Lernen, Gefühle zuzulassen

Meine Überforderung von gestern hängt mir immer noch in den Knochen. Der Schreck und die Panik gegenüber meiner Hilflosigkeit und das in einem Lebensmittelgeschäft.

Hilflosigkeit ist ein wirklich schwieriges Gefühl.

Ohne Ausweg sein.

Das mag man sich vielleicht gar nicht so gerne vorstellen.

Es ist schlimm (und tief in mein Gedächtnis eingeprägt).

Gestern in der Situation wurden meine starken Gefühle konditioniert zurückgedrängt. Das wirkt sich heute in Bettflucht aus. Flucht vor der Welt und ihren unvorhersehbaren Ereignissen. Halbschlafdämmern, geschützt in der Wärme und Ummantelung der Decke, wo nichts mehr passieren kann.

Ich habe großes Verständnis dafür, dass meine Psyche sich so zu helfen versucht, ein Gefühl von Sicherheit wiederzuerlangen.

Irgendwann gingen meine Gedanken von alleine in die gestrige Situation und ich spürte die riesige Angst wie eingefroren in mir liegen. Das fühlt sich an, als würden von innen ein Paar weit aufgerissene Augen, in einem schreck-erstarrter Ausdruck schauen, unverändert, stetig, unbeweglich. In so einem Moment, wo man vor Schreck die Luft anhält, jemand die Pause-Taste drückt und alles steht still.

Das nenne ich Traumagefühle. Es ist die stetig wiederkehrende Abfolge von bestimmten extremen Gefühlen, auf die das Gehirn zum Schutz in der gleichen Weise (Verdrängung, Abspaltung usw.) wie in der ursächlichen Traumatisierung (vor ca. 20 Jahren), reagiert, nur heute in alltäglichen Situationen.

Diesmal beim Einkaufen.

Als ich die Angst heute in mir wahrnahm, habe ich versucht, wie gestern in der Meditation, mir vorzustellen, wie das bei einem kleinen Kind, ja meinem kleinen Kind wäre, wenn ich erleben würde, das es hilflos war.

Das war wirklich nicht leicht. Keiner erträgt gut Hilflosigkeit. Ich vermute, die meisten haben sofort den Impuls etwas machen zu müssen, vielleicht aktiv einzugreifen oder innerlich auszuweichen, wegzuschauen.

Mein eigenes Kind! Dann konnte ich großen emotionalen Schmerz fühlen, mit der Einsicht, mich dafür zu öffnen, um bei meinem Kind sein zu können und mit ihm dieses Gefühl da sein zulassen.

Das tat dann wirklich richtig gut. Nicht gut im Sinne von, alles ist wieder prima, sondern eine innere Verkrampfung löste sich, es entstand Raum. Hilflosigkeit konnte da sein.

Ja, ich war gestern ganz schrecklich hilflos und das Gefühl konnte mir in diesem Augenblick niemand abnehmen.

Es war ein schrecklicher Moment und ja, ich habe große Angst bekommen, dass sich so ein Moment wiederholen könnte.

Mit diesen Ja`s und dem Fühlen der Angst und der Hilflosigkeit, ist wieder Raum entstanden, um mich weiterhin auf solch unvorhersehbare Situationen einzulassen (und mein Bett zu verlassen 🙂 ).

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Haushalt

Ich habe doch tatsächlich gerade meine Mutter angerufen und sie um Hilfe in meiner Haushaltsführung gebeten.

Dieser Gedanke war vor einer Woche noch ein absolutes No-Go. Viel zu viel Mutter, viel zu viel Abhängigkeit von ihr, viel zu viel Nähe und Verwicklung von Zuständigkeiten und Privaträumen und sowieso und überhaupt sollte meine Familie aus solchen Dingen herausgehalten werden.

Das die Idee überhaupt im Raum steht, liegt daran, dass sie es mir vor einigen Monaten angeboten hat. Sie fühlt sich ganz langsam und zaghaft in meine Lebensumstände ein und hat dadurch auch mehr von meinen Kraftlostagen mitbekommen.

Da flirrt auch dieses Thema von Macht und Hilflosigkeit. Wer ist groß und wer ist klein? Wer ist in welcher Rolle? Wer darf sich um wen kümmern und erlangt damit auch einen Teil von Kontrolle über denjenigen?

Heute meine Mutter um Hilfe zu bitten, hat sich nicht schlimm angefühlt. Ich habe mich weder klein und hilflos gefühlt und habe mich nicht geschämt, um Hilfe zu bitten. Nur ein klein wenig Schuld flackert herum. In ihrer Schuld zu stehen, wenn sie das tut.

