Was habe ich heute geschafft

Die Idee kam mir, weil ich innerlich nicht halten konnte, dass es auch gute Dinge am Tag gab.

Ich habe mich zwar bewusst erinnern können, wenn ich einmal am Tag meine kleine Dankbarkeits-Meditation machte. Doch vorher und danach war alle Erinnerung wieder weg.

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Ich schreibe besonders klein, weils nicht darum geht, inhaltlich nachzulesen, sondern es wirkt eher, dass da was steht, an jedem Tag. Auch sind es nicht nur Erledigungen, sogar weniger das. Oft sowas, wo ich mutig war oder schweres ausgehalten habe oder mir Selbstfürsorge gelungen ist. Und weil mich alles Bunte fröhlich stimmt, schreib ich in bunt.

Das funktioniert wirklich gut. Der Zettel liegt sichtbar im Wohnzimmer. Ich sehe täglich die bunten Einträge und bekomme dabei ein Gefühl von, ‚Ja, ich habe heute auch was geschafft. Und ich schaffe jeden Tag etwas, egal wie scheiße es war‘. Und zusätzlich erfreue ich mich an den Farben. 🙂

Ohne diesen Zettel, sähe es viel, viel, viel dunkler in mir aus.

Wege zur Selbststabilisierung

So heißt ein Arbeitspapier Psychiatrie-Erfahrener aus NRW.

Hier zu finden – http://psychiatrie-erfahrene-nrw.de/psychopharmaka/selbststabilisierung.html

Mit angehängter Druckversion.

Es stellt ein ergänzendes Konzept zu dem Selbsthilfepapier „TIPS UND TRICKS UM VER-RÜCKTHEITEN ZU STEUERN“ dar.

Zu finden hier – http://psychiatrie-erfahrene-nrw.de/psychopharmaka/tipps_steuern.html

Auch als Druckversion.

Letztes Jahr, nach meiner letzten großen Krise, die erstmalig deutliche psychotische Symptome beinhaltete, wünschte ich mir einen Krisenplan, um mich zukünftig besser verhalten zu können und Hilfe verlässlich wahrzunehmen.

Dank dieser Arbeitspapiere oben, ist dieser Plan nun fertig und auch schon mit der Wohnbetreuung besprochen. Schwarz auf weiß, dass ich wirklich etwas habe, wofür man Unterstützung bekommen kann und auf das ich im Alltag achten muss.

Fühlt sich gut an.

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Ergotherapie

Den kleinen Eisbären schützend und haltend im Ausschnitt herum tragen.

Da ist so viel Angst.

Gestern war Ergo. Es war sehr anstrengend. So angstvoll, gesehen zu werden. So anders zu sein.

Heute getraut, ihr eine in mir kreisende Frage zu schicken.

Hey …., ich muss das nochmal fragen, weils mir ständig durch den Kopf geht. Du findest mich jetzt nicht blöd, wie ich mich verhalten habe?“

Sie: „Nein, ich finde Dich doch nicht blöd. Mach Dir keine Gedanken. Es ist sehr interessant was da entsteht, finde ich. (…)“

Es wäre das erste Mal, dass sie so arbeitet. Dem Klienten den Raum und die Führung überlassen. Sie ’nur‘ als Halt und Zeuge. Auf der Liege hab ich noch nicht einmal gelegen. Doch kurze Berührungen fanden schon statt, immer begleitet mit viel Panik.

Ich lauf da viel im Raum herum.

Momentan geht’s hauptsächlich darum Angst wahrzunehmen, anzuschauen und in aushaltbare Bereiche zu regulieren. Skills vor anderen anwenden. Das fällt mir sooo schwer. Aber ich bin mutig. 🙂

Psychische Erkrankung

Es ist viel passiert. Mir fällt es schwer zu denken, auf die Art, die ich schriftlich festhalten kann.

Eines der zwei Medikamente die ich nehme (Quetiapin), wurde in den letzten Wochen Schritt für Schritt angehoben, um eine antipsychotische Wirkung zu erzeugen.

Die gruseligen Erlebnisweisen haben fast aufgehört. Ich bin trotzdem noch nicht gerne draußen. Ziehe mich viel zurück. Schaue Serien-Marathon. Das lenkt mich erfolgreich ab.

Daneben habe ich nicht mit den unterstützenden Werkzeugen aufgehört, worauf ich stolz bin. Klopf-Akkupressur, Meditation, Gymnastik und Reiki begleiten mich weiterhin.

Der erste Teil des Tages ist oft schwer, niedergeschlagen, müde und antriebslos.

Plötzlich bekommen ich Fach-Erklärungen/Begriffe zu dem wie ich mich fühle, seit dem die Einordnung psychotische Symptome gefallen ist. Plus-Symptomatik/Minus-Symptomatik (viel Text). Vulnerabilitäts-Stress-Modell (Video).

