Innere Begegnung im Alltag

Im Bäcker. Vor mir ein Milchkaffee. Geräusche und Bewegung um mich herum, von Kundschaft und Musik. Beruhigend. Haltend. Beobachtend. Eine Frau löst Sehnsucht aus. Ein Gedanke: mir fehlt jemand, den ich bewundern kann, ein warmes Vorbild. Trauer, dass da niemand zum anlehnen ist. Ein weiterer liebevoller Gedanke: was hälst du davon, wenn du dich selbst bewunderst? Wie du für dich da bist, selbst liebevoll bist.

Tränen steigen auf und eine kullerte das Gesicht hinab. Das berührt mich tief, mitten in dem Trubel eine Insel der inneren Begegnung.

Und es ist wahr. Ich bin die Mutter die ich mir immer wünschte.

Ist es wahr?

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Dein Aufstieg

Ich muss mich um zwei kümmern. Um Dich und um mich.

Lege mir eine Decke um die Schultern, damit ich gehalten bin, wenn ich dir begegne.

Ich muss aufpassen, dass ich nicht mit dir verloren gehe.

Mit der Decke, Schreibzeug neben mir, Öl und dem Wissen/Bewusstsein, dass dies ein geplanter-ungeplanter Moment ist, wo ich mich entscheide dich anzuschauen, weil du eben schon da warst (und letzte Woche schon), zünde ich dir eine Kerze an.


 

Ich zünde Dir eine Kerze an, meine Liebe, die deinen Weg nach oben beleuchten soll.
Weil es das ist, was du mir gezeigt hast.

Du bist gestorben und in den Himmel aufgestiegen. 😥 😥 😥

Ich gehe nun mit dir dieses Stück Richtung Himmel. Begleite deinen Aufstieg.

Du bist jetzt bei den Engeln. Sie passen auf Dich auf. Bei ihnen geht es Dir gut.

Dort bist Du in Sicherheit.

Du bist jetzt im Himmel. Dort geht es Dir besser.

Für Dich <3

Für Dich ❤

Deine Erlösung.

Du bist dort damals gestorben.


 

Du bist deinen Weg schon längst gegangen. Das Leid hast du zurück gelassen.
Soll sich wer anderes drum kümmern. Ich zum Beispiel.

Wohin damit?
Kann ich es ebenso zurücklassen?

Du bist weg, aber ich bin noch da!


 

Ein bedürfnisloser Zustand.

weich
weit weg
wie auf Wolken

Wie passend. Ist es so wenn man tot ist, wenn die Seele gestorben ist?

da
nicht da

hier und
fort

verschwunden

Gar nicht so unangenehm.

still
friedlich
aufgehoben

Das bist Du.
Es ist gut, Dich in Sicherheit zu wissen!

Kann es hier dann weitergehen?
Wirst Du fehlen?
Brauche ich Dich?

Wie wird es ohne Dich sein?
Jetzt wo ich es weiß.

Du fehlst mir. 😦

Werd ich ohne Dich leben müssen?


 

Ich habe überlebt!

Jetzt kann ich damit etwas anfangen, mit dieser Aussage.


 

Am vorletzten Morgen im Krankenhausbett.

Dieser dunkle Zustand taucht wieder auf. Ein Gefühl tot zu sein.

Wie besprochen, lasse ich ihn diesmal zu, in der Vermutung, dass dies ein Wiedererleben ist von damals und mich nicht fürchten brauch.

In Bruchteilen von Sekunden verwandelt er sich und ich spüre wie ich ins Licht aufsteige. Plötzlich ist alles klar und die Wahrheit durchflutet mich, dass es mir den Atem raubt und ich sofort von dieser Empfindung zurückspringe und meine Tränen unter der Decke verstecke.

Ich bin gestorben – damals.

Meine Bettnachbarin reagiert auf mein Weinen, streckt ihre Hand in meine Richtung, ich ergreife sie und halte mich daran fest, während ich ihr weinend erzähle, was ich eben gefühlt habe.

Dann stehe ich auf, versuche Abstand zu finden.

