Familie

Erkenntnis:

Wenn man den Willen eines Kindes bricht, dann hat man am Ende einen erwachsenen Menschen mit gebrochenen Willen und gebrochener Persönlichkeit.

Weil er meinen Willen als Kind gebrochen hat, habe ich heute mit einem gebrochenen Willen und einer gebrochenen Persönlichkeit zu tun.

Das war meinem Vater damals nicht bewusst.

Ich glaube, dass er auch heute noch nicht seine Verantwortung an meinem So-gewachsen-sein, mit den heutigen Einschränkungen und Behinderungen annehmen kann.

Und ich selbst traue mich auch nicht so richtig, die Verantwortung bei meinen Eltern zu sehen.

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Verarbeitung der Körpertherapie in einer Mail

„Hey A.,

vorweg hoffe ich, du hattest ein paar entspannte Osterfeiertage.

Mich hat es noch ausgeknockt, nach unserem Termin. Deshalb schreibe ich. Mehr für mein eigenes Verständnis, um die Erlebnisse zu sortieren, in Zusammenhang zu bringen. Und auch, um es mit dir zu teilen.

Ich denke, wir haben letztes Mal irgendwo eine sehr tiefe Wunde meiner Seele berührt. Eine Wunde, die so früh gesetzt wurde, dass sie einen Teil meiner Identität ausmacht, in meine Persönlichkeit eingeflochten ist. Das habe ich heute so gespürt und diese Worte gefunden und es macht mich gerade traurig. Ich weine.

Ich weiß nicht genau worum es geht. Deutlich fühlte ich als Verursacher meinen Vater und ich bin mir relativ sicher, dass es auf der körperlichen Ebene passierte. Nicht sexuell. Ich kenne Erzählungen von erzwungenen Essen, bei einem anderen Kind, in dem es stark gedrückt wurde und vor Schreck den Mund aufmachte. Sowas in der Art. Vermutlich eben so früh, dass keine gesunden Körpergrenzen entstehen konnten und alles gleich Gefahr ist. Und keine konkreten Erinnerungen da sind.

Heute Morgen konnte ich diesen ‚Makel‘ zum ersten Mal so deutlich wahrnehmen, als einen sehr festen Bestandteil von mir. Ich muss schon wieder weinen. Es ist so unfair, dass mein System so stark beschädigt wurde, dass ich mich von Natur aus in meinem Körper nicht sicher fühle. Das war mir so noch nicht klar. Das es ganz früh passiert sein muss, um so zu werden. Ich dachte immer an spätere Ereignisse, wo ich eine Erinnerung habe. Aber das passte alles nicht. Es bleibt natürlich Spekulation.

Diese Verletzung habe ich heute Morgen als Empfindung auf der linken Seite am Hinterkopf ‚gesehen‘. Es war wie eine breite Furche, weißes Gewebe und ein deutliches Gefühl von ‚etwas ist in meiner Person/Seele/Identität kaputt gegangen‘.

Ich habe schon mal vorsichtig versucht, mich mit diesem ‚Makel‘ auch wunderschön zu finden. Ich kann es noch nicht glauben. Ich fühle mich eher wie ein Krüppel, entstellt und mich einer Erfahrung von natürlichem Sicherheitsgefühl beraubt. Es kommt mir heute auch aussichtslos vor, dass das jemals anders sein könnte. Das ist heute. Das wird sich sicherlich weiterentwickeln.

Okay… und wenn ich das jetzt mal so als Ausgangspunkt annehme, wird mir verständlicher, warum Berührung so speziell ist. Weil jede Berührung das Thema beinhaltet, mich mit ihr nicht sicher zu fühlen, einen Gewaltakt zu erwarten. So hat sich das auch angefühlt, ohne Grenze, wie ein Griff direkt, ungeschützt in mein Inneres. Und ich deshalb alles so langsam brauche, um

* die Reaktionen die folgt als Angst zu erkennen,

* mit dieser Angst zurechtzukommen, auszuhalten, wahrzunehmen, einzuordnen

* Zeit zu haben, die Berührung wahrzunehmen und die Situation in der ich bin und

* Zeit zu haben, die wahrgenommenen Berührung als ungefährlich bewerten zu können – die Motivation des Gegenübers zu prüfen (ihm zu vertrauen)

Das ist richtig, richtig viel, was da an Bewusstsein nötig ist.

