Zu-fall und ein Bild

Gegen Ende, mit herausgeschobener Zunge, voller Hingabe dabei und stolz wie Bolle als das Bild fertig ist.

Vor ein paar Jahren Öl-Pastell-Kreide gekauft. Etwas herum probiert. Kein Gefallen gefunden. Für nen paar Euro in der Nachbarschaft verkauft.

Vor ein paar Wochen in einem Hausflur drei große Kreideschachteln, verschiedener Sorte zu verschenken gefunden. Nicht widerstehen können und eingepackt.

Seit Jahren nicht mehr gemalt.

Heute ‚Kinder‘-Tag, nach viel Schmerz, Tränen, zuviel und Schrei nach Halt. Kleiner Eisbär vor die Brust geklemmt. Gegen 13 Uhr vorsichtig aus dem Bett bewegt. Entlang gehangelt an der Grenze ‚geht‘ – ‚geht-nicht‘.  Aufstehen geht. Umziehen geht nicht. Im Kontakt bleiben. Ordnung schaffen geht nicht. Kartoffeln kochen und Gurke schneiden geht. Versorgung. Essen. Lesen geht nicht. Musik hören geht nicht. Usw..

„Was möchtest du machen?“ „Ich bin so froh, dass du bei mir bist!“ Diese ‚Antwort‘ berührt mich im Herzen. ❤

Blick auf die Kreiden. Malen? Angst, Druck, Erwartungen tauchen auf. Abgeben. „Was willst du malen?“ Sehe rosa und ein Teil Seifenblase. Ok. Ein Anfang.

Bereite alles vor. Dann ein Prozess. Wechsel zwischen Anspruch an Vorstellung und Perfektion. Ich muss jetzt eine Seifenblase malen, die auch wirklich aussieht wie eine Seifenblase. Feststellen – das kann ich nicht. Vorstellung loslassen. Was fühle ich? Welche Farben ziehen mich an? Welche Bewegungen über das Papier gefallen mir? Welche Formen gefallen mir.

Nach und nach fällt Kontrolle ab und es kommt ein Bild dabei raus. Das hat zum Schluß wirklich Spaß gemacht. 🙂

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Tagebuchnotizen 17.11.-21.11.17

17.11.     Wenn ich davon ausgehe, dass das Viele-sein auch auf mich zutrifft, auch ohne Gedächtnislücken im Alltag, dann machen die Unterschiedlichkeiten in mir Sinn. Auch das fehlende Identitäts-/Einheitsgefühl. Und wenn ich es ok finden könnte, dass unterschiedliche Gedanken und Empfindungen in meinem Kopf sind und den Versuch aufgeben könnte, zu etwas eine Meinung, einen Gedanken, ein Gefühl zu haben, dann könnte es leichter und friedlicher werden in mir. Ich muss mich nicht mehr auf einen Nenner bringen. Unterschiedliches, Widersprüchliches darf nebeneinander existieren. Das wäre ja mal schön, wenn mir das gelingt es so zu sehen und anzunehmen.

19.11.     Der Teil der die Achtsamkeit schon morgens sehr ernst nimmt und damit Druck erzeugt: „Ich sehe dich und höre dir zu. Was sind deine Aufgaben?“ „Aufpassen. Für Ordnung sorgen. Hilfe holen.

Der betroffenen Teil schützt sich im Nebel, im Nicht-da sein, (Fr. B. kommt nicht wieder) damit der Schmerz nicht gefühlt wird. Zum ersten Mal kann ich das verstehen und finde es sinnvoll und gut.

21.11.     „Wo möchtest du jetzt sein, wo dein Schmerz gelindert ist?“ Bild: Unter den Flügeln einer großen Eule, Gesicht ins Federkleid gekuschelt, mit den Händen die weichen Federn fühlen, warm, umschlossen und gehalten. Schutz.

Tagebuchnotizen 03.11.-10.11.17

03.11. – Eine riesen Herausforderung, das eigene innere Leiden als wahr anzuerkennen, anstatt zu verleugnen, weil keine Gründe gegriffen werden können.

05.11. – Das Klopfen ist wie mein Kompass. Es hilft mir am Anfang des Tages eine Richtung zu finden und zeigt mir, wo ich stehe.

07.11. – Die Traurigkeit des Verlassen-seins wird so groß, weil sie denkt, sie ist alleine.

