Läuft nicht alles reibungslos

Ja heute. Heute bin ich immer noch sehr erschöpft und habe altbekannte, vertraute Symptome von körperlicher Schwäche, dem Wegdriften von Aufmerksamkeit und Angst. Wie gestern.

Okay. Es war wirklich viel letzte Woche. Und dann war es doch nicht nur das Telefonat.

Ich habe mich überfordert. Ich habe mir zu viel zugetraut und ich habe am Freitag nicht gut meine Grenzen gefühlt und gesetzt.

Eben zog ich eine Karte aus dem Deck „The Map – Weisheitskarten der Seele“. (Ich liebe diese Karten ❤ )

Nummer 49. Der Talisman. Auf dem Kopf.

Die hatte ich noch nie. Und was soll ich sagen. Sie hat voll ins Schwarze getroffen.

Liegt die Talisman-Karte auf dem Kopf, so ist sie eine Mahnung an dich, dir deiner Lebensmuster bewusst zu werden.

Okay, mach ich jetzt mal.

Manchmal sind es gerade die vertrautesten Dinge, die dich vor etwas warnen, was du nicht noch einmal erleben willst.

Äh ja, das ist mir heute sehr vertraut, dieser Zustand und tatsächlich habe ich mich schon durch einen Berg Mega-Angst gefühlt, dass hier etwas passiert, was ich nicht mehr erleben möchte.

Dennoch stehst du nun vor einer wichtigen Entscheidung. Du kannst vorsichtig vorangehen oder nach einem anderen Weg Ausschau halten, der dich in eine neue Richtung führt. Bedenke dies: Wenn du schon mehrmals in dasselbe Loch gefallen bist, warum willst du diesmal nicht um es herumgehen? Wenn du weißt, wo das Loch ist, so halte dieses Wissen in Ehren.

Ich war hier echt schon so oft. Ich kann erfassen, dass die Erlebnisse am Freitag zu viel waren (Ergotherapie) und ich eigentlich eine Pause von Angst-Konfrontation gebraucht hätte.

Dazu kommt ein neuer Termin die Woche – nämlich Traumatherapie. Das war auch der erste Termin letzte Woche. Plus Holzwerkstatt. Plus Eigenblutspritze Heilpraktikerin. Plus Gruppe. Plus Termin Wohnbetreuung.

Freitag bin ich trotzdem zur Ergo. Konnte da nicht wie üblich an meinem Projekt arbeiten, weil ich zu erschöpft war. Bin trotzdem geblieben und hab mich auch noch einer neuen angstbesetzten Situation gestellt. Das war zu viel. Den Gedanken, wieder gehen zu können, wenn ich nicht mehr kann, konnte ich nicht zulassen zu denken. Heute denke ich, ich hatte Angst davor, dass sie nein sagt und ich mich dann unterwerfe. Also bin ich von mir aus geblieben.

Das Loch ist also Selbstüberforderung. War mir das eigentlich vorher schon bewusst???

Zwar ist das Universum unbegrenzt, doch hat jeder individuelle Weg seine Beschränkungen. Es liegt Kraft in der Erkenntnis, dass dir jetzt nicht alle Wege offenstehen.

Okay. Das habe ich jetzt verstanden. Entwicklung/Wachstum hat seine Grenzen. Ich kann mich nicht überall gleichzeitig konfrontieren.

Das heißt aber nicht, dass du auf deinem Weg zurückgehen musst. Was auch geschehen mag und wie du dich auch entscheidest: Du bist jetzt auf diesem Weg, damit er dich zu größerer Weisheit führt.

Genau. Ich probiere das nächste Woche wieder aus. Bis Freitag hatte ja alles gut geklappt. Und wenn ich dann wieder für die Ergo zu erschöpft bin, übe ich für mich zu sorgen.

Jetzt ist der Zeitpunkt, um andere, die zuvor an diese Stelle gekommen sind, um Rat und Hilfe zu bitten. Ihre Weisheit wird die Weisheit in dir erwecken.

Ich hatte tatsächlich überlegt, dass in der Therapie zu besprechen.

Danke!

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Der Glaube in mich

Was für ein fragiles Ding.

Kann Strahlen.

Kann zu Boden sinken.

Eben, während des Klopfens fand ich heraus, warum ich mich beim Aufwachen jeder Kraft beraubt gefühlt hatte. Völlig erschöpft.

Verwundert darüber. War es doch etwas viel die Woche? Also ja, es war viel. Hatte sich trotzdem schaffbar angefühlt und immer wieder von erholt. Vielleicht weil mein Ausruhtag diesmal schon Dienstag war, anstatt Mittwoch und nun die Pause eben schon Freitag gebraucht wird, anstatt Samstag?

Das war es dann alles nicht.

Ich klopfte meinen Satz „Voller Liebe für alles in mir“ und suchte dazu das Körpergefühl. Ich fand es im Solarplexus, nur kam ich da nicht richtig hin. Ich klopfte wie üblich die Hindernisse mit. „Voller Liebe für alles in mir, auch für Gedanken“ oder „Voller Liebe für alles in mir, auch wenn ich es nicht glauben kann.“

Von Klopfdurchgang zu Klopfdurchgang (insgesamt 3) wurde das Gefühl im Solarplexus stärker, fing an nach unten und oben in den Körper auszustrahlen, synchron mit dem Gefühl, diesen Satz immer mehr zu glauben, als wahr zu empfinden.

