Alles auf Anfang und doch ein Stück weiter

Keine Richtung. Keine Perspektive. Keine Vorstellung, dass irgendwo ein Platz für mich ist, wo ich sein kann, mit dem was ich bin und mich trotzdem entfalten kann.

Nach der Tagesklinik ist vor der Tagesklinik. Seit gestern bin ich zu Hause.

Es fühlt sich alles nicht mehr passend an. Der Arbeitsplatz, die Kontakt- und Beratungsstelle. Es beengt mich, ich fühle mich in der Vorstellung dort eingesperrt.

Das Leben im Allgemeinen fühlt sich beengend an.

Ich werde wütend. Immer wieder. Bei kleinen und großen Dingen. Verweigerungshaltungen entstehen. Das ist nicht die Lösung. Der Wut auf der Spur.

Ein Bild in mir, mich mit aller Kraft aus Ketten zu sprengen.

Etwas Neues gibt es nicht.

Wertlosigkeitsgefühle und das „wertvoll“ daneben stellen.

Der Verzweiflung zuschauen, die aus der Orientierungslosigkeit entsteht.
Den Ängsten zuschauen, Massen an Ängsten, die Neues (noch) nicht möglich machen.
(Das Schauen gelingt besser, als vor der TK)

Wohin Bewegen?
Bewegungslosigkeit. Ganz real. Wozu noch Handeln?

Mit Selbstfürsorge balancieren, zwischen Gleichgültigkeit.

Starrende Ängste die glauben, dass alles untergeht, wenn wir uns nicht sauber machen, nicht bewegen, nicht strukturieren, nicht das neue Ticket holen, weil der 1. ist, nicht einkaufen gehen, weil am Wochenende Besuch kommt, nicht die Duschwand nach Benutzung abwischen, nicht die Wohnung putzen.

Das „nicht“ aushalten. Ja was ist dann? Was passiert dann, wenn alles NICHTS wird?
Noch mehr Ängste, noch mehr Gedanken. Und wenn… und wenn… und wenn.

Und ich lebe weiter…

Dramagedanken. Das Leben wird eng in ihnen.
Stimmt schon, meine Gedanken nehmen das Leben sehr ernst (wie jemand mir sagte). Das macht es nicht leicht.

Es ist wirklich nicht leicht, doch ich kann es aushalten. Gestern. Heute.

Dazwischen Momente wo alles okay ist, wo Gelassenheit auftaucht, beim einfachen Sein.

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Krisenzeit

Das war die heftigste Krise die ich seit letztem Jahr September erlebt habe. (Diese endete damals auf der Kriseninterventionsstation.)

Mit großen Augen und anerkennendem Blick sagt sie: „Und sie haben das durchgestanden!“ Ja, ich habe das zu Hause durchgestanden. Ich hatte mich zwar um eine Krisenaufnahme für das Wochenende, in einer Akuttagesklinik gekümmert, diese dann doch abgesagt. Ich habe es mir zugetraut, weil andere Dinge griffen.

Niemand konnte das ganze Ausmaß sehen, niemanden konnte ich sagen, was in mir passierte, dass sich alles in mir verändert hatte. Niemand bekam die Dimension dieser Krise mit. Ich hatte keine ausreichenden Worte und habe es selbst nicht verstanden – mittendrin. Wenn ich nicht mehr konnte, sah das keiner und wenn mich jemand sah, setzte der Automatismus ein, noch zu können. Und was soll ich sagen – es ist okay… irgendwie. Es war nicht nötig, dass ich mein Erleben erklären konnte (auch wenn ich es gerne getan hätte). Ich habe es anscheinend nicht gebraucht.

Ich habe MICH gebraucht. Und ich war überwiegend für mich da. Bin Wege gegangen, die ich noch nie gegangen bin. Habe Hilfe bekommen, auch ohne dass die Dimension erkannt wurde, wohl einfach, weil man mir auch glaubte, wenn ich um Hilfe bitte, dann brauche ich sie auch.