Warum ich mich in professionellen Beziehungen wohlfühlen kann? Weil ich davon ausgehe, dass man dort von mir nichts erwartet, was ich nicht leisten kann und dass die Grundlage vorliegt, dass man mich so nimmt wie ich bin und nichts an mir ändern will. In Freundschaften auf Augenhöhe fühle ich diese Sicherheit nicht.

09.11. – Das Klopfen ist für mich wirklich bisher das einzige Werkzeug, die einzige Erfahrung, wobei es gelingt innerhalb in Kontakt und in Beziehung zu kommen und positive Erfahrungen dabei zu sammeln. Das läuft therapeutischer als in einer Therapie je möglich war. Damit entwickelt sich alles so deutlich, wie ich es bisher nirgendwo erlebt habe. Oder doch. Die anderthalb Jahre mit Fr. S. waren auch so. Da werden und wurden Erfahrungen gesammelt, die wirklich hängen bleiben und aufeinander aufbauen.

Das ich jetzt dreimal Laufen war, ist immer noch wie ein kleines Wunder für mich. Zumal bei der Vorgeschichte zum Laufen und vielleicht auch, weil es nicht mehr so oft passierte, dass im Außen ein Vorhaben funktionierte.

10.11. – Die Zeit mit mir, nur für mich, ist die nachgeholte Aufmerksamkeit für mich, die ich damals nicht bekommen habe. Deshalb sind Leerlauf-Tage so wichtig für mich, um im Innen Zeit zu haben, mich nach diesen Bedürfnissen zu richten, anstatt wie im Außen-Alltag mehr planvolle Kopfentscheidungen zu treffen.

 

Schweres

Das Schreiben hat mich wieder gefunden. Ich schreibe wieder in mein Notizbuch.

Mich nach innen zu richten, macht mir Angst. Das ändert sich einfach nicht. Die Auseinandersetzung mit meinen Gedanken und Gefühlen, macht mir Angst. Es fällt mir nicht leicht mir zuzuhören und mich fühlen zu lassen. Das Akupressurklopfen ist dafür eine Brücke. Es bereitet einen möglichen Raum und auch der ist manchmal nicht sicher genug.

Klopfen tu ich nur morgens. Fühlen und denken tu ich den ganzen Tag. Also krampfe ich oft um mich herum.

Wie heute. Wie oft.

Die Außenzeit hat sich mit einer Innenzeit gewechselt. Viel Zeit mit mir.

Angstzustände haben den Wechsel eingeleitet.

Ich versuche die Bewegung als normale Bewegung einzusortieren – nach viel Außen, kommt viel Innen. Fällt mir schwer. Wie mir alles gerade schwer fällt.

Mir fällt es schwer, das als Geschenk zu betrachten, als Wegbereitung für etwas Neues (wie mir die Karten es sagen) und als einen neuen Lernraum. Mir fällt es schwer, breit zu denken, in Zeit zu denken – auch dies geht vorüber. Mir fällt es schwer, nachdem ich mich an das Äußere angepasst habe, alles wieder loszulassen und der inneren Ebene Raum zu geben, weil nichts anderes mehr geht. Und ich ahne schon, wenn sich der Wechsel erneut einleitet, werde ich ebenso die innere Ebene/Anbindung wieder loslassen und mich an dem im außen Erlebten orientieren.

Ich bin das, was mich umgibt, mit was ich meine Gedanken fülle. Das macht mich fertig, diese Inkonsistenz. Ich kann das Eine nicht mit ins Andere nehmen. Ich muss mich immer wieder neu suchen, in der Umgebung/Realität in der ich mich befinde. (Ich hatte den Borderline-Begriff abgelegt und nun nehme ich ihn wieder auf und lege ihn bestimmt auch wieder ab usw. usf.)

Ich erinnere mich, die angenehmsten Phasen sind die, in denen äußere Struktur bleibt, Wiederholungen einen konstanten Rahmen bilden. Sichere Orte im Außen.

Aaah… mir geht ein Licht auf. Die Ergo ist weggefallen wegen Urlaub und auch die Therapie. Dazu noch der Werkstatttermin, wegen der Tiefphase. Soviel zum konstanten Rahmen. Und die Ergo war definitiv ein sicherer Ort. Der einzige im Außen. Ich war immer ganz erleichtert, wenn ich da angekommen bin und dachte, endlich was Normales und wenig Beängstigendes.

Zurück zum Schreiben. Ich habe vorhin geschrieben, weil die Niedergeschlagenheit nicht weichen wollte und ich schon eine Weile herum krampfe. Eine Annäherung daran. Da durften die Gedanken etwas sein, die mir Angst machen. Und auch meine Angst durfte sein.

