Anspannung in mir.

Meine Stirn fühlt sich hart und angespannt an. Mein Gesicht lässt sich nicht entspannen. Meine Augen tun weh, mit zwischenzeitlichem Blinzeltick, wenn sie geschlossen sind. Mir ist latent übel, mein Magen ist sauer. Die Vorstellung zu essen stößt mich ab, obwohl ich Hunger spüre. Jeder Gedanke ist anstrengend. Jede Form der Konzentration, sei es schreiben, lesen, sprechen schwer. Jeder Versuch nicht zu denken und zu entspannen ist noch anstrengender. Der Körper ist wach und fit. Nicht die Bewegung strengt an, sondern die Planung, die Zielsetzung, das Aufraffen, Losmachen in die Bewegung, sei es Wäsche aufhängen oder von der Couch aufstehen, um zur Toilette zu gehen. Mein Kopf will am liebsten gar nichts wollen und gleichzeitig gibt es dort eine Zentrierung. Gestern am Abend war es schon so. Ich war zu nichts mehr fähig. Bin früh ins Bett, aber konnte lange nicht einschlafen und war früh wach.

Auf dem Weg zu meinen Eltern vermisst jemand in mir meine Therapeutin. Ein glasklares Gefühl, was ich schon ewig so nicht mehr hatte. Keine unkonkrete Sehnsucht, sondern ein konkretes Vermissen. Ich finde es befremdlich, da nicht mein eigenes Gefühl.

Inneres Gespräch (Sonntag)

Morgens wache ich auf und erinnere mich an das Vermissen-Gefühl von gestern.

Was hast du an ihr? Ich finde sie passt überhaupt nicht zu dem was wir suchen. Wir sind ein Fall, eine Nummer. Es geht nicht um uns. Es geht um die Informationen die wir preisgeben, welche dann in das Modell, das Konzept der Psychoanalyse gepresst wird.

Das stimmt doch gar nicht! Sie ist nett. Sie hört zu.

Ja, das stimmt vielleicht, aber sie meint nicht wirklich uns. Oder? Sie ist so, weil sie so sein muss. Sie sagt das, was sie laut Theorie sagen darf. Alles andere sagt sie nicht. Sie ist nicht echt, nicht wirklich sie. Wenn sie nicht sie selbst ist, wie kann sie dann uns meinen? Wir sind nur einer von vielen Klienten. Nichts Persönliches.

Das glaube ich nicht. Es gibt Lücken. Da sagt sie mehr.

Ja, vielleicht weil sie einen Fehler gemacht hat. Nicht genau aufgepasst hat. Dann muss das wieder zurückgenommen werden, weil es nicht sein darf. Ist ja auch anstrengend immer zu selektieren, sortieren, formulieren was nach außen darf.

Was ist damit, dass sie gesagt hat, dass sie sich Sorgen macht? Und mit dem Extratermin in ihrem Urlaub?

Nein! Hör auf damit! Das ist nicht wahr. Sie hat es selbst gesagt, an einer anderen Stelle. Sie wird keine Bedürfnisse befriedigen. Sie wird abstinent bleiben.

Ich bekomme eine innere Vorstellung von der Stimme. Ein Wesen, was irgendwie Kind, Erwachsener und noch mehr gleichzeitig ist. Unschuldig, rein und gutgläubig. Klein. Ein Lichtwesen. Es ist hell und unscharf, strahlend, durchsichtig und irgendwie auch flüchtig. Ein Gefühlswesen. Offenherzig, ehrlich und zart. Und weise.

