Der Glaube in mich

Was für ein fragiles Ding.

Kann Strahlen.

Kann zu Boden sinken.

Eben, während des Klopfens fand ich heraus, warum ich mich beim Aufwachen jeder Kraft beraubt gefühlt hatte. Völlig erschöpft.

Verwundert darüber. War es doch etwas viel die Woche? Also ja, es war viel. Hatte sich trotzdem schaffbar angefühlt und immer wieder von erholt. Vielleicht weil mein Ausruhtag diesmal schon Dienstag war, anstatt Mittwoch und nun die Pause eben schon Freitag gebraucht wird, anstatt Samstag?

Das war es dann alles nicht.

Ich klopfte meinen Satz „Voller Liebe für alles in mir“ und suchte dazu das Körpergefühl. Ich fand es im Solarplexus, nur kam ich da nicht richtig hin. Ich klopfte wie üblich die Hindernisse mit. „Voller Liebe für alles in mir, auch für Gedanken“ oder „Voller Liebe für alles in mir, auch wenn ich es nicht glauben kann.“

Von Klopfdurchgang zu Klopfdurchgang (insgesamt 3) wurde das Gefühl im Solarplexus stärker, fing an nach unten und oben in den Körper auszustrahlen, synchron mit dem Gefühl, diesen Satz immer mehr zu glauben, als wahr zu empfinden.

Zum Ende war ich wieder überzeugt davon und erkannte, dass mir der Glaube in mich zuvor verloren gegangen war und das sehr tief. So tief, dass mir alle Kraft heute Morgen fehlte.

Was ist passiert?

Mittwoch und Donnerstag strahlte ich noch ganz ungewohnt mein Licht, gepusht durch Menschen, die mich darin bestärkten. Ich erlaubte mir Phantasien von Selbstständigkeit, Freiheit, Unabhängigkeit, mein eigenes Ding machen. Ich war voller Glück, Freude und Ideen.

Dann gab es gestern ein Telefonat mit meiner Mutter.

Ich habe es da gar nicht gemerkt. Doch es ist das einzige Ereignis, wo kein Pushen kam, sondern Zweifel und Befürchtungen. Nett gemeint, zurückhaltend formuliert. Doch das reichte.

Ein Telefonat. Und alles verändert sich.

Eine einzige andere Meinung. Das Strahlen erlischt und Blei legt sich über die Dinge.

Das zeigt mir wieder einmal wie stark ich auf meine Umgebung reagiere.

Es ist nicht das erste Mal, dass mir der Einfluss der Dinge und Menschen bewusst wird, die mich umgeben.

Was stärkt mich? Was schwächt mich?

Ich wachse an dem was mich stärkt.

Und ich wachse auch bedingt an dem was mich schwächt, wenn ich mir die Entwicklung von heute anschaue.

Der Schlüssel ist Bewusst-sein, Erkennen.

Mir wird das eben ganz klar. Der Umgang mit meinen Eltern schwächt mich oft.

Das zu erkennen, stärkt mich wiederum – für das nächste Mal.

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Platz daaa!

Notizen vom 02.05.2015

Mein Vater hat ein jedes „ich will“ als Angriff, als ein Infrage stellen seiner Person empfunden. Es scheint so, als ob er keine weitere Kraft neben sich ertragen konnte, als ob er immer das Gefühl brauchte, ganz oben auf zu sein. Und von dem was er mir so von sich erzählte, scheint eine Bedrohung seiner Autorität für ihn eine existenzielle Bedrohung gewesen zu sein, verbunden mit Ohnmachtsgefühlen.

Erstaunlich! Ich sehe es plötzlich ganz klar, wie sich alles bedingt, miteinander verkettet ist.

Ich kam darauf, weil ich seit einigen Monaten mein eigenes, kräftiger werdendes „ich will“ spüre. Oft auf eine kindliche, trotzige Art. Auf eine kindliche, verzweifelte Art, wenn es darum geht, das jemand da sein soll, das Nähe, Kontakt nicht genug ist.

In der Therapie wurde das mal mit einem Kind vor dem Süßigkeitenregal an der Kasse verglichen. Es wirft sich heulend, verzweifelt auf den Boden, strampelt und muss mit seinem „ich will aber“ klar kommen.

Ich finde das gut, dieses „ich will“ in mir. Ich glaube, das ist der Zugang zu meiner Kraft, zu meinem Potenzial, zu einem aktiven, vorwärtsschreitendem Leben.

Das hatte ich als Kind nicht. Ich hatte nichts zu wollen. Ich hatte auch keine Pubertät-Wut-Ablöse-Phase gehabt. Von was denn Ablösen, wenn man nichts hat, was man als Eigenes empfindet und verteidigen will. Ich konnte nicht lernen mit meiner Kraft umzugehen, weil ich sie nicht empfunden habe. Ich konnte mit ihr keine Erfahrungen sammeln. Ich konnte sie nicht ausdrücken. Mein „ich will“ wurde sofort gebrochen, als es in Erscheinung trat.