Zum Ende war ich wieder überzeugt davon und erkannte, dass mir der Glaube in mich zuvor verloren gegangen war und das sehr tief. So tief, dass mir alle Kraft heute Morgen fehlte.

Was ist passiert?

Mittwoch und Donnerstag strahlte ich noch ganz ungewohnt mein Licht, gepusht durch Menschen, die mich darin bestärkten. Ich erlaubte mir Phantasien von Selbstständigkeit, Freiheit, Unabhängigkeit, mein eigenes Ding machen. Ich war voller Glück, Freude und Ideen.

Dann gab es gestern ein Telefonat mit meiner Mutter.

Ich habe es da gar nicht gemerkt. Doch es ist das einzige Ereignis, wo kein Pushen kam, sondern Zweifel und Befürchtungen. Nett gemeint, zurückhaltend formuliert. Doch das reichte.

Ein Telefonat. Und alles verändert sich.

Eine einzige andere Meinung. Das Strahlen erlischt und Blei legt sich über die Dinge.

Das zeigt mir wieder einmal wie stark ich auf meine Umgebung reagiere.

Es ist nicht das erste Mal, dass mir der Einfluss der Dinge und Menschen bewusst wird, die mich umgeben.

Was stärkt mich? Was schwächt mich?

Ich wachse an dem was mich stärkt.

Und ich wachse auch bedingt an dem was mich schwächt, wenn ich mir die Entwicklung von heute anschaue.

Der Schlüssel ist Bewusst-sein, Erkennen.

Mir wird das eben ganz klar. Der Umgang mit meinen Eltern schwächt mich oft.

Das zu erkennen, stärkt mich wiederum – für das nächste Mal.

Geduldsprobe

Also irgendwas Größeres ist hier am Rühren die letzten Tage. Das kann nicht alles von Auslösern in meinem Alltag kommen. So krasse Sachen waren da nicht.

Ich war am Mittwoch bei einer angeleiteten Gruppe, wo zufällig (?) die Chakren und die Einflüsse, die ihren Energiefluss stören, erklärt wurden. Diese Gruppe ist keine spirituelle Gruppe. Sie findet hier in der Kontakt- und Beratungsstelle statt und wird von einer Psychologin geleitet. Das Besondere ist, dass diese Frau einen langen schamanischen Erfahrungsweg hinter sich hat und davon immer wieder Dinge einbringt.

Ich war da jetzt anderthalb Monate nicht mehr und bin Mittwoch nun doch mal wieder hin, in einer Verfassung, in der ich normalerweise nicht zu Gruppen gehen würde. Wenig selbstbegrenzt, mit einem Gefühl, alles rauscht ungebremst durch mich durch an Worten, Reizen, Bildern. Trotzdem wollte ich hin und sagte mir immer wieder: einfach da sein. du kannst einfach nur da sein, so wie du bist. nichts weiter. keiner erwartet irgendetwas von dir. du musst nichts sagen, du musst nicht zuhören. einfach nur da sein, so wie du bist. alles ist okay.

Das gelang dann auch irgendwie, das einfach da sein. Nur ‚einfach‘ war es nicht. 😉

Jedenfalls das Chakrensystem. Das ist mir nicht neu, jedoch die Störfaktoren waren interessant. (Vielleicht kommt da noch ein Bild nach)

Das hat etwas angestoßen. Schon als ich wieder zu Hause war, in merkwürdiger schwebender Verfassung, fühlte ich Schuldgefühle und musste weinen. Schuld war nach dem erklärten Modell jenes Gefühl, welches das erste Chakra (Lebenslust) in der Energieaufnahme bremst.

Bei den Gefühlen geht es um ein andauerndes Grundgefühl, nicht um Gefühle die im Alltag auftauchen und wieder verschwinden.

Nachts stand ich einmal auf, um zur Toilette zu gehen und hatte starke Gleichgewichtsprobleme. Die setzten sich am nächsten Tag fort. Ich hatte Schwierigkeiten meine Beine zu koordinieren und schwankte sehr durch die Wohnung. Gruselig. Ich machte mir Sorgen, dachte, ich müsste zum Arzt und meine Halswirbelsäule checken lassen.

Ich machte aber erst einmal ein paar meiner Körperübungen, weil ich schon so eine Ahnung von Energiestauung hatte und tatsächlich entlud sich beim Nackendehnen etwas, ich fing wieder an zu weinen und das Ganze steigerte sich in heftige Schuldgefühle, die wie mir schienen, in jeder Zelle meines Körpers zu spüren waren. Ganz allgemein, ohne konkreten Anlass. Schuld am Leben zu sein.

Und weil ich das ziemlich schrecklich fand, dass ich mich so fühlen musste, übte ich im Anschluss ein wenig die andere Seite zu spüren. Die Seite, wo ich spüre, dass ich wertvoll bin, kostbar und richtig.

Die Gleichgewichtsprobleme waren weg.

Seit dem sind andere körperliche Symptome stark ausgeprägt, so stark, dass ich auf den einleitenden Verdacht gekommen bin.