Bis heute…

Ich denke, es ist alles gut, auch wenn es mir das Herz bricht.

 

 

Haushalt

Ich habe doch tatsächlich gerade meine Mutter angerufen und sie um Hilfe in meiner Haushaltsführung gebeten.

Dieser Gedanke war vor einer Woche noch ein absolutes No-Go. Viel zu viel Mutter, viel zu viel Abhängigkeit von ihr, viel zu viel Nähe und Verwicklung von Zuständigkeiten und Privaträumen und sowieso und überhaupt sollte meine Familie aus solchen Dingen herausgehalten werden.

Das die Idee überhaupt im Raum steht, liegt daran, dass sie es mir vor einigen Monaten angeboten hat. Sie fühlt sich ganz langsam und zaghaft in meine Lebensumstände ein und hat dadurch auch mehr von meinen Kraftlostagen mitbekommen.

Da flirrt auch dieses Thema von Macht und Hilflosigkeit. Wer ist groß und wer ist klein? Wer ist in welcher Rolle? Wer darf sich um wen kümmern und erlangt damit auch einen Teil von Kontrolle über denjenigen?

Heute meine Mutter um Hilfe zu bitten, hat sich nicht schlimm angefühlt. Ich habe mich weder klein und hilflos gefühlt und habe mich nicht geschämt, um Hilfe zu bitten. Nur ein klein wenig Schuld flackert herum. In ihrer Schuld zu stehen, wenn sie das tut.

Ich vermute, dass meine Entspanntheit an der Ausgangssituation liegt. Ich bin mit meinem Haushalt gerade nicht panisch, fühle mich nicht überfordert, sondern habe ganz schlicht und einfach festgestellt, dass es nett wäre, etwas Unterstützung zu bekommen, weil die Kraftlosigkeit sich zieht und die Aufgaben sich häufen. Aber es könnte alles auch einfach noch länger herum stehen, ohne das etwas Schlimmes passieren würde, außer dass es mich nervt.

In vorangegangenen Phasen solcher Art, habe ich mit dem Liegenbleiben des Haushalts immer einen heftigen Kontrollverlust erlebt und bin sehr schnell in starke innere Bedrängnis gekommen, da jetzt und sofort Hilfe zu brauchen, weil sonst die Welt untergeht.

Aus diesen Gefühlen heraus, würde ich niemals meine Mutter um Hilfe bitten. Da gebe ich etwas an sie ab, was nicht mehr zu ihr gehört. Denn eigentlich ging es in diesen Zeiten dann immer eher um Beruhigung, fällt mir gerade auf. Das war dann das unsichtbare eigentliche Thema.

Ah ja, und nun muss ich gar nicht beruhigt werden, sondern es geht tatsächlich einfach nur um Entlastung ganz praktischer Art. Ansonsten kann ich erwachsen bleiben und komme damit auch nicht in einen Rollenkonflikt und halte dann auch meine Mutter beim herum werkeln aus. Schön! 🙂

Vielleicht können Sie bleiben

Ich bin ziemlich beeindruckt, was hier seit den Rauhnächten in mir passiert.

Ich hatte gleich zu Beginn der Rauhnächte, die Beziehung zu Frau Helferin in den Heilungsraum des Kurses gelegt.

Seit dem habe ich fast täglich das Gefühl, dass sich etwas in mir dazu verändert, mit völlig neuen Empfindungen und Gedanken die ich geradezu revolutionär finde.

Einige Notizen aus den Tagen:

29.12.2015
Ich hatte erst das Gefühl, ich muss mich jetzt trennen, ich muss Sie vergessen, loslassen, ich muss jetzt alleine sorgen.

Aber dass es vielleicht auch okay ist, dass Sie in mir trotzdem noch da sind, ich mich mit diesem Bild von Ihnen verbinden kann, ohne sie real zu sehen, die Idee ist mir heute erst gekommen. Dass das okay sein könnte, eben für die Teile in mir, die dieses (Vor-)Bild brauchen, weil sie nie eines hatten. Dass das dann nicht gleichzusetzen ist mit Abhängigkeit und schlecht ist. Das die jüngeren Anteile in mir Sie gar nicht loslassen brauchen, sondern sie behalten dürfen. Dass das beides nebeneinander geht. Sie sind im Innen da für Anteile und ich bin ebenso da für mich.