Ich vermute, dass meine Entspanntheit an der Ausgangssituation liegt. Ich bin mit meinem Haushalt gerade nicht panisch, fühle mich nicht überfordert, sondern habe ganz schlicht und einfach festgestellt, dass es nett wäre, etwas Unterstützung zu bekommen, weil die Kraftlosigkeit sich zieht und die Aufgaben sich häufen. Aber es könnte alles auch einfach noch länger herum stehen, ohne das etwas Schlimmes passieren würde, außer dass es mich nervt.

In vorangegangenen Phasen solcher Art, habe ich mit dem Liegenbleiben des Haushalts immer einen heftigen Kontrollverlust erlebt und bin sehr schnell in starke innere Bedrängnis gekommen, da jetzt und sofort Hilfe zu brauchen, weil sonst die Welt untergeht.

Aus diesen Gefühlen heraus, würde ich niemals meine Mutter um Hilfe bitten. Da gebe ich etwas an sie ab, was nicht mehr zu ihr gehört. Denn eigentlich ging es in diesen Zeiten dann immer eher um Beruhigung, fällt mir gerade auf. Das war dann das unsichtbare eigentliche Thema.

Ah ja, und nun muss ich gar nicht beruhigt werden, sondern es geht tatsächlich einfach nur um Entlastung ganz praktischer Art. Ansonsten kann ich erwachsen bleiben und komme damit auch nicht in einen Rollenkonflikt und halte dann auch meine Mutter beim herum werkeln aus. Schön! 🙂

Hahhh!

Ich stelle mich neuen Situationen. Ich gehe bewusst in Situationen, bei denen ich einen Widerstand habe, weil sie fremd und neu sind.

Frau Helferin ist dabei. Das ist schrecklich und gut zugleich.

Wir sitzen gemeinsam im Auto und fahren Orte ab, wo ich mal wieder tanzen gehen könnte.
Der erste Schritt, mich dem anzunähern. Schauen, wo ist das, wie sieht es da aus, wie fühlt es sich an.
Ressourcenaktivierung.

Ich begegne mir, so wie ich mir bisher nicht begegnet bin, weil ich diese Bereiche viel vermieden habe. Lieber auf einen guten Moment warten, der selten, bis nie kam.

Ich fühle Angst.
Ich will keine Angst fühlen.
Sie soll nicht sehen, wie viel Angst ich habe.
Ich kämpfe gegen mich.
Hör auf Angst zu haben. Es gibt doch überhaupt keinen Grund. Hab dich nicht so.
Ich kämpfe gegen sie.
Sie soll das alles nicht sehen. Ich schäme mich. Ich bin doch erwachsen. Ich sollte das doch können.

Gehe erst alleine los, um zu schauen. Sie wartet im Auto. Komme nicht weit. Trau mich nicht durch die erste Tür, weil sie keine Klinke von innen hat. Angst eingesperrt zu sein.
Zurück zum Auto. Projekt gescheitert.
Ich fühle, dass ich hier Hilfe brauche.
Ich will ihre Hilfe nicht.
Ich bin froh, dass sie da ist.
Hin und Her. Hin und Her. Enge in mir. Alles schiebt/drängt sich gegenseitig weg.
Ich könnte schreien, weinen, mich in Luft auflösen gleichzeitig.

Hilflosigkeit. Alles passiert einfach nur noch. Kein Durchblick.

Heraus kommt: Kind sein. Weinerlich. Still. Pessimistisch. Sich winden. Ausweichen wollen. Verstecken. Aufgeben. Widerwille. Sich ziehen lassen. Entscheidungen abgeben.

Noch mehr Angst.
Hält sie das aus, hält sie das aus? Erträgt sie mich so? Bin ich nicht ganz schrecklich so?
Bin ich so? Bin ich so?
Oh Gott, so bin ich (auch)!

Hahhh!

Wenn der Schmerz in den Kopf flüchtet

Wenn das Denken zum Selbstläufer wird.

Wenn das Denken die Umgebung verschwinden lässt.

Wenn das Denken wegführt, von dem was man gerade tut.

Wenn das Denken zur Handlungsunfähigkeit führt.

Wenn das Denken die Stimmung verdunkelt und immer weiter nach unten zieht.

Wenn das Denken die Schmerzen im Nacken und Kopf immer stärker werden lässt.

Wenn das Denken keinen bestimmten Inhalt folgt, sich einfach nur immer enger anfühlt.

Wenn das Denken zu keinem Ergebnis führt.

Wenn die Not darunter stetig zunimmt.

