Rückkehr zum Neuen

Ich habe mich gestern für Lehrer geöffnet. Ich habe gespürt, dass ich Hilfe bei der Rückkehr zu meiner Neuausrichtung brauche.

Heute Morgen hatte ich das übermächtige Bedürfnis nach eine Fernreikibehandlung. Ich habe es ernst genommen und sofort per Handy, vom Bett aus, angefragt, mit der inneren Beschwichtigung, dass finanziell dafür gesorgt werden wird, wenn ich den Wunsch so stark spüre.

Überraschender Weise war die Behandlung sofort möglich, so dass ich sie, noch im Bett liegend empfangen konnte. Es griff wunderbar ineinander.

Es löste sich ein großes Weinen. Ich fühlte meine eigene starke Belastung, meinen Wunsch es wieder leichter haben zu wollen. Ich erkannte meine eigenen großen Erwartungen und Forderungen an mich. Ich will so viel von mir und es zeichnet sich ab, dass mein Wollen vielleicht nicht zu erreichen ist. Autsch!

Dann entstand noch ein Schreibaustausch, der mir wieder Kraft gegeben hat und mich zurückgeführt hat, in meine verlorene Haltung, dass mit mir, egal was ist, wie es ist, was passiert, wie ich mich verhalte, wie ich fühle, richtig bin.

Ich bin richtig in dieser Welt, so wie ich bin! Und ich mache es richtig, so wie ich es mache!

Den Austausch möchte ich euch zur Verfügung stellen, weil ich glaube, dass diese Worte universell sind.

„Ich will so viel von mir und es kommt mir immer so wenig vor.

Du kannst nur tun was möglich ist und zu sehen, dass manches nicht geht, das kann sehr schmerzhaft sein. In solchen Situationen liebevoll für sich selbst zu sein, die Trauer und den Schmerz zu fühlen.

Jaaaa, das schmerzt. Stimmt.

Das ist immer wieder eine Herausforderung. Sei so gut wie möglich liebevoll für dich selbst da.
Ja wenn die Dinge nicht so laufen wie wir wollen, dann schmerzt es. Wir reagieren mit Wut oder Trauer oder Ohnmacht. Und all diese Gefühle dürfen da sein, sie gehören zum Leben dazu. Manchmal können wir das durchfühlen und dann kommen wir an den Punkt an dem wir aufgeben oder auch ja sagen können. Und dann können wir das was ist annehmen und dann kommt etwas ins fließen und wir bekommen neue Kraft und wir können wieder neu ja zum Leben sagen.
Das ist eine große Arbeit die du da immer wieder machst. Alle Achtung dafür!

Und das ist echt bei jedem so, also jeder fühlt so und es ist ganz normal?

Es gibt sicherlich Menschen, die das sehr intensiv erleben und die sind da ganz speziell gefordert und können dadurch sehr viel Selbstliebe lernen.
Die Erfahrung, dass nicht immer alles so läuft wie wir wollen und die Reaktion von, sich anstrengen und aufgeben, wütend sein, Ohnmacht zu spüren, die ist, glaube ich normal.
Viele Menschen drücken das auch weg, weil sie es nicht fühlen wollen oder weil sie es nicht gelernt haben zu fühlen. Aber gut geht es ihnen damit oft auch nicht.

Wow! Ich reagiere also ganz normal und bin nicht komisch, wenn ich so fühle.
Das bedeutet mir viel, was du gerade schreibst.

Dein Leben führt dich und du kannst dich ihm nur hingeben und es so leben, wie es für dich geht.
Jeder Mensch ist ganz einzigartig und du darfst so sein, wie du bist.
Und du darfst dich so lieben wie du bist.
Wir dürfen Alle Gefühle leben und annehmen, die Angenehmen und die Unangenehmen, alles gehört dazu.
Und Du darfst einfach sein, wie du bist.
Einzigartig und liebenswert.
Manchmal glücklich und manchmal tot unglücklich, wütend, ohnmächtig, vertagt und mutig und kraftvoll, traurig und kraftlos. Lebendig.
🙂
Du darfst es fühlen und du darfst für dich da sein. Liebevoll.“

Bewusstsein

Es ist schwierig, sich hauptsächlich in einem Umfeld zu bewegen, das sich aus alten Mustern speist.
Es zieht mich immer wieder in diese Muster hinein.
Es wäre hilfreich, mehr im Kontakt mit Menschen zu sein, die ein tieferes Verständnis für diese unterschiedlichen Ebenen des Seins haben und deren Ziel es ebenso ist, sich aus dem Alten herauszubewegen.