Etwas was ich schon seit Jahren erlebe. Und davor aus meinem Studium und ehemaligem Berufsfeld kenne. Komisches Gefühl, alles von der anderen Seite, von der Betroffenen-Seite wieder zu erkennen.

Ich hatte mir das schon gedacht, als ich etwas über eine Borderline-Psychose gelesen hatte („Identitätsgrenzen des Ich“ – Josi Rom – dazu hab ich Januar 16 schon mal was geschrieben).

Ich denke viel darüber nach. Was das alles bedeutet. Meine Lebens-Aussichten. Meine nötigen Anpassungsleistungen. Die Frage, wie und ob Medikamente wirklich helfen. Welche Ziele noch realistisch sind. Wie ich jeden Tag für mich trotzdem als einen gelebten, erfolgreichen Tag empfinden kann.

Zur Zeit finde ich keinen Zugang mehr zum Thema „Liebe verbreiten“, was nicht bedeutet, dass mir dieses Gefühl abhanden gekommen ist. 🙂

Nach den guten Gefühlen suchen…

…und dabei die Miesmacher-Gedanken am Rand stehen lassen.

  • ich habe geschafft meinen Balkon sauber zu machen; jetzt schaue ich gerne darauf und freue mich auf wärmere Tage
  • 2 von 9 Paprika-Samen sind aufgegangen und ein Samen, bei dem ich nicht mehr weiß, was es war; schön, ihnen beim Wachsen auf der Fensterbank zuzuschauen
  • heute hat sich jemand über einen selbstgemachten Seed-Ball von mir gefreut
  • nach dem Therapie-Gespräch hatte ich ein zuversichtliches Gefühl
  • es war heute möglich, mehrmals kurz ein Gefühl von Dankbarkeit hervorzurufen, dass es mich gibt, dass ich am Leben bin
  • einige Bäume sind schon grün – das fühlt sich beruhigend an
  • mit einer Freundin über einen Tagesausflug an einen See gesprochen, vielleicht Ende Mai – sowas wie Urlaubsersatz; hatte ich schon ewig nicht mehr und freue mich darauf
  • für übermorgen noch einen Termin bei U. bekommen – Urlaub für 1 h mit Cranio Sacral; bin voller Sehnsucht auf diesen Termin; gehalten werden

Was ist noch gut… hmmm… ah ja

  • meinen Willen wiedergefunden, an dem Holzwerkstatt-Ding dran zu bleiben – Schakaaa!
  • meine Wohnung fühlt sich gerade friedlich und schützend an – ein Ruhepol

Der Reiki-Effekt beim Zahnarzttermin

Es ist gut jetzt darüber zu schreiben. Da bekomme ich nämlich ein unerwartetes Begeisterungsgefühl. 🙂

Ich war im Nachhinein echt schwer beeindruckt von meinem Auftreten in der Praxis. Konnte es kaum fassen, wie ich mich verhalten hatte. Total souverän. Ich habe mich eins-ah selbst vertreten und ernst genommen und das mit einem Thema, worüber es mir eigentlich den Magen umdreht, wenn ich gezwungen bin, mich damit vor fremden Menschen öffentlich zu machen. Traumafolgestörung.

Nur hatte ich ja keine andere Möglichkeit, wenn ich dort behandelt werden wollte, weil es mir nicht (mehr) möglich ist, wie der Durchschnittspatient aufzutreten – also in den Behandlungsraum zu kommen, mich auf den Stuhl zu legen, die Untersuchung stattfinden zu lassen und wieder zu gehen.

(Ich hätte wirklich gerne, dass es so wäre und ich nicht jedem der mir näher kommt, meine Geschichte erklären muss)

Zuerst war ich enttäuscht, als ich doch auch schon vor dem Losgehen so starke Angst und Unruhe hatte, dass ich mich für die Medikation entschied. Ich dachte, na toll, da schwärme ich so von Reiki und dann bringt es gar nichts.

Es folgt eben oft nicht unseren Vorstellungen, was wir uns denken, wie es helfen soll. 😉

Ich hatte es dann vergessen.

Vor Ort war ich in Begleitung der Wohnbetreuung, was ne riesen Entlastung für mich war, weil es die Glaubhaftigkeit unterstrich.

Üblicherweise habe ich in so öffentlichen Situationen viele Abwertungs- und Schamgefühle, wenn das Nicht-funktionieren sichtbar wird. Auch gegenüber dem Unterstützer-Menschen. Dann kann es sein, dass ich mir nicht mehr mit meinen Werkzeugen helfe, weil ich mich zu sehr schäme, das Nicht-funktionieren verbergen muss.

Ab dem Moment wo wir gemeinsam vor der Praxistür standen, waren diese Gefühle kaum noch da.