Wenn scheinbar nichts hilft, um wieder den Moment klar zu erleben.

Wenn es dann zu einer Situation kommt, in der man jemandem schreibt, was gerade passiert.

Wenn man dann Gedanken hat, dass man sich nicht so anstellen soll.

Wenn man dann trotzdem von all dem Schwierigem schreibt und es abschickt.

Wenn man dann den Text am liebsten wieder zurückholen will.

Wenn man Angst hat und sich schämt.

Wenn man auch das schreibt und abschickt.

Wenn dann diese Worte kommen: „Danke, das du dich zeigst!“

Wenn das Denken dann ins Herz rutscht und heftig, erlösend weint,

dann hat man verstanden, dass vorher der Schmerz über das Nicht-gesehen-werden in den Kopf geflüchtet war.

Schattenanteile

Passenden zur Sonnenfinsternis vom Donnerstag, erlebe ich bewusst das Sichtbarwerden einer Schattenthematik. Die Selbstablehnung. Ein innerer Deserteur, denn ich nur gelegentlich wahrnehmen kann, wenn er mit aller Gewalt nach vorne tritt und mich mit Schlägen und Schnitten vernichten will. Ein ungeliebter Gast, der so schnell und unerwartet wie er auftritt, auch wieder verschwindet und von mir auch ganz weit weg gehalten wird. Immer bin ich überrumpelt, überfordert, ohnmächtig, hilflos und kapiere null, was da von statten geht. Immer will ich davor weglaufen, will es nicht sehen, fühle mich schlecht und schuldig, dass es überhaupt so etwas in mir gibt. Ich sollte doch gut zu mir sein. Ich übe doch die Selbstliebe. Da passt so etwas gar nicht ins Bild. Da gehört so etwas weggesperrt.

Das klappt wohl ganz gut, dass wegsperren. Ich bin immer wieder überzeugt, davon befreit zu sein. Trotzdem bekomme ich Rückmeldungen aus meinem Umfeld, die auf diesen Deserteur hinweisen. Und ich schüttele den Kopf. Das kann nicht sein. Das würde ich doch merken. Nein, nein, da ist gerade nichts. Wirklich nichts. Ich bin in Frieden mit allem was ist.
Da nehme ich mich ganz schön selbst auf die Schippe, ohne es zu merken. Deshalb heißt es ja auch Schattenanteile. Sie wirken, ohne gesehen zu werden.

Der Tag vor der Sonnenfinsternis dann wieder. Ich erzähle von Ablehnungsgefühlen. Mir wird das Spiegelgesetz vor Augen gehalten. Ablehnung fühlst du, weil du dich selbst ablehnst. Ich bäume mich auf. Das stimmt doch gar nicht! Ich lehne mich doch nicht selbst ab! Ich zweifle an meinem eigenen Aufbäumen. Und siehe da, am gleichen Tag, am Abend überfällt er mich mit voller Wucht. Der Deserteur. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Ich könnte mich in Stücke schneiden, zerfleischen will ich mich. Vernichten will ich mich. Verachten tu ich mich und entlade diese Verachtung mit harten Faustschlägen auf meinen Oberschenkel. Im nächsten Moment wimmere ich, dass es mir leid tut, streiche über mein Bein. Entschuldige mich. Bin hilflos. Weiß nicht, wie ich mit diesen Gefühlen umgehen soll. Verstehe sie nicht. Sie tun mir weh. Ich tue mir weh. Wünsche mir Hilfe. Nehme das Telefon. Will jemanden um Hilfe bitten. Beim Wählen und den ersten Klingeltönen, steigt mein Selbsthass über dieses Handeln ins unermessliche, so dass ich schnell wieder auflege. Einbahnstraße.

Fortsetzung geplant…

Dunkle Vergangenheit II

Ich erlebe diese ganze schreckliche Zeit von damals noch einmal. Diese unsägliche Einsamkeit. Dieses unendliche Verlangen einfach weg zu sein, raus aus allem. Diese absolute Überforderung mit der Situation, mit meinen Gefühlen. Dieses viel zu viel. Dieses nicht aushalten können. Dieses tiefe verzweifelt sein, Tag für Tag, Nacht für Nacht. Sterben wollen. Es soll aufhören.
Und keiner da. KEINER DA! NIEMAND! Völlig alleine, mit allem.

Ein riesiger Gewinn – ich erkenne immer wieder den Gefühlszusammenhang zu damals. Das ich damals jetzt fühle. Ich wache immer wieder zwischendurch im Jetzt auf. Sonst wäre ich wohl schon auf der Krisenstation.

