Mich in Beziehungen anpassen, auf Kosten meiner Selbst

Ein riesen Thema bei mir!

Gerade mal einen Zipfel davon erwischt.


Wenn ich mich nicht mehr in der Lage fühle, etwas zu geben, nichts mehr zu geben habe, mich aber so verloren fühle, dass ich mich nach Halt sehne, dass jemand da ist. Einfach nur jemand da sein. Ich aber gar nicht mehr die Kraft habe, irgendetwas zu präsentieren, zu bieten, irgendwie zu sei.

Das ist schwierig zusammen. Dieses Loslassen. Einfach zu sein wie ich bin, auch wenn ich dann nicht für den anderen da sein kann, nicht mehr reden kann, nicht auf ihn reagieren kann.

Das habe ich noch nie zulassen können. Ich bin dann weiter über meine ich-kann-nicht-mehr-Grenzen gelatscht, habe funktioniert, geredet, zugehört, reagiert.

Ich müsste dann so in der Art etwas sagen, wie: Kannst du einfach nur da sein, dich mit dir selbst beschäftigen. Nicht so Erwartungen an ein Gespräch haben?

Da steckt sooo viel Angst vor Verlust und Verlassensein drin!

Wenn ich meine innere Vorstellung von, wie ich zu sein habe, mit jemandem zusammen, nicht mehr erfüllen kann. Wenn ich nicht mehr bieten kann, was ich meine zu denken, was der andere von mir erwartet. Das ich dann nicht mehr gewollt werde.

Puuuuuh… da steckt ein riesen Schmerz in meinem Herzen. Tränen laufen. Diese Zurückweisung. Diese Ablehnung, die ich da spüre… huuuuu….

Diese Grenze habe ich in den letzten Wochen überall überschritten. In der Therapie, im BEW, mit einer Freundin, in meinem Alltag mit mir.

Diese ich-kann-das-nicht-mehr-/ mir-ist-das-zu-viel-Grenze.

Es ist schwer sie zu spüren und auch zu berücksichtigen.

Depressive Gedanken

Überlegt es euch, ob ihr euch das antun wollt zu lesen. Ist nicht gerade aufbauend.

Ich kämpfe mit der Depression. Hab mich gegen gewehrt, es so zu sehen und wollte hier auch gar keinen Raum dafür geben, nichts dazu schreiben, damit es nicht noch mehr Platz bekommt.

Mir ist klar und ich fühle das auch, dass es um einen Teil in mir geht, der die Depression hat. Andere Teile sind gesund. Denen geht es gut. Die stehen eher unter Spannung, weil sie nicht zum Zuge kommen und sich nicht ausleben können, weil keine Kraft da ist. Aber mein Alltags -Ich ist es nun mal, mit dem ich am meisten unterwegs bin und welches ich auch brauche, um überhaupt unterwegs sein zu können.

Es ist so frustrierend, diese körperliche Schwäche. Ich nehme an, dass das überhaupt erst der Grund ist, warum meine Stimmung immer weiter abfällt.

Vor zwei Tagen habe ich im Alltags-Ich eine unglaublich umfassende Erschöpfung gefühlt, ein ich_kann_nicht_mehr, was sich nach Betäubung gesehnt hat und auch nach Selbstverletzung. Das war ein sehr schwieriger Tag. Was sollte ich tun? Ich konnte ja nicht meinen Kopf von sich selbst befreien, weil er von sich selbst so überlastet ist.

Gestern ging es viel besser, ich war körperlich fitter und ich fand wieder Zugang zu anderen Ressourcen. Heute wieder alles schlapp und schwach. Dieses ewige Hoffnung bekommen, wenn es mal gut läuft und dieses ewige Enttäuscht sein, wenns doch keine Bedeutung hat.

Überhaupt, diese ewigen Kreisläufe im Hirn, die sich ein ums andere Mal wiederholen und die Ohnmacht, daran nichts ändern zu können.

Von außen bekam ich das mal die Tage gespiegelt – dieser fehlgeleitete Verstand. Ich hätte losheulen können, weil es stimmt und ich das weiß und ich nichts ändern kann.

Ich setze mich immer wieder unter Druck, ich handele immer wieder aus antreibenden Motivationen heraus, ich verliere von dort immer wieder die Verbindung zu mir, zu einem Maßstab, ich verfange mich im Verstehen_wollen, verlaufe mich im Labyrinth des nach_Lösungen_suchen, weils einfach nicht so bleiben soll, wie es ist und ich erlebe immer wieder die Kraftlosigkeit meines Körpers, die mir jegliche Perspektive nimmt und alle meine Ziele für unerreichbar erklärt.