Daraus ergibt sich als sinnvolles Vorgehen, wenn ich eine Berührung haben mag oder ihr zustimme, nur einen Berührungspunkt herzustellen, an einer ‚ungefährlichen Stelle‘ (die Herzgegend war schon zu viel Zusatzinput), um mich nicht zu überfordern und dann Zeit zu haben, damit zurecht zu kommen.

Wow! Ich bin gerade von der Produktivität dieser Mail beeindruckt. 🙂 Gedacht hatte ich es anders. Nun ist es das geworden. Ich fühle mich auch besser. 🙂

Dann bis zum nächsten Mal.

Mach‘s gut.

Sophie“

Nachts

Ja, für mich ist es nachts. Mitten in der Nacht. Seit der Einnahme von Quetiapin, schlafe ich zwischen 21-21:30 Uhr.

Ich und schlaflos, dass gab es seit dem extrem selten. Erinnerungen und Gefühle sind gerade stärker als die Chemie.

Seit dem Vollmond rieseln die Erinnerungen auf mich herab. Alte und neue. Neue Aspekte, neue und alte Gefühle, andere Blickwinkel.

Im Bett, nach meiner Reikibehandlung fühle ich mich bedrückt. Im Nachspüren krampft und streckt sich mein Körper und die Worte: wie kann man nur!, bilden sich. 

Wie kann mein sein eigenes Kind so alleine lassen?! Es ist so ein großes Unrecht! Ihr seid echt das Letzte. In dieser Situation habt ihr als Eltern beide versagt.

Kerze am Bett, heiße Schokolade und Raum für alles was da sein will.

Größere Kreise

Zu der Angst von gestern kamen heute Erinnerungen hoch.

Ich bin mit Angst aufgewacht. Daran änderte auch das Klopfen nichts. Aufstehen ging, Duschen ging, sogar mein morgendliches Sportprogramm konnte ich machen. Bei den Übungen kam mir dann Unbewusstes ins Bewusstsein.

Ich schrieb alles auf.

Frühstücken ging dann, danach wurde mir elend zu mute. Funktionsteil ließ erst einmal das Einkaufen gehen los und akzeptiere eine Ausruhphase.

Ich lieg auf der Couch und stelle irgendwann fest, dass ich in einen regressiven, gelähmten Zustand rutsche. Etwas flüchtet vor der Welt, mein Körper fühlt sich außerhalb meiner Kontrolle an. Ich kenne diese zeitlosen Zustände.

Mein Bewusstsein erfasst darin großen Schmerz, ich fühle mich wie eine offene Wunde. Rauszugehen fühlt sich unvorstellbar an. Bin so verletzt.

Ich frage nach Reiki an. Erreiche niemanden.

Sehnsucht nach gehalten werden. Sehnsucht in den großen, weichen, warmen Schoß von Mutter Erde zu flüchten.

Suche alle Skills zusammen, die damit in Verbindung stehen. Wärmflasche, Decke die immer mit im Wald ist, Zypressen-Öl, Kuscheltier und Musik. Putze mir sogar noch die Zähne, damit ich mich wohl fühle und erlaube mir dann die Regression.

So eingekuschelt, mit der Wahrnehmung zu den unterschiedlichen Reizen wechselnd (Wärme, Schutz, flauschig, Geruch, Geräusch) lieg ich da und schau die Wunde an. Erst als ich die Musik in meinem Kopf mitsinge, verbindet sich irgendetwas in mir, ich fühle mich liegend und haltend, kann weinen und Erinnerungen und Gedanken aus der Zeit etwas ran holen. Dazwischen immer wieder der Funktionsteil, der darauf wartet, dass endlich alles vorbei ist und ich meine Sachen erledigen kann. Darauf die mögliche Reaktion: und wenn ich hier den ganzen Tag liege und weine.

Jetzt sitze ich hier, das Kuscheltier unter das Oberteil geklemmt, damit es auf meinem Herzen liegt und ich mich nicht alleine fühle. Vielleicht wird es dort stellvertretend für mich gehalten. Jedenfalls muss ich es immer wieder anfassen und an mein Herz drücken.

Und nun? Ein Tag, an dem ich nicht machen kann, was ich vor hatte? Mich aber zu unruhig in mir fühle, um Rückzug länger auszuhalten. ICH WILL RAUS!