Ich fühle meinen Körper. Knorrig, dünn, unangenehm, fremd. Hängt er an mir dran. Ungelenkig. Unvertraut. Schmerzen. Halte kaum aus in ihm zu sein, trotz liebevoller Gefühle die ich immer wieder hineinschicke. Heute zurück zu Hause, geht nur noch die Badewanne. Die Kleidung ist unangenehm auf der Haut, der Körper ist unangenehm. Das Wasser lindert. Nimmt die Berührungsflächen. Verwischt die Konturen. Umschließt. Schützt. Trägt. Ich liege lange da. Viele Tränen laufen. Die Gefühle von damals wechseln sich ab. Durchfließen mich. Immer wieder ja sagen, immer wieder aufmachen, zulassen. Dann der Wunsch mich zu schneiden. Ich lasse auch diesen Wunsch zu, diesen Gedanken, sage ja zu ihm, lasse ihn zu, lasse ihn sich denken und weiterdenken. Auch dahinter taucht die Verzweiflung von damals auf. Körper vernichten, mich vernichten, damit ich nicht mehr da bin. Damit ich nicht mehr aushalten muss, mich und die Welt. Ich kann weinen. Der Impuls zu schneiden verfliegt.

Hinzu kommt die Umdeutung des Erlebnisses. Frau Therapeutin spricht diese furchtbaren Worte aus. Macht hörbar, macht fühlbar, was ich nicht fühlen will, was ich nicht begreifen will.
Missbrauch. Sexueller Missbrauch!
Die Worte durchfluten meinen Geist. Schlagartig muss ich mir die Hände auf die Ohren legen, weiche mit dem Stuhl zurück und breche in heftiges Weinen aus. Nein, nein, nein… das kann nicht sein!

Ich will es nicht begreifen und begreife doch Stück für Stück. Bild für Bild taucht auf, mit dieser veränderten Perspektive.
Ich wurde benutzt. Es fühlt sich schrecklich an. Unglaublich viele Gefühle purzeln gleichzeitig durcheinander. Ekel. Wut. Schmerz. Ungläubigkeit. Verraten fühlen. Beschmutzt fühlen. Fassungslos sein. Es leugnen wollen. Nach Gegenargumenten suchen, warum das nicht sein kann. Selbsthass. Ich-los fühlen. Einen Körper fühlen, der wie durchsichtig ist und in den man einfach greifen kann.

Riesige Bedürfnisse nach Trost. Nach Anteilnahme. Da soll jemand sein. Jetzt hier zu Hause. Das halte ich nicht alleine aus. Auch dieses Gefühl lasse ich zu. Ich lasse zu, dass Trost fehlt. Das keiner da ist, um mich in den Arm zu nehmen und auch hier spüre ich plötzlich, wie alt dieses Gefühl ist und durchlebe die Einsamkeit und Hilflosigkeit meiner Kindheit und Jugend. Nur, dass ich diesmal dabei bin. Das ich Verständnis habe, für dieses Mangelgefühl.

Ich bin ziemlich erschöpft und weiß nicht, was noch alles auf mich zukommt. Trotzdem glaube ich daran, dass ich in der Lage bin, mit mir umzugehen und diese Zeit durchzustehen und im Notfall Hilfe zu suchen.

Therapieprozesse IV (Triggergefahr?)

(Ich habe so eine Ahnung, dass der Hinweis auf Triggergefahr, Leser besonders anzieht… Das gefällt mir eigentlich nicht, weil ich Sensationslust damit assoziiere, doch finde ich den Hinweis unerlässlich, für all jene die dadurch Schutz erfahren)

