Möglichkeiten und Begrenzungen

Diese Worte schrieb ich vor 4 Tagen.


Es fällt mir schwer die Möglichkeiten meines Lebens, als Möglichkeiten wahrzunehmen. Es wird in mir kommentiert mit: zu wenig, nicht genug, unbedeutend, nichts besonderes.

Es fällt mir schwer die Begrenzungen meines Lebens anzunehmen und wertzuschätzen. Es fällt mir schwer sie als ’normal‘ (in sich sinnvoll) und gegeben, als natürlich und wertvoll zu erleben. Sie schützen mich vor Erfahrungen die zu groß für mich wären (vermute ich).

Diese Grenzen erlebe ich derzeit wie der Feind, der mir alles zunichte macht, mir Dinge verwehrt, die ich haben will (denke zu brauchen). Diese Reibung zwischen meinen Vorstellungen und der fehlenden Möglichkeit sie umzusetzen macht mich wütend.

Es fällt mir schwer mich auf diesen Lebensmoment einzustellen und trotzdem geschieht es.

Ich erkenne den Widerstand gegen das was ist und das führt zur Öffnung und zum Einlassen auf das was ist, auch mit Grummeln und Grollen.

Wut gehört ganz natürlicherweise zu solchen (Anpassungs-)Prozessen dazu.


Vor 10 Tagen gab es einen Versuch, beim BEW-Träger ein Kreativangebot wahrzunehmen.

Das war meine letzte Notlösung, für diese schwere Zeit einen Ort zu finden, an dem ich mich ablenken kann und an Ressourcen anknüpfe, weil mir das zu Hause immer schwerer fiel.

Dieser Besuch, der in Begleitung stattfand, gestaltete sich so, dass ich ca. 20-25 Minuten vor der Tür nach einer inneren Lösung suchte, wie es mir möglich sein könnte, diesen Raum zu betreten. Bei der Vorstellung brach jedesmal Panik aus. Ich kam dann darauf, dass ich ein Ziel im Raum bräuchte, auf das ich mich fokussieren kann (Wasser in ein Glas eingießen und trinken), die Begleitung die Aufmerksamkeit der Menschen im Raum auf sich zieht und ich mir als Ausweg, dass sofortige Verlassen des Raumes vorstelle und draußen die jederzeit zur Verfügung stehende Sicherheit. Es lief so ab, ich betrat den Raum, goß mir Wasser ein, stellte mich etwas abseits, nippte am Wasser und nutze dabei die Gelegenheit den Raum mit den Menschen darin zu erfassen. Dann überschlug sich die Panik, ich ging schnell raus und setzte mich auf den Boden, schlug die Arme um mich, um der Panikwelle zu begegnen. Ich fing an zu weinen und war dann sehr verstört.

Das es sich so schwierig gestaltete, das konnte ich mir vorher nicht vorstellen. Ich sah nur meine alles ersehnte Lösung. Endlich ein Ort wo ich hingehen kann und mich auf meine Sachen konzentriere.

Der letzte Ausweg, die letzte schnelle Lösung erledigte sich damit. In meinem Grad der Erschöpfung und Fragilität, war es nicht der richtige Zeitpunkt für weitere Besuche und ein Angsttraining.


Gestern dann entfaltete sich in mir ein ganzes Verstehen, warum das so ein Schlag ins Gesicht war und die schon vorher vorhandene Lebensmüdigkeit sich vertiefte.

Es war das letzte Stück Weg das ich gehen konnte, bei meiner ursprünglichen Idee und Suche nach einer Holzwerkstatt.

2,5 Jahren habe ich dieses Ziel vor Augen gehabt, Energie  hinein gesteckt und mich durch diese Idee motivieren und inspirieren lassen. Es war eine Idee von meiner mittelfristigen Zukunft.

