Abstriche im Haushalt

Der Pflegedienst ist schnell, aber echt nicht gründlich.

Wenn der Topf noch Essensreste hat, die Fliesen überm Waschbecken noch Zahnpasta-bespritzt, der Herd noch Fettspritzer und Badflächen noch staubig, dann bin ich zu erschöpft, um mich darüber zu ärgern.

Dafür ist der Abwasch gemacht, das Waschbecken, die Toilette, die Badewanne sauber, Blumenerde entsorgt und neue gekauft.

Es war ihr allererster Arbeitstag. Vielleicht hat sie vor Aufregung nicht richtig sehen können.

Ist mir ja bekannt. 🙂

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geschafft

kann man jetzt zweideutig lesen… geschafft.

ich meine das erfolgreiche ‚geschafft‘. obwohl das psychische geschafft sein, auch immer noch thema ist.

die sozialarbeiterin eines pflegedienstes war heute morgen bei mir und hat mit mir die details des unterstützungsbedarfs besprochen. ich habe mich ganz viel getraut zu zeigen und zu sagen. war schwer und trotzdem leichter als gedacht.

sie hat mir dabei geholfen, indem sie gleich zu beginn die schwere und traurigkeit angesprochen hat, die diese situation für mich und meine nahen menschen wohl bedeuten mag. mir standen sofort die tränen in den augen. ja, ich hätte es mir anders gewünscht.

ich hatte immer noch mit den gedanken zu kämpfen, dass man meiner wohnung nicht ansieht, wie schwer alles ist, wie sehr ich in not komme und unter dem druck, alles schaffen zu müssen, leide.

das konnte ich ihr alles sagen.

vorhin kam dann der anruf, dass sie sich mit dem sozialpsychiatrischem dienst und der pflegeleitung abgesprochen habe und alles okay ginge. sie kommen dann nächste woche das erste mal, für eine stunde.

saugen, wischen, abwaschen, fensterputzen, zum einkaufen gefahren werden, bei bedarf wäsche waschen oder mahlzeiten für die woche mit mir besprechen und vorbereiten – dass alles macht jetzt jemand, wenn wir uns gut vertragen.

mit meiner mutter ist es ja nur teilweise gut gelaufen. mal konnte ich den lärm, die hektik und auch die grenzüberschreitungen nicht gut aushalten. gut, dass ich diese erfahrungen schon sammeln konnte und so auch gleich weitergeben.

wird jetzt ne testphase. ich habe keine ahnung wie es wird. jemand fremdes bewegt sich eigenständig in meiner wohnung und ich muss ihm die arbeit überlassen.

ohne ambivalenz geht es wohl nicht. von, ich will das nicht, bis, endlich entlastung und kraft für anderes nutzen können, ist alles dabei.

ich bin fast ein wenig überrascht, dass es dann doch so schnell ging und das ohne unterstützung durch meine ärztin. ihr war wahrscheinlich auch das modell nicht so bekannt. ich habe schon gehört, dass wenige menschen das in anspruch nehmen. hilfe zur pflege oder hilfe zum lebensunterhalt, nennt sich der topf vom sozialamt.

beim letzten termin hatte sie sich jedoch ganz anders präsentiert und von selbst nach der pflege gefragt, als sie meinen zustand erfasste.

hätten sich nicht in den letzten monaten ein paar hilfreiche sachen hier zuhause installiert, wäre die situation wieder so, dass ich in die tagesklinik gehen würde. aber es greift so einiges. darum bemühe ich mich jeden tag und jeder tag ist anders.

ich habe mir bei meiner ärztin mal solche fragen erlaubt, ob sie glaubt, dass es jemals besser wird, ob sie andere patienten hat, wo es besser geworden ist. ja, habe sie, zwar nicht so viele wo es so schwer ist, aber auch die haben eine stabilität erreicht, was bedeutet, ein paar mal 3 h die woche arbeiten und alles andere schaffen.

so klare aussagen habe ich noch nie bekommen. auch, dass ich zu den schweren fällen gehöre, habe ich noch nie so gesehen. mein bild von mir in meinem kopf ist immer wieder ein sehr gesundes, in dem ich alle fähigkeiten habe.

mir ist auch klar geworden, dass auch durch dieses bild von mir so viel reibung und spannung im alltag entsteht, wenn es ständig auf die wirklichkeit prallt, die anders aussieht. das betrifft auch mein bild von mir als sozialer mensch, wie ich zwischenmenschlich bin. die wirklichkeit der letzten wochen hat da ordentlich krach erzeugt.

es fällt mir anscheinend schwer mein selbstbild anzupassen, an das was ist. dadurch nehmen mich die menschen, die lediglich wenig kontakt haben, in kurzen gesprächen als uneingeschränkt wahr.

ich glaube, es ist diese widersprüchlichkeit/ambivalenz die ich in mir spüre, jetzt wo ein pflegedienst kommt. mein bild von mir beinhaltet eigenständige, fähige lebensführung. mein tatsächliches sein beinhaltet das aber nicht.

merkwürdig, das wahrzunehmen.

 

 

Feindverwechslung

Das Gespräch heute im Sozialamt. Es war ganz einfach und völlig unproblematisch.

Das persönliche Budget wird es nicht. Dazu müsste ich minutengenau meinen Hilfebedarf und die Hilfebereiche wissen. Dazu ist es bei mir zu schwankend und auch noch unklar, was sich entwickelt.