Ein sehr heilsames Erlebnis, wenn die Tagesklinik sagt (war da bisher zweimal, 2011 und 2014): „Kommen sie einfach. Sie brauchen keine Einweisung vom Arzt. Wir kennen sie ja und kümmern uns dann um alles.“ Ich habe geweint vor Dankbarkeit, nach diesem Anruf. Ich musste nichts erklären. Es hat einfach gereicht nach einer Krisenaufnahme zu fragen.

Erst danach konnte ich so halbwegs verstehen und erklären und sie sagte: „Ich habe es ihnen zugetraut.“ Wow…! Das hatte ich mir von meiner damaligen Therapeutin gewünscht und sie sogar darauf angesprochen, ob sie mir nichts zutraue. Und nun sagt man mir das von ganz alleine. Ein tolles Gefühl! Noch nie in meinem Leben, habe ich so etwas gesagt bekommen und auch annehmen können.

Da ist viel Kraft in mir. Ich durfte sie erleben und ich spüre sie immer noch. Ich fühle mich nicht stark. So meine ich das nicht. Sondern, dass da ein Kern in mir ist, der Kraft zur Verfügung stellen kann (immer gibt), wenn ich sie brauche.

Krisen erschaffen immer ganz besondere Erfahrungen. Ich tue Dinge, die ich ohne nicht tun würde. Dadurch erlebe ich Sachen, die ich ohne nicht erleben würde.

Die Lawine, die alles mit sich riss und sich stetig vergrößerte, läuft momentan langsam aus (und nichts ist mehr wie vorher). Ich weiß nicht, wo ich jetzt stehe. Da ist so viel passiert. Für mein Bewusstsein zu viel in zu kurzer Zeit, als dass ich greifen könnte, was es mit mir gemacht hat und was im Einzelnen der Inhalt war.

Das Überthema heißt wohl ‚zeigen und gesehen werden‘ und Bindung (immer noch). Da hängt so unglaublich viel dran! Das hat (und tut es weiterhin) so extrem viel ausgelöst.

Auch bin ich auf ein familiäres Thema, mütterlicherseits gestoßen. Ich trage Erlebnisse meiner Familie mit, die ich nie erlebt habe. Ich reagiere mit ihrer nackten Angst und Panik. Ich habe den Schmerz meiner (schon seit Jahren verstorbenen) Oma geweint.

Am Ende brauchte ich für drei Tage völligen Rückzug. Ich ließ die meiste Zeit Handy, Telefon und PC aus. Wusste ich, ich musste mich vor weiteren Reizen, Informationen, Reaktionen schützen, um mein völlig überreiztes Nervensystem zur Ruhe zu bringen und meinem durchgebrannten Verstand die Nahrung zu entziehen. Absolute Ruhe – das brauchte ich. Der erste Tag davon war sehr schwer. Meine Gedanken drängten immer wieder zur Tat, wollten Klärung, suchten Kontakt, waren voller Panik und auch Schmerz. Es erforderte Disziplin, nicht ins Handeln zu gehen. Ich schrieb sie alle auf, um mich dann wieder dem Jetzt zuzuwenden. Das half. (Und heute sind 70% des Geschriebenen unwichtig geworden)

Gestern und heute sehe ich nichts mehr um mich herum. Da ist so viel leerer Raum. Aus allen Zusammenhängen gelöst. Nichts scheint mehr wichtig, von Bedeutung oder trägt. Ich sehe keinen Weg. Ich habe kein Ziel vor Augen. In den letzten Jahren hätte mich das (zum wiederholten Male) in eine tiefe Sinnkrise gestürzt, auf die ich aufgesprungen wäre. Jetzt übe ich mich, die logischerweise folgenden Depressionswellen durch mich durchlaufen zu lassen. Jetzt hält nur noch das Leben, das Da-sein selbst. Schön fühlt sich das nicht an. Da ist Angst und Ungewissheit. Keine Richtung, in die ich blicken kann. Es bedeutet viel Bewusstseinsarbeit und aushalten.

