Rückblick und Abschied

Der erste Mensch, dem ich zu 100%  vertraut habe, war Fr. S.. Das war für mich das erste Mal mich im Rahmen des Betreuten Wohnens wiederzufinden. 2015/2016.

Mit ihr habe ich ganz wunderbare Erfahrungen gesammelt, dass jemand da ist (wie hier oder hier). Nun verlässt sie das Land und hat mich darüber informiert, so dass ich ihr nochmal, ein letztes Mal schreiben kann.

„Hallo Frau S.,

ich fühle etwas Angst Ihnen zu schreiben, weil es so endgültig ist.

Nun wird es endgültig, dass Sie zu meinen Erinnerungen gehören und Vergangenheit sind. … wo ich das schreibe, fühlt es sich gar nicht mehr schlimm an. 🙂

Wunderbar! Auch bewältigt. 😀

Sie haben die Spur gelegt, auf der ich weitergegangen bin. Ich wachse und wachse. Es passiert kontinuierlich immer wieder etwas Neues. Innerlich ist da sehr viel passiert. Letztes Jahr war eine Art Wendepunkt. Da bin ich endlich auch im Kopf in der veränderten Lebenslage angekommen. Ich habe die Einschränkungen realisiert und akzeptiert, als Teil meines Lebens. Das hat sehr, sehr weh getan, all die Ideen die ich bis dahin noch so von meinen Möglichkeiten hatte, loszulassen und erst einmal nicht fühlen zu können, dass mein Leben wie es ist auch wertvoll und sinnvoll ist.

Seitdem kämpfe ich weniger dagegen an, kann meine Zielsetzungen realistischer stecken und habe meist im Bewusstsein wo meine Einschränkungen sind, auf was ich achten muss.

Ich nehme nun auch deutlich mehr vom Quetiapin, was mir tatsächlich sehr hilft, besonders im Erleben von Angst. Dadurch konnte ich ein Gruppenangebot in der KBS überhaupt erst realisieren und verbringe dort insgesamt viel mehr Zeit unter Menschen. Meine persönlichen Kontakte nehmen zu.

Und die ganzen Werkzeuge die ich regelmäßig anwende, plus ausreichend freie Zeit für mich alleine, helfen mir Stress viel schneller zu verarbeiten. Ich übe seit ca. einem halben eine angeleitete Atementspannung – das ist Gold wert – überall – zu Hause und unterwegs.

Ich habe so gut wie kaum noch Probleme, im Krisenfall Institutionen anzurufen – Krisendienst, SpD, Krisenstation. Ich spüre, wenn ich hin fühle sofort was ich brauche. Letztens habe ich sogar nach einem Telefonat, weil es nicht geholfen hat, gleich nochmal wo anders angerufen. Das hätte ich früher nicht gekonnt. 🙂 Ich bin es wert, mir Hilfe zu holen.

Und seit dem ich mit dem Akupressurklopfen an meiner Selbstannahme arbeite, werden auch die destruktiven Strömungen deutlich weniger. Das letzte Mal verletzt habe ich mich glaube vor einem Jahr. So richtigen fiesen ausgeprägten Selbsthass schon ne ganze Weile nicht mehr. Na klar, ist das alles noch in mir, aber da ist auch eine liebvolle Seite sehr gewachsen.

Das Buch „Resilienz“, von Matthew Johnstone hat mir auch sehr geholfen, mich an eine positive Ausrichtung zu erinnern. Ich stehe ja auf Bilder. 😀

Ich komme im Alltag mittlerweile echt gut alleine klar, auch mit dem regulieren von Gefühlen (auch durch das Klopfen).

Ich bin immer noch im BEW. Vor kurzem hat wieder ein Betreuungswechsel stattgefunden. Mit der Frau nach Ihnen durfte ich, nach großen Startschwierigkeiten, ganz wunderbare neue Erfahrungen mit Berührungen erleben. Ich kann Gefühle besser zulassen, die schweren, wenn ich berührt werde (und das annehmen kann). Das war echt heilsam, dass sie da so offen war, das auszuprobieren. Ich hatte letztes Jahr auch psychotische Symptome. Dabei haben Berührungen Wunder bewirkt, zu spüren, dass man noch da ist.

Die Frau jetzt… naja… die üblichen Startschwierigkeiten. 😉 Ich denke, dass ich von ihr nicht so viel lernen kann. Naja, vielleicht doch. Das Abgrenzen und meine eigene Kraft erkennen. 😉

Ich könnte jetzt noch ne ganze Menge mehr erzählen. Das wird nur zu viel und so wie es da steht, klingt es doch richtig gut, oder. 😀

Also Frau S., bleiben Sie wie sie sind, mit viel Herz und Aufgeschlossenheit. 🙂

Herzliche Grüße

Sophie“