Seit drei Sitzungen versuche ich an dem Vater-Keller-Trauma zu arbeiten. Ich war innerhalb der Sitzungen noch nie so unmittelbar in allem was in mir dazu hochkommt.  Meine Empfindungen landen immer wieder anstatt bei meinem Vater, bei der Therapeutin und mir. Zwischen diesen drei Personen geht es hin und her. Selbstverurteilend werfe ich mir verächtlich vor, viel zu schwache Worte für diese Erlebnisse zu finden. Ich schlage mir innerlich ins Gesicht. Verachte mich für meine Schwäche, für meine Feigheit, für mein Kleinsein. Dann übermannt mich Hass auf meinen Vater. Das Gefühl verschwindet. Bilder bleiben in meinem Kopf, wie ich auf ihn einschlage, so lange bis kein Gesicht mehr zu erkennen ist. „Ihn töten?“ „Keine Ahnung. Zumindest seine Form zerstören.“ Dann hasse ich die Therapeutin. „Was hassen sie an mir?“ „Das sie existieren.“ „Ich frage mich, was ich ihnen zumute?“ „Das es immer nur weh tut. Immer und überall!“ Mein Körper ist Anspannung in Höchstform. Ich kralle mich in meine Hände, in meine Arme und merke es erst, wenn es anfängt weh zu tun. Alles zittert. Zwischendurch flammt Angst auf, die Todesangst aus der Erinnerung. Sie verschwindet ebenso schnell wieder. Da will es nicht weiter gehen. Will es nicht näher ran. So nehme ich sie zwangsläufig im Untergrund arbeitet mit nach Hause. Sie generalisiert sich. Ich kann das Haus stundenweise, tageweise nicht verlassen. Überall droht Gefahr. Die Welt da draußen ist Gefahr. Nur noch in mir ist es sicher. Nur noch zu Hause. Ablenkungsprogramm, damit der Kopf nicht ständig rattert und sich an den Erlebnissen festbeißt. Phasenweise total gelähmt, müde, weggedriftet stundenlang auf der Couch liegen, zu nichts mehr fähig. Bilder, wie ich mit den Fingern eine Waffe imitiere und sie erst an meinen Kopf halte und sie dann auf die Therapeutin richte. Bilder, wie diese Waffe eine echte ist und ich mich für sie entscheide und danach zum ersten Mal befreit im Raum herum laufen kann. Ich oder sie. Es kann nur einer existieren. Wenn sie existiert, kann ich es nicht. Ich weiß, damit ist der Vater meiner Kindheit gemeint. Ich will ihn am Boden sehen, klein, ohnmächtig und hilflos. Unter mir. Ich spüre Genugtuung und tiefe Befriedigung bei diesem Gedanken. „Das er sich dann so fühlt, wie sie sich damals gefühlt haben?“ „Mir gefällt diese Genugtuung gerade zu sehr, als das ich die Seiten wechseln könnte.“ „Wenn Kinder unterdrückt werden, dann wird das Leid manchmal so groß, dass sie als Ventil andere quälen (ich erzählte von Tierquälerei) oder eben ihre Therapeuten erschießen wollen.“ Wahnsinn, wie leicht sie mit meinen für mich doch irgendwie abscheulichen Gedanken umgeht. Ich muss lachen. „Das wäre doch ein super Titel für einen nächsten Text – wie ich meine Therapeutin erschießen wollte.“

Eine Reiki-Austauschgruppe muss ich ausfallen lassen. Obwohl ich so unbedingt da hin wollte, löste die Vorstellung, mich in diesen Räumen (liegen in einem Kellergeschoss) zu befinden unglaubliche Panik in inneren Bereichen aus. Ich habe es erst gar nicht verstanden, mir unterschiedliche Lösungen angeboten. Mir meine neue Ausrichtung „ich bin zu jeder Zeit in Sicherheit“ gesagt. Mir versichert, dass ich jederzeit gehen könnte. Sogar dort angerufen (war leider keiner zu erreichen), um zu fragen, ob man auch mittendrin gehen könne. Es half alles nichts. Mein Gefühl blieb im Ausnahmezustand und war überzeugt, dass es dort nicht sicher sei, dass wenn ich erst mal dort wäre, nie wieder raus kommen würde. Ich gefangen wäre. Eingesperrt. „Wie damals, als man sie einsperren wollte?“ Alles daran schreit nach dem Kellererlebnis, doch ich komme nicht in die tatsächlich erlebte Angst. Ich fühle mich da auf dem Stuhl vor ihr unglaublich schutzlos und ängstlich und will es irgendwie raus lassen, zeigen. Es wird mir eine Decke angeboten, die ich mir nehmen könnte. Ich bin völlig steif, unbeweglich. Eine unglaublich schwer auszuhaltende Zwickmühle. Wenn ich mir die Decke nehme, müsste ich den Raum und sie einen Moment unbeobachtet lassen. Und wenn ich dann die Decke hätte und schützend um mich legen würde, wäre ich mit meiner Schutzlosigkeit auf einmal sichtbar und angreifbar. Es ist unmöglich. Ich kann mich nicht verhalten. Ich kann mich ihr nicht zeigen. Sie nicht anders sehen als eine Gefahrenquelle. „Die Angst darf nicht gezeigt werden, auch wenn der Preis dafür ist, sich schutzlos zu fühlen.“ Ja, so ist es. Es geht auf meine Kosten. Der Mechanismus mich vor anderen mit „schwachen“ Gefühlen unsichtbar zu machen, erhöht in mir das Leiden. Lässt jemanden in mir damit alleine. *Seufz*