Das ist eine schöne Idee.

Neu wäre daran, dass ich diese Verbindung zulassen kann.

02.01.2016
Jetzt in den Rauhnächten tauchen Sie täglich in mir auf. Es fällt mir schwer, Sie nicht jedes Mal wegzuschieben und dieses Verbundenheitsgefühl zuzulassen, auszuhalten, obwohl es ja ein ersehntes, gewünschtes Gefühl ist. Ich muss mich immer wieder aufs Neue bewusst dazu entscheiden mich anzunähern.

Und es ist groß! Es ist wirklich groß! Es ist neu und es ist fremd. Es dehnt meinen Brustkorb aus und mein Herzfeld, in Bereiche wo ich mich ängstlich frage, halte ich dieses Gefühl aus, passt das alles in mich hinein und ist das überhaupt gut und richtig?

Heute kam etwas Neues hinzu. Und ich frage mich, darf ich eine gefühlte körperliche Verschmelzung mit Ihnen zulassen?

Das Gefühl war da. Ich konnte mich etwas dafür öffnen und es einatmen. Es war riesig und traf kurz auf inneren Schmerz. Da hat sich etwas berührt, wo vorher noch keine Berührung existierte.

Vielleicht ist das alles okay so, wenn ich mir überlege, dass im Säuglingsalter das Gefühl einer körperlichen Verschmelzung mit der Mutter etwas ganz natürliches ist. Eins sein. Vielleicht können kleinere Anteile hier etwas nachholen. Wer weiß.

Nähe IV (Heilarbeit)

Wir hatten uns nur kurz im Auto gedrückt, als sie mich vom Bahnhof abholte. Bei ihr zu Hause angekommen, stehe ich im Flur, ziehe mir die Schuhe aus. Sie ist in der Küche. Mein Herz sehnt sich nach Nähe und schmerzt. „Können wir uns noch mal umarmen?“, frage ich sie mutig. „Na klar!“ und wir nehmen uns noch mal richtig in den Arm. Ich fühle ihre Nähe. Ich fühle diese Umarmung und mein Herz schmerzt.

Alles ist so neu und unbekannt. Mein Fühlen, mein Trauen, die darauf folgende Reaktion und wieder neues Fühlen usw..

Während sie in der Küche hantiert, um uns Kaffee zu machen, steigen bei mir Tränen auf. Mein Herz will sich öffnen und weinen, weil jemand da ist. Meine Angst kämpft dagegen an, versucht das herausbrechen wollende Schluchzen zu unterdrücken.

Sie kommt ins Zimmer, während ich schon ins Taschentuch schniefe und Tränen wegwische und ich erzähle mein Ringen und Weinen wollen. Alles ist so nah und tut weh.

Sie geht kurz raus, kommt wieder und drückt mir einen großen Plüschhund in die Arme. „Damit kann man gut weinen“, sagt sie fröhlich und geht wieder in die Küche.
Mein Ego zuckt kurz, ist irritiert, weil es alleine gelassen wird und lieber will, dass sich gekümmert wird.
Mein Herz drückt sofort den Plüschhund an sich und kann ein wenig mehr in diese Innigkeit weinen.

Sie kommt wieder zurück und drückt mir Taschentücher in die Hand, um dann wieder in die Küche zu gehen.
Mein Ego denkt: merkwürdige Situation und muss irritiert lachen.
Mein Herz ist dankbar, fühlt ihre Präsenz und kann weiter etwas loslassen, bei sich bleiben.

Sie kommt zurück, stellt zwei Teller mit Kuchen auf den Tisch und setzt sich auf die andere Seite der Couch. Ich schluchze gepresst weiter vor mich hin. Fühle mich hilflos und gefangen in der Situation und sehne mich so nach gehalten werden.