War gestern den ganzen Tag drin. Müde und schlapp und das war okay so, nicht viel machen zu können. Heute ist es schwierig.

Autoaggressions-Schau

Autoaggressive Impulse gehören für mich immer noch zur Oberliga der meditativen Innenschau.

Einmal zuzulassen, dass da diese Bilder sind. Bilder, wie ich mir den Arm längs aufschneide, immer wieder, immer wieder. Oder wie ich mir ein Messer mehrmals in meinen Oberkörper steche.

Hinschauen. Diese Bilder zulassen und anschauen.

Zuzulassen, welche Gefühle mit diesen Bildern verbunden sind. Tiefe Verachtung, Hass oder Wut. Auch Schmerz. Selbstzerstörungswünsche. Bestrafungsgedanken.

Zu akzeptieren, dass das auch ich bin, dass das auch zu mir gehört. Raum geben, für diese Empfindungen, sie da sein lassen. Und dann auch noch liebevoll annehmen, sie ins Herz lassen und mitfühlendes Verständnis haben.

Und das alles, ohne zu handeln.

Der Gewalt an mir selbst zuschauen, sie zulassen (im Innen) und auch noch lieben. Das ist eine unglaubliche Leistung!

Gelingt mir nicht oft. Diese Gewalt an mir selbst, sie erschrickt mich enorm. Ich will sie nicht. Ich verbiete sie. Sie macht mir Angst. Ich schiebe sie meistens weg.

Die zwei, drei seltenen Momente wo es zu einer Vereinigung kam, so dass diese Anteile sich mit dem liebevollen Blick von mir verschmolzen, haben immer zu einer Veränderung geführt. Sie sind in ihrer Härte zusammen gefallen, wurden kleiner und verletzlich und weinten meist bitterlich vor seelischem Schmerz.

Das Böse in mir

Ich erinnere mich, da gab’s doch schon mal so etwas. Da habe ich doch schon einmal drüber geschrieben. Alles kehrt wieder und wird weiter bearbeiten, von einem neuen Standpunkt aus.

Überheblichkeit, Arroganz um mich nicht unsicher zu fühlen? Mich erfahrener, weiser, reifer fühlen, um mich über andere zu erheben, um mich nicht so klein zu fühlen?
Mich ungefragt als Lehrer aufführen, lehren wo niemand um Lehre gebeten hat. Der Wunsch, dass zu mir aufgeschaut wird, damit ich hinabschauen kann und mich größer fühle?
Macht ausüben. Unrecht ausüben. Durch meine Haltung. Die Größe, die Buddha-Natur jedes einzelnen nicht wahrnehmen. Die Richtigkeit jeder anderen Erfahrungen nicht anerkennen, würde sie mich doch in Frage stellen, mich mit meiner Selbstunsicherheit innerhalb dieser Beziehung konfrontieren.

Ich muss die ‚Kinderwelt‘ loslassen, die Vorstellung, dass alles ‚gut‘ wäre. Die Flucht in eine Welt, von Engeln behütet, in der, wenn ich mich nur stark genug auf mein Herz konzentriere, alles ‚dunkel‘ draußen bleibt.
Das ‚Böse‘ nicht verleugnen. Das ‚Böse‘ in mir. Zulassen. Fühlen. Verstehen. Mitgefühl auch für diese Seiten in mir, die letztendlich aus der Angst erwachsen. Das ‚Böse‘ entsteht im Grunde immer aus Angst.
Macht, Gier, Hass, Geltungsbedürfnis (alles in mir vorhanden) – im Ursprung Angst. Angst als ein Teil von mir. Der Gegenpol zur Liebe. Beides ist ein und dieselbe Energie.
Habsucht, Neid, Gewalt, Missbrauch – alles in unterschiedlicher Ausdrucksform (oft subtil oder nur im inneren verborgen) in mir vorhanden.
Es gibt das ‚Böse‘ in der Welt. Es gibt das ‚Böse‘ in mir. Alles ist Ausdruck dieser Welt, alles entspringt aus dem gleichen Stoff, der gleichen Quelle. Alles ist miteinander verbunden.
Gehässigkeit, Schadenfreude. All das finde ich auch in mir.

Es tut weh dort hinzuschauen. Es löst Selbstverurteilung aus. Wie schlecht bin ich. Verurteilung. Auch dieses ‚Böse‘ ist in mir. So viel Dunkelheit.