Diese Idee war, durch all die Hindernisse die mir begegneten, auf dieses Kreativangebot zusammen geschrumpft. Ich hatte immer etwas dagegen, trägerinterne Angebote wahrzunehmen, weil ich die Idee davon habe, dass das die niedrigste (letzte) Stufe ist und sich das entsprechende Klientel dort aufhält, von dem ich mich nicht in meinem Lebensmut runterziehen lassen wollte.

Nun blieb nur noch das. Nichts mehr mit Holzwerkstatt. Und diese Erkenntnis stürzte gestern auf mich ein. Es gibt diesen Ort nicht. Jede Suche führte nicht zum Erfolg. Einmal zog der Träger plötzlich um und hatte am neuen Standort zu wenig Plätze. Ein anderer Träger war mir zu niedrigschwellig, ich hätte nichts gelernt. Der nächste Träger wollte sich nicht mit meinen Ängsten auseinandersetzen, war also zu hochschwellig angelegt. Der nächste Träger war dann wegemäßig und kraftmäßig nicht mehr erreichbar für mich. Und die Idee einer Nachbarschaftswerkstatt ließ sich auch nicht realisieren. Die letzten Bemühungen dazu waren vor ein paar Wochen zwei Mails an die Volkshochschule vor Ort und eine Industriewerkstatt. Zu hohe Kosten.

Ich habe alles getan. Es nimmt jetzt sein Ende. Ich lasse diese Idee los. Entweder kommt die Werkstatt zu mir oder es gibt keine Werkstatt.

Was habe ich gewütet, geweint, war verzweifelt, resigniert und todtraurig. Loslassschmerzen. (Das ist nur ein Thema. Es gibt noch zwei andere die das auslösten)

Als ich das gestern denken konnte ‚es ist zu ende‘, tat sich gleichzeitig eine Tür ins Jetzt auf und ich spürte seichte Wellen von Freiheit. (leider nur gestern 😉 )


Jetzt gibt es also nur noch mich und der Tag und mein jeweiliges entscheiden, wie ich ihn gestalte. Keine Zukunftspläne mehr. Kein auf etwas hinarbeiten. Und mein Üben mich darauf einzulassen und zu vertrauen.

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Lebensmüde Gedanken – ein Hinweis auf Erschöpfung/Überforderung

Schriftverkehr zwischen der Bezugsbetreuerin und mir:


„Hallo Frau W.,

ich hänge im Moment richtig durch.

Hab Gedankengänge wie in der Art: wenn es für einen höheren Zweck zu sterben gäbe, wäre ich bereit dafür. Da in meinem Leben eh nichts mehr kommt, wäre es leicht zu gehen. Oder auch male ich mir aus, dass ich mich nicht mehr versorgen kann, den Hunger nur noch bewegungslos beobachte, aber nicht mehr stillen kann. Ich mir keine Hilfe mehr hole, weil auch das keinen Sinn mehr macht. Mich der Leere in meinem Leben fügen.

Frühstück steht gerade trotzdem auf dem Tisch. Zur Zeit sind es nur Gedanken. Ich fühle mich sehr traurig, kraftlos und ziellos.“

„Hallo Frau B.,

danke erst einmal für die offenen Worte. Es ist nicht leicht auch die dunklen Gedanken so offen darzustellen.

Als ich ihre Mail gelesen habe, kam bei mir der Gedanke auf, dass ihr Wunsch nach „Aufgabe“ / Bewegungslosigkeit vielleicht etwas mit einer tiefen Erschöpfung gemeinsam hat. Sie haben eine sehr anstrengende Zeit hinter sich und wie sie auch schon telefonisch geäußert haben,  ihre Erholungsmomente/ Erholungsmonate die sie bräuchten um Kräfte zu sammeln, werden ständig durch neue kleine und große Krisen gestört. Vielleicht signalisiert ihr Körper/ ihr Geist  Ihnen mit dieser Kraftlosigkeit und Lebensmüdigkeit, dass er Ruhe braucht um wieder agieren zu können. Vielleicht auch ihr Wunsch nach Ruhe, einfach mal loszulassen, nicht zu kämpfen und Entscheidungen treffen zu müssen, der sich durch diese Gedanken nach einem Lebensende äußert? Soviel zu meinen Gedanken.“

„Ja. Ihre Gedanken könnten gut passen.