„Wenn du meinen Arm brauchst, sag Bescheid“, sagt sie völlig entspannt.

Ich überhöre die Einladung. „Ich kann nicht richtig loslassen, es zulassen.“

„Du kannst auch ins andere Zimmer gehen, wenn es hier nicht geht.“

Ich zittrig, schluchzend traue mir, mein Sehnen auszusprechen (ein Sprung ins Ungewisse): „Aber ich will genau das Gegenteil! Ich will mich am liebsten auf deinem Schoß zusammenrollen.“

„Ich hab dir ja meinen Arm angeboten.“

Hilflos und damit nichts anfangen können. „Ich weiß nicht, wie man das macht!“ Der Körper hochgradig starr werdend, in angstvoller Erwartung, was nun passiert.

„Hmmm… du weißt nicht, wie man das macht. Ich setze mich mal neben dich.“ Steht von der anderen Seite der Couch auf und setzt sich nah neben mich, ohne mich zu berühren. Zeigt mit einer Geste einladend auf ihre mir zugewandte Schulter.

Sofort schießt die Angst durch mein System. So nah! So nah! Rede irgendwas. „Kann sein, dass ich gleich nen Panikanfall bekommen“ und schaue sie mit großen, ängstlichen Augen an. „Denke mal nicht so viel.“ „Das denke ich nicht, das fühle ich!“ und schon geht es los. Die Atmung beschleunigt sich, schlägt über. Ich beuge mich vorne und halte meinen Kopf in den Händen. In einer Hand einen Kienapfel und unter den Füßen ein Kühlakku, um dabei bleiben zu können. Ihre Hand auf meinem Rücken, für die Energiearbeit: „Schön durch die Nase ein und durch den Mund aus. Sprich mal im Geiste(…)“ „Ich kann keine Sätze mehr denken“, antworte ich durch den Sturm in mir drin. „Das ist gut!“, sagt sie freudig. Ich: „Das haben Panikattacken so an sich.“

Am Rande nehme ich war, dass sie sich ein Kissen auf den Schoß legt und eine Decke darüber zieht. Die Sehnsucht schießt empor und mit strudelndem Panikkörper und dem wiedergekehrtem Schmerz und Sehnen im Herzen, gebe ich den Widerstand auf, lasse mich seitlich mit dem Kopf auf diesem Kissen nieder, den Plüschhund unterm Arm und vors Gesicht gedrückt, um die Scham zu bedecken.

Und dann passierte so viel in mir, dass ich mich nicht in der Lage fühle, dass hier wiederzugeben, weil ich es nicht mehr greifen kann. Ich weiß nur mit Sicherheit, dass das ein Durchbruch war (wieder mal). So etwas habe ich in meinem Leben noch nie gemacht, gehabt, zugelassen.

Die Gefühle wechselten hin und her. Zwischendurch musste ich raus aus der Position, wollte sie wegstoßen, den Hund in die Ecke werfen und wurde unheimlich wütend. Dann ging es wieder zurück in den Schmerz und auf ihren Schoß. Und noch viel mehr. Mein Körper, mein Ego kämpfte, zitterte, weinte, schluchzte. In meinen Gliedmaßen fühlte es sich an, als würde Starkstrom fließen.

Und sie saß die ganze Zeit entspannt, strich mir über meinen Rücken, machte verschiedene Energieausleitbewegungen, sagte mir verschiedene Sätze, die ich für mich sprechen konnte, damit alle Gefühle fließen und losgelassen werden konnten, hielt all meine Gefühle und hin und her aus, ließ alles in ihrer Präsenz geschehen, war da. Ich bin deswegen tief beeindruckt. Zu dem was ich da gefühlt habe, bekomme ich momentan keinen Zugang.