Ich öffne mich ab heute für diese Art der Hilfe. Ich bin bereit neue Lehrer zu empfangen.

Ein  Termin und ein Gespräch gestern haben mich dermaßen aus der Fassung gebracht. Mir ging es richtig, richtig schlecht. Ich war hochgradig angespannt und konnte das nicht verändern. Meine Gedanken rasten immer wieder um die gleichen Dinge. Ich hatte so richtig, richtig Lust irgendwas zu nehmen, damit das aufhört.

Das eine war für mich eine Machtdemonstration, die ich auch noch ansprechen werde.

Das andere war ein Zweifeln an meinem Vorgehen und die fehlende Möglichkeit, das für denjenigen nachvollziehbar zu machen.

Beides war ein fehlendes Vertrauen in meine Gefühle, meine Gedanken, meine Erkenntnisse, meine Vorhaben.

Hinter beidem steckte die Absicht, mich unterstützen zu wollen. Gut gemeint, aber nicht hilfreich. Nicht unterstützend!

„Sehr geehrte Frau …,eine Situation aus unserem Termin gestern hat mich sehr aufgewühlt.

Es geht um den Moment, wo wir einen Nachbesprechungstermin suchten und sie den 21.06. nannten.
Mein Gefühl sagte mir, dass es zu früh sei, um etwas über das Ankommen und Fühlen in der Arbeitstherapie sagen zu können. Sie bestanden trotzdem auf diesen Termin, mit dem Satz – das sei ihnen egal –. Für mich fühlt sich das nach einer Machtdemonstration an, der ich mich unterzuordnen habe, gegen mein Gefühl. Und ich habe ihre Beweggründe dafür nicht verstanden, falls es welche über den Ansatz hinaus – wir mache das jetzt einfach so – gibt.
Das macht es für mich sehr schwer, eine Bereitschaft zur Zusammenarbeit weiter aufrecht zu halten, wenn ihr Verhalten für mich nicht nachvollziehbar ist und damit willkürlich wird. Ich bin nicht bereit mich willkürlichem Verhalten auszusetzen.
Mit freundlichen Grüßen
…“

Ich bin nicht immer für dich da

Das ist der Teil, den ich dir mitgeben möchte. Meinen eigenen Anteil an dem Schmerz zwischen uns, habe ich zu mir genommen. Es ist jedoch nicht alles meines. Etwas gehört auch zu dir.

Damit deine Worte, deine Taten und deine Gefühle übereinstimmen, müsste es heißen: „Ich wäre gerne immer für dich da, aber ich kann es nicht immer sein.“

Dann ist es für mich stimmig. So nehme ich dich wahr, unser Miteinander in meiner Krisenzeit. So entsteht für mich kein Widerspruch mehr, zwischen deinen Worten und deinen Taten.

Mit dieser Wahrheit, die ich sehr realistisch finde, kann ich besser leben, als mit einem stetig gefühltem Widerspruch, einem Versprechen, welches nicht gehalten wird.

Weil, so ist es nun mal. Es ist unmöglich für dich, für alle deine Freunde immer da zu sein, physisch da, auch wenn es das ist, was du fühlst und gerne geben möchtest. Es wird immer vorkommen, dass du abwägen musst, zwischen dem Einen und dem Anderen oder auch zwischen dir und dem Anderen. Es gibt deine Belastungsgrenzen, es gibt Dinge die dir in deinem Leben wichtiger sind, es gibt Prioritäten zu setzen. So wie du dich für den Menschen entschieden hast, bei dem du gerade warst, als ich dich nach Begleitung in die Notaufnahme fragte.

So ist das nun mal.

Es ist vielleicht nicht leicht sich das einzugestehen, weil man es so gerne anders hätte. Das kenne ich aus eigener Erfahrung und an dieser Stelle lerne ich ebenso von dir.

Es ist jedoch viel ehrlicher, dir selbst gegenüber und deinen Freunden gegenüber.

Für mich ist damit mein Herz bereinigt und die Sache überstanden.

Haushalt

Ich habe doch tatsächlich gerade meine Mutter angerufen und sie um Hilfe in meiner Haushaltsführung gebeten.