Alles geht nicht mehr (Sonntag)

Mein Kopf plant das Aufstehen und die gleichen Dinge zu tun wie immer, in der gleichen Reihenfolge wie immer. Aufstehen, Gardinen öffnen, Fenster öffnen, alle anderen Fenster in der Wohnung öffnen, Handy anschalten, ins Bad gehen usw….. Die Symptome sind wie gestern. Ich kann nicht mehr. Jeder Gedanke, jede Planung fühlt sich wie ein riesiges, enges „Muss“ an. Ich rufe laut „Nein“ in mir, gegen das Hamsterrad was sich drehen will. „Du musst weder aufstehen, noch die Gardinen wegziehen, noch das Fenster öffnen, usw….“ Meine Handlungsgedanken scheinen mich kaum zu hören. Ich muss immer wieder laut und energisch, zu jedem weiteren Impuls „aber ich muss doch…“ „Nein, du musst gar nicht“ sagen. „Du musst keine Übung machen, keinen schlafenden Tiger, keine Haferflocken zum Frühstück… usw.“ Ich brauche heute diesen Tag zum gar nichts müssen. „Du musst auch nicht deine Gedanken beobachten. Du musst nicht bewusst bleiben. Du darfst so viel und so lange Denken wie du willst. Wir brauchen nicht nach innen spüren, nichts suchen, keine Meditation. Heute darfst du alles machen wie es kommt.“

Erschreckend was ich da sehe, wie sehr ich im Müssen war, ohne es zu sehen und zu fühlen. Wie sehr ich in der Vorstellung war, wie der nächste Schritt sein sollte, was dann kommt usw..

Nachdem ich mich ewig im Bett herumgedreht hatte und diesen inneren Konflikt bearbeitete, in allen möglichen Körperpositionen, bis Überkopf aus dem Bett hängend, war es möglich aufzustehen und alles anders zu machen. Ich wollte Brötchen zum Frühstück. Machte mich los zum Bäcker. Der hatte sonntags nicht mehr offen. Ich ärgerte mich (ich durfte mich ärgern – heute darf alles). Ich war so fixiert auf Brötchen, dass ich verärgert, in dem zerschlagenem Zustand in dem ich war, aufs Fahrrad stieg und zum nächsten Bäcker fuhr. Man bedenke, dass alles ohne offene Gardinen und Fenster und ohne frischmachen im Bad :). Einfach so los. Auf dem Rückweg übermannte mich derartige Müdigkeit und es war kaum möglich meine Augen offen zu halten. Also schloss ich sie einfach mal für ein, zwei Sekunden auf dem Fahrrad. Und es zeigte sich eine ganz neue Erfahrung meiner Wahrnehmung. Mit geschlossenen Augen fühlte ich mich gar nicht müde. Ich war sehr wach, in einem Raumbewusstsein was mich umgab. Es war so wohltuend. Totale Entlastung. Raus aus meinem Kopf, als wäre er gar nicht mehr da. Ich wäre am liebsten blind weitergefahren, so gut fühlte es sich an.

Trotzdem war ich zu Hause total erschöpft und bin erst mal ohne Frühstück wieder ins Bett. In Wellen war ich wach und träumte. Ich spürte immer deutlich die Bewegung meiner Körperenergie, beim Eintritt ins Wachwerden. Leider konnte ich mich an keinen Traum mehr erinnern.

Dann habe ich mich soweit wie möglich mit geschlossenen Augen in meiner Wohnung bewegt, wie auch gefrühstückt. Die Erfahrung über den Körper hielt an. Ich versuchte weiter alles loszulassen, was sich an Absichtsbildung im Verstand tun wollte. Unterm Baum

Bin in den Wald unter einen Baum und habe nichts getan, nur gesessen, gelegen und meinen Verstand beruhigt, dass es absolut nichts zu tun gibt. Nach nur erstaunlichen 5-10 Minuten trat eine so deutliche Veränderung in meiner Wahrnehmung ein, dass ich voll beeindruckt war. Ich landete ohne mein Zutun im Jetzt. Mein Verstand ließ los, mein Kopf wurde frei, ich nahm meine Umgebung mit allen Geräuschen wahr und hatte eine ausgeprägte Aufmerksamkeit auf alles was da um mich war. Meine Augen taten nicht mehr so sehr weh. Ich fühlte mich frei und zufrieden. Hach, wie ich das genoss.