Ich kann mich nicht lange auf den Beinen halten. Sie sind schwach. Ich kann nicht lange stehen und nicht lange laufen. Mein Becken und meine Oberschenkel schmerzen. Bei normaler körperlicher Bewegung komme ich schon ins Schwitzen, als würde ich etwas Anstrengendes tun. Mir wird dann schwindelig. Und ich habe Übelkeitswellen. Das ich sehr müde bin, passt da gut dazu.

Tja, was immer es ist, es ist einschneidend. Das heißt, es kostet mich wieder mehr Kraft mich zu versorgen, Dinge bleiben liegen, häufen sich an und an schöne Aktivitäten oder nettes Miteinander ist nicht zu denken. Schade eigentlich.

Ich habe Lust, aber keine Kraft.

Ommm… ich vertraue, dass das alles seinen Sinn hat. Demütig nehme ich diesen Zustand an, anerkenne meine Grenzen und lasse es mir innerhalb so gut gehen, wie es geht.

 

Ach scheiße, es wäre verzehrt, wenn ich nicht auch zulasse, dass mich das auch echt anstinkt. Verdammt noch mal! So. Einmal geflucht und weiter mit Ommm. 🙂

 

Test Test Test… 1, 2, 3

Testurlaub Nr. 2 beendet, nach dem Nr. 1, vor zwei Monaten, die Bezeichnung Urlaub nicht verdient hat.

Dieses Mal würde ich sagen, lasse ich die Bezeichnung gelten, auch wenn ich mich für einen Tag wieder Mal selbst so richtig gegen die Wand gefahren habe. Dieses Mal gab es also keine Traumatrigger, damit auch keine Derealisation, sondern nur mein eigener Verstand der die Dinge nicht gelten lassen konnte und es so schaffte, nicht minder unangenehme Symptome zu produzieren.

Ich habe mich aufgrund der ersten Erfahrung von Urlaub Nr. 1 ziemlich, ziemlich gut vorbreitet, wie eigentlich auch schon beim Urlaub Nr. 1, was verdeutlicht, es gibt Dinge, auf die kann man sich einfach nicht vorbereiten. Die passieren dann einfach. Die müssen auch passieren, sonst könnte man keine Erfahrungen sammeln, um sich daraus weiter zu entwickeln. Urlaub Nr. 3 wird also wieder etwas anders aussehen (wenn ich mir das überhaupt noch mal leisten kann).

Ich habe einige Parameter verändert. Bin mit der Bahn gefahren, anstatt mit dem Reisebus. Eine absolute Entlastung was den Platz, Menschennähe und Beweglichkeit betrifft.
Ich habe Vorstellungen von Unangemessenheit/Übertriebenheit losgelassen und mich mit dem Taxi von mir zu Hause zum Bahnhof bringen lassen und vom Bahnhof dort zur Unterkunft. Das war ganz viel wert. Viel stärkeres Sicherheitsgefühl. Keine Panik. Große innere Entlastung. Würde ich jederzeit wieder so machen. Da fällt mir auf, Selbstfürsorge bei seelischen Behinderungen geht nur mit ausreichend Geld, zumindest wenn ich Urlaub mache. Ohne diese Taxisache, hätte ich gar nicht gewusst, wie ich die Wege schaffen soll, so niedrig war mein Energielevel.
Meine Großeltern habe ich nicht eingeweiht, dass ich in ihrer Stadt bin, um mich von Verpflichtungen frei zu halten. Das war eine seeehr kluge Idee. Ich hätte mich nicht abgrenzen können und hatte überhaupt keine Reserven, um sie zu besuchen.
Ich habe vorher Reiki in diese Reise geschickt und das Universum um Unterstützung gebeten.

Ja, so lief die gesamte Anreise angstfrei ab, was das absolute Gegenteil war, im Vergleich zu Urlaub Nr. 1.
Ich war entspannt vom Kofferpacken, bis zur Ankunft. Auf der gesamten Anreise traf ich auf zugewandte Menschen, die sich mit mir aufgeschlossen unterhielten (was mir in der Form so noch nie begegnet ist). Beide Taxifahrer, die Person die neben mir im Zug saß und auch der Vermieter der Unterkunft. Ich bekam meine starke Erschöpfung und Müdigkeit kaum mit oder sie war okay, weil ich kaum etwas machen musste.

Ich versuchte mich die Tage vor Abfahrt intensiv darauf vorzubereiten, einzulassen, dass Urlaub bedeuten kann, dass ich die ganze Zeit in der Ferienwohnung bleibe, da Aktivitäten nicht schaffbar, nicht möglich sind (warum auch immer). Das war eine große Nummer. Vorstellungen/ Erwartungen von/an Urlaub loslassen. Das sollte sich vor Ort zeigen, dass es nicht möglich war sich darauf vorzubereiten, obwohl ich dachte, ich hätte es. Ich ließ also den Gedanken zu, dass es auch nicht schön werden könnte, wie auch schon in Urlaub Nr. 1 und dass das dann auch okay ist und ich Selbstfürsorge vor Ort betreibe (Skills usw. bliblablup…). Ich spürte eine Enttäuschung und dachte mir, dass das gut ist, schon mal vorab enttäuscht zu sein, weil das ja heißt, dass ich falsche Vorstellungen losgelassen habe.