Dieser Gedanke war vor einer Woche noch ein absolutes No-Go. Viel zu viel Mutter, viel zu viel Abhängigkeit von ihr, viel zu viel Nähe und Verwicklung von Zuständigkeiten und Privaträumen und sowieso und überhaupt sollte meine Familie aus solchen Dingen herausgehalten werden.

Das die Idee überhaupt im Raum steht, liegt daran, dass sie es mir vor einigen Monaten angeboten hat. Sie fühlt sich ganz langsam und zaghaft in meine Lebensumstände ein und hat dadurch auch mehr von meinen Kraftlostagen mitbekommen.

Da flirrt auch dieses Thema von Macht und Hilflosigkeit. Wer ist groß und wer ist klein? Wer ist in welcher Rolle? Wer darf sich um wen kümmern und erlangt damit auch einen Teil von Kontrolle über denjenigen?

Heute meine Mutter um Hilfe zu bitten, hat sich nicht schlimm angefühlt. Ich habe mich weder klein und hilflos gefühlt und habe mich nicht geschämt, um Hilfe zu bitten. Nur ein klein wenig Schuld flackert herum. In ihrer Schuld zu stehen, wenn sie das tut.

Ich vermute, dass meine Entspanntheit an der Ausgangssituation liegt. Ich bin mit meinem Haushalt gerade nicht panisch, fühle mich nicht überfordert, sondern habe ganz schlicht und einfach festgestellt, dass es nett wäre, etwas Unterstützung zu bekommen, weil die Kraftlosigkeit sich zieht und die Aufgaben sich häufen. Aber es könnte alles auch einfach noch länger herum stehen, ohne das etwas Schlimmes passieren würde, außer dass es mich nervt.

In vorangegangenen Phasen solcher Art, habe ich mit dem Liegenbleiben des Haushalts immer einen heftigen Kontrollverlust erlebt und bin sehr schnell in starke innere Bedrängnis gekommen, da jetzt und sofort Hilfe zu brauchen, weil sonst die Welt untergeht.

Aus diesen Gefühlen heraus, würde ich niemals meine Mutter um Hilfe bitten. Da gebe ich etwas an sie ab, was nicht mehr zu ihr gehört. Denn eigentlich ging es in diesen Zeiten dann immer eher um Beruhigung, fällt mir gerade auf. Das war dann das unsichtbare eigentliche Thema.

Ah ja, und nun muss ich gar nicht beruhigt werden, sondern es geht tatsächlich einfach nur um Entlastung ganz praktischer Art. Ansonsten kann ich erwachsen bleiben und komme damit auch nicht in einen Rollenkonflikt und halte dann auch meine Mutter beim herum werkeln aus. Schön! 🙂

Vielleicht können Sie bleiben

Ich bin ziemlich beeindruckt, was hier seit den Rauhnächten in mir passiert.

Ich hatte gleich zu Beginn der Rauhnächte, die Beziehung zu Frau Helferin in den Heilungsraum des Kurses gelegt.

Seit dem habe ich fast täglich das Gefühl, dass sich etwas in mir dazu verändert, mit völlig neuen Empfindungen und Gedanken die ich geradezu revolutionär finde.

Einige Notizen aus den Tagen:

29.12.2015
Ich hatte erst das Gefühl, ich muss mich jetzt trennen, ich muss Sie vergessen, loslassen, ich muss jetzt alleine sorgen.

Aber dass es vielleicht auch okay ist, dass Sie in mir trotzdem noch da sind, ich mich mit diesem Bild von Ihnen verbinden kann, ohne sie real zu sehen, die Idee ist mir heute erst gekommen. Dass das okay sein könnte, eben für die Teile in mir, die dieses (Vor-)Bild brauchen, weil sie nie eines hatten. Dass das dann nicht gleichzusetzen ist mit Abhängigkeit und schlecht ist. Das die jüngeren Anteile in mir Sie gar nicht loslassen brauchen, sondern sie behalten dürfen. Dass das beides nebeneinander geht. Sie sind im Innen da für Anteile und ich bin ebenso da für mich.

Das ist eine schöne Idee.

Neu wäre daran, dass ich diese Verbindung zulassen kann.

02.01.2016
Jetzt in den Rauhnächten tauchen Sie täglich in mir auf. Es fällt mir schwer, Sie nicht jedes Mal wegzuschieben und dieses Verbundenheitsgefühl zuzulassen, auszuhalten, obwohl es ja ein ersehntes, gewünschtes Gefühl ist. Ich muss mich immer wieder aufs Neue bewusst dazu entscheiden mich anzunähern.

