Schweres

Das Schreiben hat mich wieder gefunden. Ich schreibe wieder in mein Notizbuch.

Mich nach innen zu richten, macht mir Angst. Das ändert sich einfach nicht. Die Auseinandersetzung mit meinen Gedanken und Gefühlen, macht mir Angst. Es fällt mir nicht leicht mir zuzuhören und mich fühlen zu lassen. Das Akupressurklopfen ist dafür eine Brücke. Es bereitet einen möglichen Raum und auch der ist manchmal nicht sicher genug.

Klopfen tu ich nur morgens. Fühlen und denken tu ich den ganzen Tag. Also krampfe ich oft um mich herum.

Wie heute. Wie oft.

Die Außenzeit hat sich mit einer Innenzeit gewechselt. Viel Zeit mit mir.

Angstzustände haben den Wechsel eingeleitet.

Ich versuche die Bewegung als normale Bewegung einzusortieren – nach viel Außen, kommt viel Innen. Fällt mir schwer. Wie mir alles gerade schwer fällt.

Mir fällt es schwer, das als Geschenk zu betrachten, als Wegbereitung für etwas Neues (wie mir die Karten es sagen) und als einen neuen Lernraum. Mir fällt es schwer, breit zu denken, in Zeit zu denken – auch dies geht vorüber. Mir fällt es schwer, nachdem ich mich an das Äußere angepasst habe, alles wieder loszulassen und der inneren Ebene Raum zu geben, weil nichts anderes mehr geht. Und ich ahne schon, wenn sich der Wechsel erneut einleitet, werde ich ebenso die innere Ebene/Anbindung wieder loslassen und mich an dem im außen Erlebten orientieren.

Ich bin das, was mich umgibt, mit was ich meine Gedanken fülle. Das macht mich fertig, diese Inkonsistenz. Ich kann das Eine nicht mit ins Andere nehmen. Ich muss mich immer wieder neu suchen, in der Umgebung/Realität in der ich mich befinde. (Ich hatte den Borderline-Begriff abgelegt und nun nehme ich ihn wieder auf und lege ihn bestimmt auch wieder ab usw. usf.)

Ich erinnere mich, die angenehmsten Phasen sind die, in denen äußere Struktur bleibt, Wiederholungen einen konstanten Rahmen bilden. Sichere Orte im Außen.

Aaah… mir geht ein Licht auf. Die Ergo ist weggefallen wegen Urlaub und auch die Therapie. Dazu noch der Werkstatttermin, wegen der Tiefphase. Soviel zum konstanten Rahmen. Und die Ergo war definitiv ein sicherer Ort. Der einzige im Außen. Ich war immer ganz erleichtert, wenn ich da angekommen bin und dachte, endlich was Normales und wenig Beängstigendes.

Zurück zum Schreiben. Ich habe vorhin geschrieben, weil die Niedergeschlagenheit nicht weichen wollte und ich schon eine Weile herum krampfe. Eine Annäherung daran. Da durften die Gedanken etwas sein, die mir Angst machen. Und auch meine Angst durfte sein.

Ein paar Ausschnitte, wer es ertragen kann und will:

…Mal ist etwas Teil meines Lebens, dann existiert es nicht mehr in meiner Welt.

…Meine Spiritualität hatte ich vergessen und werde es wohl wieder tun.

…Gedanken sind so beliebig.

Es kommen immer wieder die Gleichen. Ich kann andere anstellen, neue Gedanken denken, doch bin das ich? Bin ich das wofür ich extra mein Bewusstsein brauche?

Und wenn ich das alles sein lasse und einfach denke was ich denke… dann wird es sehr dunkel. Ist das sinnvoll? Die Energie fließt mit der Aufmerksamkeit. Ich bin es so leid, immer wieder selbst diesen Gedankenkraftakt zu leisten, meine Aufmerksamkeit zu lenken, auf Dinge die ich sonst nicht sehe.

Zumindest heute/jetzt bin ich es leid.

Ich will einfach niedergeschlagen sein, aber gleichzeitig vor Endzeitgedanken geschützt.

Das passiert nämlich, ich mache mein Leben nieder. Mache mich zu etwas Gescheitertem und verliere mich in Bedeutungslosigkeit. Was hab ich schon erreicht.