Naja… so viel dazu.
Ich war insgesamt vier Tage unterwegs.
Erster Tag Anreise also alles prima. Nun folgen Notizen vom Morgen des dritten Tages, bezugnehmend auf den zweiten Tag, die ich im Bett schrieb, weil ich mich nicht in der Lage fühlte aufzustehen. Selbstversorgung nicht vergessen – deshalb mit geschlossenen Augen im Bett Müsli essen, um dann wieder bis 14 Uhr einzuschlafen. Da ist wohl etwas schief gelaufen.

Notizen 11.07.2015:

„Ich verurteile mich für meine Leistungseinschränkung. Das so versteckt, dass ich diese Abwertung nicht direkt mitbekomme, sondern mich in Handlungen wiederfinde, die diese Abwertung/den Widerstand gegen das was Ist ausdrücken.
Ich fühle mich danach im Bett zu bleiben, ich zwinge mich trotzdem aufzustehen. Mir ist nach Verweilen, Ausruhen im Grünen und wenig Bewegung. Ich laufe durch die Gegend.
Die Schwäche macht es nicht einfacher.
Zu schwach zum Einkaufen und Kochen, aber Widerstände eine Pizza zu bestellen.
Schwarzwerden vor den Augen und Sternchen sehen, beim schnellen Aufstehen aus dem Bett, machen mir Sorgen.
Das Wetter ist herrlich. Ein Teil in mir ist unternehmungslustig und fühlt sich behindert durch die Einschränkungen. Der erzeugt Druck und überschreitet Grenzen. Das wiederum erzeugt massive Überforderung, Erschöpfung, Wahrnehmungseinengung.
Suche nach dem anfänglichen Vertrauen, dass alles wie es ist, okay ist.

Resümee gestern. Schlapp und langsam Einkaufen. Dort am Imbiss was essen. Ist alles okay. Alles machbar. Dann kommt die entscheidende Stelle. Zurück zur Unterkunft? Nein, ich bin doch im Urlaub. Noch ein bisschen von der Umgebung sehen. Zurück ist wie ein Versagen, eine Niederlage (obwohl das ja eigentlich das Thema war, worauf ich mich vorbereitet hatte – oder eben auch nicht).

In der Vorstellung fühlt sich laufen nicht gut an, egal wohin, ob Stadt oder Wald. Hier beginnt die Überforderung. Ich schleppe mich durch die Gegend. Irre herum, getrieben, erschöpft, nichts mehr richtig wahrnehmen können. Suche vergebens nach einem netten Ort zum Verweilen (man kennt ja auch nichts). Muss auf Toilette. Habe Durst, aber traue mich nicht zu trinken, weil ich auf Toilette muss. Muss bald wieder was essen und grusel mich vor dieser weiteren Kraftanstrengung, die Fragen nach wo denn und was denn (man kennt ja hier auch nichts). Hab nichts mehr übrig an Kraft.

Schleppe mich zurück Richtung Haus, gebe auf und bin gleichzeitig in Not, weil Grundbedürfnisse nicht versorgt sind. Laufe dann doch am Haus vorbei. In die andere Richtung soll eine Eisdiele sein. Das wäre zumindest so etwas Ähnliches wie eine Mahlzeit. Berg hoch, Berg runter. Verlaufen. Gott sei Dank im Wald, wo ich verschnaufen kann, alleine, geschützt an einem Baum. Zur Ruhe kommen.

Der Wald beruhigt mich sofort, holt mich zu mir zurück. Ich kann hier meine Blase lehren, trinken, Reiswaffeln knabbern (und so tun, als ob alles okay wäre…).
Etwas erholter und gesammelter geht es weiter (die neu gewonnene Energie wird nicht sinnvoller genutzt, als eine Eisdiele zu finden – ich kann über mich selbst echt den Kopf schütteln – Verleugnungsmechanismen hoch drei).
Was für eine Tortur. Schön war es nur im Wald. Der Rest Quälerei. (Ich kann mich noch erinnern, als ich das Eis aß, dass ich mir auch dort versuchte, das Ganze schön zu malen – so in der Art – was für ein schöner Ausflug, damit ich nun idylisch hier sitzen kann.)

Und ich habe das gewusst! Ich habe das schon vor der Reise gewusst! War schon Tage vorher mit loslassen beschäftigt. Vorstellungen von Urlaub, wie er mal war, loslassen. Auf die Realiät, auf das Jetzt einlassen, auch wenn das heißt, die ganze Zeit in der Wohnung zu bleiben. Ich war schon vorher deswegen enttäuscht und hatte das Gefühl, dass ich das trotzdem zulassen kann, alles okay zu finden, auch die Dinge die nicht gehen.
Und trotzdem passiert das. Ist wohl noch nicht bis in die Tiefen vorgedrungen.

