Persönliches…

… aus meinem Tagebuch. Notizen im Laufe des Morgens.

Ich fühle mich in meinem eigenen Körper nicht in Sicherheit. Unter Menschen oder in dieser Welt.

Ich hatte schon von Anfang an Angst vor ihrer direktiven Art.

Ich fühle mich von vielen Sachen, Erlebnissen, Erinnerungen, Gefühlen abgeschnitten, wenn da diese Angst ist (Schutz).

Ich lerne, Angst im Körper zu halten, dafür da zu sein. Den Körper zu behalten.

Etwas Zugang zu meinen Ressourcen, zu meiner Wirksamkeit gefunden. Ich kann mir helfen. Hatte vorher das Vertrauen verloren. 

In Sicherheit gebracht. Bild. Wiese. Bach. Blauer Himmel. Alles glasklar, hell und licht durchflutet. Glasklares Wasser. Glasklare Luft. Rein. Weite. Nichts anderes. Farbe Rosa.

Was hält?

Ich bin aktuell unglaublich verletzlich und für alles empfindsam. Vieles lässt mein Herz erzittern. Vieles regt es, berührt es, schmerzt es, öffnet es. Schickt Träne um Träne, mal als kurzen Schluckauf, mal als eine große Welle, mal irgendwas dazwischen. Mal zurückgedrängt, mal offen frei raus, mal in abgehackten Portionen. Gerade heute zähle ich schon sechs dieser Momente.

Es zieht mich stark zum Feuer. Feuer als Schutz, als Wärme, als Geborgenheit, als Halt. Kerzenzeit hat angefangen. Es zieht mich zum orangefarbenen Licht. Es zieht mich zu Gerüchen. Besonders Orange, obwohl ich den Duft gar nicht hier habe und auch noch nie benutzt habe. Gerüche als Trost, als Orientierung, als Ankerpunkt.

Mein Schutzbedürfnis ist sehr groß. In der sicheren Höhle sein. Zurückziehen. Einhüllen. Warm halten. Mir nah sein.

Morgengedanke im Bett – Ich bin ein verletzlicher Mensch. Eine Feststellung. Eine Erkenntnis. Obwohl es rückblickend so offenkundig ist, dringt es erst jetzt als Gefühl in mein Herz. Okay – ich bin ein verletzlicher Mensch. Das ist wichtig zu wissen und anzuerkennen. Das hat Bedeutung für mich, wie ich mich in das Leben gebe, dass es an vielen Stellen Behutsamkeit braucht. Und auch Schutz und Abgrenzung.

Verletzlichkeit, Berührbarkeit, Empfindsamkeit – vielleicht sind das meine wahren Qualitäten.

Es bewegen sich so große Dinge.

Es geht um Abschied, um Endlichkeit, um Wut. Es geht um Anspannung, um beklemmende Angstgefühle, um Unruhe und Rastlosigkeit, um das Gefühl, um mich schlagen zu wollen. Es geht um Aushalten, um Annehmen und um radikales Akzeptieren. Es geht um Unveränderlichkeit, um Krieg, um Licht und um Schatten, um Demut. Es geht um die Sehnsucht, zurück in die Einheit zu wollen. Es geht um das alleine Klarkommen, um die Erkenntnis, dass nichts von Dauer ist, alles vergeht und nichts bleibt. Es geht um das Loslassen, um Raum und um Leere, um Sein. Es geht um Angst und um Angst und um Angst.

„Mir kommt gerade der Gedanke, wenn ich so viel loslasse, was hält mich dann eigentlich?“ „Ja, was hält sie?“ Schweigen. Spüren. „Wenn alles losgelassen ist, was ist dann noch da, was bleibt übrig? Das Leben selbst. Der Augenblick. Der Geruch des Tees der vor mir steht. Ich glaube, dass ist es was mich hält. (Und meine wiederkehrende Entscheidung hier sein zu wollen)“ „Das ist wichtig. Wenn sie erfahren würden, dass sie nur noch 20 Minuten zu leben hätten, dann gäbe es nur noch das, nur noch diesen Moment.“

Tröster

Ich habe festgestellt, dass dieser Teddy mir wirklich hilft.

2015_04_18 Teddy

Etwas schäme ich mich noch dafür. Scham beinhaltet Abwertung.

Sich mit einem Stofftier zu trösten, sich mit einem Stofftier sicherer zu fühlen, sich mit einem Stofftier verbunden zu fühlen und damit nicht mehr so alleine, das ist doch eine merkwürdige, kindliche Eigenart, bei der ich noch Angst vor dem abschätzigen Gelächter Anderer darüber habe.

Dass das funktioniert und gerade bei mir funktioniert, erstaunt mich selbst.