…Ich wünsche mir das sehr, dass es leichter wird, dass ich wieder eine andere Realität wahrnehmen kann, dass sich meine Handlungsmöglichkeiten erweitern und Angst nachlässt.

Es wird leichter

Ich traue mich kaum es wahrzunehmen. Aber es ist wirklich so. Es wird insgesamt leichter.

Was bin ich glücklich, froh, dankbar, freudig, erstaunt, ehrfürchtig darüber.

Seit Wochen scanne ich ab, woran das liegen mag. Warum jetzt?

Die Frage ist nicht ganz so wichtig, weil es immer so kommt wie es kommt. Trotzdem finde ich es interessant genauer hinzuschauen.

Ich benenne mal die einflussnehmenden Faktoren in der Reihenfolge wie sie mir aufgefallen sind. Am Ende greift jedoch alles ineinander und wirkt als Mosaik.

Das Akupressurklopfen war das Erste, was mir wirklich als Veränderung aufgefallen ist und das schon Ende des letzten Jahres. Ich klopfe seit ca. Juli 2016 beinahe täglich morgens bevor ich aufstehe. Ich bin körperlich dadurch eindeutig agiler geworden. Es fühlt sich für mich an, als würden die Energiebahnen freigeklopft und die Energie könne dadurch besser, freier fließen. Ich werde damit morgens gut munter, mal ganz davon abgesehen, dass ich damit oft ganz wunderbar Gefühle verarbeiten kann.

Die zweite ganz eindeutige Verbesserung meines Antriebs und Abnahme der Erschöpfung bemerkte ich Anfang Januar 2017, mit Beginn der Einnahme von Vitamin D und 6 Wochen nachdem ich das Antidepressivum von 5 mg auf 6 mg angehoben hatte.

Dann wirken definitiv die Erkenntnisse aus der Erforschung der Ich-Illusion. Seit dem haben sich meine negativen Gedanken gegen mich selbst deutlich reduziert, weil es einfach keinen Sinn mehr macht. Es führte auch dazu, dass ich die Klopfsätze teilweise entpersonalisiert habe, was sich wie ein Verstärker auf die Selbstannahme-Sätze auswirkt. ‚Voller Liebe für alles in mir‘ ist einfach viel deutlicher zu spüren, als ‚ich liebe und akzeptiere mich voll und ganz‘.

Das Ganze wird wöchentlich von Fernreiki durchtränkt, das mich für mich und der Welt gegenüber auch immer wieder weich werden lässt.

Dann kamen noch die monatlichen B-12-Spritzen hinzu. Nach der zweiten Spritze kann ich auch hier sagen, dass es sich auf meine Beweglichkeit auswirkt. Ich brauchte weniger Schlaf und alles ging noch einen Tick, wenn auch eher ein kleiner, leichter von der Hand. Mein Wert lag eigentlich im Normbereich, jedoch gibt es wohl neue Untersuchungen dazu, die den Wert höher ansetzen.

Durch den größeren Antrieb schaffe ich meinen Haushalt wieder komplett alleine, kann einkaufen gehen, schaffe es zur Ergo und auch noch in die Kontakt- und Beratungsstelle, wenn mir nach unter-Leute-sein ist. Ich schaffe es kontinuierlich mein Sportprogramm umzusetzen, wodurch ich mich geerdeter fühle und kaum mit Körperschmerzen zu tun habe. Daneben sehe ich ab und zu meine Freunde, habe wöchentliche Termine mit der Wohnbetreuung und trainiere wöchentlich den sehr angstbesetzten Weg zur Holzwerkstatt.

Durch das Aktiv-sein passieren im Durchschnitt derzeit einmal die Woche destabilisierende Momente, mit Panikattacken und Wiedererleben traumatischer Gefühle. Das verkrafte ich viel besser, teilweise sind die Stabilisierungszeiten enorm kurz geworden. Dienstag zum Beispiel war es ziemlich heftig und trotzdem war ich nach ca. 1 h, mit Unterstützung wieder vollständig hergestellt und hatte die Tage danach keine Auswirkungen, außer starke Erschöpfung, was bei Panik völlig angemessen ist, da extrem viel im Körper verbrannt wird. Sonst keine schwierigen Gefühle danach, keine schwierigen Träume. Sehr beeindruckend! Es gibt aber auch immer noch längerer Verarbeitungszeiten, von bis zu 1,5 Wochen.