Es ist zu erwarten, dass sich wieder etwas Greifbares formieren wird (und ich danach auch suchen werde), um beim nächsten Mal erneut zu zerfallen.

Ich bin müde, erschöpft und sehr schwach.
Ich fühle wieder (wackeligen) Boden.
Ich habe die schwach pulsierende Erinnerung von Kraft.

Therapieprozesse III

Notizen der letzten Tage.

05.12.2013

                Ich bin schlecht. Ich muss mich bestrafen.

 

Stelle mich vor den Spiegel und versuche, mein bisher jüngstes Inneres Kind, welches erst vor kurzem zu mir gefunden hat, auf dieser Welt, in meinem Leben willkommen zu heißen. Spreche es laut aus. Spreche es direkt an. Sofort kommen Tränen und ein Gefühl von – die Welt ist so grausam, die Welt tut so weh. Ich muss mich vom Spiegel abwenden, kann nicht bei ihr bleiben. Ja, was soll ich sagen? Das ist die Stelle wo ich dir eigentlich versichern sollte, dass ich jetzt für dich da bin, dich halten werde… Ich kann es nicht. Ich kann es dir nicht versprechen. Ich will kein Versprechen geben, an dem ich selbst Zweifel spüre. Ich fühle mich durcheinander, sprachlos und auch schockiert. Ich brauche Zeit.

06.12.2013

Soviel Selbstzerstörung in mir. Negatives Denken und Glauben und Fühlen.

                Was interessiert mich meine Vergangenheit. Die ist vorbei! (verachtend)

Was kann ich an Stabilisierung und Symptomverringerung erwarten?

10.12.2013

Mein Gefühl ist, das ich sofort in Arbeitsprozessen wieder zusammen klappe, wenn ich vorher nicht genügend Selbstsicherheit gesammelt habe. Ist das von dieser Therapie zu viel erwartet?

                Ich glaube nicht mehr daran, dass es besser wird. (aufgegeben)

Der neue Teil der sich entwickelt, reagiert nicht mit gegenhalten, sondern der Haltung des Mitgefühls. Ja, es ist verständlich das du dich so fühlst, nach dem du erkannt hast, das es nicht so ist, wie du erwartet hast. Du darfst dich so fühlen – enttäuscht, orientierungslos, hoffnungslos und wütend. Du darfst weiter existieren, musst dich nicht auslöschen.

Das Mitgefühl war die Tage vorher nicht zu finden, weil mir der Grund für mein Fühlen verloren gegangen ist. Ich wusste, fühlte nichts mehr von der Enttäuschung und Wut. Anderes stülpte sich darüber. Abwertung, Selbsthass, Vernichtungs-/Bestrafungsgefühle, Schuldgefühle.

11.12.2013

Ich habe mir vorgestellt, erwartet, dass ich hier (Psychoanalyse) irgendwann frei von Angst und Unsicherheit bin. Das es ungehemmt aus mir heraussprudelt. Und wenn das hier so funktioniert, dann funktioniert es auch draußen. Ich sehe kleine Entwicklungen die meilenweit von meinen Erwartungen entfernt sind. Das soll alles sein?

Ich dachte ich finde meinen Sinn, meine Bestimmung, ich gehe hier glücklich und gefestigt in mir, frei von Anhängigkeiten.

Ich frage mich was in meinem Leben überhaupt stimmt. Womit ich zufrieden bin. Das Leben ist nicht anders als vorher. Es ist immer noch genauso, wie zu Beginn der Therapie.

                Das stimmt nicht! (im Hintergrund)

Was habe ich denn erreicht?