Ständig der Drang auf die Uhr zu schauen. Zeit kontrollieren. Das Gefühl, schon viel zu lange im Bett zu sein, endlich aufstehen zu müssen. Der Drang planen zu müssen, aktiv sein zu müssen.
Ich bin im Urlaub! Ich kann so lange im Bett bleiben, wie ich will! Die Uhrzeit ist völlig uninteressant. Ich habe keine Termine. Habe nichts geplant. (Schon heftig, wie weit weg der Verstand von den aktuellen Möglichkeiten sein kann und da so gar keine Kooperation stattfindet)

Mir wird klarer, ich kann diese Situation nicht verhindern. Es muss genau so kommen, damit ich jetzt hier sitzen kann und erkenne, was passiert ist. Also danke liebes Universum, dass es immer mal wieder so richtig scheiße ist. 😉 Ich scheine das zu brauchen, um zu erkennen.“

 

Ich bin dann nach dieser langen Schlafphase erneut mit meinem Widerstand in Kontakt gegangen (körperlich, feinstofflich), bin ihm freundlich begegnet und habe ihn liebevoll gefragt, was denn los ist. Der meinte dann nur so etwas in der Art wie, „alles ist scheiße“, was ich verständnisvoll bejahte. Das führte dazu, dass er (also ich) kurz weinte und sich dabei eine innere Verkrampfung löste. Das schien es gewesen zu sein, mehr zur Klärung nicht nötig.
Danach habe ich einen sehr entspannten Tag auf der Terrasse verbracht, einen super netten Kontakt zum Vermieter gehabt, der an seinem Zaun baute. Daraus entwickelte sich, dass ich seine Hecken goss, weil ich da Lust zu hatte (und ja sonst auch nichts vor 😉 ) und er mich dann auf Apfelkuchen einlud und wir ein Weilchen zusammen saßen und plauderten. Das war ein richtig schöner Tag. Sehr erholsam und genau das was ich brauchte.

Hach, es kann so einfach sein, wenn ich es mir nicht so schwer machen würde. 🙂

Heimaturlaub

Tja, was soll ich schreiben? Unmöglich die Ereignisse der Reha jetzt hier zusammen zufassen. Ich habe unheimlich viele Notizen aus den bisher knapp 5 Wochen. Vielleicht halte ich davon irgendwann einen Querschnitt hier fest.

Klar ist, alles kam anders als gedacht. Ich bin stark destabilisiert und unheimlich bereichert an Wissen über mich. Aber was heißt destabilisiert. Stimmt eigentlich nicht. War ich auch schon vorher. Ich erkenne, dass es nur ruhiger in mir geworden ist, weil ich die Ereignisse in meinem Umfeld stark reduziert habe. Doch in mir war ich wohl die ganze Zeit sehr dünn. Dünn in die Vergangenheit. Das brach jetzt alles durch. Zeigte sich. Wie sehr ich Kind bin. Wie sehr überfordert. Wie sehr verletzlich. Wie sehr verletzt. Wie sehr hilflos. Wie sehr verunsichert. Wie sehr voller Angst. Ich schäme mich. Nicht nötig. Trotzdem als Gefühl da.

Am 01.07. ist geplante Entlassung. Vielleicht auch schon früher, falls ich mich emotional nicht fangen kann. Mir geht es schlecht. Das kann ich nicht verleugnen. Dieses Wochenende habe ich eine Übernachtung zu Hause, mit der Hoffnung, etwas zur Ruhe zu kommen. Alleine sein. Keine neuen Trigger. Der Start lies mich zweifeln, ob das eine gute Idee war.

Zu Hause angekommen, falle ich erstmal ins Bett und bleibe dort den ganzen Vormittag. Dunkle, sehr dunkle Gedanken. Schwere Glieder. Niedergeschlagenheit und Trauer. Die Spirale dreht sich immer weiter nach unten. Reiki hilft mir aufzustehen. Ich sitze am PC und muss mir eingestehen, dass ich zu absolut gar nichts in der Lage bin. Kein Einkaufen. Kein Essen machen. Was mache ich jetzt nur? Zurück in die Klinik scheint angebracht, aber kraftmäßig nicht vorstellbar. Hilfe holen, geht mir durch den Kopf. Ich muss Hilfe holen, wie ich es in der Klinik schon etwas gelernt habe. Jemanden anrufen und fragen, ob er kommen kann, mit mir einkaufen und kochen. Widerstände. Unglaublich große Widerstände. Plötzlich sehe ich ganz klar, wie oft ich in den letzten zwei Jahren in genau solchen Situationen war und Hilfe gebräucht hätte, sie mir aber nicht geholt habe. Nicht schwach sein. Immer den Kopf oben halten. Immer die Situation annehmen und warten bis es vorbei ist. Ich schaffe das alleine. Ich brauche niemanden. Alles ist gut. So blieb meine Versorgung tageweise mangelhaft. Und überhaupt zu sehen, dass ich regelmäßig in der Grundversorgung Hilfe gebraucht hätte, zeigt mir auch, wie instabil ich war und bin. Das habe ich verleugnet.

Hilfe holen. Okay. Ich rufe einen Freund an. Den Tränen nah, sage ich (vielleicht zum ersten Mal?) das es mir sehr schlecht geht. Er kommt. Ich bin erleichtert und schäme mich noch mehr. Wir gehen einkaufen. Er kocht, weil ich nicht mehr kann und schlapp auf der Couch liege. Übung im Annehmen, Zulassen. Danach geht es schon etwas besser, aber ich bin eindeutig, unabstreitbar depressiv. Habe kaum Einfluss auf die Situation und meine Stimmung. Vorwürfe tauchen in mir auf, dass ich selbst schuld bin, selbst diese Negativität zulasse und nur positive Gedanken denken müsste. Ich versuche wegzuhören.