Irgendwann löste ich mich aus der Situation, wollte nicht länger zulassen. Mein Ego sagte: „Jetzt reicht es aber auch mal. Man kann ja auch nicht alles an einem Tag auflösen.“ (Kann man vielleicht doch. Doch ihm wurde es zu bunt. 😉 )

Ich saß da, mit Starkstrom im Körper und Ganzkörperschwindel. Mein Sprachvermögen war stark eingeschränkt, die Atmung aufgewühlt und kurz und immer noch zitterte und zuckte mein Körper. Ich machte mir Sorgen, wie lange es nun dauern würde, bis ich mich wieder stabilisiert hatte. „Du kannst so lange bleiben wie du willst. Bis spätestens morgen 13 Uhr“, sagt sie und meint das völlig ernst. Ihre Hingabe, ihr Vertrauen, ihre Entspanntheit und Selbstsicherheit berühren mich sehr.

Sie drückte mir einen Rosenquarz in die linke Hand (der saugte ordentlich) und gab mir Rescue-Salbe, um sie auf der Stirn zu verteilen. Es dauerte vielleicht gerade mal 20-30 Minuten, bis ich mich wieder stabilisiert und entspannt hatte. Ich war sehr erschöpft. Sonst fühlte ich mich weich, mir sehr nah, aufgeschlossen, gereinigt und ausgeglichen.

Und dann konnten wir endlich über die Sachen sprechen, die der eigentliche Grund meines Besuches waren. 🙂

Nähe

Soviel da. Soviel Nähe und Körper, das es wehtut. Soviel Sehnsucht nach dieser Nähe, nach Versicherung, da zu sein, dass ich nicht aufhören kann mich abzutasten, festzuhalten und riesigen Schmerz zu fühlen.

Ich beginne ihre Nähe zu spüren (zuzulassen). Sie nähern sich an. Es nähert sich an. Ein Teil von mir, will sich ganz unbedingt versichern, dass sie wirklich da sind. Das sie wirklich, wirklich da sind.

Sie, Ich, mein Körper ganz real, ihr Körper (ihre Hände) in meiner Vorstellung – alles vermischt sich. Das ist wohl Nähe. So fühlt sie sich an. Wenn man gleichzeitig im Raum ist. Gleichzeitig sich und jemand anderen spürt.

Ich fühle mich von innen, spüre die Berührungen, die ich mir gebe. Ich spüre mich selbst!!! Ich spüre Liebe zu mir selbst, ich spüre meine Lippen die über den Oberarm wandern, ich spüre meine Nähe, ich spüre mein Halten, ich spüre mein Festhalten. Ich spüre Berührungsschmerz, wo vorher nur taube Hülle war. Immer wieder wandern meine Hände meinen Körper ab. Ich kann nicht aufhören zu weinen. Ich bin da. Ich bin da. Ich bin da! Meine Hände versichern mir das immer wieder. Streichen liebevoll, halten, greifen, drücken. Ich kann es von innen fühlen. Realisiere immer wieder – mein Körper, meine Beine, meine Haut – ICH BIN DA!

Ich halte es aus. Ich halte es aus. Ich halte es aus und wenn ich die ganze Nacht weine und wenn es die ganze Nacht emotional so weh tun sollte. Da fehlt so viel davon in mir. Da wird so viel gebraucht. Da war so gar nichts dagewesen.

Hat mir das nie einer gegeben? Kann das wirklich sein? Wurde ich nie gehalten? Wurde ich nie körperlich getröstet? War man mir nie so richtig nah?

Wenn man nicht berührt wird (oder zu wenig), verliert man sich.

Therapieprozesse IX

Tief eingetaucht, bis auf den Grund von Schmerz, Trauer, irgendwas schlimmen Frühkindlichem und Selbsthass. Durchmanövriert mit allen Ressourcen die mir zur Verfügung standen, innerem Beistand, Verständnis, äußerer Selbstfürsorge. Bei mir geblieben. Alles durchgelassen. Aus Dissoziation mal zurückgeführt, mal zum verschnaufen dort geblieben. Hilfe geholt. Hilfe bekommen. Gute Erfahrungen gemacht.

Heute liege ich hier, erschöpft, wund, verletzt und fühle mich nackt. Bin mir nah – meiner Existenz, meinem Ursprung, meinem Körper. Werde immer wieder müde. Es war sehr anstrengend.