Ganz wichtig sind auch die Auszeit-Tage, die ich nun meistens konsequent schaffe einzuhalten. Das ist der Mittwoch und meist auch der Samstag. An den Tagen versuche ich vom zielgerichteten, getriebenen Handeln auf im-Moment-sein und treiben lassen umzuschalten. Von Anspannung zu Entspannung. Nichts Müssen. Das bleibt auch ein Üben. Aber es geht immer besser. Überhaupt geht es auch für meinen Körper immer besser von Anspannung in Entspannung zu kommen.

So habe ich jetzt fast so etwas wie eine Struktur, angepasst an meine Möglichkeiten. Seit dem gab es auch keine Total-Zwangsausfall-Tage und wenn, dann liegen sie Mittwoch oder Samstag und ich erlaube sie mir und finde von dort aus wieder Energie für die nächsten Tage.

Ist das jetzt tatsächlich so etwas wie ein sich einstellendes Gleichgewicht?! Ich kann es kaum glauben, nach so vielen Jahren! 😀

Ich freue mich und bin mir trotzdem der Endlichkeit von allem bewusst.

Mein Tag 23.01.2017

7 Uhr                    aufgewacht

7:50 Uhr              Akupressurklopfen im Bett und dann aufstehen

bis 9 Uhr              Bad und Frühstück vorbereiten

bis 9:45 Uhr        Körperübungen und Meditation

bis 10:40 Uhr     gefrühstückt und Beiträge in WordPress gelesen

sehr, sehr müde geworden

bis 11:15              Pflanzen gegossen, Waschmaschine angestellt, Zähne geputzt

bis 11:40 Uhr     ausgeruht, mit angeleiteter Entspannung und Orakelkarten gezogen, die mich zu recht daran erinnert haben heute keinen Höhenflug zu bekommen und mich nicht in Perfektion zu verlieren

bis 12 Uhr           Wäsche aufgehangen

bis 13 Uhr           Einkaufen gewesen und eine Runde um den Block gelaufen

immer noch extrem erschöpft

bis 14 Uhr           auf der Couch gedöst

bis 15:10 Uhr     gekocht, Mittag gegessen

bis 16:20 Uhr     auf der Couch gedöst

danach eindeutig fitter – in Pinterest gestöbert, gegessen, Bad geputzt, Musik gehört und gesungen, eine E-Mail geschrieben, Kamerabilder auf den PC gezogen und jetzt diesen Beitrag schreiben.

 

Das war ein vorbildlicher Tag. Alles drin. Bis 10 Uhr gefrühstückt. Weil Montag, die Wohnung sauber gemacht. Morgens die Übungen. Auf mich gehört und ausgeruht. Ordentlich Mittag gemacht. Trotz Müdigkeit den Pflichten nachgegangen.

Es schleicht sich Struktur ein. 🙂

Update

Wieder Motivation erhalten, weiterhin zwei Tage die Woche im Zuverdienst – Hauswirtschaft zu bleiben. Ich gehe gerne hin. Wahrscheinlich, weil ich gerade dort alles schaffe. Die letzten beiden Tage war ich für 3,5 h da und brauchte kaum Pausen.

Ein Tag die Woche im Gartenprojekt – Arbeitstherapie. Ich war das letzte Mal 1,5 h da und steigere beim nächsten Mal auf 2,5 h.

Gerade funktioniert alles zusammen – Haushalt, Arbeit, Erholungspausen, Termine, Hobbys, emotionale Verarbeitung. Es half aber auch, dass Feiertage waren. Ich habe deutlich freie Tage in der Woche, zusätzlich zum Wochenende gebraucht. Bleibt abzuwarten, wie sich das ohne Feiertage gestaltet. Ich bin schon ziemlich erledigt, von all diesen Sachen. Umso wichtiger, wirklich, wirklich einen Tag in der Woche von allem komplett frei zu halten.

Ich spüre eine große Furcht davor, wieder an Energie einzubüßen und einen Widerstand, die Struktur dann aufzugeben, z.B. Arbeit abzusagen. Das wird erneut eine Herausforderung, wenn es passiert, obwohl es schon so oft passiert ist. Ich spüre Angst vor zu viel Zeit zu Hause, alleine mit mir.