Dieser verdammte „Schlafende Tiger“ lässt mich nicht los (Sonntag)

Ein Teil hasst diese Übung mittlerweile, ein anderer hat Angst. Ein Teil erwartet, denkt das es leicht sein sollte und glaubt deswegen es falsch zu machen, weil es nicht leicht ist. Er sucht die ganze Zeit nach der richtigen Haltung. Beine höher halten? Mehr durchstrecken? Rücken irgendwie senken, damit er komplett aufliegt? Becken kippen? All dieses Tun ist so kräftezehrend und erfolglos. Lasse ich dies alles los und will im Unterbauch bleiben, ist diese Übung aber nicht länger durchführbar. Ich werde noch irre. Ich habe das Gefühl, hier ein Rätsel aufbekommen zu haben, womit ich wohl eine Weile beschäftigt sein werde.

Warum suche ich die ganze Zeit die Leichtigkeit, frage ich mich. Und da fällt es mir wieder ein, was der Yogalehrer zu dieser Übung sagte. Dies sei eigentlich eine Übung bei der man nicht viel Kraft braucht, nur etwas im Bauch und in den Oberschenkeln. Die Beine würden sich tragen. Und da das bei mir nicht so ist, ist es kein Wunder, dass ich denke, ich mache etwas falsch. Ach, verdammt.

Selbst in der Yogastunde am Freitag hatte ich immense Angst vor der Übung und auch vor dem Lehrer. Ich habe nicht gewagt, hier die Beine früher herunterzunehmen, mit den Gedanken, wenn ich die Übung im Workshop 30 Minuten geschafft habe, kann ich doch jetzt nicht bei 10 Minuten schlapp machen. Das darf ich nicht. Ich verstehe, dass ich da etwas projiziere, aber ich kann mich nicht daraus lösen. Wenn ich mir nur vorstelle, ich würde mit mir reden und mir erlauben, die Beine abzustellen wann ich will, wird etwas dermaßen panisch in mir und schreit und weint: „Nein, nein, ich muss, sonst passiert was schlimmes!“ Was immer das heißt.

Der schlafende Tiger erwacht. Zeit für eine Rebellion. (Montag)

Es ist falsch vorher etwas festzulegen und dann durchzuziehen, ohne auch Signale zwischen durch zu beachten. Für mich ist das falsch.

Ich kann verstehen, dass es zwar das Selbstvertrauen stärkt, da mein Geist natürlich weiß, dass ich es auch länger schaffe, als meine Gefühle und Gedanken mir vermitteln.

Und trotzdem möchte ich nicht, dass hier irgendwer über irgendwen herrscht, sondern alle Entscheidungen demokratisch behandelt werden und jede Stimme sein Recht hat, nicht nur gehört und dann beiseitegeschoben zu werden, sondern gehört und ernstgenommen zu werden.

Und das heißt, ich werde meine Aufmerksamkeit bei allem lassen was auftaucht, bei jedem Gedanken, bei jedem Gefühl. Und werde nicht, wie vorher, das nur am Rande wahrnehmen, nicht beachten und zurück ins Energiezentrum kommen. Das ist auch eine Art von Kontrolle und die will ich nicht. Scheiß, auf das Energiezentrum. 😉 Oder eher, alles zu seiner Zeit.

Ich brauche mehr Verspieltheit und offenes experimentieren. Härte habe ich genug in mir. Konsequent sein, mit der Begründung, sich im Endergebnis etwas Gutes zu tun (was ich nicht abstreite und selbst auch fühlen kann) ist ein Handeln nach Verstandskonzept. Der Verstand entscheidet vorweg, was gut ist. Das mache ich schon zu genüge. Das habe ich den größten Teil meines Lebens getan. Jetzt ist etwas anderes dran.

Das habe ich heute gleich mal ausprobiert. Als es mir zu anstrengend wurde, bin ich einfach an die Wand gerückt und habe meine Beine dort angelehnt. Das brachte mich zum Lachen. Wenn das der Lehrer sehen würde. So hatte er es sich wahrscheinlich nicht vorgestellt. Dieser lockere Umgang löste im Anschluss wiederum eine heftige Reaktion in mir aus. Eine bockige Stimme: „Wenn du das nicht ernst nimmst, dann können wir es auch gleich sein lassen!“ Ach man… Wie man es macht, macht man es falsch. Immer hat irgendwer zu meckern. Der eine hat Angst, wegen der Anforderungen und will deswegen nicht mehr und der andere will es ernsthaft und will sonst auch nicht mehr.