Ein paar Ausschnitte, wer es ertragen kann und will:

…Mal ist etwas Teil meines Lebens, dann existiert es nicht mehr in meiner Welt.

…Meine Spiritualität hatte ich vergessen und werde es wohl wieder tun.

…Gedanken sind so beliebig.

Es kommen immer wieder die Gleichen. Ich kann andere anstellen, neue Gedanken denken, doch bin das ich? Bin ich das wofür ich extra mein Bewusstsein brauche?

Und wenn ich das alles sein lasse und einfach denke was ich denke… dann wird es sehr dunkel. Ist das sinnvoll? Die Energie fließt mit der Aufmerksamkeit. Ich bin es so leid, immer wieder selbst diesen Gedankenkraftakt zu leisten, meine Aufmerksamkeit zu lenken, auf Dinge die ich sonst nicht sehe.

Zumindest heute/jetzt bin ich es leid.

Ich will einfach niedergeschlagen sein, aber gleichzeitig vor Endzeitgedanken geschützt.

Das passiert nämlich, ich mache mein Leben nieder. Mache mich zu etwas Gescheitertem und verliere mich in Bedeutungslosigkeit. Was hab ich schon erreicht.

…Ich wünsche mir das sehr, dass es leichter wird, dass ich wieder eine andere Realität wahrnehmen kann, dass sich meine Handlungsmöglichkeiten erweitern und Angst nachlässt.

Klopfen – PUs

Also das stößt bei mir auf Resonanz.

In dem E-Book „Einfach Selbstliebe finden“ von Monika Richrath (was es übrigens bald nicht mehr als E-Book, sondern nur noch als Buch gibt und dann deutlich gekürzt ist – also jetzt noch zugreifen, wen das Thema Hochsensibilität + EFT anspricht) spricht sie von PUs.

„Der Begriff ‚Psychische, psychologische oder psycho-energetische Umkehr (PU)‘ stammt von Roger Callahan. Gemeint ist damit eine Umkehrung im körpereigenen Energiesystem, die dafür sorgt, dass die Energie in die entgegengesetzte Richtung (entgegen dem Uhrzeigersinn) fließt. Eine PU sorgt dafür, dass wir unbewusst unsere Anstrengungen selbst sabotieren. Zum Beispiel wollen wir abnehmen, sind aber unbewusst davon überzeugt, dass es für uns nicht sicher ist abzunehmen, weil wir dann vielleicht als sexuelle Wesen wahrgenommen und behandelt werden könnten. (…) Eine PU ist immer eine Heilblockade.“ (S. 55-56)

Sie sagt, wenn massive PUs vorliegen, bewirkt das Klopfen nichts.

Man kann anhand von Sätzen einen PU-Check durchführen, wobei man beim Lesen der Sätze auf Gefühle wie Traurigkeit, Bitterkeit, innere Resonanz, Gewissheit etc. achten soll, die auf eine PU hinweisen.

Dann unterscheidet sie PU-Formen, was ich auch spannend finde. Es gibt die problemspezifische PU, die massive PU, die massive Selbstwert-PU, die tiefsitzende PU usw.. Da leuchteten bei mir schon alle Lampen auf.

Wenn man bei sich eine massive PU feststellt, was der Grundeinstellung, die Welt ist gegen mich entspricht und Menschen mit Süchten und chronischen Krankheiten betreffen kann, dann empfiehlt sie, alle 1-2 Stunden einen speziellen Punkt zu reiben und dazu 3 x den Satz „Ich liebe und akzeptiere mich voll und ganz mit all meinen Problemen und Einschränkungen“ zu sagen. Und das 2-3 Monate lang!!! (S. 57)

Sie nimmt das echt ernst! Finde ich gut. Im Gegensatz zu Herrn Franke aus der MET-Richtung, der einem so leicht verspricht, dass man in Nullkommanichts seine Ängste und seinen Stress verliert.

Ich habe heute Morgen wieder ein wenig mit MET herum probiert. Ich war akut gestresst, weil am Nachmittag ein Termin bei meiner Psychiaterin anstand. Ach was heißt gestresst. Ich war schon wieder kurz vor der Verzweiflung und wusste nicht so recht warum und auch nicht, ob ich den wahrnehmen soll oder ob mir das heute zu viel wird (wie mir die Tage so einige Sachen schnell zu viel werden).