Da auch die Ergo gestern sehr intensiv war. Sich viele gestaute Gefühle gelöst haben und ich mich beim Schreiben einer Nachricht an meine Mutter unterstützen lassen habe. Was wiederum im Inneren neue Not ausgelöst hat, Grenzen zu setzen und den Verlust zu befürchten.

Dafür findet das Treffen am Samstag wirklich nur mit ihr statt (ohne den Vater) und auf 35 Minuten begrenzt. Sie war damit einverstanden.

Das ist eine gute Erfahrung, mich mit Grenzen gezeigt zu haben und trotzdem eine wahnsinnige innere Belastung.

Ich melde mich heute nicht mehr. Ich fühle mich sprachlos. Hoffe dass der Tag nicht vollständig zu einer großen Last wird. Im Moment ist es aushaltbar.“


Es ist immer wieder komisch, wenn ich Sachen, die ich selbst gesagt habe, nicht in die unmittelbare Erfahrung holen kann, sondern sie mir von anderen nochmal sagen lassen muss, um mich zu erinnern, dass das ja so war.

Und ich bin saumäßig dankbar, dass es zur Zeit Andere gibt, die mir meine eigenen Gedanken erneut zur Verfügung stellen und ich das zulassen kann, mich daran zu orientieren, auch wenn es in diesem Moment nicht mehr aus mir selbst kommt, sondern von Außen.

Mich in Beziehungen anpassen, auf Kosten meiner Selbst

Ein riesen Thema bei mir!

Gerade mal einen Zipfel davon erwischt.


Wenn ich mich nicht mehr in der Lage fühle, etwas zu geben, nichts mehr zu geben habe, mich aber so verloren fühle, dass ich mich nach Halt sehne, dass jemand da ist. Einfach nur jemand da sein. Ich aber gar nicht mehr die Kraft habe, irgendetwas zu präsentieren, zu bieten, irgendwie zu sei.

Das ist schwierig zusammen. Dieses Loslassen. Einfach zu sein wie ich bin, auch wenn ich dann nicht für den anderen da sein kann, nicht mehr reden kann, nicht auf ihn reagieren kann.

Das habe ich noch nie zulassen können. Ich bin dann weiter über meine ich-kann-nicht-mehr-Grenzen gelatscht, habe funktioniert, geredet, zugehört, reagiert.

Ich müsste dann so in der Art etwas sagen, wie: Kannst du einfach nur da sein, dich mit dir selbst beschäftigen. Nicht so Erwartungen an ein Gespräch haben?

Da steckt sooo viel Angst vor Verlust und Verlassensein drin!

Wenn ich meine innere Vorstellung von, wie ich zu sein habe, mit jemandem zusammen, nicht mehr erfüllen kann. Wenn ich nicht mehr bieten kann, was ich meine zu denken, was der andere von mir erwartet. Das ich dann nicht mehr gewollt werde.

Puuuuuh… da steckt ein riesen Schmerz in meinem Herzen. Tränen laufen. Diese Zurückweisung. Diese Ablehnung, die ich da spüre… huuuuu….

Diese Grenze habe ich in den letzten Wochen überall überschritten. In der Therapie, im BEW, mit einer Freundin, in meinem Alltag mit mir.

Diese ich-kann-das-nicht-mehr-/ mir-ist-das-zu-viel-Grenze.

Es ist schwer sie zu spüren und auch zu berücksichtigen.

Verarbeitung der Körpertherapie in einer Mail

„Hey A.,

vorweg hoffe ich, du hattest ein paar entspannte Osterfeiertage.

Mich hat es noch ausgeknockt, nach unserem Termin. Deshalb schreibe ich. Mehr für mein eigenes Verständnis, um die Erlebnisse zu sortieren, in Zusammenhang zu bringen. Und auch, um es mit dir zu teilen.