Ich wollte mich entfalten. Im Flow sein. Aus meinen Ideen, Kreativität, Lebendigkeit schöpfen und schaffen. Nach vorne gerichtet, zuversichtlich, entspannt, gelassen, ohne Angst. Da muss ich keine Vision haben, davon wo ich mich in 2-3 Jahren sehe, weil sich die Dinge entwickeln werden, so wie es passend ist. Habe ich die Therapie mit diesen Wünschen überfrachtet?

Ich wollte mein eigenes Leben, mein eigenes Selbst loswerden. Ich wollte mich so wie ich bin loswerden. Jetzt stehe ich wieder vor mir, unbarmherzig schaut mich mein Leben, mein Selbst an. Es ist das was ich kriegen kann, nicht mehr und nicht weniger. Egal wohin ich laufe, mich wende, suche, immer wieder komme ich an derselben Stelle heraus und stehe wieder vor mir. Parallelwelten zerplatzen, werden sichtbar als Illusion. Träume, Wünsche, Hoffnungen, Vorstellungen von etwas besserem als das was ich bin. Es ist bitter, tut mir so weh, macht mich so wütend. Stehe mittendrin, bin erschüttert von der Erkenntnis, dem Blick auf die zurückliegende Zeit. Das Sehen von all den Mühen, Kämpfen, Aktivitäten unter dem Deckmantel fühlen zu wollen. Mit dieser falschen Intention unter der sich ein Nicht-fühlen-wollen zeigt. Alles ist in Frage gestellt. Alles was ich dachte für mich zu tun. Sinnlosigkeit. Ich bin voller Widerstand, das Erkennen zuzulassen. Dass ich das was ich suche, nie finden werde! Da tobt es immer wieder aufs Neue. Kriege, Schlachten spielen sich in mir ab. Ich breche auseinander. Sehe dabei zu, wie Teile des Selbst sterben und weit und breit nichts Neues zu spüren ist. Verstreut und raumlos treibe ich im Formlosen und kann trotzdem spüren das all das gut ist. Das es Platz schafft.

Ein Blick hinter die „Ich habe alles im Griff – Fassade“

Nach einer Therapiestunde, ich der ich meinen Unmut darüber äußerte, dass ich gehemmt bin bestimmte Dinge zu erzählen, weil ich davon ausgehe, dass sie sie mir sowieso nicht glaubt. Rückfrage dazu: „Das ich die Gefühle nicht glaube oder die Deutung dazu?“ Ich komme ins Schleudern, erkläre irgendwas. Von ihr kommt keine weitere Reaktion, nur zuhören. Ich verlasse die Stunde mit dem Gefühl falsch erklärt zu haben oder selbst nicht zu wissen was ich eigentlich sagen wollte. Ich war sehr unzufrieden. Am Tag später wurde etwas konkreter:

Wie können sie nur! Dass sie mich so hängen lassen, so im Stich lassen, so alleine lassen! Ich habe darauf gewartet, dass sie auf meine Ängste und Befürchtungen reagieren. Aber sie haben mich damit stehen lassen, mich damit noch unsicherer gemacht. Darüber, ob sie mir glauben, ob sie mich ernst nehmen, ob sie mich sehen.

Der folgende Tag. Ich fühle mich furchtbar nichtig. Ich kann sehen, wie ich mich in letzter Zeit in dem Gefühl besonders zu sein, gerettet habe. Mir wird auf unerträgliche Art und Weise klar, dass ich nichts besonderes bin, bloß weil ich all diese ekstatischen Gefühle, all die spirituellen Dinge erlebe, die Energien fühle und mit meinen Händen auch Energien der andern fühlen kann. Ich bin weder zu Außergewöhnlichem bestimmt, kann die Menschheit nicht heilen, bin absolut nicht perfekt und auf dem einzig, richtigen Weg. Und wenn das alles doch so sein sollte, so ist es bei jedem anderen Menschen auch so. Es gab keine Auserwählung. Ich kann nichts mit meinem Willen erreichen. Ich bin lediglich der Kanal. Peng! Das haut mich vom Hocker. Ich bin ganz unten.