Wenn ich in Bewegung bin, ist es eine Hürde für mich von der Aktion in die Entspannung zu kommen. Das muss ich ganz bewusst forcieren und mich dabei auch Unterstützen, mit kleinen Hilfsmitteln, sonst hört das innere Rennen nicht auf.

Andersherum geht es auch. Mich von der Bewegungslosigkeit in die Bewegung zu bringen ist oft schwer. Da hilft auch nur ein klares Bewusstsein, eine innere Ausrichtung und die Konsequenz sie zu verfolgen. Das Bewusstsein hilft im Idealfall auch zu erkennen, wann Ausrichtung verändert werden muss.

Ich fühle mich geduldiger und weicher mit mir.

Ich konnte mich besser mit Essen versorgen, was ich daran merke, dass ich weniger Ängste vor Hunger hatte und weniger Fresubin zum aufstocken gebraucht habe. Da bin ich besonders stolz drauf :), weil mich dieses Thema schon so lange gequält hat und es eine richtig große Verbesserung ist, die mich richtig groß entlastet. Das hängt aber wieder auch alles mit der eigenen Kraft zusammen, die mehr da ist. Ängste habe ich, wenn sie wieder schwindet. Klar, ich bin strukturierter und zielgerichteter, habe meine Essgewohnheiten angepasst. Jedoch wenn die Kraft fehlt, bringt das auch nichts.

Seit dem Termin beim Sozialamt (vor 3,5 Wochen), habe ich keine starken psychischen Einschränkungen mehr gehabt. Ich bin zwar letzte Woche einen Tag komplett ausgefallen, aber da hatte ich eher das Gefühl, dass das körperliche Gründe hatte. Mehr Bewegung verbraucht mehr Energie, die in meinem Muskelhaushalt noch nicht so zur Verfügung steht.

Es scheinen keine großen Auslöser meine Wege zu kreuzen.

Es gibt immer wieder kleinere Verwirrungen, Verweinungen, Verspannungen, Verunsicherungen, Verzweiflungen – wie ich finde, alles in regulierbaren Maßen. Ich komme da immer irgendwie durch und zurück in Klarheit. Das finde ich soooo beruhigend und macht mir Mut für die Zukunft. Klar, da ist auch wieder Angst, dass die große Sache hinter einer Ecke lauert, um mir die Beine wegzuhauen.

Ich habe den Begutachtungstermin vom MDK überlebt. Ich war dank Hilfe vom alten Pflegedienst super vorbereitet. Wie zu erwarten, wurde kein Pflegebedarf erkannt, da der Hilfebedarf nicht täglich, über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten auftritt, sondern einen Phasenverlauf hat.

Ich bin kurz vor Ende mit dem Ausfüllen des Antrags auf Eingliederungshilfe. Das nervt jedes Mal tierisch.

Donnerstag ist der Termin beim SpD, der die Begutachtung (wieder eine) einleitet. Und echt, ich habe so überhaupt keine Lust über die Einschränkungen zu sprechen, auch weil sie momentan kaum da sind und ich sie auch nicht wiederhaben will. Naja, muss ich durch.

Morgen habe ich ein Vorgespräch für eine Verhaltenstherapie. Ja, das hat sich dann auch noch aus meinem Bauchgefühl heraus ergeben, obwohl ich selbst super ambivalent, bis sogar widerständig war. Jetzt ist mir viel klarer, wofür es hilfreich wäre. Bedürftige Anteile haben sich zurückgezogen und es geht nicht mehr um „bitte retten sie mich“ oder „bitte machen sie das es aufhört“, sondern das Bedürfnis, nicht alles alleine schaffen zu müssen, der Wunsch nach Rückenstärkung für meinen Weg, den ich eh gehe und Unterstützung in die Selbstannahme und Selbstachtung zu finden.