(depressiver Anteil) Ich hasse es! Es kotzt mich so dermaßen an! Und ich verstehe einfach nicht was das soll, wozu ich mich bemühe. Ich könnt heulen und um mich schlagen. Ich könnte das Handtuch ins Gras werfen und einfach aufgeben – einfach nicht mehr kämpfen – einfach der Müdigkeit hingeben – einfach liegen bleiben und einfach mit allem aufhören. Aufhören die Kraft aufzubringen, für mich zu sorgen. Aufhören Ordnung zu halten, aufhören mich ums Essen zu kümmern, aufhören mir Pläne und Wege zu überlegen. Aufhören mein inneres Leiden und Weinen zu beruhigen. Am besten alle Gedanken auslöschen, damit diese Qual endlich aufhört.

Ich weiß jetzt auch nicht mehr, was ich mit dieser Situation tun soll. Ob ich überhaupt irgendetwas tun kann.

Haushalt

Ich habe doch tatsächlich gerade meine Mutter angerufen und sie um Hilfe in meiner Haushaltsführung gebeten.

Dieser Gedanke war vor einer Woche noch ein absolutes No-Go. Viel zu viel Mutter, viel zu viel Abhängigkeit von ihr, viel zu viel Nähe und Verwicklung von Zuständigkeiten und Privaträumen und sowieso und überhaupt sollte meine Familie aus solchen Dingen herausgehalten werden.

Das die Idee überhaupt im Raum steht, liegt daran, dass sie es mir vor einigen Monaten angeboten hat. Sie fühlt sich ganz langsam und zaghaft in meine Lebensumstände ein und hat dadurch auch mehr von meinen Kraftlostagen mitbekommen.

Da flirrt auch dieses Thema von Macht und Hilflosigkeit. Wer ist groß und wer ist klein? Wer ist in welcher Rolle? Wer darf sich um wen kümmern und erlangt damit auch einen Teil von Kontrolle über denjenigen?

Heute meine Mutter um Hilfe zu bitten, hat sich nicht schlimm angefühlt. Ich habe mich weder klein und hilflos gefühlt und habe mich nicht geschämt, um Hilfe zu bitten. Nur ein klein wenig Schuld flackert herum. In ihrer Schuld zu stehen, wenn sie das tut.

Ich vermute, dass meine Entspanntheit an der Ausgangssituation liegt. Ich bin mit meinem Haushalt gerade nicht panisch, fühle mich nicht überfordert, sondern habe ganz schlicht und einfach festgestellt, dass es nett wäre, etwas Unterstützung zu bekommen, weil die Kraftlosigkeit sich zieht und die Aufgaben sich häufen. Aber es könnte alles auch einfach noch länger herum stehen, ohne das etwas Schlimmes passieren würde, außer dass es mich nervt.

In vorangegangenen Phasen solcher Art, habe ich mit dem Liegenbleiben des Haushalts immer einen heftigen Kontrollverlust erlebt und bin sehr schnell in starke innere Bedrängnis gekommen, da jetzt und sofort Hilfe zu brauchen, weil sonst die Welt untergeht.

Aus diesen Gefühlen heraus, würde ich niemals meine Mutter um Hilfe bitten. Da gebe ich etwas an sie ab, was nicht mehr zu ihr gehört. Denn eigentlich ging es in diesen Zeiten dann immer eher um Beruhigung, fällt mir gerade auf. Das war dann das unsichtbare eigentliche Thema.

Ah ja, und nun muss ich gar nicht beruhigt werden, sondern es geht tatsächlich einfach nur um Entlastung ganz praktischer Art. Ansonsten kann ich erwachsen bleiben und komme damit auch nicht in einen Rollenkonflikt und halte dann auch meine Mutter beim herum werkeln aus. Schön! 🙂

Blitzlichter aus der Tagesklinik

03.09.
Ich will keine Hoffnungen mehr gemacht bekommen!

05.09.
Ich realisiere gerade, nach 4 Jahren, dass ich eine Erkrankung habe, dass ich ein Ungleichgewicht in mir trage, welches ich durch eigene Bemühungen nicht ausgleichen kann. Das ist ein Schock!

09.09.
Ich hatte in der Verbindung zum Göttlichen und zur Erde etwas gefunden, was mir alles gegeben hat, was mir als Kind fehlte.
Und nun sagt mir jemand, das sei nicht echt, es sei sogar böse und würde mich nur täuschen und manipulieren.