Und es ist groß! Es ist wirklich groß! Es ist neu und es ist fremd. Es dehnt meinen Brustkorb aus und mein Herzfeld, in Bereiche wo ich mich ängstlich frage, halte ich dieses Gefühl aus, passt das alles in mich hinein und ist das überhaupt gut und richtig?

Heute kam etwas Neues hinzu. Und ich frage mich, darf ich eine gefühlte körperliche Verschmelzung mit Ihnen zulassen?

Das Gefühl war da. Ich konnte mich etwas dafür öffnen und es einatmen. Es war riesig und traf kurz auf inneren Schmerz. Da hat sich etwas berührt, wo vorher noch keine Berührung existierte.

Vielleicht ist das alles okay so, wenn ich mir überlege, dass im Säuglingsalter das Gefühl einer körperlichen Verschmelzung mit der Mutter etwas ganz natürliches ist. Eins sein. Vielleicht können kleinere Anteile hier etwas nachholen. Wer weiß.

Nein danke

Ich erlebe gerade, dass es für mich viel mehr Mut braucht zu etwas ‚Nein‘ zu sagen, als zu etwas ‚Ja‘ zu sagen.

Nein, ich entscheide mich gegen eine psychiatrische Krisenaufnahme.

Wie viel Mut mich das kostet, meinem Gefühl zu Vertrauen. Wie viel Mut mich das kostet, trotz aller Angstgedanken, warum eine Aufnahme vielleicht doch besser sein könnte, dazu ’nein‘ zu sagen. Wie viel Kraft das kostet, mich immer wieder aus der Infragestellung meiner Entscheidung heraus zu holen.

Ich fühle, dass ich das nicht brauche, dass ich mich selbst halten und schützen kann. Und ich erlebe es auch nach und nach.

Diese Gefühle zwanghaft immer wieder in Frage zu stellen, ist eine echte Selbst-Quälerei.

Doch ich glaube, es wird besser.

Das Wiedererleben von Traumagefühlen hing mit dem Yoga zusammen. Längere Geschichte. War die letzten drei Termine nicht da und man telefoniert mir tatsächlich nach. Ich hatte bisher keine Gelegenheit mich dort zu erklären, weil dann das Trauma dazwischen kam und ich deshalb beschlossen hatte, erklärungslos zu kündigen, weil alles andere überforderte.

Die Kontaktaufnahme forderte mich nun auf Stellung zu beziehen und nicht nur das, auch ’nein‘ zu sagen. Sie sprachen auf meinen AB, wussten von den letzten zwei Terminen schon, dass es mir nicht so besonders geht. Empfahlen viel Yoga zu Hause zu machen und auf jeden Fall das nächste Mal zu kommen. Genau das, was ich nicht mehr wollte. Ich wollte keine Grenzerfahrungen mehr sammeln. Davon gab es im Augenblick genug.

Allein dieser Anruf erzeugte diesen Druck, dieses ‚ich muss jetzt‘ und ich habe keine andere Wahl. Jemand fordert das. Mit dieser Verzweiflung schrieb ich dann also meine Gründe, warum ich kein Yoga mache.

Das brauchte auch so viel Mut, eine Grenze zu ziehen. Zu sagen, ’nein‘ ich mache das nicht, auch wenn du glaubst, es wäre das Beste für mich. Ein Hauch von Gefühl in mir zu finden, dass mein Gefühl dafür, was das Beste für mich ist, das wichtigere ist.

Mit diesem Gefühl ist es ein Eiertanz. Es ist da, es ist weg. Ich darf. Ich darf nicht. Der Andere ist eine Autorität und der ist zu folgen, der weiß es besser. Der Andere ist auch nur ein Mensch, mit seinen ganz eigenen Erfahrungen, die erst einmal für ihn selbst gelten.

Darauf kam eine E-Mail-Antwort zurück. Ein Dank für Ehrlichkeit. Ein Verstehen wollen worum es genau geht, um helfen zu können, mit einer direkten Termineinladung.

Boarrr, Übungsfeld, Übungsfeld. Jemand will mir helfen und ich sage ’nein‘ dazu. Schuldgefühle wollen nach vorne drängen. Ich wäre selbst schuld an meinen Symptomen, weil ich mir nicht helfen lasse. Als wäre ich alleine von dieser Hilfe abhängig. Als gäbe es dort die Rettung und danach ist alles gut. Das stimmt so aber nicht und ich will mir dieses Denken nicht anziehen.

