Die nackte Wahrheit…

… für heute und jetzt.

Schlechte Aufnahme. Laute Straße im Hintergrund. War auch so nicht geplant.

 

Über die Klopfakupressur habe ich es klar bekommen, dass meine Selbstverachtung wieder extrem präsent ist.

Diesmal haben die Selbstannahmesätze nichts gebracht.

Ich fing an mit: Auch wenn ich mich verachte, weil ich an so Kleinigkeiten scheitere, liebe und akzeptiere ich mich voll und ganz und ich bin okay so. (geht um momentane Alltagshürden)

Aber von wegen, okay. Nichts war mit okay-fühlen, also klopfte ich: Auch wenn ich nicht glaube, dass meine Verachtung okay ist, liebe und akzeptiere ich mich voll und ganz und ich bin okay so.

Auch das konnte ich nicht fühlen. So ging es weiter mit: Auch wenn ich nicht glaube, dass ich okay bin, liebe und akzeptiere ich mich voll und ganz und ich bin okay so.

So habe ich es dann einfach stehen gelassen. Die große emotionale Welle war durch und ich ließ es dabei, mich scheiße zu fühlen und versuchte mich konkreten Dingen zuzuwenden.

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Liebe oder vom Urgrund

Heute ist so ein Tag, an dem ich allzu deutlich spüre, dass meine zeitweilige Selbstsicherheit, mein Selbstvertrauen, so fest es sich auch anfühlen mag, ein Gerüst ist, was sich nur durch sich selbst hält und nicht aufgrund einer Verankerung mit dem festen Boden. Eine Böe und es klappt in sich zusammen.

So ein Tag, an dem mir die Tränen laufen, mit der Frage, habe ich in einem Jahr nichts erreicht? Stehe ich genau dort, wo ich auch letztes Jahr stand? Das kommt hoch, als ich auf dem Friedhof bin, in dem ich letztes Jahr ehrenamtlich gearbeitet hatte und überlege, ob ich wieder fragen soll, hier mithelfen zu können. Das Gefühl der Größe, der Stärke, das Gefühl etwas Besseres zu sein, zu etwas Besonderem bestimmt zu sein, fällt in sich zusammen und lässt mich wieder mal einen Blick auf meinen wirklichen Selbstwert werfen. Ich tue mir selbst weh, in dem ich mich für nichts und unfähig halte. Zu mehr bist du nicht fähig. Mehr hast du nicht drauf, als hier so niedere Tätigkeiten zu machen. Mich überraschen diese starken Gefühle. Mir war nicht bewusst, dass ich mich während ich hier damals arbeitete, die ganze Zeit als etwas Besseres gefühlt hatte, gegenüber den anderen Beschäftigten. Und nun bin ich wieder hier und denke, ich bin doch nichts Besseres, ich bin gescheitert, komme wieder angekrochen. Wie mitleiderregend.

Trotz der Bewusstheit von all diesem und dem Versuch mir meinen Wert zu versichern, egal was ich arbeite und wie oft ich irgendwo wieder auftauche, fühle ich mich klein und verloren. Ein klassischer Trigger im Außen, um meine Selbstabwertung aufs Tablett zu holen und mir meiner Überheblichkeit bewusst zu werden.

Das Verlangen nach irgendetwas ist enorm. Konditioniert klappere ich geistig Konsumgüter ab, ohne befriedigenden Erfolg. Ich erinnere mich, dass ich hinter dem letzen Verlangen, das Bedürfnis nach Verbindung gefunden hatte. Da ist es wieder, das Urbedürfnis nach Versicherung, nach Selbstversicherung. Bin ich richtig? Bin ich geliebt? Darf ich sein? Der Urgrund des menschlichen Seins. Wie soll ich es mir selbst geben, diese Versicherung? Wie soll auf der Basis des eigenen fehlenden Urgrundes, sich selbst haltende Verbindung entstehen. Wie will man ein Haus bauen, ohne Boden.