Von Kreisen und Dreiecken (Montag)

Es gibt so viele unterschiedliche Erklärungsmodelle für das menschliche Sein. Momentan habe ich mit Konzepten aus dem Yoga, der Meditation, der Psychoanalyse und der Gestalttherapie zu tun. Jedes Konzept hat seine Erklärungen für Symptome. Jeder glaubt aus einer Wahrheit heraus zu sprechen, zu der es nichts Weiteres mehr bedarf. So scheint es mir zumindest. Sicherlich gibt es Bereiche meines Seins, die lassen sich mit der Psychoanalyse greifen und weiterentwickeln. Ebenso gilt das für Yoga, für die Meditation und für die Arbeit mit dem Inneren Kind. Dann erfahre ich aber auch Dinge, die z.B. über das Konzept der Psychoanalyse hinausgehen. Würde man damit einige meiner Erfahrungen erklären wollen, wäre das so, als ob man einen großen runden Kreis in ein kleines Dreieck pressen wolle. Legt man dieses Dreieck auf den Kreis, gibt es einen Raum der deckungsgleich ist. Dieser Raum lässt sich erklären. Aber nicht mein ganzes Sein. So empfinde ich es bisher mit allen Konzepten. Sie erklären etwas, aber es bleibt immer etwas übrig, offen. Und ich finde es eine immense Aufgabe zwischen all den Erklärungen, Handlungsvorschlägen, dass jeweils passende für meine jeweilige Erfahrung zu finden. Denn die kleinen Dreiecke überschneiden sich auch. Zu ein und derselben Erfahrung, gibt es unterschiedliche Erklärungen. Wer hat nun recht? Was kann ich mir aus welchem Konzept mitnehmen? Wo ist es sinnvoll nicht zu nehmen? Das kann ich unheimlich schlecht. Aus meiner Grundstruktur heraus bin ich ein Mensch der erst mal Einem alles glaubt und sich voll danach ausrichtet. Kommt dann jemand anderes und sagt etwas anderes, wird es kompliziert. Ich fühle mich selbst in Frage gestellt. Kann alles über Bord werfen und mich dem nächsten voll und ganz geben. Dieses „ganz oder gar nicht-Muster“ zeigt sich gerade und ich sehe, dass es so nicht funktioniert. Alle haben recht und wiederrum nicht. Wahr ist nur meine eigene Erfahrung. Immer wieder zu mir zurückkommen und mein eigenes Gefühl als Maßstab nehmen.

Ganz brandneu habe ich Informationen zum „Lichtkörper-Prozess“ bekommen. Scheint da etwas meinen gesamten großen Kreis zu erfassen? Genau jetzt muss ich aufpassen, dass ich nicht dem nächsten blind hinterherrenne.

Geistige Botschaft für den Juli (Montag)

Sätze die mich ansprachen:

„Und wir sagen, wenn euch eine Meditation führt zu euch selbst, macht sie oft, verweilt dabei. Werdet nicht zu Meditations-Junkies. Werdet nicht zu Natur-Junkies. Werdet nicht zu denen, die sagen: „Ich muss noch diese Lehre machen, noch diese Lehre.“ Denn alle Lehren, die schluss-endlich mit dem verweilen: „Mensch, sei bei dir! Mensch, geh und verwandle dein ICH in das ICH BIN“, haben den Grund und erleben sich selbst und faszinieren sich selbst in dieser Naturreligion, von der wir hier sprechen und die du erfasst hast und gar ideal befragst, geliebter Bruder.“

„Eine Transformationszeit macht nichts anderes als kindlich zu sein und zu sagen: „Komm, wir schauen uns das noch einmal an. Ich bin Schöpfer. Du bist Schöpfer. Wie machen wir es? Es kommt Regen vom Himmel. Es kommt Regen von der Erde. Wie also bilden wir dieses hier?“ Es ist immer wieder auch eine neue Zeit.“

http://robert-betz.com/mediathek/geistige-welt/2013/juli-2013/