Ständig der Drang mich zu betäuben. Bedarfsmedis mißbrauchen. Ich schieb seit Stunden diese Idee auf. Trotzdem ein Bier getrunken. Egal. Egalhaltung ist gefährlich.

Es muss was passieren. Ich erkenne das jetzt auch. Werde einer Medikamenteneinstellung zustimmen (Paroxetin). Ein Versuch ist es wert. Die Diagnose lautet wohl komplexe Traumafolgestörung und Borderlinetyp emotional-instabil. Ich kann es kaum glauben. Meine Vergangenheit ist doch so „normal“? Worin unterscheidet sie sich von den vielen nicht beeinträchtigten Menschen da draußen? Was ist anders? Ich bin anders. Vielleicht schon immer dünnhäutig und durchlässig.

Am Tisch im Speisesaal. Ich komme aggressiv und aufgewühlt, aus einer Gruppentherapieerfahrung dazu. Eine Mitpatientin sagt im scherzhaften Ton, aber vertiefter Stimmenlage, um die Stimmung zu entspannen: „Nun hab dich mal nicht so.“ In mir brennt irgendetwas durch und ich werde zurück katapultiert in eine andere Zeit. Starker Schmerz, dann nichts mehr. Ich springe auf und verlasse heulend und völlig verzweifelt den Tisch. Kann mich ewig nicht beruhigen. Weine und weine und weine, zusammengerollt, mit Daumen im Mund. Danach sind alle abwertenden Anteile in mir stark aktiviert. Du bist nichts! Du hast nichts drauf! Du bist wertlos! Ein einziger Satz und ich fliege völlig auseinander. Unglaublich!

Nur ein Beispiel. Solche Ereignisse reihen sich aneinander.

Eine stationäre DBTherapie wird empfohlen. Eine Perspektive. Gut. Viele Antworten bekommen, dazu wie ich bin. Das wirkt entlastend.

Therapieprozesse IV (Triggergefahr?)

(Ich habe so eine Ahnung, dass der Hinweis auf Triggergefahr, Leser besonders anzieht… Das gefällt mir eigentlich nicht, weil ich Sensationslust damit assoziiere, doch finde ich den Hinweis unerlässlich, für all jene die dadurch Schutz erfahren)

Seit drei Sitzungen versuche ich an dem Vater-Keller-Trauma zu arbeiten. Ich war innerhalb der Sitzungen noch nie so unmittelbar in allem was in mir dazu hochkommt.  Meine Empfindungen landen immer wieder anstatt bei meinem Vater, bei der Therapeutin und mir. Zwischen diesen drei Personen geht es hin und her. Selbstverurteilend werfe ich mir verächtlich vor, viel zu schwache Worte für diese Erlebnisse zu finden. Ich schlage mir innerlich ins Gesicht. Verachte mich für meine Schwäche, für meine Feigheit, für mein Kleinsein. Dann übermannt mich Hass auf meinen Vater. Das Gefühl verschwindet. Bilder bleiben in meinem Kopf, wie ich auf ihn einschlage, so lange bis kein Gesicht mehr zu erkennen ist. „Ihn töten?“ „Keine Ahnung. Zumindest seine Form zerstören.“ Dann hasse ich die Therapeutin. „Was hassen sie an mir?“ „Das sie existieren.“ „Ich frage mich, was ich ihnen zumute?“ „Das es immer nur weh tut. Immer und überall!“ Mein Körper ist Anspannung in Höchstform. Ich kralle mich in meine Hände, in meine Arme und merke es erst, wenn es anfängt weh zu tun. Alles zittert. Zwischendurch flammt Angst auf, die Todesangst aus der Erinnerung. Sie verschwindet ebenso schnell wieder. Da will es nicht weiter gehen. Will es nicht näher ran. So nehme ich sie zwangsläufig im Untergrund arbeitet mit nach Hause. Sie generalisiert sich. Ich kann das Haus stundenweise, tageweise nicht verlassen. Überall droht Gefahr. Die Welt da draußen ist Gefahr. Nur noch in mir ist es sicher. Nur noch zu Hause. Ablenkungsprogramm, damit der Kopf nicht ständig rattert und sich an den Erlebnissen festbeißt. Phasenweise total gelähmt, müde, weggedriftet stundenlang auf der Couch liegen, zu nichts mehr fähig. Bilder, wie ich mit den Fingern eine Waffe imitiere und sie erst an meinen Kopf halte und sie dann auf die Therapeutin richte. Bilder, wie diese Waffe eine echte ist und ich mich für sie entscheide und danach zum ersten Mal befreit im Raum herum laufen kann. Ich oder sie. Es kann nur einer existieren. Wenn sie existiert, kann ich es nicht. Ich weiß, damit ist der Vater meiner Kindheit gemeint. Ich will ihn am Boden sehen, klein, ohnmächtig und hilflos. Unter mir. Ich spüre Genugtuung und tiefe Befriedigung bei diesem Gedanken. „Das er sich dann so fühlt, wie sie sich damals gefühlt haben?“ „Mir gefällt diese Genugtuung gerade zu sehr, als das ich die Seiten wechseln könnte.“ „Wenn Kinder unterdrückt werden, dann wird das Leid manchmal so groß, dass sie als Ventil andere quälen (ich erzählte von Tierquälerei) oder eben ihre Therapeuten erschießen wollen.“ Wahnsinn, wie leicht sie mit meinen für mich doch irgendwie abscheulichen Gedanken umgeht. Ich muss lachen. „Das wäre doch ein super Titel für einen nächsten Text – wie ich meine Therapeutin erschießen wollte.“