Und so viel Licht.

Ich stelle mir die ‚Quelle‘ als eine Kugel vor, die aus einem Nadelteppich besteht, wie diese Zimmerdekorationen, wo man z.B. seine Hand gegen die Nägel drückt und auf der Gegenseite dann die Form der Hand erscheint.
Jede erdenkliche Form bildet sich aufdieser Kugel ab – Häuser, Bäume, Gefühle, Menschen, Gedanken, Religionen, Kriege, Gemeinschaft, Liebe, Angst, Gewalttaten, Wetter, Planeten, Kometen, Sonnen – einfach alles. Die Formen empfinden sich selbst als getrennt voneinander, doch sind sie alle aus dem gleichen Material und alle über das Material miteinander verbunden. So ist alles was sich um mich herum abbildet, auch in mir vorhanden. Wenn ich mich nun hinsetze und mich ganz bewusst für dieses Material öffne, mich damit verbinde, erfahre ich auf noch direktere Art die Erscheinungen im Außen auch in mir. Nichts unterscheidet sich mehr voneinander. Alles ist eins. Irgendwie klingt das verrückt. Das ist doch tatsächlich das, wie ich es wahrnehme und erfahre. Unglaublich!

Da war viel Angst die Tage. Ich konnte ihr zuschauen, wie sie mich halsabwärts abtrennte von mir. Wie sie Gedanken-, Vorstellungstürme um meinen Kopf herum erschuf und das das Vertrauen nicht zu ihren Eigenschaften zählte.
Angst kontrolliert zu werden, selbst keine Kontrolle mehr zu haben. Angst vor dem Ungewissen, dem Unsichtbaren, dem Namenslosen, welches sich unbemerkt in mir einschleicht und von innen manipuliert, die Herrschaft übernimmt. Angst vor der Unberechenbarkeit des Lebens.
Ja. Kontrolle ist eine Illusion. Wenn ich mich dem Leben (der ‚Quelle‘) öffne, öffne ich mich ALLEM. Dass mir das angst macht, finde ich nun absolut nachvollziehbar.

All die ‚dunklen‘ Anteile in mir zulassen. Mit dem Herzen sehen. Vielleicht zeigt sich diese gewaltige, dahinterliegende Urangst. Ich bin bereit sie zu fühlen. Ich bin bereit mich in Beziehungen klein zu fühlen. Ich bin bereit mich in Beziehungen unsicher zu fühlen. Ich bin bereit mich zu zeigen. Ich bin bereit, dass meine panische Angst gesehen wird. Oh, da kommt mehr… ich bin bereit mich der Angst, der totalen Vernichtung zu stellen, sie zu fühlen. Vernichtungsangst scheint die Urangst zu sein.

Therapieprozesse IV (Triggergefahr?)

(Ich habe so eine Ahnung, dass der Hinweis auf Triggergefahr, Leser besonders anzieht… Das gefällt mir eigentlich nicht, weil ich Sensationslust damit assoziiere, doch finde ich den Hinweis unerlässlich, für all jene die dadurch Schutz erfahren)