Ich war vor einer Woche für ein paar Tage weg. Ich packte meinen Koffer dafür. Es passte nicht alles hinein was ich gerne mitgenommen hätte. Doch der Teddy drängte sich mir auf. Es schien wichtig zu sein, ihn mitzunehmen. Dafür musste ich extra noch einen Beutel umhängen, wo er hinein kam. Dafür ließ ich mein heißgeliebtes Meditationskissen zurück. Es schien also wirklich, wirklich wichtig, obwohl mir der Sinn da noch nicht klar war. Und ich auch da schon im Hintergrund mich über mich selbst lächerlich machte. Ich nahm ihn trotzdem mit.

Und tatsächlich, im Reisebus war ich froh ihn versteckt in meinem Beutel auf meinem Schoß sitzen zu haben. Er gab mir das Gefühl, das da noch jemand ist, das ich nicht alleine bin. Ich hielt ihn im Arm, hielt mich an ihm fest. Er bot mir einen Fokus, einen Fixpunkt. Und auch die Tage am Reiseort bot er sich als Sicherheitspunkt an. Wir weinten zusammen und einmal frühstückte er sogar auf meinem Schoß mit mir zusammen, umhüllt mit einer Decke.

Also ich steh da jetzt öffentlich zu. Und damit stehe ich auch zu meinen Gefühlen, die manchmal so sind, dass sie solch ein Objekt tröstend finden. Gut, das sich da etwas gefunden hat.

De-Eskalationsversuche

Genug probiert, gefühlt, durchfühlt, umgelenkt, abgelenkt, ausgehalten. Zu lange ohne Unterbrechung. Zu oft ans Schneiden gedacht. Glück gehabt und einen ironischen Lachanfall als das Keramikmesser, diesmal längs angesetzt, nicht scharf genug war.

Nicht ernsthaft sterben wollen, doch ernsthaft fühlen, Schmerz verdient zu haben, Strafe verdient zu haben. Auch Eskalation zu wollen. Drama zu wollen. Gründe zu wollen.

Dieses Geschrei aus vielen Richtungen in meinen Kopf beginnt wieder. Spiralförmig. Sich zuspitzend. Nur schwer einen Ausgang findend. Aus den Anfangsgefühlen werden aufgestapelte, sich gegenseitig anspornende Panikgefühlswellen. Sicherheit verlieren. Die Sicherheit etwas in der Hand zu haben, um mich auffangen zu können, um auszuhalten zu können bis es anders wird, umlenken zu können ins Jetzt. Den Blick verlieren, dass es ein Jetzt gibt, in dem ich nicht mehr bin. Die Vorstellung verlieren, dass es eine Phase ist (wie immer) die vorüber geht. Bis über die Ohren drin stecken.

An Kriseneinrichtungen denken. Nicht wissen, welchen Grund ich für Hilfe dort angeben sollte. Was soll ich dort sagen?

Sinnlosigkeit von Kriseneinrichtungen erkennen, verlängern sie doch nur das Grundthema. Verlassen werden. Verloren fühlen. Reaktivierung des Verlassen-seins durch die Stundenreduzierung der Therapie. Gehe ich zu einer anderen Einrichtung, um dann beim Gehen wieder die gleiche Reaktivierung zu durchlaufen. Wenn ich mir Hilfe/Halt woanders hole, ist das doch ein stetiger Kreislauf von Abhängigkeit der kein Ende findet und immer wieder die gleichen Gefühle erzeugt. Wie soll ich damit umgehen?

Ich verbiete mir Abhängigkeit. Rufe niemanden an. Wann ist Hilfe Hilfe und keine Abhängigkeit? Darf auch Abhängigkeit helfen?

Phantasiere Selbstverletzung als Aufnahmegrund (obwohl es darum gar nicht geht). Verbiete mir auch das. Verbiete mir agieren, weil es Betrug ist. Kann mich nicht als Opfer ausgeben und um Hilfe bitten, wenn ich selbst der Täter bin. Und das auch noch im vollen Bewusstsein. Nichts mit Handeln aus Affekt. Kann ich gar nicht. Hätte mich im Griff haben müssen. Trage selbst die Verantwortung dafür. Wie mich Bewusstheit manchmal ankotzt.

Meine Schultern und Nacken wie Stahl und voller Schmerz. Seit Tagen Angstträume. Meine Verdauung streikt. Alles liegt schwer im Magen. Überempfindlichkeitsreaktionen. Verkrampfter, harter Bauch.

An Skills viel probiert, mit eher kurzen Effekten. Emotionen fühlen dürfen. In den Arm nehmen. Mitgefühl haben. Hinter die Selbstverletzungsgedanken fühlen. Daumen lutschen. Körper abklopfen. Erdendes Duftöl. Rescuetropfen. Singen. Mit Mutter-Erde verbunden. Umhülltes, geborgenes Baby in meinem Schoß imaginiert. Versuchen Haushaltsdinge zu tun – Ablenkung. Film geschaut.

Am Ende des Tages schiebt sich die Frage nach erneuter Medikation in meinem Kopf. Erst einmal Widerstand.