Mein Gefühl sagt ’nein‘ zu dieser Hilfe, ohne zu wissen, wie die eigentlich aussehen könnte. Mein Gefühl sagt, ich bekomme die ganze Zeit Hilfe/Unterstützung und diese reicht aus. Es ist alles gut.

Dazu habe ich versucht mutig zu stehen und eine entsprechende Mail zurück geschrieben.

Meine Gedanken zweifeln das an. Sollte ich nicht doch? Ist doch nichts dabei? Kann man doch ausprobieren? Blahblahblah.

Ich hörte neulich eine Erfahrung, die mich aus dem Hintergrund stärkt.

Feuerlaufen. Die Menschen die mit Angst davor standen, wurden befeuert, bestärkt, motiviert sich zu trauen. Es gab welche, die taten es nicht. Und auch diese wurden zum Abschluss bejubelt und geehrt, weil sie sich trauten auf sich zu hören und ’nein‘ zu sagen, als sich zu etwas anzutreiben, zu dem sie (noch) nicht bereit waren und sich Verbrennungen zuzufügen.

Hier ist die Hölle los

Ich registriere, dass ich die meiste Zeit so dermaßen verstrickt und im Chaos bin und versuche händeringend nicht verstrickt und im Chaos zu sein, die Panikspirale nicht weiter zu füttern. Das ist so unglaublich anstrengend, weil ich so unglaublich viele Verstärkergedanken habe. Da können sonst gute Skills plötzlich zu Panikverstärkern werden, wenn sie aus dem Gefühl der Panik heraus angewandt werden. Ich bekomme mit und erinnere mich auch, dass an diesen Punkten das Sinnvollste ist, gar nichts mehr zu tun. Nur liegen, sitzen und den Atem beobachten. Oder passender, beobachten, welcher Sturm in einem ist, vor dem man weglaufen will. Das ist die große Hürde, weil die Panik genau das verhindern will. Bloß da nicht wieder hin. Bloß nicht noch mal DAS fühlen. Ich hatte einen Traumagefühlsflashback. Die vollen 100%, würde ich sagen. Ich benenne mal nichts weiter, weil ich Abstand brauche. Traumatherapie ohne Therapeut ist nicht so schlau.

Gleichzeitig projiziere ich die ganze reaktivierte Vergangenheit auf Frau Helferin. Zerre an ihr herum. Sie muss unbedingt da sein. Fühle so unglaubliche Verzweiflung, Not und Verwundet sein. Fange an sie zu hassen und will das alles aber gar nicht.

Das ist so überfordernd, wenn ich da in diesem Gefühlschaos herum agiere und überhaupt nicht mehr fühlen und entscheiden kann, was davon heute, jetzt relevant ist, was zu tun ist, was zu entscheiden ist, weil gar keine Orientierung mehr da ist.

Der riesen Rettungsimpuls lautet – Abstand. Abstand von allen triggernden Sachen, also auch von Frau Helferin. Das kindliche Geschrei dazu ist sehr groß. Die Abhängigkeit, Verwicklung wird da stark sichtbar. Wieder heißt es, mich für den Schmerz der Vergangenheit zu öffnen. Weil da niemand war, weil da Not war und niemand linderte, weil da Ungerechtigkeit passiert ist. Es ist gerade echt viel, dass ich nicht weiß, ob ich dazu bereit bin.

In einem klaren Moment vorhin, habe ich mir einen Text aufgeschrieben, für den Fall, dass ich in der Notaufnahme lande, für eine Krisenintervention.

„Zu viele Auslöser/Trigger, zu viele Gefühle, zu viel Vergangenheit, von der ich es nicht schaffe mich zu distanzieren. Zu stark der Wunsch nach Betäubung und Selbstverletzung. Überforderung, Panik, Schmerz. Schaffe mich nicht zu beruhigen.“

Das hat mir einerseits das Gefühl gegeben, dass es da eine Notlösung gibt, die ich auch nutzen darf, wenn die Situation wirklich so ist, wie ich sie dort aufgeschrieben habe. Gleichzeitig habe ich mir damit auch einen Maßstab gegeben, ab wann es legitim ist, Hilfe zu holen. Find ich gerade total gut, weil ich diesen Maßstab im Chaos gar nicht mehr habe. Und es beruhigt mich gleichzeitig, weil so lange es nicht durchgängig so ist, wie dort aufgeschrieben, ist noch alles okay und ich kann abwarten, wie es sich weiter entwickelt.

viel

Auf der Straße gehört: „Und dann bringen die ihre Krankheiten mit. Stecken uns Christen damit an und es bleiben nur noch Moslems übrig.“

 

Mich spricht ein Mann am Bahnhof an. Unbeholfenes Englisch. Er wolle kein Geld. Bittet um eine Übernachtung, mit Tee oder Kaffee. Er will nicht im Kalten schlafen.