Dann bricht ein kindlich, emotionaler Teil wie eine Welle über mich herein. Ich weine bitterlich.

Ich fühle mich so hilflos und alleine. Alles muss ich alleine entscheiden und ich habe überhaupt keine Ahnung was richtig und falsch ist. Aber ich tu die ganze Zeit so, als wüsste ich das und niemand anderes dürfte mir das sagen.

Jeder Unterstützungsversuch will abgeschmettert werden.

Ich kann das alleine! Aber jeder Unterstützungsversuch macht mich auch unsicher, weil ich genau das bin, zutiefst unsicher. Ich wünsche mir so sehr jemanden der mich an die Hand nimmt, mit mir gemeinsam den Weg geht, mir den Weg zeigt. Ich fühle mich so unendlich verloren und orientierungslos. Bitte helft mir. Warum hilft mir den keiner! Ich bin ganz alleine hier. Mir ist das alles zu viel.

Ich wünschte, sie wären jetzt hier, damit ich sie um Hilfe bitten kann. Ich will nicht mehr stark sein. Ich will nicht mehr auf alles eine Antwort wissen.

Heute Morgen. Ich wache auf und fühle mich hundeelend. Ich versuche meinen Gedanken nicht zu glauben, die mir erzählen wollen, dass dann alle großen Gefühle in der Vergangenheit ein Trugschluss waren, eine Illusion. Künstliche Gefühle, erzeugt durch meine eigene Erhebung. Nein, das will ich nicht glauben. Wenn ich das glaube, dann kommt die nächste depressive Welle (oder ist schon da?). Dann macht doch alles keinen Sinn mehr. Dann gibt es nichts das wahr ist und bleibt. Dann habe ich Lügen gefühlt und gedacht. Dann kann ich mir selbst nicht mehr vertrauen. Das kann nicht sein! Das darf nicht sein!

Ich verweigere seit einiger Zeit für mich die Sortierung nach gut und schlecht. Wenn mich jemand fragte, wie es mir geht, habe ich nicht mehr mit gut oder schlecht geantwortet, weil es mir falsch vorkam. Ich wollte keine Vorstellung beim Anderen erzeugen, die oberflächlich ist. Und ich wollte selbst nicht mehr leiden und auch anderen vermitteln, dass ich nicht mehr leide, egal wie es ist. Aber jetzt gerade muss ich zugeben, dass es mir nicht gut geht. Und ich wäre gerne nicht alleine damit. Ich wäre gerne bei jemanden, der daran nichts verändern will. Bei dem ich mich einfach schlecht fühlen darf. Der keine Tipps gibt, es nicht bereden will, der kein Mitleid hat. Der einfach offenherzig dabei ist.

Dieses gesehen werde wollen, verweigere ich mir unbewusst, in dem ich immer vermittle, dass ich schon mit allem zu recht komme. Komme ich ja auch, aber trotzdem verweigere ich dadurch anderen den Blick auf meine Gesamtheit. Ich fürchte mich vor den üblichen Reaktionen, wenn ich erzähle was sich nicht gut anfühlt.

Ich richte mich auf einen „Zu nichts in der Lage sein – Tag“ ein. So ist es dann auch. Ich kann kaum laufen. Meine Muskeln schmerzen. Ich bin unglaublich müde. Über Stunden liege ich auf der Couch und es plagen mich Phantasien, in denen ich versuche mich zu offenbaren, Schwäche zu zeigen, Not zu zeigen. Gegenüber der Ergotherapeutin, gegenüber meiner Therapeutin. Es kommt nie zu einem guten Abschluss. Immer wieder muss ich dabei weinen, weil ich mich so sehr danach sehne. Weil ich es jetzt brauche und niemand da ist. Ich stelle mir vor, wie ich mich selbst mir gegenüber verhalten würde. Ich würde mich fragen: „Soll ich bei dir bleiben?“ Ich würde mir irgendwie eine Berührung anbieten, obwohl ich nicht wüsste mit welchen Worten, um mich nicht zu irritieren und zurückschrecken zu lassen. Bei dieser ersten Berührung, wenn ich sie zulassen kann, sehe ich wie alle Barrieren brechen, ich mich sehnsüchtig in eine volle Berührung öffne. Gehalten werden suche und alles loslasse, alle Einsamkeit heraus weine.