Eine Reiki-Austauschgruppe muss ich ausfallen lassen. Obwohl ich so unbedingt da hin wollte, löste die Vorstellung, mich in diesen Räumen (liegen in einem Kellergeschoss) zu befinden unglaubliche Panik in inneren Bereichen aus. Ich habe es erst gar nicht verstanden, mir unterschiedliche Lösungen angeboten. Mir meine neue Ausrichtung „ich bin zu jeder Zeit in Sicherheit“ gesagt. Mir versichert, dass ich jederzeit gehen könnte. Sogar dort angerufen (war leider keiner zu erreichen), um zu fragen, ob man auch mittendrin gehen könne. Es half alles nichts. Mein Gefühl blieb im Ausnahmezustand und war überzeugt, dass es dort nicht sicher sei, dass wenn ich erst mal dort wäre, nie wieder raus kommen würde. Ich gefangen wäre. Eingesperrt. „Wie damals, als man sie einsperren wollte?“ Alles daran schreit nach dem Kellererlebnis, doch ich komme nicht in die tatsächlich erlebte Angst. Ich fühle mich da auf dem Stuhl vor ihr unglaublich schutzlos und ängstlich und will es irgendwie raus lassen, zeigen. Es wird mir eine Decke angeboten, die ich mir nehmen könnte. Ich bin völlig steif, unbeweglich. Eine unglaublich schwer auszuhaltende Zwickmühle. Wenn ich mir die Decke nehme, müsste ich den Raum und sie einen Moment unbeobachtet lassen. Und wenn ich dann die Decke hätte und schützend um mich legen würde, wäre ich mit meiner Schutzlosigkeit auf einmal sichtbar und angreifbar. Es ist unmöglich. Ich kann mich nicht verhalten. Ich kann mich ihr nicht zeigen. Sie nicht anders sehen als eine Gefahrenquelle. „Die Angst darf nicht gezeigt werden, auch wenn der Preis dafür ist, sich schutzlos zu fühlen.“ Ja, so ist es. Es geht auf meine Kosten. Der Mechanismus mich vor anderen mit „schwachen“ Gefühlen unsichtbar zu machen, erhöht in mir das Leiden. Lässt jemanden in mir damit alleine. *Seufz*

Ein Blick hinter die „Ich habe alles im Griff – Fassade“

Nach einer Therapiestunde, ich der ich meinen Unmut darüber äußerte, dass ich gehemmt bin bestimmte Dinge zu erzählen, weil ich davon ausgehe, dass sie sie mir sowieso nicht glaubt. Rückfrage dazu: „Das ich die Gefühle nicht glaube oder die Deutung dazu?“ Ich komme ins Schleudern, erkläre irgendwas. Von ihr kommt keine weitere Reaktion, nur zuhören. Ich verlasse die Stunde mit dem Gefühl falsch erklärt zu haben oder selbst nicht zu wissen was ich eigentlich sagen wollte. Ich war sehr unzufrieden. Am Tag später wurde etwas konkreter:

Wie können sie nur! Dass sie mich so hängen lassen, so im Stich lassen, so alleine lassen! Ich habe darauf gewartet, dass sie auf meine Ängste und Befürchtungen reagieren. Aber sie haben mich damit stehen lassen, mich damit noch unsicherer gemacht. Darüber, ob sie mir glauben, ob sie mich ernst nehmen, ob sie mich sehen.

Der folgende Tag. Ich fühle mich furchtbar nichtig. Ich kann sehen, wie ich mich in letzter Zeit in dem Gefühl besonders zu sein, gerettet habe. Mir wird auf unerträgliche Art und Weise klar, dass ich nichts besonderes bin, bloß weil ich all diese ekstatischen Gefühle, all die spirituellen Dinge erlebe, die Energien fühle und mit meinen Händen auch Energien der andern fühlen kann. Ich bin weder zu Außergewöhnlichem bestimmt, kann die Menschheit nicht heilen, bin absolut nicht perfekt und auf dem einzig, richtigen Weg. Und wenn das alles doch so sein sollte, so ist es bei jedem anderen Menschen auch so. Es gab keine Auserwählung. Ich kann nichts mit meinem Willen erreichen. Ich bin lediglich der Kanal. Peng! Das haut mich vom Hocker. Ich bin ganz unten.

Dann bricht ein kindlich, emotionaler Teil wie eine Welle über mich herein. Ich weine bitterlich.

Ich fühle mich so hilflos und alleine. Alles muss ich alleine entscheiden und ich habe überhaupt keine Ahnung was richtig und falsch ist. Aber ich tu die ganze Zeit so, als wüsste ich das und niemand anderes dürfte mir das sagen.

Jeder Unterstützungsversuch will abgeschmettert werden.