Groß. Stämmig. Dreckig. Hilfloser Blick. Blutgerinnsel im Auge. Ich glaube ihm. Gewissensbisse. Oft hab ich mir diese Hilfe ausgemalt. Jemanden bei mir übernachten lassen. Mal eine Dusche. Kleidung waschen. Sauberes Bett. Und nun fragt mich tatsächlich direkt jemand danach und ich sage ’nein‘. Schaffe es die Seite zu sehen, die ’nein‘ gesagt hat und gebe ihr recht. Ich bin eine Frau. Ich lebe alleine. Männer lösen bei mir bestimmte Ängste und Verhaltensweisen aus. Ich hätte die Nacht kein Auge zubekommen. Es war berechtigt, aus meiner Perspektive.

Wo schläft man denn, wenn man in solch einer Situation ist? Hab neulich erst etwas von 200 Notübernachtungsplätzen im Winter gelesen, bei schätzungsweise 2000 Obdachlosen. Hätte ich ihn  irgendwo hin vermitteln können? Krisendienst?

 

Die erste Selbsthilfegruppe zum Thema Borderline/Trauma. In jedem Beitrag höre ich Teile von mir. Erleichterung. Entlastung. Ich könnte losplaudern, zu allem was sagen, von mir erzählen, wenn mir die riesige Angst mich zu zeigen, nicht immer wieder ein Kribbeln im Hirn und Wortleere verpassen würde. Es ist okay. Ich freu mich trotzdem. Bin voll von Eindrücken. Der Monolograhmen fühlt sich schützend an.

 

Komfortzone verlassen. Yogaübungen. Nichts von Entspannung. Immer wieder denkt es, ‚ich kann nicht mehr‘, ‚ich schaffe das nicht mehr‘, ‚ich will aufgeben, aufhören‘, ‚meine Beine werden wegknicken‘, ‚ich werde umkippen, wenn ich loslasse‘, ‚ich habe keine Kraft mehr‘, ‚ich kann mich nicht mehr halten‘. Mentale Muster. Immer wieder suche ich meinen Körper, suche und finde ein Vertrauen, dass er mich trägt, das die Energie mich trägt. Und sie trägt mich. Das mache ich im Sekundentakt, umlenken, zurückholen, weil die Gedanken immer wieder kommen und auch an Dramatik zunehmen. Scheiße anstrengend!!! Danach ist mein Verstand benommen, verwirrt, desorientiert. Ich stehe auf der Straße vor dem Studio. Irgendwie verloren und ohne Ziel. Weiß nicht wohin. Kann gar nichts mehr denken. Bin wach, aber nicht da. Will gerne weinen.  Schleiche stattdessen benommen durch die Seitenstraßen, weg vom Trubel und warte einfach ab, wie es sich weiter entwickelt.

Die erneute Empfehlung diese Übung zu Hause zu machen, täglich. Damit hab ich mich schon mal vor ein, zwei Jahren herumgequält und es dann sein gelassen. Ich winde mich. Versuche ihr das zu erklären. „Ich gebe so schnell auf.“ „Versuche es mal drei Tage.“ Nagut…

Meine Beine treten und schütteln und zittern, während ich sie in die Luft halte. So frei hätte ich es mir in der Yogastunde nicht getraut heraus zu lassen. Weinen entlädt sich. Mir wird heiß. Außer die Füße. Die bleiben konsequent eiskalt. Ich bin ein bisschen weiter als damals. Lass mich von der Anstrengung nicht gleich entmutigen und finde besser immer wieder in mein Körpergefühl zurück.

 

Frau Helferin.

Ich bin traurig. 😦

Nur noch 10 Stunden.