Ich überlege, ob ich darum bitten soll, den Therapietermin von Dienstag auf Montag vorzuziehen. Eine unglaubliche Idee. Ich werde nur bei der Vorstellung nervös. Ist das nötig? Brauche ich das? Morgen ist es eh wieder anders und du wirst dich dann schämen, darum gebeten zu haben. Ich fühle aber auch die Not. Es ist ein Ringen. Als ich mich dem soweit angenähert habe, dass ich den Text aufgeschrieben habe, denn ich aufs Band sprechen will (ich wäre nie in der Lage frei zu sprechen) und den Hörer in die Hand nehme, kommt die Panik in mir zum Höhepunkt. Mein Herz rast, ich zittere und schwitze. Mein Verstand überschlägt sich mit Argumenten dagegen. In mir schreit es: Nein, nein, tu das nicht! Sie wird nein sagen! Dieses befürchtete „Nein“ fühlt sich vernichtend an. Ich lasse all dieses Fühlen zu und wähle trotzdem die Nummer. Ich will es für mich tun. Geschafft!

So, die Phantasien haben aufgehört. Ich blende aber auch die Ergebnismöglichkeiten meines Anrufes aus. Jetzt bin ich nur noch wie gelähmt, müde und voller körperlicher Schmerzen. Die weiteren Stunden treibe ich musikhörend in irgendwelchen Zwischenwelten, nicht schlafend, nicht wach sein. Bis ich mich doch tatsächlich bis zum PC vorkämpfen kann, um mich auch dem www zu offenbaren. 🙂

Werde der du bist oder die Suche nach sich selbst

Am 04.07.2013 morgens nach dem aufstehen, erlebte ich etwas sehr Wundersames, Schönes und Neues und machte mir dazu ein paar Notizen. Die liegen nun seit Tagen herum und ich spüre ein großes Zögern es erneut aufzuschreiben und damit ernst zu nehmen und diesen Gedanken Bedeutung zu geben. Es kommt mir zu groß vor. Vielleicht gab es in der Vergangenheit schon zu oft grandiose Ideen oder starke Impulse, die dann doch immer so schnell wie sie da waren, auch wieder verschwunden sind. Ich frage mich immer im Rückblick, war das wirklich ich? Kam das aus mir? Warum bleibt davon nichts übrig? Kann ich mich noch ernst nehmen mit meinen Impulsen? Warum sieht die Realität um mich herum so viel anders aus, als was sich in mir ausmalt? Ich fühle hier fehlendes Vertrauen in mich selbst. Nun folgen die Worte aus diesem Morgen.

Und ich spüre NICHT die Angst Vertrautes, Gewohntes loszulassen. Keine Angst meine Wohnung loszulassen. Keine Angst meine vertraute Umgebung zu verlassen. Keine Angst Freunde zu verlieren, einsam zu sein. Ich spüre einfach nur, dass es richtig wäre raus aus der Stadt zu ziehen, irgendwohin umgeben von Natur. Mit ihr, in ihr zu leben. Ich sehe mich mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, über leere Straßen, vielleicht in einem ökologisch arbeitenden Hof in der Landwirtschaft oder in einem Hofladen oder irgendetwas was mit Garten und Anbau zu tun hat. So oft wie möglich draußen sein, wo es ruhig ist und ich mich spüren kann. Das fühlt sich gerade so verdammt richtig an, dass ich am liebsten sofort losgehen möchte, um alles in die Wege zu leiten. Mir ist klar, dieser Lebenswandel braucht Zeit und meine Fähigkeit im Vertrauen zu bleiben, damit ich Schritt für Schritt in eine neue Richtung gehen kann.