Ich kann das alleine! Aber jeder Unterstützungsversuch macht mich auch unsicher, weil ich genau das bin, zutiefst unsicher. Ich wünsche mir so sehr jemanden der mich an die Hand nimmt, mit mir gemeinsam den Weg geht, mir den Weg zeigt. Ich fühle mich so unendlich verloren und orientierungslos. Bitte helft mir. Warum hilft mir den keiner! Ich bin ganz alleine hier. Mir ist das alles zu viel.

Ich wünschte, sie wären jetzt hier, damit ich sie um Hilfe bitten kann. Ich will nicht mehr stark sein. Ich will nicht mehr auf alles eine Antwort wissen.

Heute Morgen. Ich wache auf und fühle mich hundeelend. Ich versuche meinen Gedanken nicht zu glauben, die mir erzählen wollen, dass dann alle großen Gefühle in der Vergangenheit ein Trugschluss waren, eine Illusion. Künstliche Gefühle, erzeugt durch meine eigene Erhebung. Nein, das will ich nicht glauben. Wenn ich das glaube, dann kommt die nächste depressive Welle (oder ist schon da?). Dann macht doch alles keinen Sinn mehr. Dann gibt es nichts das wahr ist und bleibt. Dann habe ich Lügen gefühlt und gedacht. Dann kann ich mir selbst nicht mehr vertrauen. Das kann nicht sein! Das darf nicht sein!

Ich verweigere seit einiger Zeit für mich die Sortierung nach gut und schlecht. Wenn mich jemand fragte, wie es mir geht, habe ich nicht mehr mit gut oder schlecht geantwortet, weil es mir falsch vorkam. Ich wollte keine Vorstellung beim Anderen erzeugen, die oberflächlich ist. Und ich wollte selbst nicht mehr leiden und auch anderen vermitteln, dass ich nicht mehr leide, egal wie es ist. Aber jetzt gerade muss ich zugeben, dass es mir nicht gut geht. Und ich wäre gerne nicht alleine damit. Ich wäre gerne bei jemanden, der daran nichts verändern will. Bei dem ich mich einfach schlecht fühlen darf. Der keine Tipps gibt, es nicht bereden will, der kein Mitleid hat. Der einfach offenherzig dabei ist.

Dieses gesehen werde wollen, verweigere ich mir unbewusst, in dem ich immer vermittle, dass ich schon mit allem zu recht komme. Komme ich ja auch, aber trotzdem verweigere ich dadurch anderen den Blick auf meine Gesamtheit. Ich fürchte mich vor den üblichen Reaktionen, wenn ich erzähle was sich nicht gut anfühlt.

Ich richte mich auf einen „Zu nichts in der Lage sein – Tag“ ein. So ist es dann auch. Ich kann kaum laufen. Meine Muskeln schmerzen. Ich bin unglaublich müde. Über Stunden liege ich auf der Couch und es plagen mich Phantasien, in denen ich versuche mich zu offenbaren, Schwäche zu zeigen, Not zu zeigen. Gegenüber der Ergotherapeutin, gegenüber meiner Therapeutin. Es kommt nie zu einem guten Abschluss. Immer wieder muss ich dabei weinen, weil ich mich so sehr danach sehne. Weil ich es jetzt brauche und niemand da ist. Ich stelle mir vor, wie ich mich selbst mir gegenüber verhalten würde. Ich würde mich fragen: „Soll ich bei dir bleiben?“ Ich würde mir irgendwie eine Berührung anbieten, obwohl ich nicht wüsste mit welchen Worten, um mich nicht zu irritieren und zurückschrecken zu lassen. Bei dieser ersten Berührung, wenn ich sie zulassen kann, sehe ich wie alle Barrieren brechen, ich mich sehnsüchtig in eine volle Berührung öffne. Gehalten werden suche und alles loslasse, alle Einsamkeit heraus weine.

Ich überlege, ob ich darum bitten soll, den Therapietermin von Dienstag auf Montag vorzuziehen. Eine unglaubliche Idee. Ich werde nur bei der Vorstellung nervös. Ist das nötig? Brauche ich das? Morgen ist es eh wieder anders und du wirst dich dann schämen, darum gebeten zu haben. Ich fühle aber auch die Not. Es ist ein Ringen. Als ich mich dem soweit angenähert habe, dass ich den Text aufgeschrieben habe, denn ich aufs Band sprechen will (ich wäre nie in der Lage frei zu sprechen) und den Hörer in die Hand nehme, kommt die Panik in mir zum Höhepunkt. Mein Herz rast, ich zittere und schwitze. Mein Verstand überschlägt sich mit Argumenten dagegen. In mir schreit es: Nein, nein, tu das nicht! Sie wird nein sagen! Dieses befürchtete „Nein“ fühlt sich vernichtend an. Ich lasse all dieses Fühlen zu und wähle trotzdem die Nummer. Ich will es für mich tun. Geschafft!

So, die Phantasien haben aufgehört. Ich blende aber auch die Ergebnismöglichkeiten meines Anrufes aus. Jetzt bin ich nur noch wie gelähmt, müde und voller körperlicher Schmerzen. Die weiteren Stunden treibe ich musikhörend in irgendwelchen Zwischenwelten, nicht schlafend, nicht wach sein. Bis ich mich doch tatsächlich bis zum PC vorkämpfen kann, um mich auch dem www zu offenbaren. 🙂