Vor der Tür kam die erste Panikwelle und ich traute mich den Handkantenpunkt zu klopfen und laut zu sprechen: „Auch wenn ich Angst habe, darf ich mich in Sicherheit fühlen.“ Das half erstaunlicherweise schon nach zwei Mal sprechen und ich konnte meine Beine wieder spüren.

Die Anmeldung am Tresen war etwas schwierig. Ich sagte der Dame, dass ich erst einmal nur ein Gespräch führen möchte und erst dann entscheiden kann, ob eine Untersuchung stattfindet. Sie fragte nach den Gründen. Ich wollte das nur einmal erzählen, dann im Behandlungsraum. Das reichte ihr irgendwie nicht. Es sei so ungewöhnlich, deshalb frage sie und ich schmiss ein paar Brocken von ‚großer Angst‘ hin. Das fühlte sich nicht so gut an.

Aber im Behandlungszimmer ging es dann los. Das was ich noch vor ein paar Tagen als unmöglich ansah, es vor Fremden auszusprechen, sprach ich dann aus.

„Ich habe eine Traumafolgestörung, durch schlechte Erfahrungen mit Menschen. Deshalb ist es für mich sehr schwer mich auf diesen Stuhl zu legen, mich anfassen zu lassen und evtl. Schmerzen zu haben oder unangenehme Empfindungen. Das wird sich wahrscheinlich nicht wie bei ‚üblicher‘ Zahnarztangst über die Zeit legen, sondern immer Thema sein. Es kann bis zu Panikattacken gehen. Ich wünsche mir ein Miteinander wo man im Austausch ist, während der Behandlung und alles so behutsam und stressarm wie möglich abläuft, damit die Belastung nicht so groß wird. Wenn ich merke, dass Panik entsteht hebe ich die Hand, damit dann der Stuhl sofort hochgefahren werden kann und alle von mir weggehen, die Behandlung pausiert oder beendet werden muss.“

So ungefähr meine Worte.

Ich hatte mich zuerst seitlich auf die Zahnarztliege gesetzt, das dann aber schon nicht mehr ausgehalten, so dass ich aufgestanden bin und meine ‚Rede‘ im Stehen hielt, mit dieser typischen Stress-Geste, eine Hand am Kopf oder in den Haaren (erinnert mich immer ans Haare raufen), mit der bangen Erwartung, ob das denn alles für die Ärztin auch okay ist.

Ich konnte spüren, wie ernst ich meine Worte nahm, wie ernst ich mich selbst nahm und wie das Ganze dann auch von der Zahnärztin ernstgenommen wurde.

Dann ging es, dass ich mich hinsetzen konnte. Stille entstand. Sie füllte sie nicht, ließ mir Zeit/Raum, was ich echt gut fand. Ich fragte sie, ob das alles für sie in Ordnung sei. Sei es.

Und dann habe ich sie und die Assistentin doch echt gefragt, ob es okay sei, wenn sie uns (die Begleitung, die am Rand auf einem Stuhl saß und mich) nochmal alleine lassen könnten, damit ich mich etwas beruhigen kann. Das wäre mir normalerweise total dreist vorgekommen, jemandem in seiner eigenen Praxis zu bitten, den Raum zu verlassen. Das kam so intuitiv und fühlte sich völlig stimmig an. Sie haben etwas irritiert reagiert, aber auch sehr aufgeschlossen und ließen uns alleine.

Ich konnte nämlich nach meiner ‚Rede‘ gar nichts mehr spüren, ob jetzt eine Behandlung geht oder nicht und brauchte einen geschützteren Raum, um mir wieder näher zu kommen.

Als sie dann raus waren, brachen der ganze Stress und die Angst dieser Situation, mich so offenbart zu haben, mich so verletzlich und mit meinen wunden Punkten gezeigt zu haben, aus mir heraus. Ich konnte es zulassen, dass sich diese heftige muskuläre Anspannung in Bewegungen entlud. Häufiger halte ich die nämlich instinktiv fest, um sie zu verbergen.

Bin also etwas rumgehüpft, herumgelaufen und habe die Arme geschüttelt und fassungslose Laute von mir gegeben, so wie ‚ahhhh‘ und ‚oh Gott, was habe ich getan‘. 🙂 Jetzt kann ich drüber lachen.

Und dann habe ich von ganz alleine ein lautes Selbstgespräch angefangen, neben der Einnahme der Rescue-Tropfen, das Einatmen des Zypressen-Öls und des Klopfens der Schlüsselbeinpunkte.

Dieses Gespräch mit mir Selbst, kann ich nicht wiedergeben, aber es war ein Gespräch mit dem betroffenen Anteil, der voller Panik war. Es war ihn finden, es war Annahme, es war Beruhigung, es war Korrektur der Wirklichkeit und das vor der Begleiter-Person, die alles mit zustimmenden ‚ja’s‘ und ‚richtig‘ und ‚genau‘ unterstützte.