Heute Morgen in einem ruhigen, mitfühlenden Moment spüre ich, dass das die richtige Entscheidung ist. Alle weiteren Gedanken die das Gegenteil behaupten, erkenne ich als destruktiv, mir einreden wollend, ich sei dann nicht stark genug gewesen und ich würde mich durch eine Substanz kontrollieren lassen.
Mit 5 mg Paroxetin gestartet und ich habe das Gefühl ein Stück Kontrolle zurückbekommen zu haben. Ich kann etwas für mich tun, ohne andere dafür zu brauchen.

Hilfen im Notfall

Habe mich heute damit beschäftigt eine Notfalltelefonliste und einen Notfallhandlungsplan zu erstellen, damit ich vorbereitet bin, wenn es kritisch wird – heißt, ich mich im Fühlen verliere.

Es fühlt sich gut an etwas in der Hand zu haben, worauf ich einfach zugreifen kann. Wo ich nichts suchen muss, mich nicht erinnern muss. Die Telefonnummern umfassen die Nummern von aktuellen Helfern und Krisenanlaufstellen. Eine davon in der Geldbörse und eine an meiner Pinnwand, gut sichtbar.

Es war auch ein gutes Gefühl mal alle Techniken der Vergangenheit aufzuschreiben. Ein Gefühl von Handlungsfähigkeit und dass da schon einiges vorhanden ist, was gut für die Selbstregulation funktioniert hat. Auch diese Liste ist nun in der Geldbörse und liegt vorerst sichtbar auf meinem Schreibtisch, damit es präsent bleibt.

Hilfen im Notfall

  • Körpermeridiane abklopfen
  • Yoga-Gleichgewichtsübungen
  • Kaltes Wasser/ Kühlakku
  • 5 Sinnesübungen
  • Duft-Öl
  • Rescuetropfen
  • Musik und Tanzen
  • Urlaubsimagination
  • Standortveränderung – aus dem Haus gehen/ um den Block laufen/ Bahn fahren
  • Krisentelefon anrufen (Lara, Station, Krisendienst)
  • Meditation – Atem hören, beobachten, in den Boden atmen
  • In den Wald gehen – Bäume umarmen
  • Beten – um Hilfe bitten, dankbar sein

Ich bin bereit! 🙂

Meditation mit meiner Angst

Ich sitze mit gekreuzten Beinen. Meine Hände haben sich intuitiv ihren Platz auf beiden Seiten meines Halses gesucht und verweilen dort die ganze Zeit in einiger Entfernung zur Haut.

„Hallo Angst! Ich lade dich ein zu mir zu kommen, in mein Herz.“

Ich fühle Raum und meine Herzenergie darin. Ich erspüre, dass die Angst Angst hat zu kommen. Gehe zurück zur Herzenergie und versuche mich liebevoll zu öffnen, für alles was da kommen mag.

„Willst du dich zeigen? Wie siehst du aus?“ (ich glaub irgendwie selbst nicht daran, dass da was passiert)

Der Raum wird heller. Am Rande meiner Wahrnehmung sehe ich wie aus den Augenwinkeln ein Wesen aus Nebel in tannenbaumartiger Form, ohne unteren und oberen Teil.

„Ich kann dein Gesicht nicht sehen.“

Die Form verschwindet. Alles wird noch heller. Ich fühle Angst. Ein flirrendes, vibrierendes Gefühl, furchtsam auf Abstand um meinen Körper herum. Ich verliere sie immer wieder und bemühe mich jedes Mal mich wieder zu öffnen.

Wo ist eigentlich mein Körper? Wo fühle ich die Angst im Körper? Das Angstgefühl verbindet sich mit einer pflaumengroßen Stelle in meinem Unterleib und ist nun von außen nach innen, zu mir gekommen. Dort zieht sich alles zusammen. Tränen steigen auf. Ich springe rein, raus, rein, raus. Das übliche. Nicht einfach, dabei zu bleiben. Doch habe ich heute etwas Liebevolles in mir, was es schafft, die Tür immer wieder einen Spalt aufzumachen. Ich lege intuitiv eine Hand auf meinen Nacken und die andere Hand auf die Stelle am Bauch, für Schutz und Beistand und lass mich in das Weinen und Wimmern nach vorne sinken. Die Empfindungen verändern sich stetig. Nach jedem raus und wieder rein, fühlt es sich etwas anders an. Im Detail nicht beschreibbar, aber als ob das Angstgefühl sich verwandeln würde. Ich komme in schnelle tiefe Atmung und kann mich langsam wieder aufrichten, bin wieder mehr da. Ich habe ein sehr starkes Schutzbedürfnis und schlinge deshalb meine Arme um meine Schulter, um mir Sicherheit zu geben. Das hilft tatsächlich und ich entspanne mich weiter. Ich spüre dann nach ein paar Minuten, dass das so erst mal in Ordnung ist und ich aufstehen kann. Und mir ist so, als ob da in mir ganz viel Dankbarkeit gefühlt wird, dafür, dass ich da gewesen bin. Da scheint etwas zusammengekommen zu sein, was sich für mich heilsam anfühlt.