Ich habe den Satz „Mein Stress wegen dem Termin“ geklopft. Der Stress wurde nicht so richtig kleiner, aber ich fand heraus, dass der Stress nicht durch den Termin kam, sondern, dass dieses mich_entscheiden_müssen, ob es heute gut ist hinzugehen, mich extrem stresste. Der Stress war nicht weg, aber ich hatte etwas Abstand dazu.

Dann ging ich dem starken Impuls nach und setzte mich zum achtsamen Sitzen hin. Da hat sich dann ein Weinen entladen und mir wurde klar, dass der Termin heute für mich zu viel ist und ich stattdessen Kraft für einen Einkauf habe.

Als ich aufstand und dachte, jetzt sei ja alles klar, fing der Stress wieder an, meine Gedanken kreisten wieder um die Frage, ob ich nicht doch zum Termin sollte. *augenroll* Die Antwort war doch klar, warum wieder die Frage, warum lässt mich das nicht los? Ich saß ratlos auf meiner Couch und verfolgte das Dilemma in mir. Der Termin war wohl auch für einen Teil von mir ganz wichtig, überlegte ich, unabhängig davon, dass ich ihn nun nicht wahrnehme. Ja und das war es dann, dann kam Traurigkeit. Klar, ein Teil von mir war ganz traurig, weil wir nicht hingingen und so lange dieses Gefühl nicht gefühlt werden konnte, kreiste es stattdessen um die Hingeh-Frage.

Das ging alles Mal etwas leichter, der innere Kontakt, die inneren Befindlichkeiten. Macht mich etwas traurig. Ich gehe davon aus, dass ist der Preis der Medikation. Dafür bin ich aber auch weniger überfordert mit all den feineren Wahrnehmungen.

Nachtrag: Das mit der Selbstsabotage passt wie die Faust aufs Auge zu meinen Erfahrungen, dass ich zu all meinen Gefühlen, Gedanken immer erst einmal JA sagen muss, bevor ich irgendwie anders mit ihnen weiter arbeiten kann. Ja, weil es da die PU – ich bin falsch – in mir gibt. Und die sitzt tiiiiiief. Und die unterwandert jedes Tun von mir und die ist eben nicht so einfach mal abzuschütteln, wegzumeditieren, aufzulösen, herauszutransformieren. Es ist ein fester Teil von mir, immer und stetig wirksam, auch wenn ich versuche eine andere Haltung darüber zu legen.

Heute

Aufgehellte Stimmung. Vorfreude auf die Arbeit draußen. Freundlicher Umgang mit dem treibenden Anteil, am Morgen möglich. Ich nehme wahr, dass es da jemand ganz eilig hat. Lachen.

Wunsch besprochen, den Arbeitsbereich vom Innenhof in die freie Gärtnerei wechseln zu wollen, wegen des Stresses sich beobachtet zu fühlen. Kein Problem. Löwenzahn für die Tiere gesammelt. Zulassen können, auf dem Gärtnereigelände zu sitzen, nichts zu machen, auszuruhen und den Gesprächen zu lauschen. Kurze entspannte Kontakte entstehen. Anspannung niedrig. Radieschen geerntet und mitnehmen dürfen.

Brennnesselsud (wird jetzt echt mit drei ’n‘ geschrieben) angesetzt zum düngen und gegen Blattläuse.

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Von der bewussten Krafteinteilung der letzten Tage profitiert und so Vorgekochtes zum Mittag essen können.

Mülltütenversuch läuft.

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Frieden fühlen, während ich auf meinem Balkon sitze. Dankbarkeitstränen.

Erledigungsgedankenspirale bemerken und bewusst auf die Couch legen und durch das verstärkte achtsame Sitzen die Tage vorher, leichter Aufmerksamkeit auf den Raum und Körper lenken können. Bewusste Entscheidungen gegen weitere Erledigungen treffen und Chill-Out am PC einleiten.

Ommm ❤ 🙂

Mein Recht auf Selbstbestimmung

Neumond, wie passend, dachte ich heute, als ich den Schnuppertermin im Gartenbereich einer ambulanten Arbeitstherapie hinter mich gebracht hatte.

Vor ein paar Tagen teilte ich meinen Kollegen im Zuverdienst mit, dass ich das Gefühl habe, hier nicht mehr lange zu sein. Mir ist die Motivation verloren gegangen. Ich fühle mich sinnlos dort.

Neumond… mit etwas abschließen und etwas Neues beginnen. Wie passend.

