Unangenehme Überlegungen

„Hallo Frau T.,
ich schreibe Ihnen einfach mal eine Mail, damit ich das Gefühl habe mit irgendjemandem im Kontakt zu sein und mich darüber zu entlasten. Und die Infos gehören eh zu Ihnen.
Ja, okay, ich kann es jetzt auch zulassen zu sehen, dass die anfänglich große Erschöpfung in eine richtig schwere depressive Symptomatik gerutscht ist und dass ich das Gleiche so auch August/September 2015 erlebt habe, als ich ebenso das Paroxetin rausgenommen habe. Also ja, es könnte ein Zusammenhang bestehen, dass dies nicht eine Krise und Erschöpfung ist, die schneller vorübergeht, wie ich es Monat für Monat kenne, sondern deshalb zu etwas Größerem geworden ist, weil das Paroxetin raus ist.
Und trotzdem bin ich mir nicht sicher, weil ich die komplexen Auslöser wahrnehmen kann, die um einiges gehäufter in kurzer Zeit aufgetreten sind (wie auch im letzten Jahr) als sonst + keine Orientierungsmöglichkeit durch Betreuung + Grenzsetzung von Fr. S., als ich doch noch mal Orientierung suchte. Das ist eine besondere Situation, die es so noch nicht gab und ich könnte es auch gut nachvollziehen, wenn das der Grund für die Länge und Stärke der Symptome ist.
Das heißt, ich möchte es noch beobachten, obwohl ich mich selbst damit ziemlich verrückt finde, weil es ja sehr quälend ist und mich regelmäßig verzweifelt und ohnmächtig macht und unglaublich Kraft braucht, es alleine zu bewältigen. Aber trotzdem. Ich sehe Verbesserungen. Ich muss bisher nicht in die TK, wie beim letzten Mal, weil ich Strategien und Werkzeuge entwickelt habe, die das teils ersetzen. Mein Bewusstsein für die depressiven Mechanismen ist größer geworden. Ich schaffe es immer wieder umzulenken, einzuwirken.
Ich will das noch ein Weilchen aushalten und abwarten, ob sich das auf Dauer auswirkt. Wenn es über längere Zeit weiter jeden Tag so schwer und niedergeschlagen bleibt und meine Gedanken mich quälen, dann denke ich noch mal über die Option Paroxetin nach. Lieber wäre mir allerdings, mein Leben wäre so gestaltet, dass es mehr serotoninausschüttende Momente enthielte und ich wäre bewusster, was meine Leistungs- und Druckgedanken angeht. Ich glaube, da wäre schon vieles anders. Das schaffe ich jedoch nicht alleine beharrlich umzusetzen.
Freundliche Grüße“