Ich fühle mich gerade so, als hätte ich das erste Mal in meinem Leben einen Traum, eine Idee davon wo ich hin will und wäre bereit alles Tun darauf auszurichten. Das Ende einer Suche? Der Beginn von Sinn?

Ich spüre die Zufriedenheit die in diesem Ort liegt. Ich sehe, wie ich meine Eltern einlade, an diesen Ort wo alles richtig ist, wo ich richtig bin. Ich bin da wo ich sein sollte. Angekommen! Angekommen in mir selbst!

So, nun stehen da diese Worte und natürlich bin ich aktuell nicht mehr in dieser Intensität (oder ich lasse sie nicht mehr zu). Ich habe im Internet nach Jobs in der Bio-Branche gesucht und wie schon gedacht, ist da insgesamt um Berlin wenig los und ich habe keine entsprechenden Qualifikationen. Ich fühle mich jetzt schon scheitern und erinnere mich doch daran, dass ich im Vertrauen bleiben wollte. Was heißt das? Das heißt wohl, dass auch, wenn meine derzeitigen Lebensumstände nicht im Geringsten die Richtung meiner Vision einschlagen, mich zu entspannen und weiter daran zu glauben, dass sich alles irgendwann in die richtige Richtung fügen wird. Gefühlsmäßig bekomme ich das sogar hin. Verstandesmäßig sieht es nicht gut aus. Ich habe keine Erfahrungen in dem Bereich, ich habe keinen Führerschein, ich bin seit ca. 2 Jahren nur eingeschränkt oder nicht leistungsfähig (Antrag auf Erwerbsminderungsrente läuft), ich habe keine Ersparnisse und lebe knapp am Existenzminimum. Das einzige was einen Richtungswechsel andeuten könnte ist, dass ich meinen Gefühlen gefolgt bin und seit einer Woche, für ein paar Stunden an drei Tagen die Woche in einer Friedhofsgärtnerei mithelfe. Etwas was sich sehr stimmig anfühlt, solange nicht mein Perfektionismus und Leistungsanspruch oder mein schweres Gemüt mir auch dort die Arbeit erschwert. Immerhin. Stillstand gibt es nicht.

Willenlosigkeit

Unsortierte Notizen aus den letzten Tagen

Ich fühle mich willenlos. Welche Funktion hat der Wille? Gibt er mir Antrieb, Zielrichtung, Sinn? Was passiert ohne ihn?

Und während der Wille versucht diese Sätze zu formulieren, da lacht es mich aus – ach komm, lass es doch einfach, das hat doch eh keinen Sinn.

Immer nur den nächsten Schritt. Weiter gibt es kein Wollen. Und gerade gibt es noch nicht mal den nächsten Schritt. Das alles ohne wirkliches Leiden. Es ist wie mit offenen Augen schlafen. Alles was mich wach macht, wirkt für diesen kurzen Augenblick und ist dann wieder fort. Was wollte ich noch eben? Über was habe ich gerade nachgedacht? Treiben.

Wenn ich darüber nachdenke, was ich alles tun könnte oder müsste, dann spüre ich Frustration.

Warum denke ich immer ich könnte einfach damit aufhören, einfach aufwachen, die Augen richtig aufmachen, mich mehr konzentrieren, mehr auf das Außen achten und dann wäre es weg und ich wieder da? Kann ich das wirklich? Ist es eine reine Willensfrage?

Heute beim Yoga

Ich spüre an verschiedenen Stellen meines Körpers Unangenehmes und werfe mir vor, dass das von der ungesunden Ernährung der letzten Tage und dem Rauchen  kommt.

                So kann es nicht weitergehen.

