Weg von hier

Ich schaue gerade alte Beiträge durch, um auszumisten. Ich finde bisher nichts zum Ausmisten. Alles scheint noch aktuell, wenn auch auf einer anderen Ebene.

Ein Beitrag vom 30.08.2013, der sich auf ein Video von Veit Lindau bezieht. Ich schaue es und wieder trifft mich Wahrheit ins Herz und ich muss weinen.

Ich kann viel deutlicher sehen, dass ich in den letzten Jahren meistens versucht habe ‚auszusteigen‘ – ‚raus hier‘ und das als ‚zu mir finden‘ benannte. Aber eigentlich wollte ich weg von all den Schmerzen.

Ich kämpfe weniger, viiiel weniger, aber ich kämpfe noch. Und ich schließe Frieden, viiiel öfter, viel öfter noch, als in den Jahren zuvor.

Das heißt konkret, dass ich mich gelegentlich für schwere Empfindungen, für unangenehme Gefühle, Für drückende Last bedanke. Es fühlt sich oft paradox an, das zu tun. Doch es hilft, weniger zu kämpfen gegen etwas, was sich nicht ändern lässt.

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Das Leben endet

Sterben. Das Thema verfolgt mich. Seit dem eine Freundin von mir an Krebs erkrankt ist.
Erfolgreich behandelt.
Doch immer steht das Thema einer Wiederkehr im Raum. An Krebs zu sterben, steht im Raum. Unausweichlich. In mir selbst, fast schon als Wahrheit. Als würde ich mich seit dem versuchen darauf einzustellen, vorzubereiten. Dass das passieren kann. Das ein Mensch sterben kann. Ein Mensch den ich kenne. Der mir nah ist.

Ihre Angst begleitet sie und mich.
Sie unmittelbar. Todesangst. Mal mehr, mal weniger nah. „Ich will nicht sterben“, sagte sie einmal. Und dieser Ausdruck in den Augen. Hilflosigkeit. Nackte Panik.
Und ich? Ich fühle keine Angst, außer ihre Angst.
Ich fühle eher Gewissheit. Wenn es kommt, dann kommt es, ob sie will oder nicht, ob ich will oder nicht. Ich habe immer wieder den Drang, ihr das zu sagen. Fühle mich jedoch unsensibel und herzlos dabei. Frage mich, ob es meine eigene Abwehr des Themas ist, dass ich so denken kann.
Ihre Angst wehre ich nicht ab. Sie ist natürlich, verständlich und nicht zu umgehen. Ich warte regelrecht darauf, dass sie sie einmal so richtig durchlebt und aufhört, gegen sie zu kämpfen. Vielleicht ist es das, was ich ihr eigentlich sagen will. Erst wenn ich den Gedanken an den Tod zulassen kann, kann ich der Angst die darauf folgt begegnen.

Morgens im Bett. Ich male mir den Gedanken aus. Ich sterbe. Wie wäre das, wenn ich das wüsste. Spontane Gefühlsreaktion ist Vorfreude. Wie ein Ereignis, auf das sehnsüchtig gewartet wird. Interessant. Das ist neu. Ich leide momentan nicht unter meiner Existenz. Also keine Reaktion aus den Umständen heraus. Vielleicht habe ich einfach wirklich keine Angst zu gehen. Es fühlt sich so verdammt normal an.

Würde ich irgendetwas anders machen, wenn ich wüsste ich hätte nicht mehr viel Zeit?
Klar! Ich würde in meinem Umfeld, um finanzielle Unterstützung bitten und überhaupt versuchen, soviel Kohle ran zu bekommen wie geht, damit ich noch so viel Zeit wie möglich in der Natur verbringen kann, mir selbst nah und ich würde so oft wie möglich mit Menschen zusammen sein wollen, die mir nah sind und gut tun.
Und gerade tut sich das Bedürfnis auf, ganz viel Liebe verteilen zu wollen, an gewisse Menschen, zu denen ich keinen Kontakt mehr habe. Hab da eben mal eine E-Mail verschickt. Muss ich nicht warten, bis der Tod nah ist.