Warum plötzlich so deutlich Verhaltenstherapie, sogar ohne spezielle Ausrichtung auf Trauma oder Schematherapie, lag an der Auswirkung der Beratung in einer Spezialambulanz für PTBS. Dort wurde mir gesagt, was mich ordentlich auf den Kopf gestellt hat und ich es aber schaffte mich wieder richtig herum hinzustellen, ich hätte keine PTBS. Die Kriterien wären nicht erfüllt. Ich würde nicht in ihr Therapiekonzept passen. Dazu sei es zu unkonkret und es schien sich an den fehlenden intrusiven Erinnerungen festzumachen. Intrusive Gefühle finden keine Beachtung. Kann ich irgendwie nach vollziehen, weil mit Gefühlen kann man schwer konkret arbeiten/aufarbeiten. Und meine Erinnerungsbilder sind tatsächlich nicht intrusiv gekommen, sondern durch Nachspüren erschienen. Ich habe es dann auch gecheckt, dass sie nicht gesagt hat, ich hätte keine Traumatisierung erlebt, sondern ich hätte keine typische Folgestörung. Na gut, egal. Im Gespräch habe ich eh gemerkt, dass ich Widerstände hatte in das Erlebte zu gehen. Ist wohl erst einmal genug mit Aufarbeitung. Ja auch viel passiert und bewegt. Die Empfehlung dort war dann die VT, mit Fokus – im Alltag stabilisieren, mit dem was da ist. Das passte gut zu meinem eigenen Gefühl und dazu ist wohl auch keine Spezialisierung nötig, sagte sie.

So what, mal sehen wie es sich weiter entwickelt.

Wo ich mir noch uneins bin, ist, ob BEW und VT nicht zu viel des Guten ist. Ich versuche meine Gedanken dazu immer ans Höhere abzugeben, mit der Bitte um klare Gefühle, welche Schritte die nächsten sind. Ich will weiterhin vertrauen üben, dass meine Intuition, mein Bauchgefühl die besten Führer sind.

Puhhh… das ist alles ganz schön viel, sehe ich gerade…

 

Viel Gutes im Schweren

Ich lächle öfter in letzter Zeit.

Trotz sehr schwieriger Momente von Überforderungen, von schwierigen Gedanken, von Trauer, Einsamkeit und Leid.

Trotzdem erlebe ich eine tiefere Veränderung in Richtung – alles ist gut.

Fragil. Ich weiß. Schon öfter gefühlt und nicht geblieben. Ich weiß. Ich weiß es diesmal und halte mich davon ab, alle eingeleiteten Hilfemaßnahme wieder abzusagen. Ich kann mich nicht ganz davon abhalten zu denken, ich bräuchte das vielleicht gar nicht mehr.

Zuversicht. Wie schön! Die kommt doch immer wieder. Hartnäckig, die kleine Pflanze. Will wachsen, will vertrauen. Und wenn da schon dutzende Mal drüber gelatscht wurde. Egal. Ich stehe hier. Ich schlage Wurzeln. Ich richte mich immer wieder auf. Ich suche das Sonnenlicht und lächle, wenn die warmen Strahlen meine geknitterten Blätter liebkosen.

Ein Geschenk sich immer wieder über Kleinigkeiten freuen zu können. Ein überlebenswichtiges Geschenk. Ich bin froh, dass ich es habe, diese Gabe.

Komm doch Leben, sag ich schon wieder mutig – komm doch, ich bin bereit – und boxe es freundschaftlich an die Schulter. Leben – du alter Schlawiner, was ist deine nächste Überraschung? Ein Kuss? Ein Sieg? Frieden? Liebe? Oder willst du mich erneut erproben? Ich bin bereit.

Ich habe fast jeden Tag kleine gute Erfahrungen. Das ist wirklich toll! Sei es, dass ich den Abwasch schaffe oder eine Übung oder eine andere Sache die auf meinem Plan steht. Ich freue mich jedes Mal darüber. Es gibt mir ein Gefühl von Eigenmacht und Selbstwirksamkeit.

Es ist weniger wert wie viel ich schaffe, sondern das ich was schaffe. Ich habe die Dinge auf kleine Portionen herunter gebrochen und auf die Woche, auf bestimmte Tage verteilt. Ich übe mich in Rhythmen. Das hatte ich jahrelang nicht mehr. Es ist echt geil zu sehen, wie viel Entlastung das bringt.