Und doch geht es aktuell immer so weiter, weil mein Willensanteil, der sonst so viel Kraft und Power aufbringen kann und mich Dinge anpacken und umsetzen lässt, nicht mehr wirksam ist. Ich horche nach innen. Wo bist du? Er ist es, der im Moment dieses sich Gehenlassen, diese Zügellosigkeit, diese Ziellosigkeit kaum aushalten kann.

Es muss was passieren. So kann es nicht weitergehen. Wir müssen das alles wieder in den Griff bekommen. Ich will sofort los und einen genauen Wochenplan aufstellen, wann aufgestanden wird, wann Sport gemacht wird, wann was gegessen wird, wann Pausen gemacht werden. Und daran wird sich dann gehalten.

Und während ich das wahrnehme, kann ich einerseits die treibende Energie, das lebendig werden spüren – diese Energie die mich schon oft gerettet hat, die Sinn erzeugt hat wo sonst kein Sinn mehr gewesen wäre.

Nicht stehen bleiben. Einfach weiter machen. Weil da sonst nichts mehr ist.

Im gleichen Moment breche ich innerlich radikal an diesem Wollen zusammen und es kommen die ersten Tränen. Das was dieser Teil (Ich) tun will, hat absolut nichts damit zu tun, was ich aktuell schaffen könnte. Ich würde scheitern! All das spüre ich gleichzeitig in mir. Die Verzweiflung darüber keine Kontrolle mehr zu haben, die Unruhe und die Antreibung jetzt endlich mal wieder meinen Arsch zu bewegen und anpacken zu müssen, das darin liegende Scheitern und die Erkenntnis, dass mein Willensanteil keine Verbindung zu meinem wahren Selbst hat.

Ich weine während ich das schreibe. Es scheint mir unmöglich, das Erfahrene und Gefühlte mit Worten für andere fühlbar zu machen. Wie ich jemand bin/sein kann, der nichts mit mir zu tun hat! Der Dinge getan hat/tut/tun will, im Glauben des Guten und Richtigen, die in absolut keiner Resonanz zum wahren Selbst standen/stehen/stehen werden! Ich kann es nicht besser ausdrücken. Wie konnte es dazu kommen?

Wer versuche ich zu sein? Wer bin ich?

Wie kann eine Verbindung so verloren gehen? Und wie kann dieser unverbundene Teil so lange davon überzeugt sein, das Ganze zu sein, das wahre Selbst zu sein? Diese Erkenntnis ist sehr schwer für ihn. Es sind seine Tränen die ich weine.

Wer bin ich dann? Für was kämpfe ich und wie lange schon? Was versuche ich unter Kontrolle zu bringen? Oder eher – über was habe ich die Kontrolle verloren? Ich bin voller Entsetzen, Not und Verzweiflung!

 

Ich lege meine Hände vor mein Gesicht, rolle mich auf die Seite und kann zum ersten Mal meine Tränen während des Yogas, vor allen anderen nicht mehr zurückhalten. Zaghaft lasse ich mich leise schluchzen. Der Yogalehrer setzt sich hinter mich und legt mir seine Hände auf den Rücken und den Arm. Ich fühle, dass das Weinen jetzt okay ist, das ich es hier und so zulassen darf. Es tut weh und es tut gut. Ich fühle mich gehalten, bei mir und kann dieser schmerzhaften Erfahrung für ein paar Minuten Raum geben. Mein ganzer Körper strömt und schwitzt. Alles kribbelt und zittert. Ich komme vom Weinen in eine tiefe Atmung, die langsam eine Entspannung zurückbringt. Alles fließt. Ich fühle mich Verbunden mit mir. Der Schmerz und das Unbegreifliche sind weiterhin in mir.

Ich habe so eine Ahnung, dass wenn sich dieser Teil integrieren lässt (was immer das heißt), das enorme Auswirkungen auf meine gesamte Persönlichkeit hat und auf die Art wie ich mein Leben lebe.