Alles in allem war es gut. Reinigend. Klarheit bringend. Das Wort Katharsis fiel mir immer wieder zu.

 

17.02.2015

Ein Missverständnis führt dazu, dass ich es aufgegeben habe von ihnen verstanden zu werden.

Ein Missverständnis! Tragisch!

Ihre Deutung hat das verhindert, hat keinen Platz mehr gelassen.

All die Momente des Ringens, Kämpfens, Bemühens, Erklärens um verstanden zu werden, um emotional erfasst zu werden. All das Scheitern, gegen Widerstände stoßen. Ich fühle jeden einzelnen dieser Momente, der letzten 2-3 Jahre.

Was für ein Unrecht! Was für ein Schmerz!

Ich verstehe es endlich, dieses Missverständnis mit so tragischen Auswirkungen.

18.02.2015

Ich wollte einfach nur gesehen und verstanden werden. Natürlich ist das auch ein frühkindlicher Wunsch. Aber es ist kein unerfüllbarer Wunsch aus der ungestillten Vergangenheit.
Wäre es so, würde ich eine Vorstellung integrieren, dass es im Heute nie möglich wäre emotional erfasst zu werden. Das wäre schrecklich!
Und so ist nicht die Wirklichkeit. Es ist möglich! Das habe ich außerhalb dieser Therapie erfahren. Für sie hieß diese Erfahrung, dass ich eine alte Sehnsucht nicht loslassen würde. Und nun sagen sie, das war ein Missverständnis!

Eine neue Erfahrung führt ebenso in die ursprüngliche Wunde wie die Wiederholung der alten Erfahrung. Sie ist über die alte Erfahrung nur schwieriger zu erkennen, finde ich.

Das nicht alle Menschen sich verstehen ist normal. Auch das sich Menschen trennen, wenn das nicht Gesehen werden zu groß ist, ist normal. Aber das es so verdammt weh tut, nicht erkannt zu werden, kommt aus der Vergangenheit.

Das Bedürfnis gegenüber meinen Eltern, speziell meiner Mutter aufzugeben war plausibel und stellte sich auch ein. Das Bedürfnis gegenüber ihnen einzustellen, kam mir nicht richtig vor und führte am Ende dazu, dass sich keine tragende Beziehung entwickelte und ich die Therapie beenden will.

Methoden verengen den Blick auf die Wirklichkeit.

Es wäre möglich gewesen, wenn sie in meinen Worten nicht immer ihre Deutung gesucht hätten. Oh mein Gott! Es wäre möglich gewesen! Ich habe es so oft versucht zu erklären. Wenn sie doch nur geschafft hätten loszulassen. Ihres für einen Moment loszulassen. Ihr Ziel loszulassen.

So hatte ich keine Chance.

Ich habe immer wieder meine Abwehr losgelassen, bin neutral und aufgeschlossen in den Prozess gegangen, doch sie haben mich in dieser Abwehr festgehalten.

Es ist so unfair! Es tut so weh!

20.02.2015

Sie (Mutter) hat mich nie nicht gewollt, nur fehlte ihr das emotionale Werkzeug, um mir das zu vermitteln.
Eigentlich ist es nicht meine Bindungsstörung, sondern die meiner Mutter.

Bindungstrauma
= gescheiterte Kommunikation (emotionale Spiegelung) in der frühkindlichen Entwicklung zwischen meiner Mutter und mir
= erzeugt das Gefühl von ‚ich werde abgelehnt‘
= erzeugt den Glauben ‚ich bin falsch‘, ‚ich habe keine Existenzberechtigung‘, ‚ich bin nichts wert‘

Es ist ein Missverständnis. Eine Fehlinterpretation des kindlichen Geistes.

Eine unbewusste Weitergabe eines Traumas. Weil ihre Kindheit dazu führte, sich von ihren Gefühlen abzuschneiden, stand sie für meine Gefühle auch nicht mehr zur Verfügung. Völlig unwissend und nichts ahnend über die Auswirkungen.