Ich empfinde es als weniger bedrohlich, wenn ich Dinge nicht schaffe, was natürlich weiterhin vorkommt. Ich übe mich darin den Fokus auf das ‚einfach weiter machen‘ zu legen, als auf das, wie viel ich nicht geschafft habe. Wie bei Medikamenten, wenn man sie vergessen hat – man lässt die Dosis einfach aus und macht mit der nächsten geplanten Dosis weiter.

So sind Dinge auf einmal Erfolge, die früher keine waren.

Ich beobachte, dass meine Selbstachtung und mein Selbstvertrauen steigen.

Ich spüre mehr Festigkeit. Ich halte mehr aus. Ich bleibe bewusster, wacher, auch bei großen Belastungen und Emotionen.

Ich erlebe, dass ich durch Angst und Überforderung durch komme, mich wieder beruhige, Lösungen finde.

Das ist so, alles sehr neu für mich. Neu, weil ich das ganz alleine mache, ohne Begleitung.

An bestimmten Stellen habe ich mir auch punktuell Unterstützung geholt. Ein Gespräch mit Freunden, Fragen an den ehemaligen Pflegedienst und auch eine leichte Erhöhung der Medikation.

Ich bin froh, mal die andere Seite von Ohnmacht zu erleben – Eigenmacht. Etwas anderes, als immer nur Fähnchen im Wind zu sein, abhängig von irgendwas.

Klar, der Wind weht weiter und nicht gerade eine Prise. Aber ich stehe hier verdammt und werde nicht weichen.

Ich spüre, dass das was ich erlebe etwas mit meinem Energiefluss in der Wirbelsäule macht. Die Unterbrechung im Nacken, zwischen Kopf und Rest des Körpers hebt sich manchmal auf, worüber ich mich auch wieder tierisch freuen kann. 🙂

Leiden und jammern

Auf einer tieferen Ebene oder tief gesetzt ist ein Leiden in mir.

Ich leide oft an irgendetwas. Doch es scheint da gar nicht um die Dinge selbst zu gehen, an denen ich scheinbar leide, sondern die Dinge tippen dieses tief gesetzte Leiden an, holen es hervor, meist unbewusst.

Ich kann das gerade bei meiner Erkältung spüren, die ich seit drei Tagen habe.

Es ist eigentlich alles okay. Ja, ich bin erkältet und habe mal mehr, mal weniger Schmerzen im ganzen Körper, im Hals und im Kopf. Das ist nicht schön und auch belastend, vor allem wenn man schlafen möchte. Aber es geht vorbei, ist zeitlich begrenzt so eine Erkältung.

Aber genau das fühle ich gar nicht. Es steigt so viel Elend in mir auf, ein Elend das ganz vergisst, dass auch Linderung möglich ist. Ein Elend das ganz doll jammern will, gerade auch dann, wenn anderen Menschen davon erzählt wird. Ich könnte der ganzen Welt mein Leiden entgegen tragen, damit es auch jeder sieht. Ein Elend, dass riesig groß ist und kein Ende hat und sich auf mein ganzes Leben ausbreiten will. Dann wird es zu einem am Leben leiden, mit dem Wunsch sich zusammenzurollen, alle Verantwortung abzugeben und nicht mehr da sein wollen.

Wie wenig das mit der Wirklichkeit zu tun hat.

Ich pendel da so hin und her. Gehe ins Leiden, merke das, führe mich wieder raus, soweit das möglich ist.

Ich kümmere mich, trinke Erkältungs-Tees, gurgel Salzwasser, mache Halswickel, bade, schlafe, nutze Rotlicht und reibe mich ein.

Trotzdem kippe ich auf die Seite, dass alles nicht zu spüren und kein Ende zu sehen. Ich spüre nicht, dass immer noch alles gut ist. Ich reagiere mit viel mehr Angst darauf, dass kleine Strukturteile ausfallen, obwohl so viel auch noch stattfindet.

Ich fülle die Anträge für das Amt aus und reagiere nach ein paar Seiten mit Überforderung und kann nicht weiter machen. Ich reagiere beim Kartoffelschälen mit Überforderung und muss unterbrechen. Und ich kann das alles nicht verstehen und akzeptieren.