Sie ist das Beste was mir je passiert ist. *Melodie summend* Ich konnte so viel zulassen, annehmen. Viele Impulse die von ihr kamen haben mir gut getan, haben zu neuen Entwicklungen geführt. Z.B. die Selbsthilfegruppe. War ihre Idee. Ich hätte mich alleine bei der Suche entmutigen lassen. Oder wütend sein zu dürfen, hat erst sie mir vermitteln können. Und jetzt werde ich öfters mal so richtig, richtig wütend. 🙂 Das Mut machen, das an mich glauben! So etwas hat so unglaublich viel Wert!

 

Heute der Termin bei der Psychiaterin. Neuen Medikamentenversuch besprechen. Mir ist sehr mulmig dabei. Ich habe Angst. Dieses Gefühl der Beeinflussung.

Hahhh!

Ich stelle mich neuen Situationen. Ich gehe bewusst in Situationen, bei denen ich einen Widerstand habe, weil sie fremd und neu sind.

Frau Helferin ist dabei. Das ist schrecklich und gut zugleich.

Wir sitzen gemeinsam im Auto und fahren Orte ab, wo ich mal wieder tanzen gehen könnte.
Der erste Schritt, mich dem anzunähern. Schauen, wo ist das, wie sieht es da aus, wie fühlt es sich an.
Ressourcenaktivierung.

Ich begegne mir, so wie ich mir bisher nicht begegnet bin, weil ich diese Bereiche viel vermieden habe. Lieber auf einen guten Moment warten, der selten, bis nie kam.

Ich fühle Angst.
Ich will keine Angst fühlen.
Sie soll nicht sehen, wie viel Angst ich habe.
Ich kämpfe gegen mich.
Hör auf Angst zu haben. Es gibt doch überhaupt keinen Grund. Hab dich nicht so.
Ich kämpfe gegen sie.
Sie soll das alles nicht sehen. Ich schäme mich. Ich bin doch erwachsen. Ich sollte das doch können.

Gehe erst alleine los, um zu schauen. Sie wartet im Auto. Komme nicht weit. Trau mich nicht durch die erste Tür, weil sie keine Klinke von innen hat. Angst eingesperrt zu sein.
Zurück zum Auto. Projekt gescheitert.
Ich fühle, dass ich hier Hilfe brauche.
Ich will ihre Hilfe nicht.
Ich bin froh, dass sie da ist.
Hin und Her. Hin und Her. Enge in mir. Alles schiebt/drängt sich gegenseitig weg.
Ich könnte schreien, weinen, mich in Luft auflösen gleichzeitig.

Hilflosigkeit. Alles passiert einfach nur noch. Kein Durchblick.

Heraus kommt: Kind sein. Weinerlich. Still. Pessimistisch. Sich winden. Ausweichen wollen. Verstecken. Aufgeben. Widerwille. Sich ziehen lassen. Entscheidungen abgeben.

Noch mehr Angst.
Hält sie das aus, hält sie das aus? Erträgt sie mich so? Bin ich nicht ganz schrecklich so?
Bin ich so? Bin ich so?
Oh Gott, so bin ich (auch)!

Hahhh!

Krisenzeit

Das war die heftigste Krise die ich seit letztem Jahr September erlebt habe. (Diese endete damals auf der Kriseninterventionsstation.)

Mit großen Augen und anerkennendem Blick sagt sie: „Und sie haben das durchgestanden!“ Ja, ich habe das zu Hause durchgestanden. Ich hatte mich zwar um eine Krisenaufnahme für das Wochenende, in einer Akuttagesklinik gekümmert, diese dann doch abgesagt. Ich habe es mir zugetraut, weil andere Dinge griffen.

Niemand konnte das ganze Ausmaß sehen, niemanden konnte ich sagen, was in mir passierte, dass sich alles in mir verändert hatte. Niemand bekam die Dimension dieser Krise mit. Ich hatte keine ausreichenden Worte und habe es selbst nicht verstanden – mittendrin. Wenn ich nicht mehr konnte, sah das keiner und wenn mich jemand sah, setzte der Automatismus ein, noch zu können. Und was soll ich sagen – es ist okay… irgendwie. Es war nicht nötig, dass ich mein Erleben erklären konnte (auch wenn ich es gerne getan hätte). Ich habe es anscheinend nicht gebraucht.

Ich habe MICH gebraucht. Und ich war überwiegend für mich da. Bin Wege gegangen, die ich noch nie gegangen bin. Habe Hilfe bekommen, auch ohne dass die Dimension erkannt wurde, wohl einfach, weil man mir auch glaubte, wenn ich um Hilfe bitte, dann brauche ich sie auch.