Nun stehe ich hier und habe ein Bindungstrauma. Die misslungene frühkindliche Kommunikation, die erlebten Zurückweisungen, der mangelhafte Körperkontakt… das alles hat gar nichts mit mir zu tun. Es ging nie wirklich um mich. Ich war gar nicht gemeint. Nicht ich wurde zurückgewiesen.
Ihre Erfahrungen machten unsere Bindung nicht möglich. Welch Tragik!
Vielleicht hilft diese Erkenntnis, wenn mich der Selbsthass das nächste Mal überrollt.

Meine Mutter ist diejenige die konkrete Gewalt, Demütigung, Erniedrigung erfahren hat.

Über die Grundversorgung hinaus scheint es nicht möglich in ein emotionales Gespräch zu kommen. Außer ich bin gut drauf, lache, freue mich. Darauf kann sie reagieren, lacht und freut sich mit, schäkert mit mir.

Ich habe so krasse Sehnsucht danach, dass da jetzt jemand sein soll. Jemand der für mich da ist. Ich weiß was das ist, woher es kommt und das es in dieser gefühlten, gesehnten Form nicht existiert. So ehrlich muss ich mit mir sein, damit sich keine Illusion aufbaut. Damit ich jetzt nicht hilflos werde und Helfer aktiviere, in dem Glauben sie könnten mir das Fehlende geben.

Ich leide gerade an der inneren Abgeschlossenheit, der fehlenden Möglichkeit dieses riesen Paket jemandem sichtbar zu machen. Wie damals – innere Isolation.

Neue Wege suchen

Frau Helferin sieht meinen Krisenanruf von gestern Abend (ich erreichte sie nicht, dafür aber die Krisenstation die half) und ruft von sich aus zurück. Ich werfe aus der inneren Abgetrenntheit heraus lauter Fachwörter in das Telefon – Dissoziation, Handlungsunfähig, Flashback usw.. Ein Versuch mich mitzuteilen. Sie versteht. Ich fühle, dass sie versteht. Wir kreisen ein was ich brauche und ich erlaube mir, ihr zu sagen, dass ich eine neue Erfahrung von erfasst werden brauche, mit dem was gerade so viel in mir ist, was gerade schlimm ist. „Hilft es ihnen wenn ich komme?“ Keine Worte und auch Wahrnehmung um zu beschreiben, was dieser Satz in dem Moment mit mir machte. Wenn man gleichzeitig ‚NEIN‘ und ‚JA‘ hinausschreien will. Wenn das ‚Nein‘ zu lautem inneren Schreien führt und das ‚Ja‘ zu lautem inneren Schreien führt. Ich sagte ‚Ja‘. Ich legte den Hörer auf und etwas in mir rastete aus. Ich fühlte nichts und doch schrie ich fast, weinte heftig, fing mein ganzer Körper an zu zittern. Ich ließ es zu, sprach zu mir, dass das okay ist, dass ich bei mir bin, dass ich da bin und mich halte. Es hörte nach kurzer Zeit von alleine auf und danach tauchte ich bewegungsunfähig ab. Frau Helferin schickte zwischen durch immer mal wieder Ideen die jetzt meinem inneren Kind helfen könnten. Das trug mich, holte das Jetzt zurück.
Eine so neue Erfahrung! Ich bin dankbar, dass ich das zulassen und annehmen konnte.

21.02.2015

Ich bin wütend was dieses Missverständnis mit mir gemacht hat, welche Lernerfahrungen es mir in dieser Therapie brachte, welche Wiederholungen meiner Kindheit, welche Glaubenssätze über mich selbst. Wie viel Verunsicherung meinen eigenen Gefühlen gegenüber. Wie viel in Frage stellen meines Handelns, besonders wenn es darum ging mir Hilfe zu holen.

Ich finde mich nicht wieder in ihrem Gefühl, ich wäre die ganze Zeit gegen diese Therapie gewesen. Es gab Phasen, ja. Es gab aber auch viel Bereitschaft meinerseits.