Das brachte mich dahin, dass ich spürte, dass die Vorstellung einer Untersuchung einen lauten Überforderungsschrei auslöste. Das hatte ich vorher nicht wahrnehmen können.

Ich entschied mich deshalb gegen die Untersuchung.

Es war nicht ganz so leicht, dass als etwas Gutes einzuordnen, etwas was Selbstfürsorge ist, anstatt Scheitern. Doch die Entscheidung fühlte sich gut und richtig an.

Wir sagten Bescheid und die Ärztin kam wieder herein.

Was ich toll fand, dass sie von sich aus vorschlug, die Termine immer vor der Mittagspause oder zum Ende zu legen, um der besonderen Situation (ihre Worte) entgegen zu kommen. Dann wäre kein Zeitdruck und Platz für Pausen.

Sie fragte auch, ob der Raum okay sei, sie hätte noch einen Anderen.

Das ist der Grund, warum ich mich dort richtig fühle. Sie fühlt sich mit verantwortlich, die Situation gut zu gestalten. Da war ich richtig beeindruckt von und zutiefst dankbar. Ich legte sogar die Hände vor der Brust zusammen und bedankte mich sehr ehrlich. Eine Geste, die ich ebenso in der Öffentlichkeit üblicherweise unterdrücke.

Jetzt habe ich hier so wahnsinnig viel geschrieben. 🙂

Warum ging’s?

Der Reiki-Effekt. Das fiel mir dann wieder vor der Tür ein. Da kam das große Aha-Erlebnis. DAS was hier eben passiert ist, ist der Reiki-Effekt gewesen. 🙂

Nicht keine Angst mehr zu haben, sondern auch in einer extremen Situation gut für sich sorgen zu können. Dabei hat es mich unterstützt. Danke! ❤

 

 

Echt ätzend

Ich bin jetzt gerade mal echt wütend!!!

Warum muss das denn so schwer sein? Warum komme ich nicht länger auf einen grünen Zweig?

Da sind diese Momente wie heute Morgen und auch in den letzten 2 Tagen, immer wieder, da bekomme ich wieder Luft, die Schwere weicht, Zuversicht und Lebenslust tauchen auf. Ich atme auf und denke, nun wird es leichter und jeden Tag ein Stück mehr Freiheit und Beweglichkeit.

Und dann rasselt es noch am gleichen Tag wieder nach unten und ich kämpfe dagegen an, Tabletten zu missbrauchen.

Ich glaube diese Bedarfsmedikation hat meine Suchtstrukturen wachgerüttelt. Ich bin sowas von schnell bei diesen Gedanken mich betäuben zu wollen, weil ich das Schwere nicht mehr aushalte. Dabei hab ich oft genug schon viel schwerere Zeiten ausgehalten.

Mir fällt es echt richtig schwer meine Stimmung in eine positive Richtung zu lenken, obwohl ich alle Werkzeuge dafür habe. Steht alles schön auf einem Blatt Papier.

Nur ist das wie in zäher Teermasse stehen, ich komme gedanklich nicht dahin, das konsequent anzuwenden. Da ist auch ein Widerstand und eine Wut, jemanden um Hilfe zu bitten.

So ist es ein Herumgestochere mal hier und mal da, immer wenns zu kippen droht.

Dann zieh ich mir z.B. wie vorhin ne Tarotkarte, weine über die Botschaft und schaffe es durch diese Ansage mich umzuziehen und einen Ausflug zu Burger King zu machen, um unter Leute und in Ablenkung zu kommen. Das überbrückt dann so 2 h, bis ich auf dem Rückweg im Wald an einem Baum sitze, weil ich mich so erschöpft fühle, um weiterzugehen und dort auch Linderung meines inneren Schmerzes suche und dort nur wieder in sehr konkreten Betäubungsphantasien lande. Dann deshalb wütend werde und energisch beschließe, dass ich es doch wohl mal schaffen werde mich abzulenken und plane den Balkon sauber zu machen. Zu Hause merke ich, dass ich viel zu erschöpft bin und mir auch der Fokus flöten geht, um das umzusetzen. Und wieder die Gedanken und die Not, das Leiden werden größer. Ich setze mich stattdessen in die Meditation, ungefähr 5 Minuten, um dann aufzuspringen, mich am Arm zu ritzen und mit dem Entschluss die Medikation in der verabredeten Menge des Bedarfs zu nehmen.

Es ist trotzdem Suchtverhalten finde ich. Und vielleicht bringt es auch gar nichts und vielleicht senkt das nur die Hemmschwelle zum Mißbrauchskonsum.

Ach fuck!!! Es kotzt mich echt an.

Trotzdem… Wut tut gut!

Und jetzt werde ich einen Film schauen, denke ich.