Ich denke, wir haben letztes Mal irgendwo eine sehr tiefe Wunde meiner Seele berührt. Eine Wunde, die so früh gesetzt wurde, dass sie einen Teil meiner Identität ausmacht, in meine Persönlichkeit eingeflochten ist. Das habe ich heute so gespürt und diese Worte gefunden und es macht mich gerade traurig. Ich weine.

Ich weiß nicht genau worum es geht. Deutlich fühlte ich als Verursacher meinen Vater und ich bin mir relativ sicher, dass es auf der körperlichen Ebene passierte. Nicht sexuell. Ich kenne Erzählungen von erzwungenen Essen, bei einem anderen Kind, in dem es stark gedrückt wurde und vor Schreck den Mund aufmachte. Sowas in der Art. Vermutlich eben so früh, dass keine gesunden Körpergrenzen entstehen konnten und alles gleich Gefahr ist. Und keine konkreten Erinnerungen da sind.

Heute Morgen konnte ich diesen ‚Makel‘ zum ersten Mal so deutlich wahrnehmen, als einen sehr festen Bestandteil von mir. Ich muss schon wieder weinen. Es ist so unfair, dass mein System so stark beschädigt wurde, dass ich mich von Natur aus in meinem Körper nicht sicher fühle. Das war mir so noch nicht klar. Das es ganz früh passiert sein muss, um so zu werden. Ich dachte immer an spätere Ereignisse, wo ich eine Erinnerung habe. Aber das passte alles nicht. Es bleibt natürlich Spekulation.

Diese Verletzung habe ich heute Morgen als Empfindung auf der linken Seite am Hinterkopf ‚gesehen‘. Es war wie eine breite Furche, weißes Gewebe und ein deutliches Gefühl von ‚etwas ist in meiner Person/Seele/Identität kaputt gegangen‘.

Ich habe schon mal vorsichtig versucht, mich mit diesem ‚Makel‘ auch wunderschön zu finden. Ich kann es noch nicht glauben. Ich fühle mich eher wie ein Krüppel, entstellt und mich einer Erfahrung von natürlichem Sicherheitsgefühl beraubt. Es kommt mir heute auch aussichtslos vor, dass das jemals anders sein könnte. Das ist heute. Das wird sich sicherlich weiterentwickeln.

Okay… und wenn ich das jetzt mal so als Ausgangspunkt annehme, wird mir verständlicher, warum Berührung so speziell ist. Weil jede Berührung das Thema beinhaltet, mich mit ihr nicht sicher zu fühlen, einen Gewaltakt zu erwarten. So hat sich das auch angefühlt, ohne Grenze, wie ein Griff direkt, ungeschützt in mein Inneres. Und ich deshalb alles so langsam brauche, um

* die Reaktionen die folgt als Angst zu erkennen,

* mit dieser Angst zurechtzukommen, auszuhalten, wahrzunehmen, einzuordnen

* Zeit zu haben, die Berührung wahrzunehmen und die Situation in der ich bin und

* Zeit zu haben, die wahrgenommenen Berührung als ungefährlich bewerten zu können – die Motivation des Gegenübers zu prüfen (ihm zu vertrauen)

Das ist richtig, richtig viel, was da an Bewusstsein nötig ist.

Daraus ergibt sich als sinnvolles Vorgehen, wenn ich eine Berührung haben mag oder ihr zustimme, nur einen Berührungspunkt herzustellen, an einer ‚ungefährlichen Stelle‘ (die Herzgegend war schon zu viel Zusatzinput), um mich nicht zu überfordern und dann Zeit zu haben, damit zurecht zu kommen.

Wow! Ich bin gerade von der Produktivität dieser Mail beeindruckt. 🙂 Gedacht hatte ich es anders. Nun ist es das geworden. Ich fühle mich auch besser. 🙂

Dann bis zum nächsten Mal.

Mach‘s gut.