Ein sehr heilsames Erlebnis, wenn die Tagesklinik sagt (war da bisher zweimal, 2011 und 2014): „Kommen sie einfach. Sie brauchen keine Einweisung vom Arzt. Wir kennen sie ja und kümmern uns dann um alles.“ Ich habe geweint vor Dankbarkeit, nach diesem Anruf. Ich musste nichts erklären. Es hat einfach gereicht nach einer Krisenaufnahme zu fragen.

Erst danach konnte ich so halbwegs verstehen und erklären und sie sagte: „Ich habe es ihnen zugetraut.“ Wow…! Das hatte ich mir von meiner damaligen Therapeutin gewünscht und sie sogar darauf angesprochen, ob sie mir nichts zutraue. Und nun sagt man mir das von ganz alleine. Ein tolles Gefühl! Noch nie in meinem Leben, habe ich so etwas gesagt bekommen und auch annehmen können.

Da ist viel Kraft in mir. Ich durfte sie erleben und ich spüre sie immer noch. Ich fühle mich nicht stark. So meine ich das nicht. Sondern, dass da ein Kern in mir ist, der Kraft zur Verfügung stellen kann (immer gibt), wenn ich sie brauche.

Krisen erschaffen immer ganz besondere Erfahrungen. Ich tue Dinge, die ich ohne nicht tun würde. Dadurch erlebe ich Sachen, die ich ohne nicht erleben würde.

Die Lawine, die alles mit sich riss und sich stetig vergrößerte, läuft momentan langsam aus (und nichts ist mehr wie vorher). Ich weiß nicht, wo ich jetzt stehe. Da ist so viel passiert. Für mein Bewusstsein zu viel in zu kurzer Zeit, als dass ich greifen könnte, was es mit mir gemacht hat und was im Einzelnen der Inhalt war.

Das Überthema heißt wohl ‚zeigen und gesehen werden‘ und Bindung (immer noch). Da hängt so unglaublich viel dran! Das hat (und tut es weiterhin) so extrem viel ausgelöst.

Auch bin ich auf ein familiäres Thema, mütterlicherseits gestoßen. Ich trage Erlebnisse meiner Familie mit, die ich nie erlebt habe. Ich reagiere mit ihrer nackten Angst und Panik. Ich habe den Schmerz meiner (schon seit Jahren verstorbenen) Oma geweint.

Am Ende brauchte ich für drei Tage völligen Rückzug. Ich ließ die meiste Zeit Handy, Telefon und PC aus. Wusste ich, ich musste mich vor weiteren Reizen, Informationen, Reaktionen schützen, um mein völlig überreiztes Nervensystem zur Ruhe zu bringen und meinem durchgebrannten Verstand die Nahrung zu entziehen. Absolute Ruhe – das brauchte ich. Der erste Tag davon war sehr schwer. Meine Gedanken drängten immer wieder zur Tat, wollten Klärung, suchten Kontakt, waren voller Panik und auch Schmerz. Es erforderte Disziplin, nicht ins Handeln zu gehen. Ich schrieb sie alle auf, um mich dann wieder dem Jetzt zuzuwenden. Das half. (Und heute sind 70% des Geschriebenen unwichtig geworden)

Gestern und heute sehe ich nichts mehr um mich herum. Da ist so viel leerer Raum. Aus allen Zusammenhängen gelöst. Nichts scheint mehr wichtig, von Bedeutung oder trägt. Ich sehe keinen Weg. Ich habe kein Ziel vor Augen. In den letzten Jahren hätte mich das (zum wiederholten Male) in eine tiefe Sinnkrise gestürzt, auf die ich aufgesprungen wäre. Jetzt übe ich mich, die logischerweise folgenden Depressionswellen durch mich durchlaufen zu lassen. Jetzt hält nur noch das Leben, das Da-sein selbst. Schön fühlt sich das nicht an. Da ist Angst und Ungewissheit. Keine Richtung, in die ich blicken kann. Es bedeutet viel Bewusstseinsarbeit und aushalten.

Es ist zu erwarten, dass sich wieder etwas Greifbares formieren wird (und ich danach auch suchen werde), um beim nächsten Mal erneut zu zerfallen.

Ich bin müde, erschöpft und sehr schwach.
Ich fühle wieder (wackeligen) Boden.
Ich habe die schwach pulsierende Erinnerung von Kraft.