Ansonsten habe ich das Gefühl, dass ich schon ziemlich nah am authentisch leben bin, also nicht mehr allzu viel verändern würde.
Vielleicht würde der innere Druck der Behörden wegfallen, irgendetwas zu ‚müssen‘. Vielleicht würden mir auch so einige Gesetze/Regeln egal werden, wie zum Beispiel Gelder beim Jobcenter anzugeben.

Wenn ich jetzt sterben würde, hätte ich auch nicht das Gefühl, irgendetwas verpasst zu haben. Die letzten Jahre waren so intensiv. Ich habe unglaublich viel erlebt, ausgelebt, über mich erfahren. Bin mir tief begegnet. Habe viel geklärt. Meine ganzen Beziehungen, zu den Eltern, Großeltern, Freunden sind ins rechte Licht gerückt, authentischer, echter geworden. Was nicht mehr gepasst hat, hat sich entfernt.
Und ich darf jetzt, noch ganz frisch, eine wunderschöne, mir bisher unbekannte Art von Freundschaft erleben. Sich wahrhaftig zu begegnen ist ein Geschenk.

Ich habe so viele gute Dinge erlebt. Mein Traumurlaub, Indian Summer in Kanada. Die Kanureisen in Schweden. Das verspätete Entdecken meiner Sexualität (auch wenn die jetzt wieder eingeschlafen ist 🙂 ). Das Entdecken des Lebens ohne Rauschmittel. Das Entdecken des Lebens mit Rauschmitteln. Das Entdecken von emotionaler Tiefe und Vielfalt. Das Entdecken von bedingungsloser Liebe. Das Entdecken von bedingungslosen Glückzuständen. Das Erleben von Gefühlen geliebt zu werden, unterstützt zu werden, einfach weil man da ist. Umarmungen zulassen und spüren können. Nähe. Nähe zu Kindern. Nähe zu Hunden. Nähe zur Natur. Nähe zu Menschen. Kreativität. Verspieltheit. Ein erster Arbeitsplatz unter Idealbedingungen. Mich nie lange und groß für irgendetwas bewerben müssen, da immer schnell ausgewählt.
So betrachtet, fühle ich mich wie ein Glückskind. Was will ich da noch mehr. Alles Weitere ist Bonus. 🙂

Das Leben loslassen. Vielleicht ist es dann doch nicht so leicht, wenn der Tod real wird, den Raum der Vorstellungen verlässt. Wer weiß.

Einsichten, so zwischen durch

Dadurch, dass ich mein Ego kennenlerne, lerne ich automatisch das Ego anderer Menschen kennen.

Dadurch, dass ich lerne, nicht mehr gegen mein Ego zu kämpfen, lerne ich automatisch nicht mehr gegen das Ego anderer Menschen zu kämpfen.

Lerne ich mit mir, lerne ich im Innen, so lerne ich automatisch mit Anderen und im Außen, ohne dass ich mein Bewusstsein darauf lenke.

Universelles Grundgesetz – Innen wie Außen, Oben wie Unten – direkt erfahrbar.

Trauma und Tee

Innerlich abgestürzt. Äußerlich ringe ich mit der Tagesstruktur und kann sie gerade so halten. Ein Erfolg, den mir meine Ärztin erst sichtbar machen musste. Es ist schwer etwas Gutes zu sehen, wenn innen drinnen alles dunkel ist. Meine Mundwinkel schaffen es kaum noch auf halbe Höhe. Alles ist schwer. Alles ist anstrengend. Jeder Handlungsbeginn kostet mich unendlich viel Kraft.

Ich kämpfe jeden Tag. Das ist etwas was ich auch ohne Hilfe einmal sehen kann. Ich kämpfe jeden Tag. Ich sorge jeden Tag für mich. Ich steuere gegen, ich tröste mich, ich halte mich, ich erlaube mir Dinge, ich versorge mich ausreichend, ich suche Kontakt, ich lasse Gefühle zu, so gut ich kann, ich pendele zwischen ausreichend Ruhepausen und Bewegung. Das alles mit einem absolut niedrigen Energievorrat.
Dieses stetige Vorwärtsschreiten scheint mir in den Genen zu liegen. Ich kann gar nicht anders. Auch wenn ich selbst oft darauf warte, dass ich einfach zusammenbreche und mich nicht mehr rege. Es kam bisher nie dazu.