Ich habe noch nicht den Zugang gefunden, mich dafür, für dieses Leiden voll zu öffnen und es einfach auch da sein zu lassen, weil es seinen Grund und seine Berechtigung hat. Woher es auch immer kommt. Es ist deshalb vielleicht auch logisch, dass meine Selbstfürsorge als Gefühl nicht ankommt, wenn ich den Zugang zur anderen Seite noch versperre.

Ach Gott, ich will aber auch nicht immer leiden! Das ist echt nicht leicht.

In letzter Zeit hatte ich sehr, sehr oft das Gefühl von Leiden. Ich finde da nicht oft einen passenden Begriff, um es benennen und greifen zu können. Ist es Traurigkeit? Oder Schwermut? Niedergeschlagenheit? Als Empfindung passt oft das Gefühl bedrückt oder beschwert zu sein. Ein Gewicht, das auf meiner Seele liegt.

Ich schreibe oben so leichtfertig über Schmerzen die vorbei gehen. Vielleicht ist es aber gar nicht so leicht für mich, Schmerzen zu haben. Vielleicht ist das sogar ziemlich, ziemlich schlimm Schmerzen zu haben. Der Jammer-Bereich möchte jetzt alle Schmerzen aufzählen, um eine Bestätigung für die Schlimmheit zu bekommen. Darum geht es nicht wirklich.

Ja, ich glaube, das ist echt schlimm für mich und meine Aufmerksamkeit wird stark davon eingenommen, mit dem Warten, dass es endlich besser werden soll. Da findet kein Gedanke zu ‚begrenzt‘ und ‚hat ein Ende‘ einen Raum.

Ich habe schon am ersten Tag gedacht (oder gehofft?), dass es bestimmt nur so eine 1-Tages-Erkältung ist. Und davor habe ich noch gedacht, dass es bestimmt nur eine Reaktion auf die Pollenzunahme ist. Ich kann mich gar nicht darauf einrichten, dass das vielleicht ein paar Tage dauern wird.

Das ist auch das Schwierige an dem Planen von Struktur. Ich klammere an die Struktur, als würde es um Leben und Tod gehen. Das wiederum erhöht den inneren Druck. Ich fordere von mir, alles so weiter zu machen wie bisher, was wohl unangemessen ist und ein gelerntes Muster wiederholt, meine Grenzen zu überschreiten. Ah, vielleicht sind die Überforderungsgefühle auch deshalb größer geworden. Ein Erkenntnisblitz.

Ich kann aber auch verstehen, warum ich so an der Struktur festhalte. Sie war ein Erfolg die letzten zwei Wochen. Sie hat funktioniert und mich gehalten. Es ist schwer das loszulassen. Ich kann nicht fühlen, dass es um einen begrenzten Zeitraum geht, wo diese Struktur nicht ist und danach wieder da ist. Für mich ist das loslassen wieder ein Haltlos werden. Klar, dass das so viel Angst macht. Ich verstehe.

Krankheit → Strukturverlust außen → keine Struktur innen → Angst/Haltlosigkeit

Und die Struktur die ich mir ausgedacht habe, setzt ja genau an den Themen an, die bei Krankheit zusätzlich beeinträchtig oder verhindert werden, wie Schmerzen, Ordnung, Ernährung. Wo ich dadurch auch wieder näher an getriggerte Gefühle von Verzweiflung und Ohnmacht komme.

Hach, ist das alles kompliziert.

Hinzu kommt das Thema der Isolation. Das sollte ich mal mit bei meiner Basis beachten und versuchen sicher zu stellen, wenn es zum Bedarf kommt. Ich kann gut einige Tage alleine sein und nur oberflächliche Begegnungen haben. Doch in Situationen wie jetzt, im unfreiwilligen auf mich zurückgeworfen sein, wird es schwer aushaltbar, ja richtig bedrohlich, das niemand da ist. Deshalb fühlt es sich sehr wichtig an, heute zu einer Gruppe zu gehen, die ich sonst eher selten aufsuche.

Ach, und mir wird klar, dass ich meine Selbstfürsorge an Erwartungen geknüpft habe. Wenn ich das und das mache, dann muss es ja morgen besser oder weg sein. Blöd und enttäuschend, wenn es dann nicht so ist.

Als Idee kommt mir noch, mir vielleicht für Krankheit eine eigene Struktur zu überlegen. Z.B. morgens mit baden zu starten. Das hat die Tage immer gut getan, nach verkrampfter, verschwitzter Nacht.