Diese Gedanken rattern durch mein Hirn, auf dem Fahrrad Richtung nach Hause. Und ich rufe, flehe innerlich Richtung Himmel, weil mir gar nichts anderes übrig bleibt, weil mir niemand anderes einfällt, der für diese Frage verantwortlich sein könnte: „Liebst du mich Leben?“
Zack… das geht ins Herz. Jetzt hier auch beim Schreiben. Weil ich ein JA fühle. Kein inneres JA, das aus einer Liebe zu mir selbst entsteht, sondern ein JA, welches von außen kommt. Das mich genau in diesem Moment mit all meinen schlechten Gefühlen und Gedanken liebt. Auch mein kleines, unfähiges und gescheitertes Fühlen. Auch mein Schwachsein. Kein Urteil, keine Bedingungen. Ich hätte auf meinem Fahrrad fast einen Heulanfall bekommen und versuchte so viel wie ich zulassen konnte, von diesem Gefühl aufzusaugen.

ICH WERDE BEDINGUNGSLOS GELIEBT! IMMER! Und ich kann darauf zugreifen. IMMER!

Und das ist nicht von einem Menschen abhängig, bei dem die ‚Gefahr‘ besteht, dass er wieder damit aufhört, aus welchen Gründen auch immer. Persönliche Befindlichkeiten, Abwesenheit, Tod usw..