Schon eine Weile her, dass ich über einen so langen Zeitraum so niedergeschlagen, schwer und müde war. Ich frage mich, ob das die Stimmung der 6-Jährigen in mir ist, nach dem sie das Trauma erlebt hatte. „Da ist etwas durchgerissen.“ Ja… da ist wohl etwas Wesentliches zerrissen. Ein Erlebnis und die Verbindung zur Welt zerreißt.

Obwohl ich selbst genau weiß, wer an dem Erlebten damals beteiligt war, musste ich letzte Woche doch zu meinem Erstaunen feststellen, dass der Teil in mir der diese Erfahrung gesammelt hat, den Täter ausblendet. Sie hat keine Vorstellung davon, wer es war und sie hat eine Heidenangst dorthin zurück zu gehen. Sie weiß, dass „er“ dort auf sie wartet, aber wer „er“ ist, davon hat sie keine Vorstellung.
Ich habe Mitgefühl und Verständnis, für diese Riesenangst. Wer will so etwas schon erleben. Wer kann so etwas schon aushalten. Ganz alleine. Ganz alleine war sie. Niemand hat ihr geholfen, mit diesem Schock umzugehen, Worte zu finden, die Welt zurück zu holen. Niemand. Sie war alleine, danach. Ich habe daran keine Erinnerung. Ich weiß es von meinen Eltern.

Trotzdem gibt es immer wieder so kleine helle Momente in meinem Leben, die ich wahrnehmen kann. Die ganz leise, sacht und lächelnd mein Herz berühren. Wie, als ich heute in einer Cafeteria den Kamillenteebeutel aus der Verpackung nehme und sehe, dass der Tee in einem samtenen Netz hängt, mit noch ganzen Kamillenblüten. Das ist gleich ganz anders und schön anzusehen, als diese Standardteebeutel.

Alles ist gut. Alles fließt. Nichts bleibt so wie es ist. Das ist gerade etwas tröstliches.

Umwälzungen

Ich greife hier mal auf eine unübliche Methode zurück, um einen Artikel zu schreiben. Die Ereignisse der letzten Woche wirbelten so um mich herum, dass es mir unmöglich ist, daraus einen zusammenhängenden Text zu formulieren, noch mich an alles zu erinnern. Und ich bin im Moment auch extrem wirr und zerfranst im Kopf. Trotzdem will ich es festhalten. Ich habe in der Zeit einigen E-Mail-Austausch gehabt und da auch über mich geschrieben. Ich stelle davon Auszüge rein, welche durch Kursivschrift zu erkennen und nummerisch voneinander abgegrenzt sind.
Und… von wegen Rückschritte… es geht in Meilenschritten voran.

29.03.2014
1. „Wenn Sie mit aller Macht jede Aggression unterdrücken, geht auch die nötige Aggression für die Bewältigung des Alltags verloren.“ (Therapeutenaussage)
Ich kann das bestätigen. In den letzten drei Wochen hing ich ordentlich durch. Aber immer in kurzen Momenten (3 waren es), wo meine Gedanken und Erinnerungen mich an eine Stelle führten, an der Wut aufstieg, im Körper fühlbar, war es mir plötzlich möglich aufzustehen und kurz Kraft zu fühlen für den Alltag. Da muss also was dran sein.

31.03.2014
2. Oh ja, wer hat schon Bock zu erkennen, dass er selbst die “Störung” verursacht. Da stehe ich gerade. Ich erkenne die Ursache. Ich will es auf Teufel komm raus ändern. Ich erfahre, dass ich keinen bewussten Einfluss darauf habe. Ich zerbreche an meiner Ohnmächtigkeit. Und eigentlich sollte folgen, dass ich wieder mehr den Umständen und dem Prozess vertraue, egal wie er ist und ob ich ihn verstehe, aber da bin ich noch nicht. Bin noch in der Kopfdepression, nichts wirklich machen zu können, außer zuzuschauen. Und was ich sehe, will ich nicht haben. Ich hasse es! (hallo Wut :))