Das hält klein. Das hält abhängig. Andere entscheiden für mich. Andere geben vor, was ich zu wollen habe. So bin ich durchs Leben gelaufen. Eine ganze lange Ewigkeit. Ohne Ziel, ohne Ausrichtung, ohne treibende Willenskraft. Der jahrelange Drogenkonsum unterstrich das Ganze noch mal.

Seit einiger Zeit fühle ich sehr stark diese gewaltige, schlummernde Kraft in mir. Es fühlt sich gut an. Es fühlt sich wirklich verdammt gut an! Es fühlt sich nach kraftvollem Schreien an. Nach Kampfgeschrei. Es fühlt sich nach festem Körper, der vorwärtsschreitet an. Nach Aufgerichtet sein. Nach klaren, offenen, nach vorne gerichteten Augen. Nach Mut. Nach Lebensausdruck und auch nach Lebenslust. Und es fühlt sich ganz eindeutig auch nach Macht an.

 

Nachtrag 15.05.2015

Das habe ich einen Tag nach der Heil-Behandlung bei Manuela geschrieben. Ich fand es an dem Tag ganz erstaunlich, ein Gefühl von Lust auf Machtausübung zu spüren. So etwas hatte ich vorher noch nie gefühlt. Und es passte für mich als Auswirkung der Behandlung, da wir auch Energie in viele vergangene Situationen des ausgeliefert-seins geschickt haben. Als wäre ich auf den gegenüberliegenden Pol dieses Gefühl gesprungen.

Das Gefühl von Ärger, Aggression und Wut ist definitiv seit diesem Termin gewachsen. Qualitäten die ich aus meinem Leben kaum kenne. Es ist sehr herausfordernd und nicht leicht damit umzugehen. Auf der anderen Seite macht es aber auch Freude, weil ich weniger Angst vor Reibung in zwischenmenschlichen Dingen habe. Ich spüre schneller meinen Ärger, wenn ich mich nicht gesehen fühle oder nicht verstanden und kann es so auch schneller klären. Es ist interessant, weil ich auch merke, wie gut solche Sachen zu klären sind. Ich fühle mich irgendwie forscher. Nicht mehr so überängstlich abgelehnt zu werden. Trete etwas mehr nach außen auf.

Und ich empfinde mein „ich will“ nicht mehr als so kindlich, sondern eher als dominant und stark.

Ein Blick hinter die „Ich habe alles im Griff – Fassade“

Nach einer Therapiestunde, ich der ich meinen Unmut darüber äußerte, dass ich gehemmt bin bestimmte Dinge zu erzählen, weil ich davon ausgehe, dass sie sie mir sowieso nicht glaubt. Rückfrage dazu: „Das ich die Gefühle nicht glaube oder die Deutung dazu?“ Ich komme ins Schleudern, erkläre irgendwas. Von ihr kommt keine weitere Reaktion, nur zuhören. Ich verlasse die Stunde mit dem Gefühl falsch erklärt zu haben oder selbst nicht zu wissen was ich eigentlich sagen wollte. Ich war sehr unzufrieden. Am Tag später wurde etwas konkreter:

Wie können sie nur! Dass sie mich so hängen lassen, so im Stich lassen, so alleine lassen! Ich habe darauf gewartet, dass sie auf meine Ängste und Befürchtungen reagieren. Aber sie haben mich damit stehen lassen, mich damit noch unsicherer gemacht. Darüber, ob sie mir glauben, ob sie mich ernst nehmen, ob sie mich sehen.

Der folgende Tag. Ich fühle mich furchtbar nichtig. Ich kann sehen, wie ich mich in letzter Zeit in dem Gefühl besonders zu sein, gerettet habe. Mir wird auf unerträgliche Art und Weise klar, dass ich nichts besonderes bin, bloß weil ich all diese ekstatischen Gefühle, all die spirituellen Dinge erlebe, die Energien fühle und mit meinen Händen auch Energien der andern fühlen kann. Ich bin weder zu Außergewöhnlichem bestimmt, kann die Menschheit nicht heilen, bin absolut nicht perfekt und auf dem einzig, richtigen Weg. Und wenn das alles doch so sein sollte, so ist es bei jedem anderen Menschen auch so. Es gab keine Auserwählung. Ich kann nichts mit meinem Willen erreichen. Ich bin lediglich der Kanal. Peng! Das haut mich vom Hocker. Ich bin ganz unten.

Dann bricht ein kindlich, emotionaler Teil wie eine Welle über mich herein. Ich weine bitterlich.

Ich fühle mich so hilflos und alleine. Alles muss ich alleine entscheiden und ich habe überhaupt keine Ahnung was richtig und falsch ist. Aber ich tu die ganze Zeit so, als wüsste ich das und niemand anderes dürfte mir das sagen.

Jeder Unterstützungsversuch will abgeschmettert werden.

Ich kann das alleine! Aber jeder Unterstützungsversuch macht mich auch unsicher, weil ich genau das bin, zutiefst unsicher. Ich wünsche mir so sehr jemanden der mich an die Hand nimmt, mit mir gemeinsam den Weg geht, mir den Weg zeigt. Ich fühle mich so unendlich verloren und orientierungslos. Bitte helft mir. Warum hilft mir den keiner! Ich bin ganz alleine hier. Mir ist das alles zu viel.