Seit drei Sitzungen versuche ich an dem Vater-Keller-Trauma zu arbeiten. Ich war innerhalb der Sitzungen noch nie so unmittelbar in allem was in mir dazu hochkommt.  Meine Empfindungen landen immer wieder anstatt bei meinem Vater, bei der Therapeutin und mir. Zwischen diesen drei Personen geht es hin und her. Selbstverurteilend werfe ich mir verächtlich vor, viel zu schwache Worte für diese Erlebnisse zu finden. Ich schlage mir innerlich ins Gesicht. Verachte mich für meine Schwäche, für meine Feigheit, für mein Kleinsein. Dann übermannt mich Hass auf meinen Vater. Das Gefühl verschwindet. Bilder bleiben in meinem Kopf, wie ich auf ihn einschlage, so lange bis kein Gesicht mehr zu erkennen ist. „Ihn töten?“ „Keine Ahnung. Zumindest seine Form zerstören.“ Dann hasse ich die Therapeutin. „Was hassen sie an mir?“ „Das sie existieren.“ „Ich frage mich, was ich ihnen zumute?“ „Das es immer nur weh tut. Immer und überall!“ Mein Körper ist Anspannung in Höchstform. Ich kralle mich in meine Hände, in meine Arme und merke es erst, wenn es anfängt weh zu tun. Alles zittert. Zwischendurch flammt Angst auf, die Todesangst aus der Erinnerung. Sie verschwindet ebenso schnell wieder. Da will es nicht weiter gehen. Will es nicht näher ran. So nehme ich sie zwangsläufig im Untergrund arbeitet mit nach Hause. Sie generalisiert sich. Ich kann das Haus stundenweise, tageweise nicht verlassen. Überall droht Gefahr. Die Welt da draußen ist Gefahr. Nur noch in mir ist es sicher. Nur noch zu Hause. Ablenkungsprogramm, damit der Kopf nicht ständig rattert und sich an den Erlebnissen festbeißt. Phasenweise total gelähmt, müde, weggedriftet stundenlang auf der Couch liegen, zu nichts mehr fähig. Bilder, wie ich mit den Fingern eine Waffe imitiere und sie erst an meinen Kopf halte und sie dann auf die Therapeutin richte. Bilder, wie diese Waffe eine echte ist und ich mich für sie entscheide und danach zum ersten Mal befreit im Raum herum laufen kann. Ich oder sie. Es kann nur einer existieren. Wenn sie existiert, kann ich es nicht. Ich weiß, damit ist der Vater meiner Kindheit gemeint. Ich will ihn am Boden sehen, klein, ohnmächtig und hilflos. Unter mir. Ich spüre Genugtuung und tiefe Befriedigung bei diesem Gedanken. „Das er sich dann so fühlt, wie sie sich damals gefühlt haben?“ „Mir gefällt diese Genugtuung gerade zu sehr, als das ich die Seiten wechseln könnte.“ „Wenn Kinder unterdrückt werden, dann wird das Leid manchmal so groß, dass sie als Ventil andere quälen (ich erzählte von Tierquälerei) oder eben ihre Therapeuten erschießen wollen.“ Wahnsinn, wie leicht sie mit meinen für mich doch irgendwie abscheulichen Gedanken umgeht. Ich muss lachen. „Das wäre doch ein super Titel für einen nächsten Text – wie ich meine Therapeutin erschießen wollte.“

Eine Reiki-Austauschgruppe muss ich ausfallen lassen. Obwohl ich so unbedingt da hin wollte, löste die Vorstellung, mich in diesen Räumen (liegen in einem Kellergeschoss) zu befinden unglaubliche Panik in inneren Bereichen aus. Ich habe es erst gar nicht verstanden, mir unterschiedliche Lösungen angeboten. Mir meine neue Ausrichtung „ich bin zu jeder Zeit in Sicherheit“ gesagt. Mir versichert, dass ich jederzeit gehen könnte. Sogar dort angerufen (war leider keiner zu erreichen), um zu fragen, ob man auch mittendrin gehen könne. Es half alles nichts. Mein Gefühl blieb im Ausnahmezustand und war überzeugt, dass es dort nicht sicher sei, dass wenn ich erst mal dort wäre, nie wieder raus kommen würde. Ich gefangen wäre. Eingesperrt. „Wie damals, als man sie einsperren wollte?“ Alles daran schreit nach dem Kellererlebnis, doch ich komme nicht in die tatsächlich erlebte Angst. Ich fühle mich da auf dem Stuhl vor ihr unglaublich schutzlos und ängstlich und will es irgendwie raus lassen, zeigen. Es wird mir eine Decke angeboten, die ich mir nehmen könnte. Ich bin völlig steif, unbeweglich. Eine unglaublich schwer auszuhaltende Zwickmühle. Wenn ich mir die Decke nehme, müsste ich den Raum und sie einen Moment unbeobachtet lassen. Und wenn ich dann die Decke hätte und schützend um mich legen würde, wäre ich mit meiner Schutzlosigkeit auf einmal sichtbar und angreifbar. Es ist unmöglich. Ich kann mich nicht verhalten. Ich kann mich ihr nicht zeigen. Sie nicht anders sehen als eine Gefahrenquelle. „Die Angst darf nicht gezeigt werden, auch wenn der Preis dafür ist, sich schutzlos zu fühlen.“ Ja, so ist es. Es geht auf meine Kosten. Der Mechanismus mich vor anderen mit „schwachen“ Gefühlen unsichtbar zu machen, erhöht in mir das Leiden. Lässt jemanden in mir damit alleine. *Seufz*