3. „Lieber Kopf von Sophie, was du bekämpfst, wird nur noch größer und stärker. Warum kämpfst du denn? Oder womit?“
Ich greif´ das auf und steig mal ein, weil ich schon beim Lesen deiner Fragen ´nen Heulkrampf bekomme. Vielleicht auch assoziativ…
Ich will nicht! Ich will nicht! Ich will das nicht! Ich will das nicht haben. Das will ich nicht haben. Das bin ich nicht. Das will ich nicht sein. Ich hab Angst! Ich hab Todesangst! Es tut weh. Ich muss was tun. Ich muss unbedingt was tun. Ich muss ganz dringend was tun, damit es besser wird. Weil ich es nicht aushalte. Weil ich es verurteile. Weil ich es hasse! Ich will mich nicht klein fühlen! Ich will mich nicht ohnmächtig fühlen! Ich muss da etwas ganz unbedingt in mir schützen. Niemals, Niemals, Niemals wieder soll es weh tun. Ich hasse ihn! Ich darf ihn nicht hassen!
Okay. Stopp. Weiter nicht in diesem Rahmen.

02.04.2014
4. Meine Turbulenzen laufen noch (und wie den Texten zu entnehmen ist, wohl auch noch bis Ostern?). So heftig, das auch mein Verstand daran scheitert. Soviel Wut ist in meinem Leben noch brandneu. Und Todesangst. Die kenne ich schon, aber sie ist so nah wie noch nie. Es ist wie ein Orkan. Und wenn das Herumgeschleudere nicht schon genug wäre, habe ich auch an einigen Stellen zwanghaft beschlossen dagegen anzukämpfen. Das war heftig, mit viel
Verzweiflung und irgendwie auch wieder gut, weil etwas von meinem Verstand wohl „gebrochen“ ist. Momentan liege ich im Auge des Orkans. Da ist alles still. Ich fühl mich groß und klein gleichzeitig. Ganz und zerbrochen. Wissend und mit null Ahnung. Angekommen und verloren. Gelegentlich auch irre, wie kurz vorm Wahnsinn.

5. Wow! Das ist nicht nur einfach mal irgend so eine Geschichte die ich las. Der Inhalt hat sich beim Lesen mit mir verschmolzen. Es ist das persönlichste Buch was ich jemals las. So nah an meinem Sein. Das Sein selbst. Ich find nicht die passenden Worte. Du schriebst oben „die eine Seele erkennt sich“. So ist es. Ich bin du und du bist ich. Igor ist ich und ich bin Igor. Alle sind wir eins. Zellen eines Organismus, den wir nur erahnen können.
Ich lag vorhin im Wald, auf dem Boden und war mir sehr nah. Hätte ewig verweilen können, wenn da nicht mein unruhiger Geist wäre. Ruhe und Unruhe in einem. Kreis und Dreieck in einem.
(Es geht um das Buch „Der unsichtbare Apfel“ von Robert Gwisdek)

Interessant, dass du es Ausgeglichenheit nennst. Aber du hast recht damit, obwohl es ein Paradox ist, zu meiner bisherigen Vorstellung von Ausgeglichenheit. Ausgeglichenheit ist gar nicht die ruhige Nulllinie, sondern die Gleichzeitigkeit von allem. Wieder eine neue Einsicht.
Ich hab in den letzten 6 Tagen so viel erfahren, gesehen, erkannt, geschaut, dass ich nicht weiß, ob mir davon übel sein soll, weil mein System überlastet ist oder ich irre kichern soll oder irgendwas anderes komisches machen soll. 😉

Synchronitäten verschaffen mir auch oft dieses „weh tun“, weil es so unglaublich ist. Eine Fassungslosigkeit, von der mir auch manchmal schlecht wird. Erst der Tag gestern. Der ist schon wieder Milliarden Jahre her und kaum greifbar von seiner Intensität. Vielleicht auch wegen der Intensität.
In der Therapiestunde war ich sehr überrascht, wie fein und tief meine Sinneswahrnehmungen nach innen waren. Das war neu. Und dann sehe ich einen Menschen in der Bahn, den ich kenne und denke deshalb an einen anderen Menschen und überlege mir, das ich mich nicht gut fühlen würde, wenn ich diesem Anderen begegnen würde. Und nach der Therapie begegne ich diesem Menschen wirklich! Diese 5 Minuten Kontakt, klären ein ganzen Jahr, in dem ich etwas mit mir herumgeschleppt habe.
Und dann noch die Cranio-Sacral-Behandlung, in der ich niemals damit gerechnet habe, dass ich der ursprünglich erlebten Angst begegnen kann und auch noch den Rahmen im Außen als haltend erlebe.
Schon beim Schreiben hier bekomme ich das Gefühl im Geist durchzubrennen, weil es so viel ist. Aber bitte liebes Universum, höre nicht auf damit! 🙂 Ich bin bereit!