Kämpfen ums Nichtkämpfen und sogar das Universum lacht mich aus

Die letzten beiden Therapiestunden erlebte ich als Stillstand. Schlimmer noch, als Rückschritt. Die Mauer war undurchdringlich. Dinge wurden verborgen, zurückgehalten, nicht ausgesprochen. Gefühle nicht preisgegeben und wenn doch, als leere Worthülsen, ohne fühlbaren Inhalt. Ich verließ den Raum, mit dem Eindruck, dass über nichts wirklich gesprochen wurde und ich nicht wirklich anwesend war. Unnütz vertane Zeit. Immer noch geht es um Wut. Ich bin traurig, enttäuscht und resigniert. Es bringt alles nichts. Ich kann es nicht fühlen. Ich kann es nicht zum Ausdruck bringen. Wozu denn dann alles, wenn die Erfolge von vor ein paar Wochen keine Wirkung zeigen, keinen Bestand haben.
Einen Tag später gesellen sich Verzweiflung und Anspannung dazu. Ich muss doch etwas tun können? Ich muss doch einen Weg finden können, meine Wut auszudrücken? Ich weiß wo sie ist. Ich weiß um welches Thema es geht. Druck baut sich auf. Ich gehe ständig alle Möglichkeiten durch, die ich an Ausdrucksformen so kenne. Zeichnen. Passt nicht. Schreiben. Passt nicht. Schreien. Passt, geht aber nicht. Toben. Passt, geht aber nicht. Ausrasten. Passt, geht aber nicht. Es wird immer enger und enger. Ich immer verzweifelter und getriebener. Mir ist so klar, wie mein Verstand mich kontrolliert, wie er diese Empfindungen kontrolliert, wie er Angst erzeugt. Ich fange an ihn zu hassen. Verzweifelt tigere ich durch die Wohnung und richte mich ans Universum mit der dringenden Bitte, mich meinen Verstand verlieren zu lassen. Im Hintergrund leise Bedenken, ob es wirklich das ist was ich will. Ist mir in dem Moment jedoch egal. Ich leide. Ich will, dass die Mauern nieder gerissen werden. Ich will die Grenzen des Verstandes brechen. Lass mich toben! Lass mich schreien! Lass mich rasend sein! Tu irgendetwas Universum! Lass mich nicht in diesem unerträglichen Gefängnis meines Geistes! Das schreibe ich auf und sofort kommt von innen eine Antwort.
Nur du selbst kannst dieses Gefängnis verlassen.
Wie mich diese Weisheiten in diesem Moment ankotzen. Ich will sie nicht hören. Ich weiß, dass sie wahr sind und ich werde noch verzweifelter und auch wütend, weil ich mich so ohnmächtig fühle. Ich weine. Ich will ja das Gefängnis verlassen, aber kann es nicht. Ich versuche es. Ich versuche es, wütend zu sein. Ich versuche einen entsprechenden Ton aus meinem Körper zu bringen, der auch nur irgendwie diese Wut und Verzweiflung zum Ausdruck bringt. Ich spreche weiter zum Universum. „Ich schaffe es nicht! Ich schaffe es nicht! Ich schaffe es einfach nicht!“ Dabei schmeiße ich mich mehrmals auf meine Couch. Schlage darauf. Quieke kurz ins Kissen, bei dem Versuch zu schreien (hier muss ich jetzt selbst lachen, aber in dem Moment war es echt nicht lustig). Das einzige was funktioniert, ist heftig zu weinen. Es ist so aussichtslos. Da vernehme ich doch tatsächlich innen im Hintergrund ein Lachen. Nicht unfreundlich. Eher freundlich belustigt. „Ja, lach nur über mein Leiden, damit ich mich mit meinem Gebaren hier wie ein Trottel fühle.“ Ich bin irritiert, weil ich so ein doppeltes Erleben noch nie hatte, leicht gekränkt, weil ich mich in meiner Verzweiflung nicht ernst genommen fühle und erstaunlicher Weise auch besänftigt, weil ich mir selbst mit meinen Gefühlen gerade übertrieben vorkomme. Der Druck ist dann erst mal raus.
Am nächsten Morgen bin ich jedoch wieder im Thema. Wir fallen all meine kleinen Kontrollverhaltensweisen auf und ich empfinde sie plötzlich als extrem einengend. Wie z.B. beim An- oder Ausziehen fürs Bett, mich immer auf eine andere Stelle zu setzen, damit die Matratze nicht an einer Stelle ausbeult oder warmes Essen immer von außen nach innen zu essen, damit das äußere abgekühlte Essen zuerst weg kommt oder auch die Zutaten ausgewogen auf dem Teller zu verteilen, damit bei jedem Bissen immer alle Zutaten gleichermaßen auf meinem Löffel sind usw.. Ich hasse es! Ich hasse wieder meinen Verstand, der mich so quält und wünsche mir, dass er zerbricht. Dass er mich frei lässt aus seinem Gefängnis aus Angst und Kontrolle. Ich erkenne die Illusion und trotzdem bleibt sie bestehen. Ich könnte wahnsinnig werden, wenn ich es könnte. Aufgeben. Loslassen würde helfen. Doch auch da lässt mich mein Verstand immer weiter kämpfen. Ich kenne die Lösung für alles und es bringt mir gar nichts.
Das Wünschen entspringt ebenso dem Verstand, ich weiß. Es beinhaltet Ablehnung, ich weiß. Mein Verstand kämpft Schlachten. Am Kampf komme ich nicht vorbei. Er gehört dazu. Mein Verstand muss sich erst wundkämpfen, bis er nicht mehr kann. Erst dann gibt er auf. Und mit diesem einen Mal ist es nicht getan. Irgendwoher nimmt er seine Kraft immer wieder von neuem auf, um sich erneut in den Kampf zu stürzen. Es ist nie gleich. Auch jetzt wieder anders. Ich habe mich bei jemanden (begrenzt) ausweinen können, dafür Worte finden können, was viel wert ist. Ich habe weinen können, über die Ungerechtigkeit die mein Kopf empfindet. Die Ungerechtigkeit, dass er weiß warum ich depressive Symptome habe. Das er weiß, dass er Wut unterdrückt. Das er weiß, dass er die Wut nicht über den Willen herausholen kann. Das er weiß, er kann nichts tun, keinen Einfluss nehmen, nur zuschauen. Und komischerweise hilft mir die Wut meines Verstandes über seine Ohnmacht dabei, meiner wirklichen universalen Wut näher zu kommen. Alles ist gut!