Ich wünschte, sie wären jetzt hier, damit ich sie um Hilfe bitten kann. Ich will nicht mehr stark sein. Ich will nicht mehr auf alles eine Antwort wissen.

Heute Morgen. Ich wache auf und fühle mich hundeelend. Ich versuche meinen Gedanken nicht zu glauben, die mir erzählen wollen, dass dann alle großen Gefühle in der Vergangenheit ein Trugschluss waren, eine Illusion. Künstliche Gefühle, erzeugt durch meine eigene Erhebung. Nein, das will ich nicht glauben. Wenn ich das glaube, dann kommt die nächste depressive Welle (oder ist schon da?). Dann macht doch alles keinen Sinn mehr. Dann gibt es nichts das wahr ist und bleibt. Dann habe ich Lügen gefühlt und gedacht. Dann kann ich mir selbst nicht mehr vertrauen. Das kann nicht sein! Das darf nicht sein!

Ich verweigere seit einiger Zeit für mich die Sortierung nach gut und schlecht. Wenn mich jemand fragte, wie es mir geht, habe ich nicht mehr mit gut oder schlecht geantwortet, weil es mir falsch vorkam. Ich wollte keine Vorstellung beim Anderen erzeugen, die oberflächlich ist. Und ich wollte selbst nicht mehr leiden und auch anderen vermitteln, dass ich nicht mehr leide, egal wie es ist. Aber jetzt gerade muss ich zugeben, dass es mir nicht gut geht. Und ich wäre gerne nicht alleine damit. Ich wäre gerne bei jemanden, der daran nichts verändern will. Bei dem ich mich einfach schlecht fühlen darf. Der keine Tipps gibt, es nicht bereden will, der kein Mitleid hat. Der einfach offenherzig dabei ist.

Dieses gesehen werde wollen, verweigere ich mir unbewusst, in dem ich immer vermittle, dass ich schon mit allem zu recht komme. Komme ich ja auch, aber trotzdem verweigere ich dadurch anderen den Blick auf meine Gesamtheit. Ich fürchte mich vor den üblichen Reaktionen, wenn ich erzähle was sich nicht gut anfühlt.

Ich richte mich auf einen „Zu nichts in der Lage sein – Tag“ ein. So ist es dann auch. Ich kann kaum laufen. Meine Muskeln schmerzen. Ich bin unglaublich müde. Über Stunden liege ich auf der Couch und es plagen mich Phantasien, in denen ich versuche mich zu offenbaren, Schwäche zu zeigen, Not zu zeigen. Gegenüber der Ergotherapeutin, gegenüber meiner Therapeutin. Es kommt nie zu einem guten Abschluss. Immer wieder muss ich dabei weinen, weil ich mich so sehr danach sehne. Weil ich es jetzt brauche und niemand da ist. Ich stelle mir vor, wie ich mich selbst mir gegenüber verhalten würde. Ich würde mich fragen: „Soll ich bei dir bleiben?“ Ich würde mir irgendwie eine Berührung anbieten, obwohl ich nicht wüsste mit welchen Worten, um mich nicht zu irritieren und zurückschrecken zu lassen. Bei dieser ersten Berührung, wenn ich sie zulassen kann, sehe ich wie alle Barrieren brechen, ich mich sehnsüchtig in eine volle Berührung öffne. Gehalten werden suche und alles loslasse, alle Einsamkeit heraus weine.

Ich überlege, ob ich darum bitten soll, den Therapietermin von Dienstag auf Montag vorzuziehen. Eine unglaubliche Idee. Ich werde nur bei der Vorstellung nervös. Ist das nötig? Brauche ich das? Morgen ist es eh wieder anders und du wirst dich dann schämen, darum gebeten zu haben. Ich fühle aber auch die Not. Es ist ein Ringen. Als ich mich dem soweit angenähert habe, dass ich den Text aufgeschrieben habe, denn ich aufs Band sprechen will (ich wäre nie in der Lage frei zu sprechen) und den Hörer in die Hand nehme, kommt die Panik in mir zum Höhepunkt. Mein Herz rast, ich zittere und schwitze. Mein Verstand überschlägt sich mit Argumenten dagegen. In mir schreit es: Nein, nein, tu das nicht! Sie wird nein sagen! Dieses befürchtete „Nein“ fühlt sich vernichtend an. Ich lasse all dieses Fühlen zu und wähle trotzdem die Nummer. Ich will es für mich tun. Geschafft!

So, die Phantasien haben aufgehört. Ich blende aber auch die Ergebnismöglichkeiten meines Anrufes aus. Jetzt bin ich nur noch wie gelähmt, müde und voller körperlicher Schmerzen. Die weiteren Stunden treibe ich musikhörend in irgendwelchen Zwischenwelten, nicht schlafend, nicht wach sein. Bis ich mich doch tatsächlich bis zum PC vorkämpfen kann, um mich auch dem www zu offenbaren. 🙂