In der Cranio-Sacral-Behandlung stoße ich sehr schnell (unerwartet) auf das Keller-Trauma und erlebe zum ersten Mal, die damalige Angst aus der Ich-Perspektive. Mein Körper reagiert heftig, mit Zittern und Krampfen, Kribbeln, gefühlten Verdrehungen, Schwindel, Auseinanderfliegen. Ich will nicht bis zum Ende gehen und komme mit viel Hilfe wieder aus der Erfahrung hinaus.
6. Bisher konnte ich alles gut Händeln und ich bin guter Dinge, es auch weiterhin zu können.
Es ist ziemlich herausfordernd. Ich bin gestern zu meiner Selbsthilfegruppe gegangen, weil ich im Kontakt bleiben wollte. Permanent liefen Angstwellen durch meinen Körper, ich am schwitzen und unruhig sein, kurz so stark, dass ich raus musste, um mich wieder erden und beruhigen zu können.
Hab im Bett noch einen “sicheren Ort” gesucht (auf dem Waldboden liegen), um dem latenten Angstgefühl einen Halt geben zu können. So bin ich doch tatsächlich, ohne Medikamente nehmen zu müssen, eingeschlafen. Das freut mich selbst sehr. Ich hab mit meinen Gefühlen im letzten Jahr so viel Drama hinter mir, das ich gerade wirklich, wirklich dankbar bin, zu erleben, dass es auch anders geht, das ich es halten kann, dass ich bei mir bleiben kann.
Und ich habe es schon auf die eine oder andere Art gesagt, aber werd nicht müde es zu wiederholen, weil es so ungewöhnlich für mich ist. Deine Art und Weise (vielleicht auch deine Energie) gibt mir und allen ängstlichen, schüchternen Teilen in mir so viel Vertrauen darin, sein zu dürfen. Sie können wahrnehmen und zulassen! das da jemand ist der helfen will und Hilfe gibt und da ist, achtsam ist und niemanden in mir überrennt.

03.04.2014
Ich bin schon mit dem Aufwachen völlig überdreht. Meine Gedanken überschlagen sich. So sitze ich auch in der Therapie. Meine Gedanken sind schneller ausgesprochen, als meine Angst Zeit hat sie zu sortieren und zurückzuhalten. Ich halte mir erschrocken die Hände vor den Mund und sage leise, dass ich die ganze Zeit Dinge sagen, die sich so anfühlen, als hätten sie nicht gesagt werden dürfen.
Ich spreche darüber, dass ich die erlebte Angst von damals gerne hier, bei ihr zu Ende bearbeiten möchte. Dazu müsste ich aber liegen – auf der Couch. Oh mein Gott! Habe ich das wirklich gesagt, dass ich das möchte? Die Couch, die mir seit 2 Jahren Angst einjagt? Die Couch, auf der ich mir nie vorstellen konnte zu liegen, ihr ausgeliefert zu sein? Da will ich jetzt wirklich hin? Scheint so. Ängstlich stelle ich weiter merkwürdige Fragen.
Ich: „Haben sie Erfahrung mit Trauma-Arbeit? Haben sie Klienten darin schon begleitet?“
Sie: „Ja.“
Ich, mehr im Spaß: „Geht es denen gut? Darf ich die Telefonnummer haben, und sie fragen?“
Sie schweigt und lächelt.
Ich: „Fühlen sie sich sicher darin?“
Sie, lächelnd: „Ja“
Ich: „Würden sie ‚Nein‘ sagen, wenn es so wäre? Wären sie ehrlich?“
Sie, kurz nachdenkend: „Ja.“
Ich: „Sicher?“
Sie, lachend: „Ja. Ich traue uns beiden zu, da gemeinsam hindurch zu gehen. Sie hindurch zu begleiten.“

Arrrgh… Ich hab so Angst!