Sophie“

Etwas gehen lassen, um etwas zu bekommen

Oh Herr, ich gebe dir die Zügel in die Hand, auch wenn es schmerzt loszulassen.

Zeige mir den rechten Weg, mit dem es mir gut gehen kann, auch wenn es erstmal bedeutet, etwas scheinbar zu verlieren.

Am Ende gewinne ich doch.

Was bringt mir ein Ungleichgewicht, unter dem ich leide.

Ich bin bereit meinen Willen loszulassen und alles zu tun, damit es mir gut gehen kann. Ich erlaube den Schmerz und die Tränen, die dieses Loslassen mit sich bringen.

Ich kann nicht alles machen, auch wenn Jedes für sich gut ist.

Das ist die Erkenntnis nach Cranio-Sitzung gestern.

Mir fehlt dann die Kraft, um noch Gutes zu tun und zu fühlen und damit wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

So wie schon letztes Jahr, gleichzeitig Therapie und Training in der Holzwerkstatt in einer Woche zu viel war, so ist auch jetzt Ergo-Körperarbeit und Therapiesuche in einer Woche zu viel.

Ich bekomme dann nicht mehr alles unter einen Hut – aufkommende Gefühle, deren Ausdruck, Verarbeitung und Versorgung, Ausruhen, positive Dinge tun, Sport und Pflichten des Alltags, wie Haushalt, Einkauf und Essen.

Hinderlich war die Aussage „sie schaffen das schon“, als ich Bedenken bezüglich der Therapiesuche äußerte. Gehört habe ich „ich muss das schaffen“.

Genau so habe ich mich verhalten. Ich muss das schaffen. Es darf mir jetzt nicht schlecht gehen. Antreiben.

Ergebnis

Ein herausfordernder Termin pro Woche ist gut machbar.

Alles weitere bringt mich an Leistungsgrenzen und verstärkt depressive und destruktive Zustände.

D.h. für nächste Woche, dass ich für den ersten Termin – Ausflug zu einem Pferdehof – um Unterstützung bitten darf („darf ich mich etwas hinter Ihnen verstecken und Sie übernehmen die Führung?“ – oh fällt mir das schwer, dass zu zeigen),

damit ich dann für den zweiten Termin – therapeutisches Abklärungsgespräch über die Sprechstunde der KV – noch genügend Kraft habe.

Es fühlt sich gut an, wieder Orientierung in dem zu haben was ich brauche!

Cranio-Sacral-Sitzung

Was für eine Cranio-Sacral-Sitzung heute.

Wir haben uns das Ankommens-Gespräch gleich gespart, weil ich sofort anfangen musste zu weinen, mit den ständigen Worten in meinem Kopf „es ist zu viel“, „ich will sterben“.

Ich war vor 3 Monaten das letzte Mal bei ihr.

Noch neben der Liege sitzend, legte ich meinen Kopf auf die Liege, die Arme darum, um die Tränen zu verbergen.

U. setze sich dazu und legte behutsam ihre Hand auf meinen Rücken.

Aber erst als ich dann auf der Liege lag, konnte ich mich ganz abgeben und reden und fühlen, was da an großer Last in mir war. So hab ich ne dreiviertel Stunde geheult und gerotzt und gezetert, war verzweifelt, überfordert, traurig, wütend und voller Angst. Hab nen Kissen durch den Raum geworfen, mich gehasst und mich geliebt.

Und wenn U. mal ihre Hände von meinem Rücken nahm, kam ganz schnell „kannst du da bleiben?“.

So raus lassen geht nur bei U. und geht nur, wenn ich berührt werde.

Die ganzen Termine der letzten Wochen, durch Therapiesuche, neue BEW-Frau, neue Ergo-Körperarbeit, die immer wieder Altes triggerten, von „mich will keiner“, „mich sieht keiner“, „ich bin nicht wichtig“, „ich bin falsch“. Unausgedrückt, in mir gestapelt, so dass die depressiven Zustände sich vermehrten. Ich schaffe den Haushalt nicht mehr und fühle mich zunehmend unwohl in meiner Wohnung.