Im letzten Jahr noch, passte der Gartenbereich gar nicht. Ich fühlte ein starkes Nein, obwohl es da sehr schön war. Jetzt geht alles ganz leicht, obwohl der Beginn erst einmal mit eintönigem Unkrautpflücken gefüllt sein wird. Ja, ja, ja – fühle ich.

Ich fühle ja, obwohl ich monatelang im Zuverdienst auf Sparflamme anwesend war oder gar nicht und ich nicht weiß, ob sich das fortsetzt.

Also – Montag ist der erste Arbeitstag, mit 2 h.

Es wird nicht leicht. Solche Termine wie heute sind auch nicht leicht.

Ein Glück, oder Wachstum, ich konnte von Anfang an gut vermitteln, wie ich es brauche, damit das Maß an Gefühlen für mich regulierbar bleibt und ich treffe auf offene, verständnisvolle Reaktionen.

Gestern Abend im Bett war es sehr verzweifelt, soviel Angst und Tränen vor diesem Termin heute. Neues ist immer wieder wahnsinnig schwer. Ich konnte mir bewusst machen und fühlen – ich bestimme den Fahrplan! Ich bin von niemandem abhängig, wenn es darum geht mich zu schützen, Grenzen zu bewahren. Ich kann jederzeit gehen! Ich bestimme wann ‚Stopp‘ ist! Niemand kann mich zu etwas zwingen.

Das beruhigte die Verzweiflung und ich habe mich in dem Gespräch mit der Anleiterin heute ganz frei erlebt, zu benennen, wenn etwas zu viel war und bin nach ca. 45 Minuten wieder gegangen.

Ich habe mit meiner Psychiaterin über meine Unterstützungsideen gesprochen und meine große Befürchtung ist eingetreten, dass ich nicht in der Lage war zu formulieren, aus welchen Situationen diese entstanden sind, meine Psychiaterin auch nicht nachgefragt hat, sondern Gedanken von Haushaltshilfe und Fahrten sofort abgewinkt wurden und mein Gefühl, anmaßend zu sein, damit verstärkt wurde.

Ich spürte, dass da was nicht richtig war und in mir eine Wand hochfuhr. Ich spürte ganz, ganz kurz einen Hauch von Wut und dann von Verzweiflung, benannte aber nur die Wand und konnte nicht weiter darauf eingehen, weil da keine Worte waren und ich nicht klar hatte, warum ich mich so fühlte. Das Gespräch lief weiter in Richtung Betreutes Einzelwohnen und das man mir nichts Abnehmen würde.

Der Tag lief weiter, ich ging abends ins Bett, stand morgens wieder auf und es gab keine weiteren Gedanken an das Gespräch. Für mich war das erledigt.

Ich setzte mich hin, zum morgendlichem achtsamen Sitzen. Ich saß und übte alle Regungen, Empfindungen, Wahrnehmungen da sein zu lassen. Ein Schluchzen stieg auf, dann ein etwas stärkeres Weinen und dann erst Gedanken und Gefühle aus dem Gespräch. Bitterböse Enttäuschung, verletzt sein, nicht gesehen und verstanden fühlen und plötzlich auch wieder mein Gefühl von Recht auf Unterstützung.

Und ich schrieb meiner Psychiaterin das erste Mal in 5 Jahren einen Brief.

Auszug: „Und das hat absolut so gar nichts mit Bequemlichkeit, Regressionswunsch oder dauerhafter Abgabe von Verantwortung zu tun.

Es geht ausschließlich um solche Momente, wo ich den Wunsch nach Erleichterung habe, weil ich mir selbst nicht mehr zu helfen weiß.

Ich hatte das Gefühl, dass Sie das so nicht erfasst hatten.

Ich fühle mich mit meinen Ideen immer noch im Recht und werde auch zukünftig Wege suchen, die in solchen Momenten gangbar sind, um Ausweglosigkeit und Unerträglichkeit zu beenden.

Ich fühle mich damit ähnlich wie jemand mit einer körperlichen Behinderung, z.B. einem fehlendem Bein, der ebenso Lösungen suchen würde, einen Rollstuhl, eine Prothese oder irgendwas, um nicht kriechen zu müssen!

Niemand ‚kriecht‘ gerne!

Das heißt, wenn meine Beine nicht laufen, auch wenn das psychosomatisch ist, will ich mich trotzdem bewegen können! Das heißt, wenn ich keine Körperkraft habe, um z.B. einen Staubsauger zu bedienen, will ich trotzdem einen sauberen Boden!

Hier geht es also auch um Ersetzen und natürlich nachdem ich alles getan habe, was ich tun konnte!“