Sie brachte von sich aus ein, dass eine Pflegestation nötig wäre, für die Haushaltsdinge und eine Betreuungsform für die anderen Dinge, wo wir uns auf das Betreute Einzelwohnen einigten. Man könnte das so zusammen bastel, dass ich die Haushaltshilfe nur bei Bedarf einfordere, dass BEW müsste ich jedoch regelmäßig aufsuchen.

Einzelfallhilfe wäre nach Bedarf und Abruf möglich gewesen, aber mich schreckt gerade so ein aufsuchendes Zweiersetting ab.

Im BEW könnte sie prüfen, dass nur im Notfall jemand zu mir käme, sonst würde ich in die Trägereinrichtung gehen und könnte anstatt der Gespräche, auch an Angeboten teilnehmen. Find ich besser. Entgehe ich vielleicht einer erneuten Beziehungsdynamik und Symptomverstärkung. Das hebe ich mir lieber für eine Therapie auf.

Ich kam danach zu Hause an und hatte erst einmal nur Rauschen im Kopf. Mir blieb nichts anderes außer hinlegen und abwarten, was da passiert. Ich hörte ne Entspannungsaudio und es wurde etwas klarer im Kopf, so klar, dass ich aufstehen konnte und etwas tun.

Meine Mutter kam vorbei helfen. Ich redete fröhlich, obwohl ich mich nicht fröhlich fühlte. Ich erledigte Sachen um sie herum, brachte Flaschen weg, räumte auf. Nach außen wirkte ich lebendig, vielleicht ausgeglichen. Mein Funktioniermodus wenn jemand da ist. Ich kochte sogar noch was Einfaches.

Meine Mutter ging und mein Bewegungs- und Beschäftigungstrieb blieb, obwohl ich mich kaum noch konzentrieren konnte, mich ganz wirr fühlte und meine Beine immer müder wurden. Irgendwas ist los. Ich kenne diese getriebenen Zustände, obwohl überhaupt keine Kraft mehr da ist.

Ich legte mich vernünftigerweise hin und versuchte still zu bleiben, irgendetwas von – ich darf mich jetzt entspannen – zu fühlen und zu lauschen was los ist. Ich trieb weg. Ich hatte Schneidephantasien und da wurde mir klar, dass ich dissoziierte, mich ganz taub fühlte.

Ich war so hin und her gerissen. Mich zog es ins Nichts und ich wollte mich hingeben und ein Teil werte sich dagegen, wollte wach und da sein.

Zweiterer gewann. Ich stand auf und dachte, okay, dann versuche ich es mal nach Lehrbuch. Mache ich selten, weil es sich so künstlich anfühlt. Also, kaltes Wasser über die Hände. Zitronenöl für die Nase und den Kopf. Mit der Kopfkralle Gänsehaut verursachen. Beinmeridiane abklopfen. Auf Tennisbällen stehen.

Ich spürte wie meine Kopfenergie, ab Übergang Halswirbelsäule es schwer hatte sich mit meinem Körper zu verbinden.

Ich malte Mandala aus. Dabei fühlte ich das erste Mal etwas. Weinerlich. Überfordert fühlte es sich an.

Ich überlegte, ab wann es begonnen hatte.

Eigentlich schon im Gespräch beim Amt, als sie das Procedere aufzählte und ich auch noch vorher einen Antrag bei der Pflegekasse stellen müsste. Ab da begann das Rauschen im Kopf. Ich hörte alles, aber konnte mir die Informationen nicht merken und miteinander verknüpfen.

Brauchte ich jetzt Unterstützung um die ganzen Formulare auszufüllen? Das kann ich eigentlich gut alleine. Habe das in der Vergangenheit schon oft getan und fühle mich damit eigentlich nicht überfordert.

Es löste sich nicht.

Ich entschied mich, mich zum achtsamen Sitzen hinzusetzen und die Energien einfach machen zu lassen, mit der Erfahrung, dass da immer irgendwas bei rauskommt.

Ich verband mich zu Beginn mit dem Universum, mit Mutter Erde und mit den Engeln, bedankte mich bei ihnen und bat jeden von ihnen um Unterstützung, diese Sorgen/Ängste/Unruhe mit offenem Herzen zulassen und annehmen zu können und ein Vertrauen damit zu finden.

Dann übergab ich mich dem Moment, mit seinen Empfindungen, inneren und äußeren Bewegungen und Gedanken. Wieder entfernte Empfindungen von Überforderung und weinen und mein Nicht-verstehen. Körperbewegungen. Energieentladungen. Viel Gähnen. Und dann meine lautere innere Frage, woher das kommt.

Und plötzlich kann ich die Ursache fühlen, kann fühlen, dass Behörden – hier in diesem Fall in dreifacher Form, Sozialamt, Sozialpsychiatrischer Dienst, Krankenkasse/Pflegekasse – als Übermacht wahrgenommen wurden und schwupps war ich in der Vergangenheit, ohne dass ich es gemerkt hatte.

Jetzt scheint es etwas zusammengerückt. Mir geht es besser. Ich bin klarer im Kopf und fühle mich stärker.

Heute kann ich mich vertreten und fühle mein Recht!

Heute kann ich mich aus dem Opfergefühl heraus bewegen.

Und nicht jede Behörde ist der Feind, wie ich auch erfahren darf. 🙂