Ich glaube, dass hier hat jetzt echt etwas Entlastung gebracht.

Kreative Freiheit entdecken

Ich habe heute Nacht geträumt ein Pferd mit Tusche zu malen.

Ich habe tatsächlich als Kind und Jugendliche öfter Pferde als Motiv gehabt. Hmmm… ich glaube es war das einzige Motiv. Ach ne, da gab es auch Schwäne und Wale fällt mir gerade ein. Hach, jetzt würde ich das gerne mal heraus kramen, aber dann schweife ich ab.

Das Zeichnen und Malen ist kein Bestandteil meines Lebens. Es hat mich eher in der Vergangenheit für kurze Phasen überrascht. Ist jetzt länger als ein Jahr her.

Gerade in den letzten zwei Wochen landete ich wieder vor dem Thema, was mache ich eigentlich, wenn ich mich entspannen möchte, ohne dabei einfach nur still zu liegen oder zu sitzen oder einen Tee zu trinken. Bei meinen Alltag-Skills war der kreative Bereich nicht gefüllt. Mir fehlt da was, was nicht mit Denken und mit meinen Kopf beanspruchen zu tun hat.

Dieses Wochenende ist es wieder so schön ruhig. Lange ist es her, dass ich solche Wechsel von Anstrengung in der Woche und Entspannung am Wochenende hatte. Eine Auswirkung meiner Arbeit mit dem Planboard (neben vielen anderen 🙂 ).

In diese Ruhe hinein, nach dem kurzen Schläfchen nach dem Frühstück, kommt mein Traum wieder und der Impuls ein Pferd zu zeichnen. Aus dem Kopf zeichnen kann ich nicht, aber ich war schon immer gut im Abzeichnen.

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Ich weiß noch nicht so richtig was ich damit anfangen kann. Ich spüre Lust diese Tiere zu malen. Pferde sind so ausdrucksstarke, kraftvolle, dynamische, freie und soziale Wesen. Ich träume immer wieder mal von ihnen, habe eine Traumentwicklung mit ihnen durch. Sie zeigen mir meine Beziehung zu meinen Gefühlen auf und meinen Umgang, meine Sicherheit mit meiner emotionalen Kraft. Zu Beginn dieser Träume lag ich entweder am Boden und wurde getreten oder stand daneben und wurde gebissen. In den letzten Träumen mit Pferden bin ich auch schon mal darauf geritten, im Einklang und in Verbundenheit. Hach ja, wie schön. ❤

Aber das Zeichnen bringt mich immer wieder mit etwas in Kontakt, was ich anstrengend finde. Ich werde verkrampft. Das grobe Entwerfen geht fix. Aber sobald es an die Details geht, strengt es mich an. Dieses genau Schauen, Prüfen, Korrigieren, der Anspruch es eins zu eins haben zu wollen, mit jedem Detail.

Ich kann es aber bisher einfach gar nicht anders. Vielleicht ist da etwas zu lernen, wie mit dem Planboard. Eine flexible Struktur. Ein fester Rahmen, innerhalb es dann freier, beweglicher werden kann.

Vielleicht suche ich mir erst einmal ein Motiv, welches ich grob mit Bleistift festhalte, ohne Details und gehe dann gleich zur Farbe und versuche nur die einfachen hell-dunkel-Kontraste aufzufangen, ohne Anspruch an Gleichheit mit dem Original.

Ohje, ob ich das aushalte? Da klagt es gleich von hinten, dass ich ja so überhaupt keine Übung und Ahnung im Zeichnen habe und am liebsten erst einmal ein Zeichenlernbuch hole. Aber ich weiß genau, dass liegt dann nur herum, weil es so keinen Spaß macht.

Ich will doch einfach nur ein Pferd zeichnen, was aussieht wie ein Pferd in meiner Vorstellung. Dieser Anspruch ist wahrscheinlich zu hoch.

Jetzt habe ich doch noch was Altes rausgekramt. 🙂

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Spannend! Da war ich 19, hatte keine Ahnung von mir selbst und litt unter der Zerstörung des Planeten.

Das andere hat kein Datum, gefällt mir aber auch heute noch sehr. Ich schätze da war ich so Anfang zwanzig.

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