11.09.
Ich schäme mich dafür, dass sich das hier so zeigt, dass ich so bin.

18.09.
Rückschläge waren nicht einkalkuliert.

20.09.
Es kommt wie es kommt, doch was ich erfahren habe, kann man mir nicht nehmen.

21.09.
Soviel Weinen und Unfassbarkeit darüber, wie es sein kann, dass ein Glaube trennt und eine Beziehung nichts zählt.

22.09.
Ihre andere Sichtweise bedroht mich.

23.09.
Erkennen von chronischer Erschöpfung/Müdigkeit/Kraftlosigkeit. Erkennen von dauerhafter Grundanspannung, Verunsicherung und Ängsten im zwischenmenschlichen Kontakt. Erstmaliges identifizieren mit der Borderline-Diagnose von vor Jahren.
Ich habe das Gefühl, ich stehe ganz am Anfang.

30.09.
Ich habe so eine Scheiß-Angst diese Bindung zu verlieren, wenn ich mich abgrenze.

02.10.
Mir fehlen Erfahrungen von Grenzen setzen/Position beziehen, ohne den Anderen zu verlieren.

03.10.
Mit mir leben – nicht gegen mich. Getarnte Selbstabwehr, versteckt hinter Fürsorge.

Trauma und Tee

Innerlich abgestürzt. Äußerlich ringe ich mit der Tagesstruktur und kann sie gerade so halten. Ein Erfolg, den mir meine Ärztin erst sichtbar machen musste. Es ist schwer etwas Gutes zu sehen, wenn innen drinnen alles dunkel ist. Meine Mundwinkel schaffen es kaum noch auf halbe Höhe. Alles ist schwer. Alles ist anstrengend. Jeder Handlungsbeginn kostet mich unendlich viel Kraft.

Ich kämpfe jeden Tag. Das ist etwas was ich auch ohne Hilfe einmal sehen kann. Ich kämpfe jeden Tag. Ich sorge jeden Tag für mich. Ich steuere gegen, ich tröste mich, ich halte mich, ich erlaube mir Dinge, ich versorge mich ausreichend, ich suche Kontakt, ich lasse Gefühle zu, so gut ich kann, ich pendele zwischen ausreichend Ruhepausen und Bewegung. Das alles mit einem absolut niedrigen Energievorrat.
Dieses stetige Vorwärtsschreiten scheint mir in den Genen zu liegen. Ich kann gar nicht anders. Auch wenn ich selbst oft darauf warte, dass ich einfach zusammenbreche und mich nicht mehr rege. Es kam bisher nie dazu.

Schon eine Weile her, dass ich über einen so langen Zeitraum so niedergeschlagen, schwer und müde war. Ich frage mich, ob das die Stimmung der 6-Jährigen in mir ist, nach dem sie das Trauma erlebt hatte. „Da ist etwas durchgerissen.“ Ja… da ist wohl etwas Wesentliches zerrissen. Ein Erlebnis und die Verbindung zur Welt zerreißt.

Obwohl ich selbst genau weiß, wer an dem Erlebten damals beteiligt war, musste ich letzte Woche doch zu meinem Erstaunen feststellen, dass der Teil in mir der diese Erfahrung gesammelt hat, den Täter ausblendet. Sie hat keine Vorstellung davon, wer es war und sie hat eine Heidenangst dorthin zurück zu gehen. Sie weiß, dass „er“ dort auf sie wartet, aber wer „er“ ist, davon hat sie keine Vorstellung.
Ich habe Mitgefühl und Verständnis, für diese Riesenangst. Wer will so etwas schon erleben. Wer kann so etwas schon aushalten. Ganz alleine. Ganz alleine war sie. Niemand hat ihr geholfen, mit diesem Schock umzugehen, Worte zu finden, die Welt zurück zu holen. Niemand. Sie war alleine, danach. Ich habe daran keine Erinnerung. Ich weiß es von meinen Eltern.

Trotzdem gibt es immer wieder so kleine helle Momente in meinem Leben, die ich wahrnehmen kann. Die ganz leise, sacht und lächelnd mein Herz berühren. Wie, als ich heute in einer Cafeteria den Kamillenteebeutel aus der Verpackung nehme und sehe, dass der Tee in einem samtenen Netz hängt, mit noch ganzen Kamillenblüten. Das ist gleich ganz anders und schön anzusehen, als diese Standardteebeutel.

Alles ist gut. Alles fließt. Nichts bleibt so wie es ist. Das ist gerade etwas tröstliches.