Durch die Medis aber so viel Abstand, dass es möglich war weiter zu funktionieren.

Ich bin deswegen so verdammt ambivalent, was die Medis betrifft. Und mir macht es auch sehr zu schaffen, dass mir anscheinend von den Medis die Haare ausfallen. Gruselig.

Es war mir nicht möglich, meine Gefühlswelt selbst so zu greifen, dass ich sie hätte vermitteln können und schon im Alltag Entlastung zu finden.

Zum Ende der Cranio-Stunde erlebe ich aber auch, dass Kraft in mir ist, mich all dem weiter zu stellen und vorwärts zu schreiten.

Ich bin auf dem richtigen Weg.

Vielleicht muss nur an der einen oder anderen Stelle der Zeitumfang etwas reduziert werden, um Überforderung zu vermeiden.

Mir ist dort auch mal wieder bewusst geworden, wie schwer es für mich ist Überforderung zu fühlen, wenn sie passiert. Überhaupt so etwas wie ein Stopp zu fühlen. Dazu erinnerte sich U. an eine frühere Sitzung, bei der wir in eine Stelle im Körper tiefer spürten. Sie meinte, die meisten Menschen reagieren irgendwann mit einem Stopp. Bei mir kam kein Stopp. Es gab keine Grenze. Sie konnte bis tief wahrnehmen und ganz auf dem Grund, war so viel Sehnsucht nach Kontakt, aber auch eine panische Angst.

Das beschreibt gut, wie ich mich fühle, wenn Nähe entsteht. Da ist keine Grenze, kein Stopp. Es geht sofort bis auf dem Grund und dort ist sofort panische Angst.

Unklarheiten und Verstrickungen

Ich fühle mich gerade traurig.

Ich habe mich heute auch schon im Widerstand gegen mich selbst und meinem Körper gefühlt und dahinter zeigte sich eine Belastung durch Widersprüchlichkeiten in mir selbst.

Das ganze wohl entstanden, durch unterschiedliche Konfrontationen mit dem Thema Zugehörigkeit/Andersartigkeit und das damit eng verknüpfte Muster, mich abzuwerten.

Ich muss sagen, dass es da ganz unterschiedliche Empfindungs- und Denkwelten in mir gibt und ich lustiger weise dabei an Biodiversität denke. Die hat zugenommen.

Ich weiß nicht so richtig, wie ich darüber schreiben soll. Es ist schwer zu greifen. Es besteht mehr aus Fragen und Unsicherheiten, die ich versuche okay zu finden.

Um den Blog herum hat sich etwas verändert. Das ist ein Thema. Ich kann es schwer greifen und ich weiß nicht, ob ich das will und ich weiß aber auch nicht, was ich will und ich weiß auch nicht, ob ich was wollen müssen soll oder ob es einfach mal auch so geschehen kann/darf.

Ich spüre mehr Verhaltensmuster von mir, wenn ich mir das anschaue. Ich schreibe weniger, bis gar nicht mehr mit dem Gefühl, ich schreibe für mich, auf mich konzentriert.

So hatte das angefangen. Ich sagte zu Beginn mal jemandem, dass ich das Blog-Schreiben so empfinde, wie nackig auf einer Bühne zu stehen, mit Händen vor den Augen und so zu tun, als wäre niemand da. Das hat lange gut funktioniert. Hat mich frei gemacht im Schreiben und von eigenen Bewertungen dessen was ich Schreiben. Voll clever, was? 😉

Die Zeiten sind vorbei. Ich kann das nicht mehr ausblenden, gelesen zu werden, weil es stetige Reaktionen gibt. Ich weiß nicht, wie es ohne wäre.

Ja und plötzlich wird das wichtig, dass Reaktionen kommen und ich bin ständig verunsichert darüber, was ich schreibe und wie das gefunden wird und das gefällt mir eigentlich nicht. Ich habe das Gefühl, obwohl man sich nicht wirklich kennt, bin ich in mir bekannte Verstrickungs-Muster, von anderen abhängig zu sein, geraten. Ich brauche plötzlich was, was ich vorher nicht gebraucht habe. Versicherung. Und fühle den verstärkten Drang Kontakt, Verbindung, Reaktion von Anderen sicherzustellen.

Oh, ich glaube, ich sehe da was. Ich scheine meine Verunsicherung, meine Selbstunsicherheit (die ich nicht merke, wenn ich für mich bin) nach außen abgegeben zu haben, also zu versuchen, dass Andere mir meine Unsicherheiten nehmen, in dem sie mir sagen, dass alles okay ist/das ich okay bin. Da das so aber nicht funktioniert, verschwinden meine Unsicherheiten nicht, sondern brauchen immer wieder die Bestätigung, dass ich okay bin. Endlosschleife.

Da bin ich glaube ich gerade drin.

Und ich fühle mich so, als müsse ich nun jedes Schreiben darauf kontrollieren, nichts zu senden, was mir eine Zurückweisung einfährt, weil das meine Unsicherheit, bis Selbsthass ja bestätigt und verstärkt.

Ach herrje, dass sich das auch in der Online-Welt abspielen kann, hätte ich nicht gedacht.

Ich habe nun schon Gedanken gehabt, zu versuchen, den alten Zustand wieder herzustellen, indem ich mich von den Reaktionen trenne. Also Kommentarfunktion aus und ein Weilchen aus dem Kontakt gehen.

Irgendwie kommt mir das aber unnatürlich vor und wiederspricht auch meinem Bedürfnis von Vernetzung/Unterstützung/Verbindung. Und ich glaube auch, dass ich immer mit diesen Muster konfrontiert sein werde, also lieber versuchen möchte, mich auch konfrontieren zu lassen.

Hier im Alltag mich von realen Kontakten immer mal wieder zurück zu ziehen, um meines, meine Grenzen wieder spüren zu können, finde ich okay, wenn es anders nicht geht. Hier im Netz, das ist neu für mich. Muss ich mir erst einmal anschauen.

Meinen Selbstwert zu fühlen, unabhängig von anderen Menschen, ist für mich eine riesen  Herausforderung und ja auch so eine Borderline-Thematik, dass eben nicht so gut zu können, sich als eigenen, abgegrenzten Raum zu empfinden.

Vielleicht wird es immer schwierig sein. Vielleicht gelingt es über die Jahre besser. Wer weiß.

Es gab auch noch an anderen Stellen zwischenmenschliche Verwirrungen.

Ich habe den Text gerade nochmal gelesen und fühle nicht, dass was klarer geworden ist und dass viele Aspekte fehlen. Ich finde das alles gerade zwischenmenschlich sehr durcheinander und bin mir meiner nicht mehr sicher.

Und da fliegen noch diese Themen Zugehörigkeit und Anders-sein herum. Wie fühlt sich Zugehörigkeit eigentlich an? Was ist das genau? Wie verhält sich das Selbst-Gefühl in einem Zugehörigkeitsraum? Muss man etwas Gemeinsames haben, um sich zugehörig zu fühlen? Kann man sich nur in Gemeinsamkeiten, bei einer Sache, bei einem Thema zugehörig fühlen? Kann man sich auch zu Menschen zugehörig fühlen?

Ja und das anders-sein. Bin ich anders? Wo bin ich anders? Ist das noch anders, wenn nicht doch auch andere Menschen das Gleiche teilen? Wo gibt es eine Grenze, zwischen mir und anderen? Was unterscheidet mich, was ist meines? Da schwirrt irgendwie auch wieder das Thema Abwertung herum. Anders-sein = schlecht sein.

Vielleicht bin ich gar nicht anders. Vielleicht bin ich ganz normal. Ach, ich kann mich wieder mal so schlecht greifen.

Ich lasse das einfach mal so stehen.